r^'^^' Ir'^f,:! % ALF - / ^ .V ■ ^■■^^m'^M:. : ; THE UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY 580.5 05 V.63 Ca CNI es A The person charging this material is re- sponsible for its return to the library from which it was withdrawn on or before the Lotest Date stamped below. Theft, mutilation, and underlining of books are reasons for disciplinary action and may result in dismissal from the Universify. To renew call Telephone Center, 333-8400 UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY AT URBANA-CHAMPAIGN m BWld L161— O-1096 ÖSTERREICHISCHE BOTANISCHE ZEITSCHRIFT HERAUSGEGEBEN UND REDIGIERT VON DR- RICHARD R. v. WETTSTEIN PROFESSOR AN DER K. K. UNIVERSITÄT IN WIEN UNTER MITWIRKUNG VON DR- ERWIN JANCHEN PRiVATDOZENT AN DER K. K. UNIVERSITÄT Ifj WIEN LXIII. JAHRGANG MIT 59 TEXTABBILDUNGEN (139 EINZELFIGUREN}, 4 GRAPHISCHEN SKIZZEN UND 8 TAFELN WIEN VERLAG VON CARL GEROLD'S SOHN, Ill/a, GÄRTNERGASSE 4 1913 V.UZ ÖSTERREICHISCHE BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. LXIII. Jahrgang, Nr. 1. Wien, Jänner 1913. Die Algengattung Radiofilufn Scliinidle und ihre systematische Stellung. Von Josef Brunnthaler (Wien). (Mit 3 Textfiguren.) Die Gattung RadiofUnm wurde im Jahre 1894 von W. Seh midie aufgestellt und eine Art, B. conjimctivum, aus den Torfstichen von Virnheim in Hessen beschrieben. Die Alge ist ausgezeichnet durch ihre Gallertbülle, welche eine radiäre Struktur besitzt, ähnlich der Gallerte der Desraidiaceen. Die Zellen sind rundlich oder eiförmig, entfernt oder etwas genähert, mit einer schwer sichtbaren Brücke zwischen den einzelnen Zellen. Sie besitzen 1—2 Pyrenoide und 1 Kern. Als Verraehrungsweise gibt Schmidle außer Zellteilung auch Zoogonidien an, ohne jedoch Maße oder eine Zeichnung derselben zu geben. Die systematische Stellung der Alge geht aus der Arbeit Seh midi es nicht hervor, da eine genauere Ein- teilung der von ihm aufgefundenen Formen fehlt. Radioßliim conjimc- tivum wird nach Tetracoccus und vor den Desmidiaceen aufgeführt. Iwanow fand die Alge im Jahre 1898 im Gouvernement Moskau auf und führt sie bei den Ulotrichaceen an. W. und G. S. West besehrieben im Jahre 1895 aus Amerika (ohne nähere Standortsangabe) eine zweite Art von Radioßluni unter dem Namen : Radiofilum apictdatum. Sie sollte sich von R. conjimctivum durch die kleineren, etwa rhombischen, an den Enden zugespitzten Zellen unterscheiden. Ferner durch lange, bewegliche Fäden, während R. conjunctivnm kurze, zer- brechliche Fäden besitzt ; die Zellen sind weniger entfernt voneinander, meist zu zweien genähert, die zugespitzten Enden der Zellen häufig gegeneinander gerichtet. Die radiäre Struktur der Gallerte konnte bestätigt werden. Die Maße der Zellen betragen: 4—4*4 ^ lang, 4*6— 5-6 ft breit. Bohl in konstatierte 1897 Radiofilum apicidatum für Paraguay und gab eine gute Abbildung derselben. Seine Maßangaben: Zellen 4 — 4'5ft lang, 6 ^ breit, Gallerte zirka viermal so breit, difi"erieren nur wenig von denjenigen Wests. Schmidle hat im Jahre 1900 die beiden Arten: R. apiculatum und conjimctivum für identisch erklärt. Er konnte im Material von Österr. botan. Zeitschrift. Heft 1. 1913. 1 512015 Virnheim konstatieren, daß sich in demselben Fadeu Zellen finden, wie West und Bohlin für E. apicidatum angaben, neben solchen, wie seine Art: R. conjunctivum besitzt. Neuerdings wurde Fi. conjunctivum von G. S. West auch in Australien nachgewiesen; er gibt gleichzeitig eine richtigere Beschrei- bung der Alge, worauf noch später hingewiesen sei. Inzwischen beschrieb derselbe Autor (G. S. West, 1899) eine weitere Art als Radiofilum flavescens. Sie stammt von Cambridgeshire in England. Die Gallerthülle ist stark entwickelt, besitzt radiale Struktur, die Zellen haben ein parietales Chromatophor mit einem Pyrenoid ; der von dem Chromatophor nicht eingenommene Raum in der Zelle ist mit einer gelben Flüssigkeit und einer Anzahl Granula erfüllt. Die Fäden sind länger als von B. conjunctivum, die Zellen größer und rundlich, nicht zugespitzt. Maße der Zellen: 5'5 — 8*5 ;* lang, 7*5 — 10*5 ft breit. West stellt Ptadiofdum zu den ülotrichaceen neben Hormiscia. Chodat gibt in den „Algues vertes de la Suisse" eine von den bisherigen abweichende, aber genauere Zeichnung und weist speziell auf die Zweischaligkeit der Zellen, ähnlich den Zellen der Desmidiaceen hin. Er zieht Rad. apicidatum ebenfalls zu Rad. conjunctivum. Als Verraehrungsmodus wird nur interkalare Teilung angegeben. Von den Zoogonidien Seh midi es wird keine Erwähnung getan, Chodat ist der erste, welcher auf die wahrscheinliche Zusammengehörigkeit mit den als Hormos]3ora irregularis und transversalis beschriebenen Formen hinweist. Die Stellung von Radiofdum ist bei Chodat ebenfalls bei den ülotrichaceen, und zwar zwischen Hormospora und Uronema. Über die bisherige systematische Stellung von Radioßlum sei nur mehr auf Migula und Wille hingewiesen. Migula (p. 734) bringt sie bei den ülotrichaceen zwischen Mesogeron und Hormospora unter und bildet sie auf Taf. XXXVI C, Fig. 8—9 ab. Wille dagegen in den Nachträgen zu Engler-Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, bringt Radiofdum als Sektion II zu Geminella, zu welcher er auch Hormospora zieht, und gibt zwei Arten: G. conjunctiva und G. flavescens an. Geminella hat ihre systematische Stellung zwischen Stichococcus und Binuclearia bei den Ülotrichaceen. Von Formen, welche mit Radiofilum in Beziehungen zu stehen scheinen, kommen die folgenden in Betracht: Wille beschrieb 1880 aus den Torfmooren von Rodnaes in Norwegen eine ülothrix (Hormospora) irregularis, welche unbedingt zu Radiofdum zu rechnen ist. Dieselbe Form wurde von Schröder in den Versuchsteichen des schlesischen Fischereivereines zu Trachen- berg wieder aufgefunden und abgebildet. Die beiden Abbildungen, jene Wille s und diejenige Schröders, gleichen sich beim ersten Anblicke sehr wenig, stellen aber jedenfalls dieselbe Art dar. Schröder hat stark schematisiert. Will es Abbildung ist später in Migulas Algenbearbeitung übergegangen. Eine zweite Art von Hormospora, welche zu Radiofilum gehört, ist die von Möbius aus Australien publizierte Hormospora transversalis Breb. var. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß es dieselbe Spezies ist, wenn auch die Größenverhältnisse etwas differieren. Die Maße sind folgende: Hormospora irregularis Wille Hormospora transversalis Breb. var. Scheide: 30 ft breit Scheide: 20—25^ breit Zellen: 4— 6 ;u, lang Zelle: 8^ lang- 12 — 15 (.1 breit 11 ft breit Möbius hat mit konserviertem Material (Alkohol?) gearbeitet, wodurch allein schon Differenzen in den Maßangaben erklärlich werden. Möbius spricht die Ansicht aus, die ihm vorliegende Art sei zu den Tetrasporuceae zu stellen. Bohlin dagegen will diese Form als Varietät von liadiofilum apiculatitm aufgefaßt wissen, gibt aber zu, daß Radioßlum mit Hormosp)bra nahe verwandt ist. Er verweist dies- bezüglich auf Hormospora mufahllis var. minor Hansgirg. Ich kann dem nicht zustimmen. Schon die Untersuchungen Cienkowskys haben die verschiedenen Entwicklungsformen von Ulothrix und Hormospora gezeigt. Es sind aus unserer Untersuchung ganz auszuschalten: Hormo- spora mucosa, H mutabilis Naeg. und var. minor Hansgirff sowie H. transversalis Breb., H. ramosa, H. grandis Hansgirg und H. dubia Schmidle: ob die var. j^fdenodictyonemea Hansgirg zu H. irregularis Wille g'ehört ist mir ebenfalls zweifelhaft. Im Herbste 1910 sammelte Herr stud. phil. Ernst Kratzmann in den an der niederösterreichisch-steirischen Grenze bei Mitterbach nächst Mariazell gelegenen Torfstichen zahlreiche Algenproben mit Des- midiaceen, zwischen welchen sich auch liadiofilum fand. Die Proben wurden mit dem für Algen ganz vorzügliche Resultate liefernden Pfeifferschen Gemische fixiert. Die Gallerte sowohl, wie der Zellinhalt ist sehr gut konserviert. Es handelt sich in unserem Falle zweifellos um jene Form, welche Möbius als Varietät mit? zu Hormospora transversalis gestellt hat, welche gerade Fäden und keine Schleifen, Maschen oder ähnliche Bil- dungen zeigt. Es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß die von W i IIb als Hormospora irregidaris aufgestellte Alge, welche von Schröder in Schlesien und von Hansgirg in Böhmen wiedergefunden wurde, ebenfalls mit ihr identisch ist. Ich ziehe diese beiden Formen zu Radio- filum als M. irreguläre (Wille) n. comb. Mit Hormospora transversalis Breb. hat die Form nichts zu tun. Bereits Hansgirg hat gezeigt, daß unter Hormospora ganz Verschiedenes vereinigt wurde (vgl. in seiner zitierten Arbeit das Kapitel V. D.: Über die Gattung Hormospora Breb., p. 135). Es ist mir eine angenehme Pflicht, Herrn ßealschuldirektor W. Schmidle in Konstanz für Überlassung von Originalraaterial seines Eadioßlum conjunctivuni bestens zu danken. Ich war dadurch in die Möglichkeit versetzt, den Vergleich der mir vorliegenden Alge mit der typischen Form, insbesondere in Hinsicht auf die Morphologie, durchzuführen. Die letztere und, damit in Verbindung stehend, die systematische Stellung von Eadivfilum sind noch nicht ganz geklärt. Alle Beobachter stimmen darin überein, daß Eadioßlum eine Gallerte mit radiärer Struktur besitzt, was sonst meist nur bei Desmidiaceen vor- kommt. Untersucht wurde die Gallerte von üadioßlutn conjundivum nur von Schröder (1902), der die bereits von Schraidle angegebene radiäre Struktur der Gallerte bestätigte und noch hinzufügte, daß er au jeder Zelle zwei Strahlenkränze autfinden konnte, welche in spitzem Winkel zur Längsachse des Fadens aufsaßen und nicht bis zur Peri- pherie der Gallerte gingen, sondern bereits früher aufhörten. Im Gegen- satze zu den meisten Beobachtern gibt Schröder für Ulothrix mucosa ebenfalls eine fibrilläre Struktur der Gallerthüile an, während andere Beobachter, z. B. Lagerheim, eine lamellöse Beschaffenheit annehmen. Bevor jedoch auf die Organisation der Gallerte eino:egangen sei, dürfte es angezeigt sein, die Zelle von Badiofilutn zu besprechen. Bereits Chodat hat hervorgehoben, daß die Zellmembran aus zwei Hälften besteht, was auch von G. S. West in seiner neuesten Arbeit angeführt wird. Wir finden diese Art des Zellbaues bei den Desmidiaceen. Es ist manchmal nicht leicht, sich von der Zweischalig- keit der Zelle zu überzeugen, weil die Gallerte schwer löslich ist, be- sonders diejenige von Fäden, welche in Pfeifferschen Gemisch fixiert © d ® d € ® (D d I) ® CD dD (D €) ae ed de ec ce ed de eb bf ed de cc ce ed de ea Fig. 1. Schema der Zellteilung bei regelmäßigem Verlauf. wurden, widerstehen selbst schwächerer Natronlauge; lediglich Ohrom- säure bewirkt Lösung. Es gelingt jedoch in beiden Fällen durch Quetschung die beiden Zellhälften zu lockern und besonders bei jüngeren Zellen auch auseinander zu sprengen. Wille bildet Zellen ab, welche er für Teilungsstadien zu halten geneigt ist, von welchen aber nur einige als solche aufzufassen sind. Auch Schröders Abbildung (1897) spricht für die Zweisehaligkeit der Zellen. In Fig. 3 b sind Teilungsstadien reproduziert, welche noch die Eeste der beiden Zellhälften an den Enden aufweisen. Die mir vor- liegende Art zeigt in den Zellen große Übereinstimmung mit Willes und Möbius' Formen. Die zugespitzten Enden zeigen bei starker Ver- größerung und vorherigem Einwirken von Chromsäure oder Natron- lauge eine größere und eine kleinere Hälfte, welche wie bei den Desmidiaceen ineinander gepaßt sind. Über die Zellteilung sagt G. S. West, sie scheine in der Art der einfachen Typen der Des- midiaceen, wie Penium, durch Interpolation von zwei neuen Zellhälften zwischen die alten, zu erfolgen; er zieht aber daraus keine Schlüsse über die systematische Stellung der Al^e. Das nachfolgende Schema zeigt die Art der Zellteilung bei regelmäßigem Verlauf. (Fig. 1.) Das Ohroraatophor von Jladiofilum ist parietal, besitzt 1 — 2 Pyrenoide und einen Zellkern. über die allgemeine Beschaffenheit der Gallerte macht Möbius sehr gute Angaben und gibt Bilder, welche mit der niederösterreichischen AJge bestens übereinstimmen. Bei Anwendung von Färbemitteln für die Gallerthülle treten bald hellere und dunklere bandförmige Segmente auf, welche je eine Anzahl von Zellen einschließen. Im ersten Augenblicke regellos erscheinend, zeigt sich alsbald, daß es verschieden alte Zellen sind, deren Gallerte den Farbstoff mit verschiedener Intensität speichern, und es ist nicht schwer, die Altersbestimmung durchzuführen. Die Gallerte zeigt ein Bild übereinstimmend mit jenem, welches Lütkemüller für die Zuwachszouen der Zellmembran bei Closterium und Penium festgestellt hat. Nur sind es hier ganze Zellen, resp. mehrere gleichalterige Zellhälften, welche in der gleicbgefärbten Gallertpartie liegen. Die von den verschiedenen Autoren angegebene Anordnung der Zellen, bald näher, bald entfernter, steht damit in Zusammenhang. Nur selten wird es vor«- kommen, daß sich vollkommen gleich- mäßig aneinander- gereihte oder durch bestimmte Zwi- schenräume ge- trennte Zellver- bäude vorfinden. Es gilt dies in erster Linie von B. irreguläre; am regelmäßigsten sehemt sich E. tla- ri. „ ^ n ^ -r, j- n , I ' Fiff. 2. Gallertzonen von Raaio/dum coniunc- .,««^P«« 7,1 Prhalfpn e^.^,^^ ^^^ Färbung mit Bismarckbraun. Fig. 3. Gallert- Strahlenkranz nach Auflösung der übrigen Gal- lerte durch Natronlauge. vescens zu erhalten. Löst man mit geeigneten Mitteln die Gallerte langsam auf, so verschwindet zuerst eine äußere, weniger dichte Schicht, jener Teil, in welchen sich wie schon Schröder (19o2) angibt, die Eadialstrahlen nicht hinein erstrecken. Diese äußere Schicht zeigt bei vorsichtiger Färbung mit Bismarckbraun deutlich Längsstreifung. Dann tritt eine Sonderung der Gallerte in ebensoviele Teile oder kurze Zylinderstücke auf, als Zellen vorhanden sind. Jede Zelle hat ihre eigene Gallerte, wie dies ja auch für andere fadenförmige Algen bekannt ist; es wird jedoch auch ein Gallertband sichtbar, welches die einzelnen Zellen miteinander verbindet und den Gallertbändern von Hyalotheca dissüiens sehr ähnelt; Lütkemüller stellt diese Verhältnisse in seiner bereits erwähnten Arbeit in Fig. 29 auf Tafel 18 dar. Im Gegensatz zu den vorstehenden Ausführungen steht die Angabe G. S. Wests in seiner letzten Arbeit, wonach die Zellverbindungen nicht gallertig seien, sondern polare Zellverdickungen darstellen. Ich konnte solche Zellverdickungen nie nachweisen, stets jedoch die Gallerte. Den besten Einblick in die Struktur der Gallerte gewinnt man durch Färbung mit sehr verdünnter, wässeriger Bismarckbraunlösung und nachherigem Aufhellen mit Kalium- acetat (Fig. 2). Zuerst tritt um die einzelnen Zellen eine dünne Schicht scheinbar homogener Gallerte auf, welche mit einem Hof von, nacü allen Seiten radial angeordneten, Gallertprismen umgeben ist. Außerdem treten die Strahlenkränze deutlich hervor; sie liegen nicht polar, sondern mehr gegen die Mitte der Zellhälften und sind nicht so regelmäßig, wie dies in der Zeichnung Schröders (1902) dargestellt ist. (Fig. 3.) Sie bestehen aus sehr dichter und schwer löslicher Gallerte. Die radial gelagerten Gallertprismen sind zwischen den beiden Strahlenkränzen am stärksten entwickelt. Löst man die übrige Gallerte mit Kali- oder Natron- lauge langsam auf, so bleiben die Gallertstrahlen erhalten. Bei dem Mangel an frischem Material konnte die Frage, ob Poren vorhanden sind oder nicht, weder bejaht noch verneint werden. Am fixierten Material ließen sich durch keine der üblichen Mittel Poren oder Poren- organe nachweisen. Radiofilum wurde bisher meist zu den Ulotrichaceen gestellt; es wurde auch die Ansicht geäußert, daß es eine Tetrasporacee ist. Alle Merkmale sprechen jedoch dafür, daß wir es mit einer Desmidiacee zu tun haben, ähnlich wie Oocardium, mit welchem liadiofilum gewisse Ähnlichkeit hat, dessen Zugehörigkeit zu den DesmidJaceen durch Senn nachgewiesen wurde. Die Zweischaligkeit der Membran, der Teilungs- raodus. der Bau der Gallerthüile finden sich in ähnlicher Ausbildung nur bei einer Desmidiacee, nicht zu vergessen das Vorkommen mit und zwischen Desraidiaceen. Einzureihen ist Badiofilum in die Subfamilie der Flacodermeae^ am besten in die Nähe von Desmidium. Die Einwände, welche gegen die Stellung von Radiofilum gemacht werden könnten, sind in Kürze folgende : Schmidle gibt „Zoogon ien" für sein üarfio^/wm an, bildet jedoch dieselben weder ab, noch gib ör Maße an. Kein anderer Beobachter sagt irgend etwas darüber, so daß die Vermutung nahe liegt, daß ent- weder ein Beobachtungsfehler vorliegt oder aus den vermeintlichen ver- wandschaftlichen Beziehungen die Vermehrungsweise geschlossen wurde. Die von mehreren Autoren behauptete Zellteilung, längs und quer wodurch die Zellen in zwei Richtungen des Raumes im Faden zu lies:en kommen, ist leicht dadurch zu erklären, daß selbst nach leichten Ver- letzungen des Fadens, z. B. Abknicken desselben oder durch eine Quetschung, die Zellreihe nicht mehr in gerader Richtung verläuft, sondern häufig Lageveränderung einiger Zellen zur Folge hat. Rasch aufeinander folgende Teilungen dürften ebenfalls häufig solche Ver- lagerungen und insbesonders die Bildung von ringförmigen unregelmäßigen Gebilden, wie sie bei R. irregularis vorkommen, zur Folge haben. Die Gattung Radioßlnm hat nach den vorstehenden Ausführungen drei Arten, welche mit den dazugehörigen Synonymen und Abbildungen hier aufgeführt seien. Madiofilutn conjunctivuni Schmidle, in Flora, 78., 1894. p. 47, Taf. Vm, Fig. 4 und 5. Synonyme: R. apiculatum W . West und G. S. West in Journ. of Bot., 33., 1895, p. 52. Geminella conjnnctiva (Schmidle) Wille in Engler-Prantl, Natürl. Pflanzenfam., Nachträge 1909, p. 72. Abbildungen: Schmidle, 1. c. Bohl in, Bih. Sv. Vet.-Akad. Handl., 23., 1897, IIL Abt., Tab. I, Fig. 6-8. Chodat, Algues vertes de la Saisse, p. 271, fig. 189. Migula, Kryptogamenflora von Deutschland etc., II., Aigen, 1, 1897, Taf. XXXVI, C, Fig. 8—9. Schröder, Verh. Naturhist.-mediz. Ver. Heidelberg, N. F., VII., Taf. VI, Fig. 3. G. S.West, Journ. Linn. Soe. Bot., XXXIX.. pl. VI. Fig. 1—3. Vorkommen: Deutschland: Torfstiche von Virnheim (Seh midie); Kußland: Gouvern. Moskau (Iwan ow); Amerika, ohne nähere Standorts- angabe (West); Paraguay (ßohlinj; Australien: Yan Yean Reservoir (West). Madiofllurti flavescens Gr. S. West, in Journ. of Bot., 37., 1899, p. 57, pl. 394, Fig. 10—11. Synonym: Geminella flavescens (West) Wille in Engler-Prantl, Natürl. PÜanzenfara., Nachträge 1909, p. 72. Vorkommen: England: Oamhridoeshire (West). Madiofilum irreguläre (Wille) Briinnthaler. Synonyme: ülotJirix {l£ormo:^pora) irregidaris Wille in Forh. Vid,- Selsk. Christiana, 1880, Nr. 11, p. 63, Taf. II, Fig. 41—42. Hormospora transversalis Breb. var.? Mob ins in Abh. Senckenb. Naturf. Ges., XVIII., 1894, Taf. I, Fig. 22—25. Abbildungen: Wille, 1. c. Möbius. 1. c. Schröder, Forschungsber. Plön, V., 1897, Taf. II, Fig. 3 a— b. Migula, Kryptogamenflora von Deutschland etc., IL, Algen, Taf. XXXVI, 0, Fig. 2. Vorkommen: Deutschland, Schlesien: Trachenberg (Schröder); Österreich: Mitterbach (Kr atz mann); Böhmen (Hansgirg); Nor- wegen: Eodnaes (Wille); Australien (Möbius). Literatur. K. Bohliii, Die Algen der ersten Regnelischen Expedition. I. Protococcoideen. (Bih. Sv. Vet.-Akad. Handl., 23., III. Abt., Nr. 7, 1897). R. Chodat, Algues vertes de la Suisse. Berne, 1902. A. Hansgirg, Physiologische und algologische Studien. Prag, 1887. L. Iwanow, Beiträge zur Kenntnis der Algenüora (exkl. Diatomaceae) des Moskauer Gouvernements. (Bull. Soc. natur. Moscou, N. F., 12., 1898, p. 350, russ.). J. Lütkemüller, Die Zellmembran der Desmidiaceen. (Beiträge z. Biol. d. Pflanzen, VIII., 1902, p. 347. W. Migula, Kryptogamenflora von Deutschland, Deutsch-Österreich und der Schweiz. Band II, Algen, 1. Teil, Gera, 1907. W. Möbius, Australische Süßwasseralgen, II. (Abh. Senckenberg. Naturf. Ges., XVIII., 1894). W. Seh midie, Aus der Chlorophyceenflora der Torfstiche zu Virnheim. (Flora, 78., 1894, p. 42.) W. Schmidle, Algologische Notizen, XV. (Allg. botan. Ztschr., 1900, p. 234). B. Schröder, Die Algenflora der Versuchsteiche des schlesischen Fischerei- vereines zu Trachenberg. (Forschungsber. Plön, V., 1897, p. 29.) B. Schröder, Untersuchungen über Gallertbildungen der Algen. (Verh. Natur- hist.-med. Verein Heidelberg, N. F., VII., p. 139.) G. S. West, The Alga Flora of Cambridgeshire. (Journ. of Bot., 37., 1899, p. 57.) G. S. West, The Algae of the Yan Yean Reservoir, Victoria: a biological and ecological study. (Journ. Linn. Soc. Bot., XXXIX., p. 1 ) W. West und G. S. West, New American Algae. (Journ. of Bot., 33., 1895, p. 52.) N. Wille, Bidrag til kundskaben om Norges Ferskvandsalger. I. Smaalenenes Chlorophyllophyceer. (Porh. Vid.-Selsk. Christiana, 1880, Nr. 11 ) N. Wille in Engler und Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, Nachträge zu Teil I, 2. Abt., 1909, p. 71. Über das Vorkommen spindelförmiger Eiweißkörper bei Opuntia. Von stud. phil. Josef Gicklhorn, Assistent am pflanzenphysiologischen Institut der Wiener Universität. Aus dem pflanzenphysiologischen Institut der Wiener Universität, Nr. 49 der 2. Folge . (Mit 2 Textfiguren.) Über das Auftreten von geformten Eiweißkörpern in pflanzliehen Zeilen liegt in der Literatur eine große Zahl von Angaben vor^). Nach Ausbildung geeigneter Fixierungs- und Färberaethoden ^) konnte die weite Verbreitung von Proteinkristalloiden bei Algen, Pilzen und in den ver- schiedenen Organen der Samenpflanzen festgestellt werden, wobei die manniglachsten Formen — Würfel, Oktaeder, dünne Blättchen, nadei- förmige oder kugelige Bildungen innerhalb des Kernes, der Chromato- phoren, im Plasma oder auch Zellsaft sich vorfinden. Während es sich aber in allen diesen Angaben um Proteinkörper einer mehr oder minder deutlich ausgeprägten Kristallgestalt handelt, sind auch Beispiele bekannt geworden, wo spindel-, ring-, faden- oder peitschenartige Formen ausgebildet sind. Die erste diesbezügliche Angabe stammt von Molisch^), der solche Formen in der Epidermis und den angrenzenden Zellschichten in den Laubsprossen verschiedener Epiphylliim- Arten vorfand und auf Grund mikrochemischer Untersuchungen die Eiweißnatur dieser Inhaltskörper darlegen konnte. Seither sind nur wenige weitere Beispiele bekannt geworden; ins- gesamt sind folgende Fälle beschrieben*): Monokotyledonen. In der Familie der Ämaryllidaceae bei Tecophylaea cyanocrocus ^) ; *) Diesbezügliche Literaturangaben hat Giuseppe Amadei in seiner Abhandlung „Über spindelförmige Eiweißkörper in der Familie der Balsamineen", Bot. Zentralbl., LXXIII. Bd., 1898, pag. 1, ferner Ad. Sperlich, „Die Zellkernkristalloide von Aleclorulophus^\ Beihefte zum Bot. Zentralbl,, XXI, 1906, zusammengestellt. 2) Zimmermann: Botanische Mikrotechnik, Tübingen, 1892. 3) Molisch H. : Über merkwürdig geformte Proteinkörper in den Zweigen von Epiphyllum. Berichte d. D. bot. Gesellschaft, Bd. III, 1885. *) Amadei, 1. c, pag. 39. 5) Wakker J. H.: Ein neuer Inhaltskörper der Pflanzenzelle. Jahrb. f. wissen - schaftl. Bot., Bd. XXIII, 1892. Wakker, der Molischs Arbeit unberücksichtigt gelassen, war der Meinung, einen neuen Inhaltskörper entdeckt zu haben, den er „Rhabdoid" nannte. Es handelt sich aber nur um die Angabe über ein neues Vorkommen bei der genannten Teco- phylaea cyanocrocus. Siehe Moli seh: Bemerkung zu Wakkers Arbeit Ein neuer Inhaltskörper der Pflanzenzelle. Ber. d. D. bot. Gesellsch., Bd. IX, 1891. in der Familie der Iridaceae bei Sisyrinchium Bermudiana^); in der Familie der Orchidaceae bei Oncidium microchilum und Vanda furva^). Dikotyledone n. In der Familie der Eiiphorhiaceae bei EupJiorbia trigona und E. splendens^); in der Familie der Balsaminaceae bei einigen Itnpatiena- Arten*); in der Familie der Cactaceae bei Epiphyllum- Arten ^) und Opimtia virens^). Außerdem hat Heinricher^) in den Rhizomen von Ncpenthes melamphora Eiweli^ST^'mdeln beobachtet, und Mi kose h**) berichtet über ihr Auftreten in den Laubblättern der Peires/c • j ir-u i (jlied von Opuntia monacantha mit enthalt, oft nur 10— oO spnidelfuhrende orientierten Proteinspindeln.Vergr.lSO. Zellen. Untersucht wurden folgende, den verschiedensten Sektionen an- gehörige Arten : 1. Opuntia missouriensis, 2. „ monacantha, 3. „ canancJnca, 4. „ ßlipendula, 5. „ Engelmannii, 6. „ Maffinesquii, 7. „ vulgaris, 8. „ microdasys, Dabei sind die unter Nummer 2, geführten Arten besonders reich an den genannten Proteinspindeln. Was den Bau und die Form dieser Inhaltskörper bei den Opuntien (vgl. Fig. 2) betrifft, so überwiegen ganz bedeutend aus- gesprochene Spindelformen entweder schmale, langgestreckte oder dicke und dabei stumpfe Gestalten, die Spindeln oft halbmondförmig gekrümmt. Spärlicher sind schon peitschenartige Bildungen oder Fäden; Ringe, wie sie bei Epiphylliim vorkommen und wie Molisch sie beschreibt 9. Opuntia cylindrica, 10. „ grandis, 11. „ haeniatocarpa, 12. „ rohusta, 13. „ spiroce)dra, 14. „ fragilis, 15. „ maxima. 5, 7, 8, 10, 11, 12, 15 an- -) Vgl. S. 18. 12 Fig. 2. Einzelne Formen von Protein- spindeln. Vergr. 230. und abbildet, konnte ich bei meinen Untersuchungsobjekten nie beobachten. Was den Bau der einzelnen Spindel betrifft, gilt das gleiche wie es für andere Fälle beschrieben wurde: Die Spindel ist entweder homogpn oder weist eine deutliche fibrilläre Struktur auf, welche namentlich dann, wenn man durch einen leichten Druck auf das Deck- glas die Zellen quetscht, hervortritt. Man bemerkt dann oft Fäden, wo das eine Ende wie aufgefranst aussieht, oder die ganze Spindel in einzelne Fäden zerfällt. Unter gekreuzten Nikols tritt bei manchen Spindeln schwaches Aufleuchten ein, das zum Teil auf die Struktur, zum Teil auf Spannungsunterschiede innerhalb der Spindel zurückzuführen sein dürfte. Für letzteren Punkt spricht auch das Vorkommen von Spindeln, die wie tor- diert aussehen. Über Verhalten der Spindeln che- mischen Reagentien gegenüber möge nur folgendes hervorgehoben sein: 1. Alle als mikrochemisch ange- gebenen Eiweißreaktionen, mit der entsprechenden Vorsicht durchgeführt, liefern positive Resultate. 2. HCl, HoSO,, CH3, COOK, HNO3 lösen die Spindeln allmählich auf, HCl verhältnismäßig; leicht, die übrigen angegebenen Säuren in abnehmender Stärke, HNO. bewirkt zwar eine Formveränderung, löst aber erst nach sehr langer Dauer der Einwirkung (tagelang) die Spindeln. 3. In H, erfolgt nach langem Liegen eine Deformierung, die Spindeln ballen sich zu Kugeln zusammen; bei Anwendung von heißem Wasser tritt außerdem eine Änderung in den Löslichkeitsverhältnissen ein, indem sie gegen die Einwirkung von Säuren oder Alkalien viel resistenter werden. 4. Zusatz von KOH, NH3 in konzentrierter oder verdünnter Form bewirkt ein augenblickliches, starkes Aufquellen, ohne daß eine sofortige Lösung eintritt. 5. Bei Anwendung von Alkohol bleiben die Spindeln teilweise erhalten, teilweise lösen sie sich, ein Verhalten, wie es Mikosch') für die Spindeln von Oncidium microchüum angibt. 6. In Glyzerin lösen sich die Spindeln nach einigen Tagen, nachdem sie vorher zu Kugein schrumpften und durchscheinend wurden. Dauer- präparate können daher nach der üblichen Methode nicht hergestellt werden, sondern erfordern eine besondere Vorbehandlung ^). Über die Bedeutung der Proteinspindeln für die Pflanze hat Moli seh die Vermutung ausgesprochen, daß es sich hier um Reservestoffe handeln dürfte, während Chmielewsky^) sie für Exkreie hält. Die ^) Mikosch, 1. c, pag. 36. ^) Zimmermann: Botanische Mikrotechnik. Tübingen, 1892. ^) Chmielewsky: Einige Bemerkungen über die von Molisch beschriebenen Proteinkörper in den Zweigen von Epiphyllum. Bot. Zentralbl., 1887. 13 Vermutung des ersteren dürfte wohl zu recht bestehen, denn obwohl Untersuchungen über die physiologischen Bedingungen der Entstehung und Wandlung der Proteinspindeln nicht durchgeführt sind, deuten doch viele Umstände auf eine Bestimmung als Reservestoff hin. Das oft massenhafte Auftreten in wachsenden Organen, das Fehlen von Proteinspindeln in älteren Teilen, ebenso in allerjüngsten Gewebe- partien der Organe, das Verschwinden in der Pflanze unter ungünstigen Verhältnissen, die Lokalisation innerhalb chlorophyllführender Gewebe oder das auffäUige Auftreten in der Nähe des Siebteils der Leitstränge') — sind Gründe genug, um die Meinung, daß es sich um Reserve- stoffe handelt, zu rechtfertigen. Dafür spricht auch folgende Beobachtung: Die vorliegenden Unter- suchungen wurden zu verschiedenen Zeiten im vergangenen Sommer durchgeführt und vor kurzem neuerlich kontrolliert. In den Gewächs- hauspflanzen des pflanzenphysiologischen Institutes, wo die Opuntien im Kalthaus bei niedriger Temperatur und ungünstiger Beleuchtung stehen, konnten auch in jenen Exemplaren, die früher der Untersuchung gedient hatten, keine Spindeln gefunden werden. Da die Assimilation nur sehr gering gewesen sein dürfte, neue Sprosse aber doch gebildet werden, wäre bei der Annahme, daß es sich um Reservestoffe handelt, das Fehlen der Spindeln erklärt. Als ich mir neuerdings Material aus dem botanischen Garten der Wiener Universität beschaffte, das in einem eigenen Kakteenhaus unter günstigen Bedingungen gezogen wird, konnte ich die früheren Beob- achtungen bestätigen, wenn auch bei einzelnen Arten nur außerordentlich wenige Proteinspmdeln gefunden wurden. Das Vergleichsmaterial von Opuntien, die auch jetzt noch im Frei- land stehen und überwintern, war vollständig frei von den genannten Inhaltskörpern. Über Mijpericum maeulatuni Cr. x perforatiim L. und H. Desetangsii Lamotte-). Von Dr. Anton Fröhlich (Graz). Gelegentlich meines Sommeraufenthaltes in Villachin den Jahren 1911 und 1912 suchte ich auch in Kärnten nach denjenigen Hypericum- Formen, welche ich in Mittelsteiermark so reichlich zu beobachten Gelegenheit hatte. Formen wie H. maculatiim Cr. subsp. ohtusiusculum (Tourlet) Hayek^), H. maculatiim y^ perforatiim etc. Dabei ergab es sich, daß ich einen Teil der bei Graz beobachteten Formen, namentlich die genannte Unterart von H. maculatum, trotz ^) Amadei, 1. c, pag. 41. -) Diese Abhandlung enthält Ergänzungen und Berichtigungen zu meiner Arbeit: „Der Formenkreis der Arten H. perforatiim L., H. maculatum Cr. und H. aaitum Mnch., nebst deren Zwischenformen innerhalb des Gebietes von Europa." (Sitzungsb. d. k. Akad. d. Wiss. Wien, math.-naturw. Kl., Bd. CXX, Abt. I, Mai 1911.) 3j A. V. Hayek, fl. stir. exsicc, 24. Lief., 1912, Nr. 1198; H. maculatum Cr subsp. erosxim (Schinz) Fröhlich, 1. c, p. 46 (550). 14 eifrigen Suciaens in dem von mir dnrciistreiften Gebiete^) nicht auf- finden konnte; wohl aber fand sich auch hier der von mir bei Graz beobachtete Bastard H. onacidatwn X pcrforatuni vor, und zwar sehr reichlieh ; die Deutung dieser Form als Bastard vpurde hier aber wesentlich erleichtert durch den Umstand, daß, wie erwähnt, H. mamdatum subsp. ohtusinscidum hier nicht störend eingriff wie in Steiermark. Wie in Mittelsteiermark-) wiesen auch in Kärnten die Vor- kommensverhältnisse dieses Bastardes wieder aufs klarste hin auf seine Entstehung in dem Gebiete, wo //. maculatum subsp. cu-macidatmn Sehinz und Thellung^) mit H. ijerforatum L. zusammentrifft, d. i. auf Wiesen und Holzschlägen der subalpinen und montanen Eegion (ca. 800 bis 1000 m). Daß es sich hier wirklich um Bastarde der erwähnten Art handelt, erkennen wir aus dem Verhalten der Stammeltern. Diese wachsen auf Wiesen und Holzschlägen durcheinander, die Blütezeit ist im wesentlichen die gleiche, der Insektenbesuch ein reger; der Pollen ist bei der großen Zahl von Staubblättern sehr reichlieh; ferner ist die Pollenferiilität bei den Bastarden reduziert*); auch verschwinden diese in höheren Lagen (gleichwie auch U. perforatum L.) und nur H. maculatum Cr. findet sich dann noch vor. Dieser Bastard tritt auch in Kärnten (wie in Steiermark) im wesent- lichen in 2 Formen auf, einer Form s üb- maculatum und einer Form suh- perforatum. a) Form suh-maculatum.. Nebenleisten ^) deutlich, doch schwächer ausgeprägt als bei H. maculatum Cr. ; Blätter ziemlich dicht durchscheinend-netzig, sehr spärlich hell-punktiert; Kelchzipfel relativ breit, doch ziemlich spitz, häufig grob schwarz-punktiert*^); Kronblätter mit vielen schwarzen Drüsen- punkten und Drüsenstrichen; Fruchtklappen mit ziemlich vielen, teils längeren und gerade verlaufenden, teils kürzeren, schief verlaufenden Drüsen. b) Form sub-perforatum. Nebenleisten fast bis zum Verschwinden reduziert, Blätter sehr locker durchscheinend-netzig, sehr spärlich hell-punktiert; Kelchzipfel relativ schmal, ziemlich spitz, meist stark dunkel gestrichelt-punktiert'^). Beide Formen sind vielfach auch durch Übergänge miteinander verbunden. Dieser Bastard läßt sich meist auf den ersten Blick durch die sehr spärliche Ausbildung heller Drüsen an den Blättern von H. perforatum L. unterscheiden. Ferner findet er sich — und namentlich die Form sub-perforatum desselben — auch verbreitet in der Hügel- und Talregion ^) Umgebung von Klagenfurt, Villach, Feldkirchen. 2) Vgl. Fröhlich, 1. c, p. 5:i (557). 3) = H. maculatum subsp. typicum Fröhlich, 1. c, p. 36 (540). 4) Vgl. Fröhlich, 1. c, p. 61 (565). 5) Vgl. Fröhlich 1. c, p. 7 (511). '') Namentlich bei Formen aus Kärnten. '') Im übrigen verhält sich diese Form wie a). 15 Kärntens^), besooders aufwiesen und Mooren; doch bevorzugt er h er die feuchteren Stellen gegenüber H. perforatum L. Das Vorkommen dieses Bastardes in der unteren Hügel- und Tal- region läßt sich wohl einesteils auf seine starke vegetative Vermehrung, zum anderen Teil aber gewiß auch aufsein nicht nur in morpho- logischer, sondern auch in regionaler Beziehung intermediäres Verhalten gegenüber den SV^mmehern {H.maculatum subsp. eu-maculatum ist ein alpiner Typus, //. perforatum eine Form der tieferen Eegion) zurückführen. Auch aus anderen Kronländern ") lag mir dieser Bastard in genau gleicher Gestalt vor. so aus Salzburg, Tirol, Oberösterreieh, Niederösterreich ^), Mähren^), nebstdem aber auch aus Bayern, Baden und der Schweiz. Nun habe ich aber außer solchen Formen wie die vorgenannten in meiner zitierten Arbeit auch noch andere Formen (namentlich aus Steiermark) gleichfalls unter H. maculatum X perforatum einbezogen, welchen ich aber jetzt auf Grund weiterer Beobachtungen eine andere Deutung geben möchte. Für diese Formen sind im wesentlichen folgende Merkmale charak- teristisch ; „Stengel mit meist gut ausgebildeten Nebenleisten; Blätter ziemlich dicht durchscheinend-netzig, dicht und gleichmäßig hell-punk- tiert^), Drüsenpunkte ziemlich groß; Kelchzipfel teils breit-, teils schmal-lanzettlich, meist deutlich zugespitzt ; Kronblätter mit ziemlich vielen schwarzen Drüsenpunkten und Drüsenstrichen versehen; Frucht- klappen mit ziemlich vielen, teils längeren und gerade verlaufenden, teils kürzeren, schief verlaufenden Drüsen." Habituell ist diese Form an den meist deutlich ausgebildeten Neben- leisten, den zumeist herabgesehlagenen Blättern") und an der charak- teristischen Punktierung und dunkelgrünen Oberseite der Blätter ziemlich zu leicht erkennen. Wenn wir die Pflanze mit H. maculatum subsp. ohtusiusculuni ver- gleichen, fällt uns die recht gute Übereinstimmung in der Ausbildung der Nervatur und der Nebenleisten auf. Bezüglich der Punktierung ließe sich die Pflanze mit der var. perforatum Tourlet der genannten Subspezies vergleichen ; doch fand ich bei der letzteren (in Steiermark wenigstens) die Blätter niemals auch nur annähernd so dicht hell-punktiert wie bei der in Rede stehenden ') In Steiermark ist in der Talregion meist nur der Bastard H. maculatum subsp. ohtusiusculumy^ perforatum vertreten. Vgl. Fröhlich, 1. c, p. 55 (559); Exsicc. : A. v. Hayek, Fl. stir. exsicc, 24. Lief., 1912, Nr. 1199. 2) Standorte in Kärnten: St. Martin, Ober- Fellach und Töplitsch östlich Villach; Napoleonswiese und Wiesen an der Gail bei Bad- Villach; bei Neuhaus an der Gail; Wiesen zwischen St. Ruprecht und St. Andrä nordöstl. Villach; bei Prägrad südlich Tiffen; Wiesen und Moore bei Glan und Kl.-St. Veit; an dem Südrand des Seltenheimer Moores bei Klagenfurt (ca. 450 m) ; Wiesen und Moore, südlich Klagenfurt (ca. 430 m); Wiesen bei M. Elend; Holzschläge im Bärengraben bei ßosenbach (ca. 800 m). 3) Im Helenental bei Baden. *) Auf der Westseite des Komonec (673 m) bei Bad-Luhatschowitz in Mähren. ■'') In seltenen Fällen ist hier die Punktierung auch stark reduziert, ^j Bei H. viaculatum subsp. ohtusiusculum habe ich dieses Meikmal noch niemals beobachten können, wohl aber auch bei H. macidatumy^ perforatum. 16 Form; viel größer ist in dieser Hinsicht die Übereinstimmung mit der var. punctatum von subsp. eu-maculatum. In der Blüte weicht die Pflanze von beiden Subspezies durch die relativ schmalen, meist deutlich in eine Spitze verlängerten Kelehzipfel ab; durch die meist größeren Blüten, die stärkere Ausbildung der Drüsen und das Vorv^iegen der Drüsenstriche gegenüber den Punkten an den Kronblättern steht sie aber der subsp. obtiisiuscidiim wieder näher. Die genannte Pflanze ist mir in der beschriebenen Form bekannt aus Steiermark^), Westungarn und Niederösterreich. Sie findet sich in diesen Gebieten nur auf die tiefere Hügel- und Talregion beschränkt vor; niemals konnte ich sie höher oben in dem Entstehungs- gebiete des Bastardes H. maculatiim X perforatum beobachten. In Kärnten scheint diese Form recht selten zu sein; ich habe sie hier nur ein einzigesmal und auch da nur in wenigen Exemplaren in der Umgebung des Ossiachersees beobachten können ; hingegen war das H. maculatiim X ])erforatum, wie erörtert, hier wie auch sonst in Mittel- kärnten recht häufig in seiner charakteristischen Form zu beobachten. Auch in Mähren trat mir genanntes H. maculatiim X perforatum in ganz gleicher Gestalt entgegen wie in Kärnten und Steiermark, d. i. mit nur spärlich punktierten Blättern etc. Durch diese und andere Beobachtungen sehe ich mich veranlaßt^ die in Rede stehende Form überhaupt nicht als Bastard aufzufassen, sondern als eine sebständige Form, welche nach dem Obengesagten allem Anschein nach noch mit //. maculatum subsp. ohtusinsculum am nächsten verwandt ist. Sie scheint wenigstens auch gegenüber dieser Form in gewissem Sinne zu Vikariieren, worauf namentlich der Umstand hinweist, daß die Pflanze in Mittelsteiermark gegenüber H. maculatum subsp. obtusiusculum relativ oft selbständig auftritt und auch namentlich tiefer gelegene Gebiete oft allein einnimmt. Von diesem Standpunkte muß ich auch an die Frage herantreten^ wie sich wohl diese Form zu dem von Lamotte^) beschriebenen H. Desetangsii verhält. Ich habe in meiner zitierten Arbeit ^j das H. Desetangsii Lamotte direkt zu H. maculatum y^ perforatum gezogen. Nach Lamotte hat ja das H. Desetangsii im wesentlichen folgende Merkmale: „Stengel mit vier vorspringenden Leisten, von welchen zwei nach oben hin kaum bemerkbar sind; Blätter oval-elliptisch, mit zahl- reichen, sehr feinen durchsichtigen Punkten; Nervatur relativ locker durchscheinend-netzig; Kelchzipfel schmal-lanzettlich, spitz; Fruchtklappen mit vielen Drüsenstreifen" — Merkmale, welche immerhin auch eine Wertung der Pflanze als Bastard H. maculatum X perforatum ganz gut gestatten mögen. 1) Steiermark: Aufwiesen in der Hügel- und Talregion bei Graz ver- breitet (Herb, botan. Inst. Univ. Graz, Herb, botan. Inst. Univ. Wien, ex herb, meo). Westungarn: Czäk bei Güns, Waisbeck er (Herb. bot. Mus. Univ. Zürich). Nieder Österreich: Dornbach bei Wien (Htrb. bot. Inst. Univ. Wien); Wiener- Neustadt, im Park der Militärakademie (ex herb. meo). 2) Lamotte. in Bull. soc. bot. Fr., t. 21, p. 121 (1874). 3) Fröhlich, 1. c, p. 53 (557). 17 Auch die von mir gesehenen Originalexemplare aus Frankreich') lassen zunächst recht gut eine solche Deutung zu^). Ich war daher geneigt, solche Formen direkt als Abart (f. punc- tatimi) des Bastardes H. maculatum X perforatum aufzufassen. Der Vergleich mit der vorbeschriebenen Form von Mittelsteiermark veranlaßt mich aber doch jetzt zu emer anderen Deutung dieser Befunde aus Frankreich. Beide Formen stimmen im Habitus, in der Ausbildung der Leisten am Stengel, auch in der Punktierung und Form der Blätter recht gut überein ; doch sind die Kelchzipfel bei den Formen aus Frankreich in der Eegel noch schmäler und mehr spitz; auch sind hier an den Kelch- zipfeln und Kronblättern häufig nahezu nur helle Drüsen, während bei der Pflanze Mittelsteiermarks dunkle Drüsen an den genannten Blütenteilen meist vorwiegen. Die genannten Unterschiede bewegen sich aber allem Anschein nach nur innerhalb der gewöhnlichen Variationsbreite der Formen^). Eine nicht zu unterschätzende Übereinstimmung des H. Desetangsii mit der Form Mittelsteiermarks scheint noch darin zu bestehen, daß auch jenes in Frankreich, Schweiz und Belgien gleichfalls nur auf die tieferen Gebiete beschränkt sein soll. Dies erhellt aus den Standortsangaben bei La motte*) und Bonnet^). Dahin spricht sich auch in letzter Zeit A. Thellung*^) aus. Auf Grund dieser Übereinstimmungen sehe ich mich veranlaßt, die beiden genannten Formen miteinander zu vereinigen und unter der ursprünglichen Bezeichnung von La motte, d. i. als H. Desetangsii Lamotte (=: U. Desetangsii Laraotte var. genuinum Bonnet) zusammen- zufassen. Es fragt sich nun, in welchem Verhältnis wohl unser H. Desetangsii Laraotte zu H. maculatum Cr. stehen mag. Die Beziehungen sind nach dem Obengesagten zu beiden Subspecies recht enge, besonders zu subsp. obtusiusculum ; ich war auch eine Zeitlang geneigt, speziell die Form Mittelsteierraarks direkt der var. perforatum der genannten Unterart anzugliedern ; doch sind die Kelchzipfel bei dieser Form wesentlich breiter und mehr stumpf, auch ist die Punktierung der Blätter relativ spärlicher, so daß ich einstweilen von einer solchen Vereinigung absehe. Ich finde es vielmehr auf Grund des Vorliegenden für angemessen, das H. Desetangsii dem H. maculatum Cr. als Subspezies ein- zuordnen, wie dies ja früher auch schon Tourlet^) getan hat. Auch ^) Exsicc: Baenitz, Herb, eur., Nr 7169, Villechetif (Aube). 2j Die Merkmale verhalten sich meist deutlich intermediär zwischen denen von H. maculatum und H. perforatum. 3) Ich muß aber betonen, daß in Fällen wie dieser die Beobachtung der Pflanzen in ihren natürlichen Vorkommensverhältnissen nahezu unerläßlich ist; an Herbar- exemplaren kann oft manche Ähnlichkeit von Formen überschätzt, oder es können selbst wesentliche Unterschiede leicht unterschätzt werden, wenn man nicht Gele- genheit hat, die Standortsvariation der Formen zu studieren. *) Lamotte, in Bull. soc. bot. Fr., t. 21, p 121 (1874). 5) Bonnet, in Bull., soc. bot. Fr., t. 25, p. 277 (1878). 6) A. Thellung, Über ein verkanntes Hypericum der Flora Süddeutsch- lands, in Allg. bot. Zeitschr. f. Syst. etc., Jahrgang 1912, Nr. 1/3, Separatabdr. p. 5. 7j Tourlet, in Bull. soc. bot. Fr., t. 50, p. 307, Mai 1903. österr. hotan. Zeitschrift. Heft 1. 1913. 2 18 Thellung^) weist in letzter Zeit auf die Möglichkeit dieser Deutung des n. Desetangsii hin. Mit dieser Auffassung des H. Desetangsii als Subspezies des H. maculatnm Cr. lassen sich nun auch seine Verbreitungsverbältuisse recht gut in Einklang bringen ; es bewohnt, wie oben erwähnt, nur die tiefere Hügel- und Talregion und breitet sieh allem Anschein nach auch in den Tiefebenen Mittel- und Westeuropas aus^); nach oben hin scheint es nun zunächst durch die Unterart ohtusiusculum vertreten zu werden, welche sich bezüglich ihrer Verbreitung nach meinen Erfahrungen in Mittelsteierraark so verhält, daß sie im unteren Teil noch mit H. Desetangsii zusammen vorkommt, dann aber weiter oben auch selbständig auftritt; endlich schließt sich nach oben hin die Sub- spezies eu-maculatum an^), welche sich in der subalpinen und alpinen Eegion ausbreitet. Mit dieser regionalen Stufenfolge der genannten drei Formen geht gleichzeitig auch eine morphologische Abstufung Hand in Hand, indem nämlich die Unterart ohtusiusculum auch morphologisch eine gewisse Mittelstellung zwischen Subspezies eu-maculatum und H. Desetangsii einnimmt; auch auf das letztere Moment weist in jüngster Zeit A. T hellung*) hin. Das H. maculatum Cr. gliedert sich daher jetzt nach Einbeziehung des H. Desetangsii Lamotte als Unterart in folgende vier Subspezies: 1. Subsp. eu-maculatum Schinz und Thellung (= subsp. typicum Fröhlich). 2. Subsp. immaculatum (Murb.) Fröhlich^). 3. Subsp. ohtusiusculum (Tourlet) Hayek (= subsp. erosmn Schinz et Keller«}. 4. Subsp. Desetangsii (Lamotte) Tourlet. Zum Schlüsse möchte ich noch auf eine bemerkenswerte Form von H. maculatum subsp. eu-maculatum hinweisen, deren Blüten relativ groß und auffallend hellgelb sind, sonst aber dem Typus völlig ent- sprechen, eine Form, welche ich bisher nur am Dobratsch in Kärnten zusammen mit der Hauptforra (in der Höhe von ca. 1400 m) be- obachtet habe. Endlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß ich im Sommer 1911 auch den Bastard H. maculatum subsp. eu-maculatum X acutum'^) an einem Standorte in Mähren (Bad-Luhatschowitz, Gräben an der Straße südlich der Jestfabi hora, ca. 260 m) zusammen mit den beiden Stammeltern beobachtet habe. Diese Deutung ergab sich mit Sicherheit aus folgenden Merkmalen : „Habitus von H. acutum Mnch.; Blätter mit teils groben, teils sehr 1) Thellung, 1. c, p. 6. -) Ich muß aber betonen, daß das mir aus Westeuropa und Norddeutschland Torgelegene Material immerhin relativ spärlich war. 3) Vgl. Fröhlich, 1. c, p. G5 (569). 4) A. Thellung, 1. c, p. 6, Anmerkung 13. 5) Vgl B^röhlich, 1. c, p. 43 (547). 6) Schinz et Keller, Fl. Suisse, p. 381 (1908); Fröhlich, 1. c, p. 46 (550). ') = H. maculatum subsp. Ujpicum X acutum (vgl. Fröhlich, 1. c, p. 80 [584]). 19 feinen hellen Punkten; Blütenstand ziemlich dicht; Blüten nur wenig größer als bei H. acutum, Kronblätter hellgelb; Kelchzipfel bedeutend breiter als bei B. acutum, doch zugespitzt; Pollen zu 85^ steril." Über die Nyctaginaceen-Gattung Calpidla. Von Anton Heiraerl (Wien]. Die Gattung Calpidia wurde im Jahre 1804^) von Aubert Du Petit-Thouars in der Histoire des Vegetaux recueillis sur les isles de France. La Reunion (Bourbon) et Madagasear auf einen Baum von Isle de France (Mauritius) gegründet, dessen Äußeres eine Figur der Tafel X darstellt, während die übrigen Figuren einea blühenden Zweig, dann Blüten- und Fruchtanalysen vorführen, die Seiten 37, 38 des Textes dagegen eingehende Angaben über Kennzeichen bringen. Das Wesentlichste der neuen, vom Autor treffend mit Pisonia in Beziehung gebrachten Gattung wäre: Zwitterblütigkeit; glockiges, kronen- ähnliches, fünfteiliges Perianth; verlängertes, auf den fünf Kanten kleb- riges Fruchtperianth (Anthokarp nach der jetzigen Bezeichnung) ; blatt- ähnliche, das fleischige Perisperm einhüllende Kotylen ; doldige, rispig vereinte Blutenstände. Das alles stimmt aber gut auf den Formenkreis der im raalayischen und polynesischen Gebiete verbreiteten, entsprechend der ungeheuren Gebietsausdehnung recht abändernden, als Pisonia cxcelsa Blume (im weiteren Sinne) zu bezeichnenden Pflanze; auch die durch das Entgegenkommen einiger Musealleitungen ^) ermöglichte Einsicht in blühend und fruchtend aufgesammeltes Material ließ keinen Zweifel, daß die bei Du Petit-Thouars als Caljndi'i, von Poiret in der Encyclopedie methodique, Botanique, Supplem., II, S. 38 (1811), als Calpidia lanceolata aufgeführte Art der Gattung entweder geradezu unter Pisonia cxcelsa (im weiteren Sinne) unterzubringen oder nur mit Mühe davon abzutrennen wäre^). Du Petit-Thouars kannte von Mauritius nur die eben erwähnte Pflanze mit länglich-elliptischen bis fast lanzettlichen Blättern ; auf derselben Insel kommt auch eine zweite, breitblättrige, sonst ganz gleiche Form vor, welche von Bojer im Hortus Mauritanicus, S. 265 (1837), mit dem Namen Calpidia ovali- folia^) bezeichnet und im XI. Rapport de la societe d'histoire naturelle de l'ile Maurice, 8.41(1841), kurz beschrieben wurde. Auch in Bakers Flora of Mauritius etc., S. 264 (1877), wird die Zusammengehörig- ^) Die zwei Jahre später erschienene Histoire d. Veget. rec. dans les isles australes d'Afrique enthält auf S. 23, 24 die gleiche Kennzeichnung, auf S. 36 weitere Angaben und bringt auf Tafel VIII dasselbe Bild, nur ist der blühende Zweig und die (noch unreife!) Frucht farbig ausgeführt. 2j Herrn Dr. Ü. Stapf (Kew) verdanke ich die Vorlage ausgezeichneter, auf Mauritius gemachter Aufsammlungen und Herrn Direktor H. Lecomte (Paris) die- jenige der Originale von Du Petit-Tho uars. 3) Hiemit stimmen auch meine früheren, auf unvollständige Stücke gegründeten Angaben im Annuaire du Conservatoire de Geneve, V, S. 197 (1901), überein. *) Einige Herbare besitzen Bruchstücke einer als „Pisonia icosandra Tausch" bezeichneten, von Sieb er unter Nr. 13 (Supplement zur Flora von Mauritius) aus- gegebenen Pflanze, welche mit Cali^idia ovalifulia identisch ist. 2* 20 keit beider Formen und das Vorkommen von Zwischengliedern (die ich ebenfalls sah) angeführt. Soweit läge nun die Sache klar, wenn nicht in den eben angeführten Veröffentlichungen von Bojer noch zwei Arten von Calpidia vor- kämen, bzw. beschrieben worden wären : G. costata von Mauritius und C. macrophylla von der Insel Galega. Schon die Diagnosen (XI. Rapport etc., S. 42) weisen auf von den früheren abweichende Formen hin und die mir nun ebenfalls ermöglichte Untersuchung authentischer Stücke zeigte, daß mit Pisonia grandis R. Br. nahe verwandte {C. costata) oder nur schwierig zu sondernde (C macrophylla) Arten der Sektion Glanduliferae von Pisonia vorliegen, die mit der Pflanze des Du Petit-Thouars nichts zu tun haben^). Kehren wir zu Calpidia Du Petit-Thouars zurück, Pisonia excelsa (im vpeiteren Sinne) bildet den Typus meiner als Sektion Prismatocarpae bezeichneten Abteilung von Pisonia, welche besonders auf den Sunda- Inseln und Neu-Guinea vertreten ist; hieher gehören: P. aruensis Barg. Petr., P. corniculata Barg. Petr., P. cauliflora Scheffer ! (= P. maior Baill.)^), P. longirostris Teysm. et Binn. ! (=: ? P. Beccariana Barg. Petr.), P. rostrata Warb.!, P. Mülleriana Warb.!, P. triandra Barg. Petr., P. grandifolia Warb. !, P. spatiphylla Schum. und P. Lauterhachii Warb. *), wozu noch einige unbeschriebene Arten kommen. Wenn auch die Kenntnis der angeführten Arten zum größeren Teil sehr lückenhaft ist, so kann doch schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß die eigen- tümUche geographische Verbreitung, die habituelle Ähnlichkeit und die der Blütenstände, das Fehlen von Brakteolen am Blütengrunde, die Re- duktion des Perispermes auf einen unbedeutenden gelatinösen Rest und die Ablagerung reichlicher Stärkemengen im Embryo selbst*), einerseits für einen besonders innigen Zusammenhang der genannten Arten, ander- seits für eine auffallende Verschiedenheit von den übrigen Sektionen von Pisonia sprechen. Sollte daher die Untersuchung der mir noch fehlenden Arten und eine bessere Kenntnis mehrerer angeführter weitere Bestäti- gungen ergeben, so könnte der alte Name Calpidia ganz gut für die neue Gattung in Verwendung kommen, welche die Arten der Sektion Prismatocarpae umfassen würde. Es könnte auch die Frage, ob das Genus Timeroyea, welches von Montrouzier für eine endemische Pisoniee des Gebietes von Neu-Kaledonien auf- gestellt wurde ^), aufrecht zu erhalten oder einzuziehen sei, hiebei keine Schwierigkeit machen, da im letzteren Falle nur eine Vereinigung mit Calpidia in Betracht kommen dürfte. 1) Von der auf Kodriguez vorkommenden P. viscosa Balf. fil. erhielt ich eben- falls jüngsthin ein Pröbchen der Originalstücke; sie gehört auch in die Verwandtschaft von P. grandis. 2) Von den mit ! bezeichneten Arten konnte ich bisher die Originalstücke zur Untersuchung erlangen. 3) Ohne Beschreibung erwähnt in: Schumann u. Lauterbach, Flora d. deut- schen Schutzgebiete in der Südsee, I, S. 307 (1901). *) Von mir nachgewiesen für P. longirostris, P. rostrata und den Formenkreis von P. excelsa. 5) Timeroyea artensis Montrouz. (1860) ist pynonym mit Vieillardia austro- caledonia Brongn. et Gris (1861). Auf die nahen Beziehungen von Vieillardia und Calpidia haben Brongniart und Gris. bereits im Bulletin de la societe botan. de France, VIII, S. 375, 376 (1861) aufmerksam gemacht. 21 Schließlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß der Porster- s che Gattungsname Ceodes [veröflfentlicht in J, E. und G. Forst er, Characteres generum plantarum etc., S. 141, Tafel 71 (1776)], auf den erst Seemann im Journal of Botany, I, S. 244 (1863), wieder aufmerk- sam machte, bei der Ungewißheit, welche sowohl Beschreibung als Ab- bildung wegen ihrer Unvollständigkeit obwalten lassen ^), in unserem Falle nicht in Verwendung kommen sollte; ein von Seemann einge- sehenes Herbarstück aus der Hand Forsters soll allerdings zur Pisonia excelsa gehörig sein. Beitrag zur Flora Österreichs. Von Alois Teyber (Wien). (Mit 1 Textabbildung.) A. Nicdcröstcrrcich^). I. Neu für das Kronland sind: 1. Avenastriim desertorum (Less.) Podp., Less. in Linnaea, IX. (1831), 208. Von den Herren Dr. H. Freih. v. Handel- Mazzetti und Dr. F. Vierhapper in Wien auf die Entdeckung dieses Steppengrases durch Herrn Dr. K. Podpera auf dem Galgenberge bei Nikolsburg im südlichen Mähren aufmerksam gemacht und durch die Vermutung des letztgenannten Herrn, daß die Art auch im angrenzenden Nieder- österreich vorkommen könnte, angeregt, suchte ich nach derselben und es gelang mir auch, A. desertorum auf der „Kaller-Heide", etwa 4 km südöstlich vom Standorte Podperas aufzufinden, jedoch bisher nur an einer Stelle. Voraussichtlich dürfte jedoch die Pflanze noch an anderen Lokalitäten der ziemlich ausgebreiteten vorgenannten Bodenerhe- bung aufzufinden sein. 2. Erysimum durum Presl, Delic. Prag., 226. Sehr häufig auf der „Kaller-Heide" bei Drasenhofen, P. B. Mistel- bach. Diese Art war bisher aus Niederösterreich nicht mit Sicherheit bekannt. Beck schreibt in seiner Flora von Niederösterreieh, S. 481: „Auf sonnigen, sandigen Stellen, angeblich bei Themenau." An diesen Lokalitäten fand ich die Pflanze nicht; wahrscheinlich sind die Stellen, an denen sie vorgekommen sein soll, in Ackerboden umgewandelt worden. 3. Petasites Bechingeri Hayek, Sched. Fl. Stir., I— H (1904), p. 29 (= P. hyhridus X Mus). Im Tale des Mauerbaches zwischen Hadersdorf und Mauerbach mit den Stammeltern; sehr selten. Ich fand die Hybride bloß in Blättern, in welchem Zustande sie jedoch ganz gut zu erkennen ist. An P. hyhridus erinnern die stärkere 1) Auch der 1786 erschienene, von G. Forster edierte Florulae insularum australium prodromus gibt keine weitere Aufklärung; S. 93 heißt es unter Nr. 569 nur: „Ceodes umbellata Forst. Charact gen. 71. Tanna". ^) Bei kleineren Ortschaften ist der politische Bezirk (Abkürzung = P. B.) angegeben. 22 KoEsistenz der Blätter, die geringere Behaarung der Blattunterseite, sowie die nur schwach ausgeschweift-eckige Form der Blätter; an P. albiis die Schweifung, sowie die etwas pfriemlich vorgezogenen Sägezähne der Blätter. 4. Centuurea Hödliana Wagner, Mathem. es termesz. közlem., XXX., 1910, p. 124 (= C. jaceay^ rhenana). Unter den Stammeltern am linken Donauufer zwischen Spitz und Schwallenbach. Die Pflanze hat naturgemäß große Ähnlichkeit mit den Formen der Hybride C. Becliiana M. F. JVIülln. (= C. pannonica X rheiiana), von welcher sie sich wohl nur durch die dunklere Färbung der Hüll- schuppenanhängsel unterscheiden läDt. Das von mir gefundene Exem- plar steht durch die wenig gefransten Anhängsel der mittleren Hüll- schuppen näher zu C. jacea, von welcher es sich jedoch durch die schmäleren, fiederspaltigen Blätter, durch den Pappus, sowie durch reichere Verzweigung unterscheidet. 5. Centaiirea similata Hausskn. in Mitt. d. geogr. Ges. f. Thüringen, III, S. 229 (1885) (= C. jacea X pseudoplirycjia). Diese Hybride beobachtete ich an zwei Stellen in der Wachau, und zwar bei „Gut am Steg" nächst Spitz und bei Wiesmannsreith auf dem Jauerling, an beiden Lokalitäten in Gesellschaft der Stammeltern. Die Exemplare der beiden Standorte sind von einander ziemlich verschieden, was bei der bedeutenden Verschiedenheit der Stammeltern wohl begreif- ich ist. Von den ähnlichen Hybriden zwischen G. stenolepis und C. jacea ist C. similata durch den Mangel der grauen Behaarung gut zu unter- scheiden. 6. Senecio siibnebrodensis Simk., Term. Füz., V. (1881), p. 51 {= S. rupestris W. K. X viscosus L.). Einzeln unter den Stammeltern in Holzschlägen bei Gießhübel auf dem Jauerling. Diese Hybride ist, soviel ich aus der Literatur ersehen konnte, seit ihrer Entdeckung durch Simoukai bei Nagy-Sebes im Bihar- gebirge erst wieder heuer aufgefunden worden. Der Diagnose Simon- kais wäre noch hinzuzufügen, daß die Hybride auch in bezug auf die Anzahl der äußeren Hüllschuppen gut die Mitte hält, indem sie durch- schnittlich an einem Köpfchen 12 äußere Hüllschuppen aufweist, während S. viscosus 9 und S. rupestris 14 zukommen. Die Zungenblüten sind meist nur so lang wie bei S. viscosus, aber etwas breiter; bei einem der von mir gefundenen Exemplare sind sie jedoch so lang wie bei S. ru- pestris. 7. Orohanche Teucrii Holandre f. aurea mli. Differt a typo corollae colore aureo. Unter der Kormalform mit violettbraunen Blüten auf dem Zeiler- berge bei Brück a. d. L. in mehreren Exemplaren. 8. Viola tricolor (L.) Wittr. subsp. genuina Wittr. Auf sandigen Steilen bei Magyarfalva nächst Angern a. d. Nord- bahn (leg. F. Morton). Nach Becker stimmt die Pflanze im Bau und in der Verzweigung der Wurzel mit der sandbewohnenden Form Norddeutschlands gut über- ein und dürfte dies der erste Standort der typischen f. genuina Wittr. in unserer Monarchie sein. 23 II. Ne[ue Standorte weiseii|auf : ] 1. Corynephonts canescens (L.) Beauv. Sehr häufig auf sandigen Plätzen und am Bahndamme im Theim- walde zwischen Feldsberg und Lundenburg. 2. Diplaclme scrotina (L.) Lk. Außer an dem bekannten Standorte bei Förthof in der Waehau, daselbst auch bei ßothenhof und auf dem Atzberge bei Spitz a. d. Donau. 3. Melica transsilvanica Schur. Massenhaft in Gesellschaft von M. ciliata auf der Kaller-Heide bei Drasenhofen. P. B. Mistelbaeh. 4. Iris pumila L. Häufig auf einem Hügel bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 5. Iris variegata L, Bei Weitenegg a. d. Donau, der westlichste Standort dieser Art in Niederösterreich. 6. Chenopodium riibrum L. Bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 7. Eurotia ceratoides (L.) 0. A. Mey. Auf den von Lehm gebildeten Südabhängen zweier dem „Kasperl- berge" bei Goggendorf (P. B. Ober-Hollabrunn) westlich vorgelagerter Hügel; zirka 2öO m ü. d. M. (Siehe das nachstehende Vegetationsbild.) Von dieser für die Flora Österreichs äußerst seltenen Art war bis vor wenigen Jahren in unserem Kronlande kein sicherer Standort bekannt. Herr Pfarrer ßipper in Strousdorf entdeckte dieselbe wieder, nachdem sie ein halbes Jahrhundert in Niederösterreich nicht mehr gefunden worden war, bei Schoderlee nächst Stronsdorf, P. B. Mistelbaeh. Mir gelang es nun im verflossenen Jahre ebenfalls, Eurotia auf den oben angegebenen Stellen bei Goggendorf in großer Menge aufzufinden. Aus diesem Grunde, und deshalb, weil diese Pflanze in manchen Florenwerken unserer Heimat als „eingeschleppt" angegeben wird, möchte ich der Frage: Ist Eurotia in Niederösterreich als bloß „eingeschleppt" zu betrachten, oder haben wir es hier mit einer, in früheren Erdperiodeu „einge- wanderten Steppenpflanze" zu tun? etwas nähertreten'). Zur Lösung der Frage ist es wichtig, die Beschaflfenheit derjenigen Standorte zu ermitteln, die in Neilreichs und Becks Florenwerken angegeben werden. Neilreich gibt in seinen „Nachträgen zur Flora von Wien", S. 124, folgende Standorte an: „An Zäunen, Weingartenrändern, zwischen Ge- büsch, auf wüsten Plätzen, selten. Im tertiären Hügellande der nördlichen Bucht des Tullnerbeckens gegen die mährische Grenze zu, bei HoUabrunn, Jetzelsdorf und Retz, im Wienerbecken zweifelhaft, angeblich bei Ernst- brunn und Feldsberg." In seiner „Flora von Niederösterreich", S. 271, finden sich dieselben Angaben und noch folgender Zusatz: „Die beiden Standorte bei ßetz und Jetzelsdorf sind jedoch in neuerer Zeit durch ümgrabungen infolge üralegung der Straße verloren gegangen, die drei anderen den jetzigen Botanikern unbekannt." Beck endlich schreibt 1) Zu letzterer Annahme kommt auch Schilberszky K. in seiner Arbeit: „Egy Azsiai Steppenövenjnek Euröpai Vändorütjäröl" (Der europäische Wanderzug einer asiatischen Steppenpflanze)-, Fr. K., Budapest, 1891, p. 185 bis 217. 24 in seiner „Flora von Niederösterreich", S. 337: „An wüsten Stellen, Straßenrcändern (ehemals bei Retz, Jetzelsdorf, Ober-Hollabninn, Ernst- brunn, Feldsberg). Wohl nur aus dem Oriente eingeschleppt." In Fritsch, „Exkursionsflora für ()sterreich" ist die Art ebenfalls als „eingeschleppt" angegeben. Ich habe diese Angaben deshalb zitiert, weil die Standorte bei Goggendorf und Schoderlee ganz anderer Natur sind ; es sind steile, gegen Süden und Südwesten gerichtete Abhänge, die noch ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben, da sie sich wegen ihrer Steilheit wenig oder gar nicht zur Kultur eignen. Dieser Umstand bietet hoflfentlich auch die Gewähr für die Erhaltung dieser Denkmäler der in unserem Kronlande einst weiterverbreiteten Steppenflora. Eurotia ceratuides bei Goggendorf. Belegexemplare von den in Neilreichs uud Becks Floren ange- gebenen Standorten finden sich nur sehr spärlich in den Wiener Herbarien. In dem des Wiener Hofmuseums erliegen Exemplare mit der Angabe : „Vom Originalstandorte in Niederösterreich." Aus dieser Angabe ist leider nicht die Beschaflfenheit des Standortes zu entnehmen. Ein anderes Exemplar trägt die Bezeichnung: „Am Retzerberge bei Jetzelsdorf an der Straße." Eine genauere Angabe über diesen Standort (wahrscheinlich den Originalstandort) findet sich bei einem im Herbare Neilreich erliegenden Exemplare; daselbst heißt es: „Am Rande der Weingärten, hart an der rechten Seite der Straße des Jetzelsdorfer- Berges." Aus dieser Angabe und der Beschaffenheit des mir wohl- bekannten Terrains ist zu schließen, daß die Pflanze ehemals auf einem, zwischen der Straße und den Weingärten befindlichen Streifen, damals noch unbebauten Bodens vorkam, der dann später infolge der 25 Verlegung der Straße abgegraben wurde. Ein weiterer im Herbare Neilreich sich vorfindender Bogen trägt die Standortsangabe: „An den Abhängen von Lehrahügeln bei Ehrensbrunn" (jetzt „Ernstbrunn"). Diese Angaben, sowie die Beschafi"enheit der jetzt bekanntgewordenen Stand- orte von Eurotia bezeugen, daß die Pflanze bei uns nur auf ursprüng- lichem, der Kultur noch nicht zugeführtera Boden vorkam und noch vor- kommt, so daß die Angaben: „Auf wüsten Plätzen und an Straßen- rändern" (welche Lokalitäten gewöhnlich von eingeschleppten und Euderalpflauzen bewohnt werden) als nicht zutreffend bezeichnet werden müssen. Außerdem liegen alle bisher bekanntgewordenen Standorte der Art in Niederösterreich jetzt noch, oder lagen wenigstens einst weit weg von den großen Verkehrswegen der Eisenbahnen, welcher Umstand ebenfalls gegen eine Einschleppung durch menschliches Zutun spricht. Aber auch die Annahme einer Einschleppung durch Vögel oder andere Tiere in der Jetztzeit wäre in diesem Falle etwas weit hergeholt, wenn man die Verbreitung der Art (in Europa außer Niederösterreich noch Ungarn und Spanien) in Betracht zieht. Weiters spricht die Tatsache gegen eine Einschleppung, daß Eurotia an den beiden jetzt noch existierenden Standorten sich nicht weiterverbreitet (obwohl ihr zusagendes Terrain genug vorhanden ist), was eine bei allen Reliktpflanzen zu be- obachtende Erscheinung ist. Auch die Begleitpflanzen, mit denen Eurotia an ihren ehemaligen und jetzigen Standorten in Niederösterreich vor- kam und noch vorkommt, sprechen dafür, daß sie ein Relikt der, „das ehemalige Viertel unter dem Manhartsberge" einst zum größten Teile bedeckenden Steppenflora bildet. Als solche Begleitpflanzen seien erwähnt: Sti2)a pennata, Iris pumila, Beseda 2)hyteu7na, Linum austriacum, Folygala major, Cytisus procumhens, Astragalus exscapus, vesicarius, Prunus fruticosa, Phlomis tuherosa, Seseli hippomarathrmn, Inula ensifolia, Scormnera Jacqni- niana, Echinops ritro, sphacroceplialus, Jurinea moUis, Ärtemisia pontica, Kochia prostrata u. a. m. Ich gaube, daß aus den im Vorstehenden dargelegten Gründen Eurotia in Niederösterreich durchaus nicht als „eingeschleppt" zu betrachten ist. Vielmehr ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß sie eine in früheren Erdperioden bei uns „eingewanderte Steppenpflanze" darstellt und daselbst einst weiter verbreitet war. 8. Silene conica L. Sandige Stellen der Kaller-Heide bei Drasenhofen, P. B. Mistelbaeh. 9. Corydalis pumila (Host) Rchb. Auf dem Spitzerberge bei Deutsch-Altenburg. 10. Htrschfddia crucastrum (L.) Fritsch. Zwischen Ottenthai und Neudegg bei Kirchberg a. W. 11. Beseda p)hyteuma L. Bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 12. Cytisus procumhens (W. K.) Spr. Auch noch westlich vom Schmiedatale bei Radelbrunn, P. B. Ober- Hollabrunn. 13. Astragalus exscapus L. Auf einem Hügel bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn, selten. 26 14. Oxytropis pilosa (L.) DO. Auf dem Eulberge zwischen Sitzendorf und Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 15. Vicia striata M. B. Saudige Stellen der Kaller-Heide bei Drasenhofen, P. B. Mistelbach. 16. Liniun austriacwn L. Bei Euppersthal nächst Groß-Weikersdorf. 17. Impatiens Roylei Waip Am Preinerbach bei Payerbach mehrfach verwildert (leg. Dr. A. Ginzbergerj. 18. Pidmonaria mollissima Kern. Außer an dem bekannten Standorte auf dem Burgberge bei Spitz a. d. Donau sehr häufig im Radelbachgraben zwischen Spitz und Wolfenreith. 19. Pidmonaria digenca Kern. (= P. officinal/'s X mollissima). Mit den Stamraeltern an dem genannten Standorte der vor- erwähnten Art. 20. Phlomis tuberosa L. Auf einem Hügel bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 21. Salvia silvestris L. {S. pratensis X nemorosa). Zwischen Ottenthai und Euppersthal bei Kirchberg a. W. 22. Verhascum colUniim Schrad. (r= V. thapsus X nigriim). Bei Wiesmannsreith auf dem Jauerling. 23. Aster linosyris (L.) Beruh. Auf Hügeln bei Goggendorf, P. B. Ober-Hollabrunn. 24. Artemisia pontica L. Ebendaselbst. 25. Senecio rnpestris W. K. Häufig in Holzschlägen bei Gießhübl auf dem Jauerling. 26. Senecio viscididus Scheele {= S. viscosus X silvaticus). In Holzschlägen auf dem Jauerling mit den Starameltern. 27. Jurinea nwUis (L.) Rchb. Auf einem Hügel bei Goggendorf und Sitzendorf, P. B. Ober-Holla- brunn. 28. Centanrea nigrescens Willd. Zwischen Spitz und Schwallenbach, bei Arnsdorf und Weißenkirchen in der Wachau. 29. Centaurca extranea G. Beck (= C. jacea X nigrescens). Zwischen Spitz und Schwallenbach in der Wachau. 30. Lactuca viniinea (L.) Presl. Häutig bei Spitz und Weitenegg a. d. Donau. B. Dalniatien.] [I. Neu für das Kronland sind: 1. Mattliiola licornis (Sibth. et Sm.) DO. Diese, ihre nächsten Standorte in Griechenland (Attica) aufweisende Art fand ich auf Ruderalstellen bei Makarska, wo sie dem Vorkommen nach wohl nur als eingeschleppt betrachtet werden kann. Die von mir gefundenen Exemplare stimmen mit aus Griechenland stammenden in allen Merkmalen vollständig überein. 27 2. Carlina frigida Boiss. et Heldr., Diagn., Ser. I , fase. 6, p. 109. Diese Art wurde von Pich 1er schon vor Jahren für die Kernerschen Exsikkaten als C. corymhosa L. auf dem Biokovo bei Makarska gesammelt^). Auch von Gelmi wurde diese schöne Art auf dem genannten Berge gesammelt, jedoch auch für C. conjnihosa gehalten. Herr Dr. Heinr. Freih. v. Handel -Mazzetti, der das gesamte von Pich 1er gesammelte Material der Pflanze einer Revision unterzog, erkannte in ihr die bisher nur aus Griechenland bekannte C. frigida Boiss. et Heldr. und machte mich auf dieselbe aufmerksam mit dem Bemerken, bei einem etwaigen Besuche des Biokovogebirges dieser Pflanze besonderes Augenmerk zuzuwenden. Ich fand auch im verflossenen Sommer tatsächlich die Pflanze auf der Süddseite des genannten Gebirges ober- halb Makarska in einer Höhe von 800 — 1300 m im Felsschutte steiniger Abhänge an verschiedenen Punkten, Ein Vergleich der Exemplare mit einem vom Originalstandorte aus dem Herbare des Herrn kais. Rates Dr. E. V. Halacsy in Wien bestätigte die vollkommene Übereinstimmung der dalmatinischen mit der griechischen Pflanze. Zu bemerken ist, daß die Pflanze nicht, wie es in der Originaldiagnose heißt, vollständig kahl ist, sondern daß der Stengel und besonders die Rückseite der Blätter anliegend spinnwebig behaart sind, welche Behaarung sich auf der Unterseite der Rosettenblätter und untersten Stengelblätter zu einem ge- schlossenen weißen Filze verdichtet. 3. Centaurea hiokovensis nov. spec. Radix perennis, pluriceps. Oaulis usque 50 cm longus, prostratus, ramis adscendentibus, angulatus, e basi vel e raedio squarroso-ramosus, puberulus, asper. Folia glanduloso-punctata, superne paulisper cano- vel albo-toraentosa, subtus glabra etaspera; iuferiora peliolata, pinnatipartita, laeiniis linearilanceolatis, breviter mucronatis; media sessilia, pinnatipartita, pinnis breviter mucronatis; superiora integra. Capitula solitaria, ± longo pedunculata, oviformia (sine floribus), 10 — 14 mm longa et 5—7 mm lata. Squamae involucrales longitudinaliter nervosae, virides, glabrae ; earum appendices anguste trianguläres, fuscae vel fere nigrae, pectinato- fimbriatae, decurrentes, basi auriculis latis, albomembranaceis. Fimbriae laterales appendicum albae aut basi subfuscae, fimbria terminali vix vali- diere multo longiores. Appendices squaraarum interiorum denticulatae. Corollae roseae, exteriores radiantes. Achaenae pilosae. Pappus achaeniis aequilongus aut paulo brevior. Flore t Julio. In declivibus australibus montis Biokovo Dalmatiae mediae prope oppidum Makarska, 800—1000 m s. m. Die Pflanze steht, wie mir Herr kais. Rat Dr. E. v. Halacsy in liebenswürdiger Weise mitteilte, den beiden griechischen Arten C. pentelica Hausskn. und C. attica Nym. sehr nahe, wovon ich mich auch selbst durch Vergleich der von mir gefundenen Pflanze mit den erwähnten Arten aus dem Herbar Halacsy überzeugen konnte. Von ersterer Art ist C. hiokovensis durch die stets am Boden liegenden Stengel, durch die oberseits mehr oder minder filzigen Blätter, durch schwarz- braune, breitere Anhängsel und durch die mit dem Mittelfelde der An- 1) Die Pflanze wird in Bälde in dem genannten Exsikkaten- Werke ausgegeben. 28 hängsei lebhaft kontrastierenden weißen Fransen der Anhängsel ver- schieden. Auch sind bei C. hioJcovensis die Eiidfransen der Anhängsel kaum stärker als die seitlichen, und diese sind länger als bei C. penteUca. Von C. attica Nym. und ihrer Varietät pateraea Hai. ist die Pflanze durch grüne, nur schwach behaarte Stengel, durch die nur oberseits mehr oder minder filzigen Blätter und durch die kaum merklich dornige, im Ver- gleich zu den seitlichen Fransen viel kürzere Endfranse verschieden. Von C. disseda Ten. und ihren Formen ist C. biolcovensis durch die kleinen, schmäleren Köpfchen, die schmäleren, anders geformten Anhängsel der Hüllschuppen, durch die langen, weißen Fransen der- selben, sowie durch die stets am Boden liegenden Stengel und durch eine ganz andere Tracht verschieden. Bezüglich des Köpfchenbaues weist C. hioJcovensis jedoch auch Ähn- lichkeit mit C. cuspidata Vis. auf, deren Verbreitungsgebiet sie teilt. Diese Ähnlichkeit geht so weit, daß kleine Köpfchen von C. cuspidata von größeren der G. hiokovensis beinahe nicht zu unterscheiden sind; natürlich lassen sich solche Exemplare sofort durch die Blattform von- einander scheiden, obwohl auch in dieser Beziehung Annäherungsformen der beiden Arten zueinander vorkommen, indem C. cuspidata manchmal fiederspaltige, ja selbst fiederteilige Blätter aufweist oder die Blätter auf der Oberseite filzig und unterseits kahl sind wie bei C. biokovoisis. Ich konnte die Diagnose von C. hiokovensis nach einem von mir reichlich gesammelten Materiale anfertigen und will nur noch manche Abweichungen, die ich an einzelnen Exemplaren beobachtete, erwähnen. Bei einem Exemplare waren die Eosettenblätter etwas leierförmig. Der Filz auf der Oberseite der Blätter ist manchmal, besonders bei den Rosettenblättern sehr schwach, fehlt jedoch nur in den seltensten Fällen vollständig. Manche Exemplare haben kürzere und breitere oder lichter gefärbte Anhängsel, andere wieder haben gebräunte Seitenfransen der Anhängsel oder die Mittelfranse derselben ist etwas stärker entwickelt als bei der Normalform. Durch die stets am Boden hegenden Stengel mit den sparrig ab- stehenden, gebogenen Köpfchenstielen, durch die einseitige Behaarung der Blätter, bei denen nur die Oberseite den Filz aufweist, sowie durch die verhältnismäßig sehr langen, meist silberweißen Fransen der Hüll- schuppenanhängsel ist die Pflanze gut gekennzeichnet und mit keiner anderen Art zu indentifizieren. 4. Leontodon graecus Boiss. et Heldr., Diag., Ser. I, fasc. 11, p. 39. Auf der Südseite des Biokovo bei Makarska, zirka 800 m. Diese Art wurde meines Wissens bisher in Dalmatien nicht beobachtet. Sie unterscheidet sich von der bei uns im Süden vorkommenden und ihr zunäehststehenden Art L. crispus Vill. hauptsächlich durch die grauen, dicht mit feinen, kurzstieligen Sternhaaren bedeckten Blätter. IL Neue Standorte weisen auf: 1. Eryngium dahnaticum ml (z=z E. ametJiystinum \ creticiim). Sehr selten unter den Stammeltern zwischen Spalato und Salona. 2. Laserpiiiuni garganicum Ten. Auf der Südseite des Biokovogebirges bei Makarska. 29 3. Carduus ramosissinius Pane. Sehr häufig auf dem Biokovogebirge bei Makarska, 800 bis 1300 m ü. M. Phylogenetische Studien über die Gattung Monoclea. (Mit 1 Textabbildung.) Von Viktor Schiffner (Wien). Die Tatsache, daß die merkwürdige Gattung Monoclea zu den Ana- crogyneen (= Jimgermaniaceae anacrogijnae Leitgeb) gehört, wurde bis vor kurzem von niemand angezweifelt. Was ihre engere Verwandtschaft betrifft, so wurde sie zuerst von R. Spruce^) in die Gruppe der Lep- totheceae jj^estellt, auch in meiner Bearbeitung der Hepaticae in den „Natürl. Pflfam.", p. 55, steht sie in dieser von mir enger begrenzten Gruppe neben Symphyogyna, mit welcher sie unter den damals bekannten Gattungen sicher am meisten übereinstimmt''^). Vor mehreren Jahren wurde von D. H. CampbelP) die nahe Verwandschaft („close affinity") von Monoclea mit den Marchantiaceen behauptet auf Grund einiger eigenen und vorzüglich gestützt auf die früheren Untersuchungen von Gottsche, Leitgeb und Rüge*). Neuerdings wurde diese Frage ausführlich in der zitierten Schrift von D. S. Johnson (1904) behandelt, worin der Verfasser zu dem Schlüsse kommt, daß Monoclea zu den Marchantiaceen gehört °). Für Botaniker, welche über eine solide Formenkenntnis der Leber- moose verfügen, bedarf diese sensationelle Behauptung keiner Wider- legung, da aber erfahrungsgemäß in weiteren Kreisen der Botaniker immer noch einzelnen mit recht modernem Apparat ausgeführten Zell- teilungsuntersuchuugen u. dgl. und den daraus abgeleiteten Schlüssen mehr geglaubt wird als dem Urteil von Spezialisten, welche den ganzen Gegenstand vollkommen beherrschen, so schien es mir not- 1) Hepat. Amazonicae et Andinae, p. 525 (1855). 2) Duncan S. Johnson sagt in seiner hier später noch oft zu zitierenden Schrift: The Development and Relationship of Monoclea (Bot. Gazette, XXXVIII, 1904, p, 185—205, Tab. XVI, XVII), daß ich die cT Pflanze von Monoclea nicht berücksichtigt hätte und daher die Gattung als „closely related to Fellia"' aufgefaßt habe. Ersteres muß ich zugeben, letzteres ist aber unrichtig, indem ich sie in eine ganz andere Gruppe {Leptotheceae) gestellt habe, und nicht zu den Codonioideae, wohin Pellia gehört. ^) D. H. Campbell, The systematic position of the Genus Monoclea (Bot. Gazette, XXV, 1898, p. 272-274). *) Gottsche, Über das Genns Blonoclea (Bot. Zeit., 1858, Nr. 38, 39, Tab. VIF, VIII). — Gottsche, Hepaticae Mexicanae, 1867, p. 356. — Leitgeb, Unters, üb. d. Leberm , III., 1877, VI., 1881. — Enge, Beiträge zur Kenntnis der Vegeta- tionsorgane der Lebermoose (Flora, 1893, p. 279—312, Tab. IV). 5) Die Schrift von Johnson ist reich an sehr schönen und sorgfältigen ana- tomischen Untersuchungen über 3Ionoclea. Ebenso findet man 1. c. p. 186 if. eine Zu- sammenstellung aller früheren Forschungen über diese Gattung. Die Untersuchungen Johnsons beziehen sich nicht auf 3L Forsteri, wie er angibt, sondern auf M. Gottschei. Ich besitze die Pflanze von dem von Johnson angeführten Stand- orte auf Jamaika und habe meine Untersuchungen zumeist an diesem Materiale ge- macht. 30 . wendig, den Fall von Monoclea vom Standpunkte des Hepatikologen aus zu untersuchen. Diese Untersuchung hat meines Erachtens ein weit über die Grenzen der Hepatikologie -hinausreichendes Interesse, weil der Fall Monoclea der Typus ist für eine sehr moderne Forschungsweise, welche die wichtigsten Merkmale und Tatsachen unberücksichtigt läßt oder bagatel- lisiert zugunsten von anderen nebensächlichen Tatsachen zu dem Zwecke, um eine vorgefaßte Idee zu erhärten, was natürlich auf diese Weise stets gelingt. Ist die Idee überdies noch recht paradox oder sensationell, so ist eine solche Arbeit des Beifalles der weitesten Kreise (also der Nicht-Spezialisten auf dem betreflfendeu Gebiete) sicher. Die Anschauung, daß Monoclea zu den Marchanüaceen gehöre, wird auf folgende Punkte gestützt, die ich sofort jeden einzelnen kritisch auf ihre Stichhältigkeit untersuchen werde ^). I. Beschaffenheit der Frons und das Vorhandensein von zweierlei Rhizoiden. von denen die einen echte „Zäpfchenrhizoiden" sein sollen, wie solche für die Marchanüales charakteristisch sind. II. Entwicklung und Struktur der Antheridien und Archegonien, hauptsächlich den aus sechs Zellreihen bestehenden Hals der letzteren. III. Die Beschaffenheit der Kapselvvand. IV. Besonders die Entstehung und Struktur des cf Receptaculums. I. Beschaffenheit der Frons und der Ehizoiden. Es wird behauptet, daß die Frons von Monoclea in der Verzweigung, im Bau, Wachstum und Beschaffenheit der Scheitelzellen mit den Marchantiaceen übereinstimme-). Vergleicht man damit das, was Leitgeb (Unters, üb. d. Leberm., III, p. 62), also ein in diesen Dingen unbe- dingt verläßlicher Gewährsmann darüber sagt, so ist es das diametrale Gegenteil^): „Von der Vertreterin dieser Gattung, der J/. Forsteri, wird gewöhnlich angegeben, daß sie in ihrem Habitus den Marchantiaceen folge. Es gilt dies aber eigentlich nur in bezug auf die Größenverhältnisse der Frons, die etwa der von Fegatella entsprechen. Eine nur einiger- maßen genaue Betrachtung zeigt aber in bezug auf die Auszweigung einen bedeutenden Unterschied Ich möchte das Wachstum lieber dem der Antlioceros-kxiQü, einiger Aneuren und vorzüglich dem der Pellien vergleichen, wo in bezug auf Anlage und Entwicklung der Seitensprosse ganz dieselben Verhältnisse obwalten. Daß Monoclea auch in der Textur des Laubes von den JVIarchantieen durchaus verschieden ist, indem sie weder an der Eückenseite Spaltöffnungen, noch au der Bauchseite Blätter I ^) Meine Argumente stützen sich nicht nur auf Angaben in der Literatur, sondern hauptsächlich auf eigene Untersuchungen und Nachprüfungen der Verhältnisse an einem von mir selbst in Brasilien gesammelten vorzüglichen Alkoholmateriale von Monoclea Gottschci, auf reiches Material von 31. Gottschei und M. Forsten meines Herbars und auf lebendes (leider steriles) Material von 31. Forstcri. Auch habe ich Vertreter von fünf Gattungen Marchantiaceen und acht Gattungen der Anacrogyneen auf die hier in Frage kommenden Verhältnisse nachuntersucht. 2) „For it is found that the thallus of Monoclea is like that of the Märchan- tiaceae in gross structure, in the mode of growth and branching, in the type of initial cell." (Johnson, 1. c, p. 198.) 3) Meine Untersuchungen an Spiritusmateriale von 3[. Gottscliei und leben- dem Materiale von 31. Forsteri stimmen vollkommen damit überein. 3] besitzt, wurde schon von Gott sc he hervorgehoben. Auch in dieser Be- ziehung gleicht diese Pflanze mehr den Peliien" usw. Wenn man die Frons von Monoclea mit der irgendeiner Marchantiacee vergleichen will, so kann ausschließlich nur die Gattung Dumortiera mit ihrer weitgehenden Reduktion der Luftkamraer- schichte und der Ventralschuppen in Betracht kommen. Aber selbst gewisse Ähnlichkeiten im Habitus und im Bau zuzugeben, bleiben immer noch wichtige Momente, die dagegen sprechen, daraus eine phylogenetische Beziehung abzuleiten. Zunächst darf nicht verschwiegen werden, daß bei Monoclea Luflkammern und Ventralschuppen stets vollkommen fehlen, wie bei allen Anacrogyneen und niemals auch nur durch ein Rudiment angedeutet sind. Campbell hilft sich über diese wichtige Tatsache mit einer hübschen aber unrichtigen biologischen Theorie hinweg, daß nämlich das Fehlen dieser für die Marchantiaceen sonst charakteristischesten Organe bei il/owocZe« auf den sehr feuchten Standort zurückzuführen sei, welchen diese Pflanze bewohnt, und daß auch Dumortiera an excessiv feuchten Standorten diese Organe ganz einbüßt. Man müßte dabei zunächst die Annahme machen, daß bei Monoclea die Fähigkeit auch nur Rudimente dieser Organe zu bilden absolut verloren gegangen ist (was bei Dumortiera nicht der Fall ist), denn bei M. Forsteri hat sich in der mehrjährigen Kultur im Wiener botanischen Garten unter ganz gewöhnlichen Kalthausverhältnissen nicht die mindeste Spur derartiger Rudimente gezeigt. Bezüglich Dumortiera habe ich schon einmal nachgewiesen'}, daß die stärkere oder schwächere Entwicklung der Luftkammerrudimente weder direkt von der Feuchtigkeit noch vom Licht abhängt, sondern bei den einzelnen Formen der Gattung ein erbliches Merkmal ist. und ich kann dies durch meine neueren Erfahrungen nur bestätigen. Daß es übrigens von Dumortiera Formen gibt, bei denen die Lufikammerrudimente ganz unterdrückt sind, kann zugegeben werden; die Form welche ich in Brasilien (Staat Säo Paulo) an mehreren Orten (teilweise auch gemeinsam mit Monoclea Gottschei) sammelte, zeigt keine Spur von Luftkammerrudimenten und nur aus- nahmsweiße Rudimente von Ventralschuppen. Daß zwischen Monoclea und Dumortiera keine engere Ver- wandtschaft bestehen kann, wird selbst von Campbell und Johnson zugegeben, denn Dumortiera ist ein höchst abgeleiteterTypus der Marchantiaceen und ihre nahe Verwandtschaft mit dem vollkommensten Typus dieser Reihe, mit Marcliantia, steht außer Zweifel, während Monoclea, falls sie in diese Reihe gehörte, eine der primitivsten Typen darstellen müßte, was aus ihrer Fruktifikation hervorgeht. Wir wären also zu der Hypothese gedrängt, daß eine Rückbildung der Lufckammern und Ventralschuppen unabhängig voneinander an zwei ganz verschiedenen Punkten der Marchantieenreihe eingetreten sei, was ja nicht unmöglich Ist, aber die ganze phylogenetische Anschauung Camp bei Is und Johnsons durch eine neue, durch nichts bewiesene Hypothese kompliziert. Der Einwand, daß bei Monoclea das Fehlen der Lufikammerschichte O'espektive eines Assimilationsgewebes) ein primitiver Zustand sei, während 1) Über Dumortiera in Hedw., XLIII, p. 428 (1904). 32 es bei Dumortiera eine EückbildungserscheinuDg ist, muß als ganz un- haltbar zurückgewiesen werden, weil niemand ernstlich behaupten wird, daß Monoclea eine noch primitivere Form sei, als die einfachsten Eiecien, welche die unterste Stufe der Marchantiales zweifellos darstellen, bei denen ohne Ausnahme ein eigenes Assimilations- oder Luftkammer- gewebe bereits vorhanden ist. Der Vergleich mit Dumortiera beweist also absolut nichts für die Zugehörigkeit von Monoclea zu den Marchantiaceen. Dazu kommt noch als ein sehr schwerwiegendes Gegenargument, daß die Frons von Monoclea in der Verzweigung und im anatomischen Bau weitaus größere Übereinstimmung aufweist mit der gewisser Gat- tungen der Anacrogyneen, als mit der irgendeiner Marchantiee, Dumor- tiera nicht ausgenommen. Wer z. B. eine der tropischen Eiesenformen von Biccardia (z, B. R. maxima Schflfn.) oder die Gattung MaJcinoa untersucht hat, kann sich der fast vollkommenen Übereinstimmung in Größe, Habitus und Bau der Frons von Monoclea GottscJiei unmöglich verschließen. Auch Leitgeb (Unters. III, p. 62) hat schon die viel größere Übereinstimmung von Monoclea mit gewissen Eiccardien und mit Fellia ausdrücklich hervorgehoben, obwohl ihm zwei äußerst wichtige Punkte wegen seines mangelhaften Untersuchungsmateriales noch unbekannt waren. Es handelt sich um das Vorhandensein „eigentlicher Keulenhaare, wie sie bei allen übrigen frondosen Jungermannieen gefunden werden" (Leitgeb) und von jenen gegliederten Trichomen auf der Ventralseite der Frons, welche für die G&itungen Moerckia, Calycularia, Makinoa^) so charakteristisch sind und die von manchen Autoren als „Amphi- gastrien" bezeichnet werden. Die schleimabsondernden Keulenhaare am Sproßscheitel wurden von Enge-) und Johnson^) beschrieben und abgebildet; ich selbst habe sie an allen den vielen von mir untersuchten Sproßscheiteln von 31. Forsteri und M. Goüschei zahlreich gefunden. Nach meinen Untersuchungen schwellen schließlich die keuligen Enden der Schleim- haare innerhalb der Schleimmasse, in der sie ganz eingebettet sind, bedeutend an, die Membran wird immer dünner und undeutlicher und schließlich löst sie sich in der Schleiramasse auf; die Basis des Schleim- haares ist resistenter und ist noch lange im Schleim sichtbar. Es scheint, daß jede beliebige Oberfläehenzelle nächst dem Sproßscheitel zu einer solchen Keulenpapille auswachsen kann, woraus ihre dichte und regellose Anordnung hervorgeht. Durch dieses Verhalten unterscheiden sie sich ganz wesentlich von den „Primärpapillen" der Ventralschuppen der Mar- chantieen, die fast stets alternierend zweizeilig entstehen und die Bil- dung einer Ventralschuppe einleiten, nicht aber in dem ausgeschiedenen Schleime gelöst werden. Die sogenannten „Amphigastrien" habe ich selbst sicher gesehen. Es sind etwa fünfzehige oben etwas keulig angeschwollene Haare, welche den von mir für Makinoa (1. c.) abgebildeten sehr ähnlich sind und 1) Vgl. Schiffner, Einige Unters, über die Gattung Makinoa in Ost. bot. Zeitschr. 1901, Nr. 3, Tat". ]II, Fig. 1. 2) Enge, 1. c, p. 285, 290, Fig. 6, 7; Taf. IV, Fig. 3. 3) Johnson, 1. c, Tab. XVI, Fig. 4, 26; Tab. XVII, Fig. 27. 33 sich in der Nähe des Sproßscheitels von den hyalinen, einzelligen Schleimpapillen sofort auflFallend durch die goldbraune Farbe und die Mehrzelligkeit abheben. Ich sah sie nur sehr selten und keineswegs an allen von mir untersuchten Scheiteln ; zvreifellos gehen sie sehr bald zu- grunde, so daß man schon in der nächsten Nähe des Scheitels außerhalb der Schleimmasse nie mehr eine Spur von ihnen findet. Auch Campbell scheint diese „Amphigastrien" gesehen zu haben, indem er (Bot. Gazette, 1898, I, p. 273) sagt .... „ventral scales, which are here represented only by papillate hairs of very brief duration. These, however, eor- respond in origin with the scales of the ordinary types, and siraply reraain undeveloped". Diesem Schlußsatze ist entgegenzuhalten, daß bei weitgehendster Rückbildung der Ventralschuppen bei den Marchantieen niemals einzelne Haare resultieren, sondern lange, niedrige, schließlich auch hie und da unterbrochene strahlig verlaufende Leisten, wie man das deutlich bei Cyathodium und Dumorüera und bei den Wasserformen von Cono- cephaius und Marchantia beobachten kann. Das Vorhandensein von Schleimpapillen und sogenannte „Amphi- gastrien" sind Merkmale, die keiner einzigen Marchantiee zu- kommen ^) und dies ist ein hochwichtiges Argument für die Zugehörigkeit von Monoclea zu den Anacrogyneen. (Fortsetzung folgt.) Literatur - Übersicht^). Oktober und November 1912. Beck G. V. Über die Futterschuppen 4er Blüten von Vanilla planifolia Andr. (Vortrag.) (Lotos, Prag, Bd. 60, 1912, Nr. 7, S. 196—197.) 8". Benedikt M. Biomechanik und Biogenesis. Zweite ergänzte Ausgabe des Buches: „Das biomechanische (neo-vitalistische) Denken in der Medizin und in der Biologie." Jena (G. Fischer), 1912. 8°. 88 S. — M. 2.—. Bresadola J. Po7^j)o>-ace«e Javanicae. (Annales Mycologici, 10. Jahrg., 1912, Nr. 5, S. 492—508.) 8«. Neue Arten und Varietäten : Polyporus melaleucus Bres., P. griseus Eres., P. hypoxanthus Bres., P. subprimatus Bres., Fomes melanodermus Pat. var. tomentosa Bres., F. aulaxinus Bres., F. velutinus Bres., F. testaceo-fuscus Bres., F. Höhnelii Bres., Gmioderma triviale Bi'es., G. umhrinum Bres., G. Höhne- lianum Bres., Polystictiis fumicjatus Bres., Trametes tuberculata Bres., T. similis Bres., T. parvula Bres., Gloeoporus croceo-pallens Bres., Hexugonia durissima Berk. var. rhodomela Bres., Daedalea Höhnelii Bres. Bürgerst ein A. Anatomische Untersuchungen argentinischer Hölzer des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums in Wien. (Annalen d. k. k. Naturhist. Hofmus., XXVI. Band.) Wien, 1912. gr. 8°. 36 S. 1) Die „Primärpapillen" oder „Spitzenpapillen" der Ventralschuppen (vgl. Leitgeb, Unters., VI, p. 18) können damit nicht homologisiert werden. ^) Die „Literatur-Übersicht" strebt Vollständigkeit nur mit Rücksicht auf jene Abhandlungen an, die entweder in Österreich erscheinen oder sich auf die Flora dieses Gebietes direkt oder indirekt beziehen, ferner auf selbständige Werke des Auslandes. Zur Erzielung tunlichster Vollständigkeit werden die Herren Autoren und Verleger um Einsendung von neu erschienenen Arbeiten oderwenigstens um eine Anzeige über solche höflichst ersucht. Die Eedaktion. österr. botan. Zeitschrift. Heft 1. 1913. 3 Burgerstein A. Botanische Bestimmung grönländischer Holzskulpturen des Naturhistorischen Hofrauseums. (Annalen des k. k. Naturhist. Hofmuseums, Wien, XXVI. Bd., 1912, S. 243—247.) gr. 8". — — Materielle Untersuchung der von den Chinesen vor der Erfindung des Papiers als Beschreibstoff benützten Holztäfelchen. (Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Wien, philos.-histor. Klasse, 170. Band, 8. Abhandlung.) Wien, 1912. 8". 6 8. Eisler M. u. Portheim L. v. Über ein Häniagglutinin in Euphorbien. (Zentralblatt für Bakteriologie. Parasitenkunde und Infektionskrank- heiten. 1. Abteilung, Originale. 66. Bd.. 1912, S. 309—316.) 8". Die Untersuchungen haben ergeben, daß in dem austretenden Milchsafte häufig Haemagglutinine nachweisbar sind, die nicht nur im Samen enthalten sein müssen, sondern auch in den vegetativen Teilen vorkommen können. Dabei können sie in Fällen, in denen sie im Samen nachweisbar sind, in den vegetativen Teilen fehlen und umgekehrt. Die Befunde der Verif. sprechen dafür, daß diese Haem- agglutinine Keservestoffe oder Begleitsubstanzen solcher sind. W. Engensteiner S. Orchidaceenstudien zur Innsbrucker Flora. (Allg. botan. Zeitschrift, XVIII. Jahrg., 1912, Nr. 7-9, S. 109—111.) S''. Enthält auch Beschreibungen neuer Formen und Varietäten. Faltis F. Alkaloide der Pareirawurzel. (Sitzuno:sber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Wien, mathem.-naturw. Kl., CXXI. Bd., Abt. IIb, Mai 1912, S. 525—549.) 8". Gräfe V. Einführung in die Biochemie für Naturhistoriker und Medi- ziner. Leipzig u. Wien (F. Deuticke), 1913. 8". 472 S., 41 Textabb. Bei der großen — leider noch immer viel zu wenig gewürdigten — Bedeu- tung, die die Chemie für jeden Biologen besitzt, ist das Erscheinen dieses kurzen Handbuches der Biochemie, das speziell den Bedürfnissen des Naturhistorikers und des Mediziners angepaßt ist, sehr zu begrüßen, um so mehr, als die größeren, diese Disziplin betreffenden Handbücher nicht jedem leicht zugänglich und verständlich sind. Ohne zu dem Inhalte von dem Standpunkte des Chemikers Stellung nehmen zu wollen — dazu fühlt sich der Ref. nicht kompetent — sei die zweckmäßige Auswahl, die dem Bedürfnisse der Biologen Rechnung tragende Anordnung des Stoffes hervorgehoben. W. — — Untersuchungen über die Herkunft des Kaffeeols. (Sitzungber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien, mathem.-naturw. Kl., CXXI. Bd., Abt. 1, Juli 1912, S. 633—655.) 8". Gräfe V. und Vouk V. Untersuchungen über den Inulinstoffwechsel bei Cichorium Intybus L. (Cichorie). I. (Biochemische Zeitschrift, 43. Band, 1912, 5. u. 6. Heft, S. 424—433.) 8". Feststellung der Beziehungen des Inulin zum Reservefett, nämlich Ent- stehung des Inulin aus Fett beim Keimungsprozeß. Entstehung des Inulin als höchst- wahrscheinlich unmittelbares Produkt der Kohlensäureassimilation. Nachweis des Auftretens des Inulin im Samen. W. H andel - Mazzetti H. Frh. v. Mesopotamien. (G. Karsten u. H. Schenck, Vegetationsbilder, 10. Reihe, Heft 5 u. 6, Tafel 25—36.} Jena (G. Fischer), 1912. 4«. — M. 5.—. Die Bilder sind ein Teilergebnis der Expedition des Verf. nach Mesopotamien und Kurdistan im Jahre 1910. Sie sind von besonderem Interesse, da sie einem Gebiete entstammen, aus dem bisher nur ganz vereinzelte Vegetationsbilder kamen. Hervorgehoben sei auch die sehr gründliche, pflanzengeographisch wertvolle Ab- fassung des begleitenden Textes. W. Himmelbaur W. Die JP«s«rmm-Blattrollkrankheit der Kartoffel. (Österr.- ungar. Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirtschaft, XLI. Jahrg- 1912, Heft 5 u. 6.) 8°. 65 S., 25 Textfig. 35 Verf. berichtet im Zusammenhange über die Geschichte der in den letzten Jahren viel erörterten „BlattroUkrankheit" der Kartoffel und über eigene Unter- suchungen. Nach diesen teilt er die Auffassung derer, welche die Krankheit auf die direkte Einwirkung von Fusarium oder auf Folgeerscheinungen dieser Ein- wirkung zurückführen. Er weist ferner auf Fälle hin, in denen ein der Blattroll- krankheit ähnliches Krankheitsbild erzeugt wird, die aber auf andere Ursachen zurückzuführen sind. W. Höhnel F. v. Fragmente zur Mykologie. XIV. Mitteilung, Nr. 719—792. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien, mathem.-naturw. Kl., CXXI. Bd., Abt. I. Juni 1912, S. 339—424.) 8». 2 Tafeln, 7 Text- iiguren. Hruby J. Der Monte Ossero auf Lussin. (Allg. botan. Zeitschrift, XVIII. Jahrg., 1912, Nr. 7—9, S. 89—98, Nr. 10, S. 125—129.) 8". Janchen E. Zur Benennung der europäischen Farne. (Mitteil. d. Naturw. Vereines a. d. Univ. Wien, X. Jahrg., 1912, Nr. 10, S. 113-114.) 8°. Keißler K. v. Zur Kenntnis der Pilzflora Krains. (Beihefte zum Botan. Zentralblatt, Band XXIX. 2 Abteilung, Heft 3. S. 395—440.) 8". Neu beschrieben werden: Melanopsamma pomiformis Sa,cc. Y&r. monosticha, Hendersonia Vossii, Glueosporium Helicis Oudem. var. biguttulata. Pistillaria uliginosa Crouan f. albo-lutea Keißl. Außerdem werden einige systematische Um- stellungen vorgenommen und neue Namenskombinationen gebildet. Kossowicz A. Die Zersetzung der Handelsdünger tierischer Herkunft durch Bakterien. (S.-A. aus Monatshefte für Landwirtschaft, 1912.) 8°. 14 S. — — Die Zersetzung von Harnstoff, Harnsäure und GlykokoU durch Schimmelpilze, 2. Mitteilung. (Zeitschrift für Gärungsphysiologie, 2. Bd., 1. Heft, S. 51-55.) 8°. Nitritassimilation durch Schimmelpilze. 1. Mitteilung. (Ebenda, 2. Bd., 1. Heft, S. 55—58.) 8". Kossowicz A. und GröllerL. v. Ehodanverbindungen (Schwefelcyan- verbindungen) als Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwefelquelle für Schimmelpilze, Sproßpilze (Hefen) und Bakterien. 1. Mitteilung. (Zeit- schrift für Gärungsphysiologie, 2. Bd., 1. Heft, S. 59—65.) 8°. Kossowicz A. und Loew W. Vorläufige Mitteilung über das Ver- halten von Hefen und Schimmelpilzen zu Natriumthiosulfat. (Zeit- schrift für Gärungsphysiologie, 2. Bd., 1. Heft, S. 78.) 8°. Kronfeld E. M. Geschichte der Gartennelke. (Forts.) (Österr. Garten- Zeitung, Vn. Jahrg., 1912, 11. Helt, S. 405-415, Fig. 67.) 8^ Libaldt E. Über das Chlorophyllkoni. (Vortrag.) (Lotos, Prag, Bd. 60, 1912, Nr. 7, S. 193—194.) 8^ Linsbauer L. Die biolog. Methode der Samenanzucht bei tropischen Orchideen. (S.-A. aus „Allgem. Gärtnerzeitung", Wien, 1912, Nr. 4 ff.) 8°. 19 S., 6 Textabb. Pllanzenleben und Pflanzenkrankheiten in ihren Wechselbeziehungen. (S.-A. aus „Der Obstzüchter", 1912, Nr. 10.) 8". 4 S. — — Über den Gummifluß bei Steinobstbäumen. (S.-A. aus den Ver- handlungen der 2. Tagung der österr. Obstbau- und Pomologen- Gesellsch.) 1911. 8°. 15 S. — — Tätigkeitsbericht des botanischen Versuchslaboratoriums und des Laboratoriums für Pflanzenkrankheiten über das Jahr 1911 — 1912. (Sonderabdruck.) 8". 25 S., 5 Textabb. 36 Mitlacber W. Die offizinellen Pflanzen und Drogen. Eine systematische Übersicht über die in säratHchen Staaten Europas sowie in Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika offizinellen Pflanzen und Drogen mit kurzen erläuternden Bemerkungen. Wien (Fromme). 8". 136 S. Der Inhalt ergibt sich aus dem Titel. Besonders sei hervorgehoben, daü auch in botanischer Hinsicht das Buch — im erfreulichen Gegensätze zu vielen ähnlichen Werken — durchaus korrekt und dem derzeitigen Stande unseres Wissens entsprechend durchgearbeitet ist. W. Molisch H. Mitteilungen aus dem Institut für Radiumforschung. XVI. Über das Treiben von Pflanzen mittels Radium. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien, mathem.-naturw. Kl.. CXXI. Bd., Abt. I. März 1912, S. 121—139.) 8°. 2 Tafeln. Vergl. diese Zeitschrift, Jahrg. 1912, Nr. 4, S. 149. Morton F. Die Bedeutung der Ameisen für die Verbreitung der Pflanzen - samen. (Mitteil. d. Naturw. Vereins a. d. Univ. Wien, X. Jahrg., 1912, Nr. 7, S. 77—85, Nr. 8, S. 89—100, Nr. 9, S. 101—112.) 8°. 1 Tafel. Ein sehr klar geschriebenes und übersichtliches Sammelreferat über unsere derzeitigen Kenntnisse von der Erscheinung der Myrmekochorie mit besonderer Eücksicht auf Mitteleuropa. Die Hauptquelle bildete Senanders grundlegende, leider den meisten schv\rer zugängliche Arbeit „Versuch einer Monographie der europäischen Myrmekochoren". Daneben ist die stark zerstreute neuere Literatur berücksichtigt und eine Anzahl eigener Beobachtungen des Verf. verwertet. Die Abhandlung ist darauf berechnet, auch weitere Kreise von Botanikern und nament- lich Naturgeschichtslehrer auf die interessante Sameuverbreitung durch Ameisen aufmerksam zu machen und zu weiteren einschlägigen Beobachtungen anzuregen. ti. Murr J. Beiträge zur Flora von Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und des Kantons St. Gallen. XXV. (Allg. botan. Zeitschrift, XVIII. Jahrg., 1912, Nr. 7—9. S. 103-108, Nr. 10, S. 132—134, Nr. 11, S. 141 bis 143.) 8». Enthält auch die Besehreibungen einiger neuer Varietäten und Formen. Nestler A. Über eine Verfälschung eines spanischen Safrans. (Archiv für Chemie und Mikroskopie, 1912, Heft 5.) 8°. 7 S., 1 Tafel. Nothmann H. Zur Theorie der Narkose. (Vortrag.) (Lotos, Prag, Bd. 60, 1912, Nr. 7, S. 195.) 8". Nothmann-Zuckerkandl H. Die Wirkung der Narkotica auf die Plasmaströmung. (Biochemische Zeitschr., 45. Bd., 1912, 5. u. 6. Heft. S. 412—451.) 8«. Petra k F. Der Formenkreis des Cirsium eriophorum (L.) Scop. in Europa. (Bibliotheca botanica, Heft 78.) Stuttgart (E. Schweizerbart), 1912. 4". 92 Seiten, 35 Textfig., 7 Tafeln. Verf. unterscheidet innerhalb des im Titel genannten Formenkreises folgende Arten und Unterarten: 1. Cirsium erioi^horum (L.) Scop. mit den subspecies vul- gare Naeg., Eichterianum. (Gill.) Petr. (Südwest-Frankreich), Velenovskyi (Vand.) Petr. (Bosn., Herzeg., Monten.), dinaricum (Vand.) Petr. (Hercegovina), brttannicum Petr. (England), spathulatum (Mor.) Petr. (Norditalien, Südschweiz, Südtirol), de- cussatum (Janka) Petr. (Ungarn, Bukowina, Galizien, Rußland); 2. C. Costae (Senn, et Pau) Petr. (Spanien); 3. C. Morisianum Rchb. fil. (Italien); 4. C. Giraudiasii Senn, et Pau (Spanien); 5. C. Heldreichii Hai. (Griechenland); 6. C. Lohelii Ten. (Italien); 7. G. vallis demonis Loj. (Sizilien); 8. C. morinaefoUuin Boiss. et Heldr. (Kreta); 9. C. Vandasii Petr. (Albanien, Griechenland); 10. C. odontolepis Boiss. (Spanien, Südwest-Frankreich); 11. C. albidum Vel. mit der Snhs'pecies j^ohjchro- mnm (Gandog.) Petr. (Bulgarien, Rumänien); 12. C. Grecescui Rouy (Ungarn, Serbien, Rumänien); 13. C. ligulare Boiss. mit den Subspecies montenegrintim (Beck et Szyszyl.) Petr. und armatum (Vel.) Petr. (Balkanländer). Bastarde: C. Gerhard fii Schultz Bip. = C. lanceolatum X eriophorum; C. Martinii Lamb. = C. acaule X 37 eriophorum (Frankreich); C. Degenii Petr. ;= ? C. Grecescui y^furiens (Ungarn); G. Bohlenae Petr. = ? C. ligiilare subsp. montenegrinum X Boujartii (Montenegro). J. Rechinger K. Eine Hybride der Gattung Stackytarpheta. (S.-A. aus Fedde. Eepertorium, XI, 1912, S. 189.) 8^ Behandelt Stackytarpheta Trimeni Rechinger {St, indica Vahl X St. muta- bilis Vahl). — — Plantae novae Papuanae. (Ebenda, S. 179 — 187.) 8°. Ficus longipedunculata Rech., Ficus Kietana Rech., Ficus Bukaensis Rech., Ficus indigofera Rech., Ficus Salomonensis Rech., Ficus Bougainvillei Rech., Ficus Krausseana Rech., Maoutia Salomonensis Rech., Elatostema calo- phyllum Rech., Elatostema (Pellionia) Kietaimm Rech., Laportea Salomonensis Rech., Syzigium Kietaniim Rech., Jamhosa rubella Rech , Jambosa micrantha Rech., Barringtonia Salomonensis Rech., Alsodeia Salomonensis Rech., Canarium Shortlandicum Rech., Sterculia multinervia Rech., Faradaya Hahlii Rech., Cyrtandra fulvo-villosa Rech , Linociera Hahlii Rech., Saprosma Kraussii Rech., Hydnophy tum Hahlii Rech., Hydnophytum robustum Rech., Uruparia (Ouruparia) Salomonensis Rech. Rechinger K. und L. Über die Bauerngärten der Umgebung von Aussee in Steiermark. (Mitteil. d. Sektion für Naturkunde d. Üsterr. Touristen- Klub, XXIV. Jahrg., 1912, Nr. 10, S. 65—69.) 4". Rudolph K. Das Chondriosom der Pflanzenzelle. (Vortrag.) (Lotos, Prag, Bd. 60, 1912, Nr. 7, S. 197—199.) 8^ Sbornik Klubu Pfirodovedeckeho. V. Praze, 1911. (Jahrbuch des böhmi- schen naturwissenschaftlichen Klubs in Prag. 1911.) Jahrg. 2- Prag, 1912. kl. 8°. 168 S., illustr. Inhalt an botanischen Arbeiten: E. Bay e r, Beiträge zur Kenntnis der böhmi- schen Pflanzengallen. K. Do min, Die denkwürdige Palme der Seychellen {Lodoicea callipyge Comm.). J. S. Prochäzka, Die Psaronien. Schiller J. Botanische Beobachtungen. (Permanente internationale Kom- mission für die Erforschung der Adria. Berichte über die Termin- fahrten, österreichischer Teil, Nr. 4 und Nr. 5, Beobachtungen auf den Terminfahrten S. M. S. Najade im Jahre 1911. August — September 1911 und November— Dezember 1911.) 4". 6 S. Wettstein R. v. Die Biologie in ihrer Bedeutung für die Kultur der Gegenwart. (S.-A. a. d. Verhandl. deutscher Naturforscher und Ärzte, 1912.) 8°. 10 S. Gleichlautend erschienen auch in: Monatshefte f. d. Naturwissenschaftlichen Unterricht aller Schulgattungen, V. Bd., 1912, 10. Heft, S. 433—440, S". Wiesner J. v. Studien über die "Richtung heliotropischer und photo- metrischer Organe im Vergleiche zur Einfallsrichtung des wirksamen Lichtes. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien, mathem.- naturw. KL, OXXI. Bd., Abt. I, Juni 1912, S. 299—324.) 8». 3 Textfig. Zahlbruckner A. Schedae ad „Kryptogamas exsiccatas" editae a Museo Palatino Vindobonensi. Centuria XX. (Annalen des k. k. Natur- hist. Hofmuseums Wien, XXVI. Bd., 1912, S. 155—242.) gr. 8«. Neue Arten: Ganoderma {Amauroderma) Sikorae Bres., Trametes avel- lanea Bres. Baur E. Neuere Aufgaben und Ziele der experimentellen Vererbungs- forschung. [Verh. d. zool.-bot. Gesellschaft Wien, Bd. LXII, 1912, Heft 5 u. 6, S. (161)— (177).] 8^ Beauverd G. Contribution ä l'etude des Composees. Suite VI. Nou- veaux Leontopodium et Baoulia. (Bull. Soc. bot. Geneve, 2me ser., vol. IV, 1912, nr. 1 et 2, pag. 12—55.) 8^ 14 fig. 38 Neue Arten: Leontopodium Wilsonii Beauverd (China), L. Bonatii Beau- verd (Yiinnan), L. arbuscula Beauverd (Yunnan), L. hastatum Beauverd (China) ; Baoulia Cheesemann Beauverd (Südinsel Neuseelands). Neue Bastarde: Leonto- podium Janiesonii Beauverd = L. alpinum var. campestre X moiiocephalum, L. chamacjasme Beauverd = L. alpinum var. subalpinum X L- Jacotianum, L. Thomsoninntim Beauverd = L. himulayunum X L. Jacotianum, L. duhium Beauverd = L. Jacotianum X monocephalum, sämtlich aus dem Himalaja. In beiden Gattungen werden neue Gruppierungen der Arten vorgenommen und dementsprechend neue Sektionen und Subsektionen aufgestellt. J. Deudj A. Outlines of Evoliitionary Biology. London (Constable and Company), 1912, 454 S., 188 Textabb. — Mk. 15'—. Pedde F. Justs Botanischer Jahresbericht. 37. Jahrg. (1909), 2. Abt., 5. Heft (S. 801—1120),; 38. Jahrg. (1910), 1. Abt.. 5. Heft (S. 961 bis 1120); 39. Jahrg. (1911), 1. Abt., 1. Heft (S. 1—160). Leipzig (Gebr. Borntraeger), 1912. 8". — Mk. 19-50, 9-75. 9-75. Inhalt: 37. Jahrg., 2. Abt., .'i. Heft: W. Herter, Schizomycetes 1908 — 1909 (Schluß); J. Buder, Morphologie der Zelle 1909; C. Brick, Pteridophyten 1909; C. Brunner u. A. Voigt, Technische und Kolonialbotanik 1909. — 38. Jahrg., I.Abt,, 5. Heft: A. Weisse, Physikalische Physiologie 1910 (Schluß); P. Sorauer, Pflanzenkrankheiten. — 39. Jahrg., 1. Abt., 1. Heft: A. Zahl bruckner, Flechten 1911; P. Sydow, Moose; P. Sydow, Pilze (ohne Schizomyceten u, Flechten). Goebel K. Archegoniatenstudien, XIV. Loxsoma und das System der Farne. (Flora. N. f\, 5. Bd., 1. Heft. S. 33-52.) 8". 11 Textabb. Nach den Untersuchungen des Verf. ist L. eine „der von den Cyatheaceen ausstrahlenden, zu den Polypodiaceen überleitenden Formen". Anschheßend legt der Vferf. seine Anschauungen über das System der Farne überhaupt dar. Er be- trachtet die eusporangiaten als die primitiveren und teilt die leptosporangiaten nach dem Öffnungsmodus der Sporangien in a) sporangiis longicidis (die Sporangien öffnen sich mit einem Längsspalt; hieher Osmundaceae, Schizataceae, Gleichenia- ceae) und b) sporangiis brevicidis (schief oder transversal zur Längsachse gestellter Spalt; hieher Cyatheaceae, HymenopJiyllaceae, Folypodiacece). W. — — Archegoniatenstudien. XV. Die Homologie der Antheridien und ArchegonienhüUen bei den Lebermoosen. (Flora, N. F., 5. Bd., 1. Heft, S. 53—70.) 8°. 15 Textabb. Einleitend wird eine neue Fossomhronia (F. Lützelhurgiuna, Brasilien) beschrieben, deren Elateren stark rückgebildet sind. Untersucht wird, inwieweit die Hüllen der Archegonien denen der Antheüdien homolog sind. Die Stellung der Antheridien stimmt mit der der Archegonien überein. Den Hüllen der Antheridien sind die Perianthien der Archegonien homolog. Dagegen finden die Perichaetien kein Analogon bei den Antheridienständen; ihr Auftreten ist auf thallose Formen beschränkt. W. — — Morphologische i.nd biologische Bemerkungen. 21. Scheinwirtel. (Flora, N. F., 5. Bd., 1. Heft, S. 71—87). 8°. 8 Abb. Ergebnisse: Scheinwirtel können entstehen: 1. durch tiefe Teilung dekussiert stehender Blätter, 2. durch blattähnliche Ausbildung der Nebenblätter, 3. durch Zusammenrücken von a) zweizähligen Wirtein, respektive Gliedern solcher, b) spi- ralig gestellter Blätter. — Speziell untersucht wird die Blattstellung der „verticil- laten" Peperomien, von Polygonatum verticillatum und die einiger anderer Mono- kotylen [Gasteria, Aloe). " W. Greil A. Eichtlinien des Entwicklungs- und Vererbungsproblems. Grund- züge der allgemeinen Morphobiologie und Eiitwicklungsdynamik. Zweiter Teil: Anpassung und Variabilität, Ererbung und Erwerbung, Geschlechts- bestimmung, Entwicklungs- und Vererbungstheorien. Jena (G. Fischer). 1912. 8°. 364 S. — M. 10.—. Hai Her H, L'origine et le Systeme phyletique des Angiospermes, exposes ä l'aide de leur arbre genealogique. (Archives Neerlandaises des sciences exactes et naturelles, Serie HIß, Tome L pag. 146—234.) 1912. 8°. 39 Bekanntlich arbeitet der Verf. seit einer Reihe von Jahren an einem Ausbau des natürlichen (phyletischen) Systems der Angiospermen. Bei aller Anerkennung des ernsten Programmes und der großen Kenntnisse des Verf. ist nicht zu leugnen, daß die häufig wenig vertiefte Begründung der Anschauungen und die vielfach vorschnelle Verwertung derselben in Kreisen der Systematiker mit Recht viel Befremden und Ablehnung gefunden hat. Dieselben Fehler haften auch dieser neuesten Arbeit an, in der der Verf. wieder einen geänderten Entwurf seines Systemes gibt. Die Grundaufifassung (Ableitung der Angiospermen vom Typus der Hanales) ist beibehalten. W. Heribert-NilssonN. Die Variabilität der Oenothera Lamarckiana und das Problem der MutatioD. (Zeitschrift für ioduktive Abstammuugs- und Vererbungslehre, ßd.VlII, Heft 1 u. 2, S. 89—231, Tafel 3—5.) 8«. Keil F. Beiträge zur Physiologie der farblosen SchwefelbaKterien. (Beitr. z. Biologie d. Pflanzen. XL Bd., 2. Heft, S. 335—372.) 8«. Wichtige Ergebnisse: Die Schwefelbakterien (untersucht wurden Beggiatoa und Thiothrix) können in Flüssigkeiten gedeihen, welche frei sind von organischen Substanzen; doch können sie organische Stoffe in nicht zu hohen Konzentrationen ohne Schädigung ertragen. Sie verwenden Ammoniumsalze als Stickstoffquelle. Als Kohlenstoffquelle kommt allein Kohlensäure in Betracht. W. Klebs G. Über Flagellaten- und Algenähnliche Peridineen. (Verh. d. naiurw.-raed. Ver. Heidelberg, N. F., XI. Bd., 4. Heft, S, 369—451.) 8°. 1 Taf., 15 Textabb. Inhalt: I. Flagellatenähnliche Peridineen {Haplodinium antjoliense Kl., Java). — IL Algenähnliche Peridineen. A. Peridineenartige, unbewegliche Zellen .mit Furchenstruktur (1. CystodiniumbatavienseK\., 2. Ci/stodiniumSteinii Kl., 3. Über gehörnte Cysten bei Peridineen des Süßwassers, 4. Cystenbildung bei marinen Peridineen, B. Cystenbildung bei Gymnodinium u. Glenodinium, 6. Ht/pnodinium sphaericum KL). B. Peridineenartige, unbewegliche Zellen ohne Furchenstruktur (1. Pyrocystis Murr., 2. Phyto dinium Kl, 3. Tetradinium Kl., 4. Stylodinium Kl., 5. Gloeodinium Kl.). - HI. Der Bau des Zellkernes bei einigen Süßwasser- Peridineen. — IV. Die Beziehungen zwischen Peridineen und anderen Gruppen niederer Organismen. — V. Systematische Übersicht der neu beschriebenen Peri- dineen. W. Koelsch A. Würger im Pflanzenreich. Stuttgart (Kosmos, Franckh). kl. 8°. 101 S., zahlr. Abb. — Mk. 1. Koraarov V. L. Voyage en Kamtschatka (Expedition ä Kamtschatka, organisee par Th. P. Riapouchinsky). (Section de Botanique, Moskau.) 344 S. Kränzlin F. Cannaceae. (A. Engler, Das Pflanzenreich, 56. Heft, IV. 47.) Leipzig (W. Engelmann), 1912. 8°. 77 S., 16 Textabb. — Mk. 4. Krön ach er 0. Grundzüge der Züchtungsbiologie. Fortpflanzung, Ver- erbung, Anpassung und Züchtung unter besonderer Berücksichtigung der Vererbungslehre nach dem derzeitigen Stande der Forschung. Eine Einführung für Studierende der Landwirtschaft und Veterinär- medizin und für Züchter. Berlin (P. Parey), 1912. 8°. 323 S., 95 Textabb., 9 färb. Tafeln. — Mk. 13. Kr ÖS che E. Zum Formenkreis von Veronica Änagallis L. und Ver. aquatica Bernhardi (Allg. botan. Zeitschrift, XVIIL Jahrg., 1912, Nr. 7—9, S. 81—88, Nr. 10, S. 129-132.) 8^ Kunze 0. Kleine Laubholzkunde. Ein Handbuch für den gärtnerischen Unterricht. 2. neubearb. Aufl. Stuttgart (Ferd. Enke), 1912. 16». 163 S. — Mk. 3-40. Das Buch will ein kurzgefaßtes Handbuch für den gärtnerischen Unterricht sein und eingehende Werke desselben Gegenstandes, deren Anschaffung in der Regel für den Schüler zu kostspielig ist, ersetzen. Der Stoff ist nach Ordnungen, Famüien, 40 Gattungen und Arten des natürlichen Systems geordnet. Kurze Charakteristiken der Familien, Gattungen und Arten mit Angabe von Heimat, Verbreitung, Blüte- zeit etc. helfen den Zweck des handlichen Buches erreichen. J. Stadimann. Lignier 0. et TisonA. Les Gnetales leurs fleurs et lear position syste- raatiques (Ann. d. sc. nat. Bot., IX. ser., p. 55—185). 8°. 40 Abb. Eine auf Grund ausführlicher Literatur-Studien und eigener Untersuchungen ausgeführte Darstellung der Morphologie und systematischen Stellung der Gnetales, speziell von Welwitschia. In systematischer Hinsicht betonen die Verff. nach reif- licher Diskussion aller Momente die nahen Beziehungen von Welwitschia zu den Angiospermen, und zwar zu den Monochlamydeen. W. Mi ran de M. Sur un nouveau groupe naturel de plantes ä acide cyan- hydrique, les Calycanthaceae. (Compt. rend. hebd. des seances de l'Acad. de sc, tome 155, nr. 17.) Die Gattungen CaZ^caMiZ/MS nni Chimonanthtis enthalten „acide cyanhydrique". Moesz G. Teratologie der Pilze. (Botanikai Közlemeayek, XI. kötet, 1912. 3.-4. füzet, pag. 105—115 und [23]— [32].) 8". 8 Abb. M u schier R. A Manual Flora of Egypt. 2 Bde. Berlin (Friedlaender u. Sohn). 1912. 8". 1312. S. — Mk. 40. Nach einer Flora von Ägypten war schon lange ein stark gefühltes Be- dürfnis vorhanden. Demselben entspricht das vorliegende, mit großer Gründlichkeit gearbeitete Buch in vorzüglicher Weise. Sehr zu begrüßen ist es, daß sich der Verf. bei Ausarbeitung desselben der werktätigen Unterstützung der beiden besten Kenner der Flora Ägyptens zu erfreuen hatte, der Herren Aseherson und Schwein- furth, die auch die Einleitung schrieben. Von den einzelnen Arten ist Synonymie, Diagnose, Verbreitung und Aufzcählung der einheimischen Namen gegeben. Gesamt- zahl der Arten 1503, darunter nur 3 (!) Pteridophyten. Sehr wertvoll sind die Appendices, welche die Geschichte der botanischen Erforschung, Schilderung der pflanzengeographischen und geologischen Verhältnisse, eine tabellarische Übersicht der Verbreitung der Arten, eine Aufzählung der wichtigsten Kultur- und Garten- pflanzen, ein alphabetisches Verzeichnis der arabischen Namen etc. bringen. W. Noack K. Beiträge zur Biologie der thermophilen Organismen. (Jahrb. f. wissensch. Bot., LI. Bd., 5. Heft, S. 593—648.) 8". Verf. untersuchte eine Reihe von thermophilen Organismen {Mucor pusillus, Thermoascus aurantiacus, Anixia spadicea, Thermoideum sulfureum, Thermo- myces lanugiHOSus, Actinomyces thermophilus, Bacillus calfactor) in bezug auf die Resistenzfähigkeit gegen subminimale Temperaturen. Als allgemeines Ergebnis ist hervorzuheben, daß alle thermophilen Pilze im Ruhezustand (Sporen verschie- dener Art) befähigt sind, lange Zeit subminimale Temperaturen zu ertragen, daß auch die vegetativen Stadien Widerstandsfähigkeit gegen solche Temperaturen, aller- dings in sehr verschiedenem Maße zeigen. Die Abhandlung schließt mit einer Besprechung des Vorkommens der Thermophilen in der Natur. W. North American Flora. Volume 17, Part 2. New York (The New York Botanical Garden), 1912. gr. 8°. 196 pag. Inhalt: George Valentine Nash, Poaceae (pars). Fax F. Eupliorhiaceae- AcaJypheae- Chrosophorinae. (A. Engler. Das Pflanzenreich, 57. Heft, IV. 147. VI.) Leipzig (W. Engelmann), 1912. 8^ 136 S., 25 Textabb. — Mk. 7*20. ßa witscher F. Beiträge zur Kenntnis der üstilagineeu. (Zeitschr. f. Bot., IV., 2. Heft, S. 673—706.) 8°. 1 Taf und 20 Textfig. Die von Dangeard und Lutman mitgeteilten Beobachtungen, nach denen bei der Sporenbildung eine Verschmelzung von je zwei Kernen eintritt, wird be- stätigt. Bei Ustilago Carbo sind die am Promycel auftretenden Schnallenbildungen und die Sporidien-Kopulationen mit Kerntibertritten verbunden, welche zu zwei- kernigen Mycelien führen. Erst bei der Bildung der Brandsporen tritt Kernfusion ein, so daß die Brandsporen einkernig sind. Bei Ustilago Maydis sind die Spo- ridien und die Zellen des Myceliums einkernig; erst vor der Sporenbildung ent- stehen durch Auflösung der Querwand zwischen zwei Nachbarzellen zweikernige Zellen; die Verschmelzung der Kerne einer Zelle führt zur Sporenbildung. W. 41 Ricken A. Die Blätterpilze (Agaricaceae) Deutschlands und der an- grenzenden Länder, besonders Österreichs und der Schweiz. Lieferuno' VII/VIII (S. 193—256. Tafel 49—64). Leipzig (Th. 0. Weigel), 1912. — Mk. 6. Rikli M. und Schröter C. Vom Mittelmeer zum Nordrand der Sahara. Eine botanische Frühlingsfahrt nach Algerien. Zürich (Püssli). S''. 178 S., 25 Taf. Die Anregung zu diesem Buche gab eine Reise, die die Verf. im Frühjahr 1910 in das im Titel erwähnte Gebiet imternabmen. Das Buch gibt eine prächtige pflanzengeographische und oekologische Beschreibung der Gebiete, die durch zahl- reiche vorzügliche Abbildungen illustriert wird. Anschließend finden wir kurze Abhandlungen über technisch verwendbare Farbstoife des Gebietes von C. Hart- wich, über parasitische Pilze Algeriens von 0. Schneider-Orelli, über algerische Zoocecidien von M. Schneider-Orelli, endlich über ethnographische Reise- erinnerungen von L. Rütimeyer. W. Rosenvinge L. K. und Warming E. The Botany of Iceland. Part L Copenhagen (J. Frimodt), London (J. Wheldon and Comp.), 1912. 8°. 186 S. Inhalt: H. Jönsson, The Marine Algae. Schiemann E. Mutationen bei Aspergillus niger. (Zeitschr. f. induk- tive Abstamm.- und Vererb.-Lehre, VIII. Bd., Heft 1 u. 2.) 8^ 2 Taf., 16 Textfig. Verf. konnte in Kulturen von A. niger das Auftreten von Mutanten kon- statieren, von denen insbesondere drei ausführlicher behandelt werden: A. fuscus, A. cinnamomeus und A. proteus. Es ließ sich nachweisen, daß das Auftreten von Mutationen durch starke Reize (chemische und thermische Reize) gefördert wird. W. Semon R. Das Problem der Vererbung „erworbener Eigenschaften". Leipzig (W. Engelmann), 1912. 8". 203 S. Mk. 3-20. Kritische Sammlung des Materiales, welches bisher zur Beantwortung der im Titel genannten Frage vorliegt, ist ein dringendes Bedürfnis. Verf. hat sich dieser Aufgabe unterzogen und ein reiches Material gesammelt, das jedem, der sich mit dem Problem befaßt, von größter Wichtigkeit sein wird. In dem resümierenden Schlußkapitel präzisiert Verf. die Frage in folgender Weise: Dürfen wir annehmen, daß unter günstigen Umständen durch im elterlichen Körper ausgelöste Erregungen die erblichen Potenzen der Keinazellen und damit die Reaktionsnormen der Nach- kommen verändert werden können, und zwar, falls diese Erregungen schon bei den Eltern wahrnehmbare Veränderungen hervorgebracht haben, in der Richtung gleich- sinniger Veränderung bei Eltern und Nachkommen? Auf Grund einer Diskussion des Materials gelangt der Verf. zur Bejahung dieser Frage. W. Smith J. J. Die Orchideen von Java. Figuren-Atlas, 5. Heft. Leiden (E. J. Brill), 1912. 8^ Figur CCCLXXV— CDXLIIL — K 11-20. Stomps Th. J. Die Entstehung von Oenothera gigas. (Ber. d. deutsch, botan. Ges., Bd. XXX, Heft 7, S. 406—416.) 8°. Für Oenothera Lamarckia^ia yvurde durch Gates, Lutz und Geerts nach- gewiesen, daß die diploide Chromosomenzahl 14, die haploide 7 beträgt. Lutz hat dann gezeigt, daß 0. gigas, bekanntlich ein Mutant von 0. Laviarckiana die doppelte Chromosomenzahl enthält. Wie läßt sich dies erklären ? Verf. beobachtete eine der 0. gigas nahestehende Form, die er semigigas nennt, deren diploide Chromosomenzahl 21 beträgt. Er erklärt sie als entstanden aus einer Verbindung einer nichtmutierten Keimzelle von 0. Lam. (mit 7 Chromosomen) mit einer mutierten (mit 14 Chromosomen). Eine Bestätigung findet diese Erklärung dadurch, daß Bastarde zwischen Oenotheren mit 14 Chromosomen in den Keimzellen und solchen mit 7 Chromosomen Formen mit 21 Chromosomen ergeben. Danach ist wahrscheinlich, daß die Mutation, welche zur Entstehung von 0. gigas führte, die Keimzellen der Stammpflanzen betraf. W. 42 Stomps Th. J. Mutation bei Oenothera hienuis. (Biolog. ZentralbL, Bd. XXXII, Nr. 9, S. 521-535.) 4 Fig. S». Mit Rücksicht auf die Einwendungen, welche in jüngster Zeit gegen die Deutung der Oenothera Lama7'ckiana-Mnta,t\onen erhoben wurden und welche die Möglichkeit von Bastardierungs-Wirkungen annahmen, hat Verf. das eventuelle Auftreten von analogen Mutationen bei 0. biennis untersucht. Tatsächlich konnte er solche Mutationen konstatieren, von denen besonders 0. biennis mut. natieUa und 0. b. mut. semi-gigas von Interesse sind, da sie den gleichnamigen Muta- tionen der 0. Lamarckiana entsprechen. Bemerkenswert ist auch, daß die mut- semi-gigas von 0. biennis 21 Chromosomen besitzt, geradeso wie die analoge Mutation von 0. Lamarckiana. W. Swaiiton E. W. British plant galls. A classified text-book of ceci- dology. — Mk. 9. Thiselton-Dyer W. T. Flora of Tropical Africa. Vol. VI. — Sect. I. — Part. V (pag. 769—960). London (L. Reeve and Co.), 1912. 8°. — Mk. 9-60. Inhalt: Hutchinson and Prain, Euphorhiaceae, cont. ToepfferA. Salicologische Mitteilungen, Nr. 5. München (Selbstverlag), 1912. 271 S. 8°. Inhalt: _Bestimmungsschlussel für die europäischen Weidengallen (Salix- eecidien). — Übersicht der iteologischen Literatur 1911 — 1912. — Schedae zu Toepffer, Salicetum exiccatum, Fase. VII. (Nr. 301—350). Tröndle A. Der Nnkleolus von Spirogyra und die Chromosomen höherer Pflanzen. (Zeitschrift f. Botanik, 4. Jahrg., 1912, 11. Heft, S. 721—747.) 8°. 1 Tafel. Tuzson J. Über die Formen von Fritillaria tenella. (Botanikai Közle- menyek, XL kötet, 1912, 3.-4, füzet, pag. 131 — 135 und [deutsches Resumej pag. [32] — [33].) 8". Nachweis, daß F. Degeniana J. Wagn. zu F. tenella MB. gehört. Diese tritt in drei Formen auf: 1. f. montena (Algier, S. Frankr., Südl. Österr., Fiume, Montenegro, S. Eußl.). 2. f. latifolia (Ungarn, Balkanhalbinsel, Ragusa), 3. f. Or- siniana (Italien, Umbrien). Vries H. de. Mutationen in der Erblichkeitslehre. Berlin (Gebrüder Borntraeger), 1912. 8°. 42 S. — Mk. 1-60. Wiedergabe des Vortrages, den der Verf. bei der feierlichen Eröffnung des „The Rice Institute" in Texas hielt. Der Vortrag ist für alle Biologen von großem Interesse, da der Verf. hier resumieiend Stellung nimmt zu allen Einwänden, die in den letzten zehn Jahren gegen seine Mutationslehre erhoben wurden und zu einer Reihe neuer, sie betreffenden Entdeckungen. Verf. bespricht das Verhältnis der Muta- tionslehre zur Lehre der direkten Bewirkung, das Wesen der Anpassungsmerkmale, die cytologischen Befunde bei Mutanten, die Versuche einen Teil der Oenothera-MutSitionen in Beziehung zu bringen mit Bastardierungen etc. W. Wieler A. Pflanzenwachstura und Kalkmangel im Boden. Untersuchungen über den Einfluß der Entkalkung des Bodens durch Hüttenrauch und über die giftige Wirkung von Metallverbindungen auf das Pflanzen- wachstum. Berlin (Gebrüder Borntraeger), 1912. 8°. 235 S., 43 Textabb. — Mk. 14. Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Kongresse etc. Kaiser!. Akademie der Wissenschaften in Wien. Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse vom 17. Oktober 1912. Prof. Dr. Karl Fritsch in Graz übersendet den ersten Teil seiner „Untersuchungen über die Bestäubungsverhältnisse süd- 43 europäischer Pflanzenarteu, insbesondere solcher aus dem österreichischen Küstenlande". Der Verfasser bereiste im Jahre 1906 in den Monaten April, Juni— Juli und September — Oktober das österreichische Küstenland zum Zwecke blütenbiologischer Beobachtungen. Außer den dort im Freien vorgefundenen Pflanzen wurden auch mediterrane Pflanzenarten aus botanischen Gärten und einzelne zufällig in frischem Zustande erhaltene Arten aus Korsika in bezug auf Bestäubungsverhältnisse unter- sucht, im ganzen annähernd 60 Arten. Außerdem wurden an mehr als 100 Pflanzen- arten, deren Blüteneinrichtungen zumeist schon bekannt sind, Beobachtungen über den Insektenbesuch angestellt. Der vorliegende erste Teil beschäftigt sich mit Biiscus aculeatus L., Serapias cordigera L. und Cytinus hypocistis L. Die weiteren Teile werden die Schilderung der Blüteneinrichtungen der untersuchten Dialypetalen und Sympetalen sowie die Listen der als Blütenbesucher der einzelnen Pflanzenarten beobachteten Insekten bringen. Das w. M. R. V. Wett stein überreicht eine Arbeit von Prof. Dr. Pridolin Krasser (Prag), betitelt: „WüUamsonia in Sar- dinien." Die wichtigeren Ergebnisse der dieser Abhandlung zugrunde liegenden Unter- suchungen lassen sich in Kürze folgendermaßen zusammenfassen: 1. Die Aufsammlungen fossiler Pflanzen in Sardinien durch Prof. Dr. Domenico Lovisato (Universität in Cagliari) ließen für dieses Gebiet die Existenz von Wil- liamsonia-führenden Schichten nachweisen. 2. Es liegen sowohl Beste von weiblichen als auch von männlichen Blüten vor. 3. In denselben Schichten vorkommende Samen können nur auf Cycadophyten zurückgeführt werden. Eine Art derselben gehört sicher zu Williamsunia, vermutlich zu W. Lecketibyi Nath. 4. Die weiblichen Williamso7iia-B\ütei\, sowie die männlichen, gehören zu Arten, die bisher nur aus dem Jura von England bekannt sind. Mindestens stehen die sardinischen Exemplare den englischen so nahe, daß sie mit den letzteren ohne Schwierigkeit denselben Arten untergeordnet werden können. 5. Die weiblichen Blüten gehören in diesem Sinne zu Wiltianiso)iia Leckenhyi Nath. Sie liegen in verschiedenen Erhaltungsformen vor. Außer von oben gepreßten, seitlich verdrückten und zerquetschten Exemplaren ist auch die Oberfläche des Zapfens im Negativdruck und auch der Abdruck der Unterseite erhalten, so daß genügend Aufschlüsse über die Oberflächenbeschaifenheit und die innere Struktur der sardini- schen PFi/ii«?HSontr(-Zapfen vorliegen. 6. Die männlichen Blüten fanden sich nur in zwei Fragmenten, die jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf Williamsonia ivhithiensis Nath. weisen. 7. WiUiamsünia Leckenbyi war bisher nur bekannt von der Yorkshireküste, und zwar bloß aus den „Middle Estuarine Series" am Cloughton Wyke, so daß also Sardinien, welches den zweiten Standort birgt, ungefähr gleichalterige Schichten be- sitzen muß. 8. Williamsonia whitbioisis war bisher nur aus den „Estuarine Series" bei Whitby bekannt, wo sich bisher nur männliche Blüten fanden. Die englischen Geologen zählen die betrefi'enden Schichten den „Lower Estuarine Series" zu. Es stammen die W. ivhitbiensis also aus geologisch älteren Horizonten als die weiblichen W. Lecken- byi, mit denen in denselben Schichten von männlichen Blüten nur W. pecten (Leckenby) Nath. vorkommt, mit welcher jedoch keiner der beiden sardinischen Beste männlicher Williamsonien vereinigt werden kann. 9. Aus dem Vorkommen der von mir als Williamsonia Leckenbyi bestimmten weiblichen und der als W. ivhitbiensis bestimmten männlichen Blüten muß man auf das Vorkommen von Schichten in Sardinien schließen, die ihrem geologischen Alter nach den von den englischen Geologen als „Estuarine Series" bezeichneten Schichten des Jura entsprechen. 10. Mit den Williamsonien zusammen, jedoch nicht in organischem Verbände, kommen in Sardinien Cycadophytenblätter vor, die in den Formenkreis fallen, den S e w a r d als Williamsonia pecten (Phillips) zusammengefaßt ;hat. Es ist dieselbe Beblätterung, die auch in den „Middle Estuarine Series" am Cloughton Wyke vor- 44 kommt und von Nathorst (Paläobotan. Mitt. 9) unter dem rationelleren Namen Ptilophylhim -pecten von dort angeführt und als „häufig" bezeichnet wird. 11. In der vorliegenden Abhandlung wird für den weiblichen Zapfen von Wil- liamsonia in Konsequenz des Nathorst sehen Terminus „Panzer" der Terminus „Panzer- zapfen" eingeführt. Die Gattung Williamsonia wird in Übereinstimn^ung mit Nat- horst so verstanden, daß dahin alle Bennettitales-^XvLt^n und .Bejtnei^iiaZes-Zapfen- früchte, die außer Verband mit den zugehörigen Stämmen gefunden werden, sofern nicht zwingende Gründe die Kreierung eigener Gattungen erheischen, gezählt werden. 12. Zum Vergleiche, respektive zum Verständnisse der in den sardinischen TFiZZiamsonia-Schichten vorkommenden TF^7Z^aJHS0H^a- Samen wird in dieser Abhand- lung auch ein Panzerzapfen aus den Lunzer Schichten ( Williamsonia Wettsteini F. Krasser sp. n ), also eine Williamsonia der oberen Trias, herangezogen. Wil- liamsonia Wettsteini ist zugleich der geologisch älteste Eepräsentant der Gattung Williamsonia. Dem Typus ihrer Samen entsprechen die von mir als sicher zu Wil- liamsonia (vermutlich W. Leckenhyi) gehörig nachgewiesnen Samen aus den sardini- schen Schichten. Das w. M. Prof. H. M o 1 i s c h überreicht eine im pflanzenphysiologischen Institute der Wiener Universität ausgeführte Arbeit von Privatdozenten Dr. Oswald Eichte r: „Über die Steigerung der heliotropischen Empfindlichkeit von Keimlingen durch Narkotika." Der Verfasser unterzog mit einer neuen Versuchsanordnung, die es ermöglichte, Keimlinge {Avena sativa, Vicia sativa, Hordeum sativum, Zea Mays) in abgeschlos- senen Glasgefäßen auch im Laboratorium in reiner Luft am Klinostaten zu rotieren, die Einwände Guttenbergs (1910) gegen seine älteren Experimente (1906) über das vorliegende Thema einer neuerlichen Überprüfung und kam zu dem Ergebnis, daß sich eine Steigerung der heliotropi sehen Empfind- lichkeit durch Narkotika, wie Leuchtgas und Äther, tatsäch- lich feststellen läßt. 1. dadurch, daß sich die Keimlinge der Narkotikaatmosphäre unter sonst gleichen Bedingungen viel stärker krümmten als die in reiner Luft (in diesem Falle ist der Krümmungswinkel ein Maß für die Steigerung der heliotropischen Empfindlichkeit) ; 2. durch die Ermittlung der Schwellenwerte für Narkotika- und Keinluftkeim- linge (diese verhielten sich bei Avena sativa unter den gegebenen Versuchsbedin- gungen — Zutritt des Lichtes durch relativ dickwandige Glasgefäße — wie 45-741: 60-988 MK/sec. oder wie 3:4)-, 3. dadurch, daß unter sonst gleichen Bedingungen die Krümmung der nar- kotisierten Keimlinge früher eintrat als die der Kontrollobjekte in reiner Luft, wenn man mit bestimmten Keimlingen {Avena sativa) arbeitet und auf sie sehr geringe Lichtmengen einwirken läßt. Sitzung der mathematis ch -naturwissenschaftlichen Klasse vom 24. Oktober 1912. Herr Konservator Josef Brunnthal er legt den ersten Teil der „Ergebnisse einer mit Unterstützung der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien unternommenen botanischen Forschungsreise nach Deutsch-Ostafrika und Südafrika (Kapland, Natal und Rhodesien)" vor. Die Bearbeitung umfaßt eine Einleitung über die Reiseroute, ferner die Bear- beitungen: Reptilien und Amphibien (21 Arten, darunter 1 nov. spec), Termiten (3 Arten, 1 nov. spec). Süßwasserproben (8 Arten, 1 nov. spec), Hepaticae (86 Arten, 23 nov. spec), Musci (90 Arten, 15 nov. spec). Die Bearbeiter sind Prof. Dr. F. Werner (Wien). Prof. Dr. Y. Sjöstedt (üpsala), Prof. Dr. V. Brehm (Eger), F. Stephani (Ötzsch bei Leipzig) und Prof. V. F. Brotherus (Helsingfors). Das w. Mitglied Prof. Guido Goldschmiedt überreicht zwei Arbeiten von Privatdozent Dr. Julius Zellner: 45 1. „Zur Chemie der höheren Pilze. IX. Über die durch Exobasidiiim Vaccinü Woron. auf Rhododendron ferrugineimi L. erzeugten Gallen." Die Untersuchung von Pilzgallen, welche bisher noch niemals durchgeführt wurde, schien für das Studium des Chemismus der Pilze von Interesse zu sein. Es wurden sowohl die Gallen selbst wie auch die Blätter, auf welchen sie sich bilden, untersucht. Ein wesentlicher Unterschied in der qualitativen Zusammensetzung ließ sich nicht konstatieren; in beiden Fällen wurde gefunden: Fett, zwei Körper der Phytosteringruppe, Harz, Chlorophyll, Phlobaphen, Traubenzucker, Gerbstoffe, orga- nische Säure und amorphe Kohlehydrate. Bloß Terpen und Stärke, welche in den Blättern vorkommen, konnten in den Gallen nicht gefunden werden. Ebensowenig auch charakteristische Pilzstoffe. Die quantitative Untersuchung ergab, daß die Galle arm ist an in Wasser unlöslichen Stoßen (Fett, ätherischem Öl, Harz, Chlorophyll), hingegegen reich an wasserlöslichen Körpern, besonders solchen, welche osmotisch wirksam sind (Zucker, organischen Säuren, Mineralsalzen); die Gerbstoffe sind ver- mindert, die amorphen Kohlehydrate angereichert. Der Pilz ruft bei der Gallenbildung Prozesse hervor, welche den bei der Bildung saftiger Früchte verlaufenden in mehr- facher Beziehung analog sind. 2. „Zur Chemie der höheren Pilze. X. Über Ärmillaria mellea Vahl, Lactarius piperatus L., Pholiota squarrosa Müll, und Folyporus hetulinus Fr." Die genannten Pilze wurden untersucht, um weiteres Material zur Beantwortung der Frage zu gewinnen, inwieweit bei den Pilzen systematische Stellung und chemische Zusammensetzung miteinander in Konnex stehen. In dem erstgenannten Pilze wurden gefunden: Fett, Lecithin, Ergosterin, Harz, Mannit, Traubenzucker und Cholin. In Lactarius piperatus wurden gefunden: Fett, Ergosterin, ein Körper, der möglicher- weise der Purinreihe angehört, Lecithin, Mannit, Traubenzucker und Cholin. Die feste Fettsäure, welche in großer Menge vorhanden ist, wurde rein dargestellt und genau untersucht. Sie ist zweifellos Stearinsäure. Der Pilz Pholiota squarrosa ergab beider chemischen Untersuchung: Fett, Lecithin, Ergosterin, Harz, Phlobaphen, Mannit, Mykose, Traubenzucker und Cholin. Im Polyporus hetulinus endlich wurden kon- statiert: Fett, Ergosterin, Cerebrin, Harz, ein Körper unbekannter Natur, ein alkohol- artiger, hochmolekularer Stoff (vielleicht Harzalkohol), welcher analysiert und Poly- porol genannt wurde, ferner ein Phlobaphen, Mannit, ein der Inulin- oder Stärke- gruppe zugehöriges Kohlehydrat und Paraisodextran. Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse vom 31. Oktober 1912. Dr. Karl Rechinger in Wien übersendet eine Abhandlung: „Botanische und zoologische Ergebnisse einer wissen- schaftlichen Forschungsreise nach den Samoa-Inseln, dem Neu- Guinea- Archipel und den Salomons-Inseln. V. Teil." Cfesellscliaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Bitte des Archivs der Gesellschaft Deutseher Natur- forscher und Ärzte um Einsendung von Briefen, biographi- schen Aufzeichnungen und Nekrologen von Naturforschern und Ärzten. Nachdem das Archiv den Auftrag übernommen hatte, alles Aktenmaterial der früheren Verhandlungen deutscher Naturforscher und Ärzte zu sammeln und zu ordnen, lag es als selbstverständliche Nebenaufgabe mit im Plane, auch biographi- sches Material über die Träger aller dieser Ereignisse, die deutschen Natur- forscher und Arzte, zu sammeln. Andere Betätungsarten deutschen Geisteslebens, namentlich nach der künstlerischen Seite hin, haben schon längst ihre Stelle, wo ge- wissenhaft alles zusammengetragen wird, was sich auf das Leben und Schaffen der 46 betreffenden Kreise und ihrer einzelnen Vertreter bezieht. Für die Naturforscher nnd Arzte fehlte bisher eine solche Sammelstätte. Das Archiv unserer Gesellschaft soll sie in Zukunft bilden. Wir richten daher an alle Naturforscher und Arzte Deutschlands das Ersuchen, in ihrem Besitze befindliche Briefe von Verstorbenen und Verwandten und Freunden, desgleichen biographische Aufzeichnungen und Nekrologe, dem Archiv schenkweise oder leihweise in Verwahrung zu geben. Täglich werden ja alte Brief- schaften vernichtet, die irgendwo als unnützer Ballast im Wege liegen; namentlich die Herren Arzte als Familienberater, auch über ihren Beruf hinaus, können in dieser Hinsicht viel Gutes stiften und den Untergang unschätzbaren Aktenmaterials ver- hindern. Ebenso wichtig ist die Sammlung der in der Tagesliteratur erschie- nenen Lebensberichte bei festlichen Gelegenheiten und beim Todes- fall (Nekrologe). Die Archivleitung richtet an alle Naturforscher und Arzte die Bitte, in ihrer Bibliothek nachzusehen, was von solchen Gelegenheitsschriften noch vorhanden und entbehrlich ist. Das gleiche Ersuchen ergeht an die Redaktionen unserer naturwissenschaftlichen und medizinischen Zeitschriften für die Ver- gangenheit und für die Zukunft. Was etwa an alten Sonderabzügen von Nekrologen noch vorhanden ist, bitten wir orgebenst uns herüberreichen zu wollen. Besonders zu Dank verpflichten würden uns die verehrlichen Redaktionen, wenn sie für die Zu- kunft von allen Jubel- und Gedächtnisschriften über deutsche Natur- forscher und Arzte einen Sonderabzug für das Archiv zurücklegen und gelegentlich an dasselbe senden möchten: Leipzig, Talstraße 33 IL Im Namen der Archivleitung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Arzte: Prof. Sudhoff. Botanische Sanunlungen, Museen, Institute etc. Neuere Exsikkatenwerke. Bauer E. Musei europaei exsiceati. Serie 18 und 19 (Nr. 851 — 950). Die Schedae zu diesem Exsikkatenwerk erscheinen auch in Heftform im Selbstverlage des Herausgebers. Boggiani 0, Flora Verbauo-Lepontica. Cent. 1. Das Sammelgebiet dieses Exsikkatenwerkes erstreckt sich von den Lepon- tinischen Alpen bis zur Poebene. Foreau G. Musci Madurenses ludiae raeridionalis exsiceati. Fase. 1 (Nr. 1—25). Heribaud J. Collection des phanerogams de i'Araerique du Sud. Cent. 1. — — Collection des cryptogaras de TAmerique du Sud. Cent. 1. Hintikka, Cecidotheca Fennica, Fase. 1 (25 Nummern). Leeuwen, Sammlung Niederl. Ost-Indischer Gallen, Serie 1 (25 Nummern). Petrak F. Cirsiotheca universa. Lieferung 4 — 6 (Nr. 31 — 60). — — Flora Bohemiae et Moraviae exsiccata. Lieferung 9 u. 10 (Nr. 801—1000). Flora Bohemiae et Moraviae exsiccata. IL Serie, 1. Abt.: Pilze. Lieferung 1 — 10 (Nr. 1—500); 2. Abt.: Flechten; 3. Abt.: Moose; 4. Abt.: Algen. Die 2. bis 4. Abteilung sind im Erscheinen begriffen und werden ebenfalls in Lieferungen von je 50 Nummern ausgegeben werden. Schiffner V. Hepaticae Europaeae exsiccatae. Serie 10 (Nr. 451 — 500). Siehe W. Sammlung seltener orientalischer Pflanzen. Cent. 1. Zenker G. Plantae Kamerunenses. Cent. 1 u. 2. 47 Herbarium Dendrolog-icuin, herausgegeben von Dr. Karl Baenitz (Breslau, XVI. Kaiserstraße 78/80). In zweiter Auflage sind er- schienen: Lief. XXII (Keimpflanzen Nr. 1—47, Mk. 8-50) und Lief. XXIV (Keirapflanzen Nr. 48—78. Mk. 5'50). Neu erschienen sind: Lief. XXXIV (31 Nummern, Mk. 5-50), Lief. XXXV (18 Nummern. Mk. 3), Lief. XXXVI (27 Nummern, Mk. 5) und XIL Nachtrag (9 Num- mern, Mk. 1). Lief. XXXIV M (Keimpflanzen): Acer italum Lauth v. euliyrcanum Schwer, f. tomentella Pax; Ahius cor data Desf. v. genuina H. Winkl., (jlut. Gaertn. v. vulg. Spach f. macrocarpa Call, et f. typica; Cotoneaster nigra Whlbg. ; DapJme Meze- reuni L.; Uiospyros Lotus L.; Fagus süratica L.^); Ficus Carica L. ; Fraxinus Ornus L. ; Gleditschia triacanthos L.; Hibiscus syriacus f. alba; Morus alba; Myrica ccrifera; Phoenix dactylifera; Quercus sessiliflora Salisb. ; Bhododendron sinense Sweet; Eobinia neomexicana A. Gv.; Rosa pisocarpa A. Gr.; Rubus caesius, phoenicolasiasMux.; Salix aurita f. cor difolia Wim., aurita yc cinerea Wim , caprea f. angnstifolia Anders.; Sorbus Aria Gr., hybrida W.Koch; Cupressus sempervirens V. fastigiataDC; Larix leptolepis Murray; Pinus deiisiflora S. Z., excelsaW^Xl. v. Peuce Gris., Pinaster Sol. Lief. XXXV (Zoocecidienj : Cornus sanguinea {Oligotrophus corni Giraud); Corylus Avellana {Phyllocoptes comatus typicus Nal.); Fagus silvatica {Mikiola fagi Hartig, Eriophyes stenaspis Nal., E. nervisequus Cau.); Philadelphus coro- narius (Aphis?); Populus tremnla {Perrisia populeti Eübs.); Prunus spinosa (Apliis cerusi Schrank); Quercus Rohur [Andricus MiflatorHa.rt., Riorrhiza pallida Oliv.); Rosa canina. [Perrisia rosarum); Rubus Idaeus (Eriophyes gibbosus Nal.), plicatus W. N. (Eriophyes gibbosus Nal.); Salix aurita {Cryptocampus venustus Zadd.); Sambucus nigra (Epitrimerus trilobus ^^\.) ; Tilia platyphyllo s Sco]). {Erio- phyes tetratrichus Nal.),- Vitis vinifera (Eriophyes ritis Land); Picea orientalis Lk. (Adelges orientalis Dreyfus). Lief. XXXVI: Alnus incana Moench v. orbicularis Call; Alsovtitra sarco- phylla Eoem. (^.; AmelancJiier vulgaris Moench; Gar pinus caroliniana Walt.; Cra- taegus oxyacantha X inonogyna Lasch f. glabra Sanio; Eleagnus angustifolia fr. fol); Erythrina crista galli^); Jtea virginica ; Magnolia obovata Thunbg. f. denudata Lam.; 0}ionis hirciva Jacq.; Quercus sessiliflora, Salisb. ssp. Welandii Borb. = Qu. condensata Schur; Rubus pyramidalis Kaltenb. v. semilatus Sudre; Sarothamiius scopariusW .'Koch.'-^) (fol.); Salix aurita f. cor difolia Wim. 9; aurita yi cinerea Wim. ^T; atcrita^ silesiaca Wim. f. eriocarpa et f. liocarpa; cinerea X purpurea Wim, J", $; japonica Thunbg. cf; longifolia Mühlenbg. (^ ; Smilax rotundifolia (fr. fol.); Viburnum molle Michx. ; Melampsora Salicis - capreae Wiut., Tremulae Tul.; Phragmidium violaceum Wint.*); TImja occidentalis v. Spaethi P. Smith. XII. Nachtrag: Nr. 133. Salix purp. f. gracilis Gren. Gr. Q; 513. Liqui- dambar styraciflua (fol. fr.) ; 1886. Juglans regia (Eriophyes tristriatus Nal. ^); 1986. Tilia ^) americana v. densiflora V. Engl.; 1988. T. mandschurica Rupr. ; 1989 bis 1991. T. tomeutosa Moench v. petiolaris Borb. f. sphaerobalana V. Engl., v. typica Beck f. calvescens et f. intermedia V. Engl. K. Baenitz. 1) Dieser Lieferung liegt bei ein Separatabdruck aus der „Deutschen Botanischen Monatsschrift von M. Eeineck, 1911" über die Arbeit des Herausgebers: „Die Keim- pflanzen der Holzgewächse" mit 47 Abbildungen von W. Müller, nach den Originalen des Herb. Dendrologicum. 2) Selbstaussaat in zweiter Entwicklungsstufe: vergl. Nr. 1318! 3) Mit Wurzelknöllchen (Bacillus radicicola Beyerink). *) Auf Rubus villicaulis Koehl. 5) Neuer Standort im Zobtengebirge. '') Die Blüten der Tilia-Arten wurden den Bäumen entnommen, von welchen ch 1911 die Fruchtexemplare schnitt. 48 Notiz. Anfang März 1913 trete ich eine botanisciie Studienreise an, die die verschiedenen pflanzengeographischen Gebiete Spaniens berühren soll und auf etwa sechs Monate berechnet ist. Ein jüngerer Botaniker, am Hebsten Kryptogamenforscher, kann sich mir anschließen. Meldungen bitte ich möghchst unagehend an mich zu senden. Dahlem, Post Steglitz, Kgl. bot. Museum, 5. Dezember 1912. Dr. Max Brandt. Personal-Nachrichten. Professor Dr. Anton Nest 1er, Oberinspektor der Untersuchungs- anstalt für Lebensmittel an der deutschen Univ^ersität in Prag, erhielt den Titel Regierangsrat. Privatdozent Dr. Fritz Knoll, Assistent an der k. k. ünter- suchungsanstalt für Lebensmittel in Graz, wurde zum Adjunkten daselbst ernannt. Dr. Valentin Vouk, Assistent am pflanzenphysiologischen Institut der Universität Wien, wurde zum Mittelschullehrer ernannt und dem botanischen Institut der Universität Agram zugeteilt. Josef Gicklhorn. Demonstrator am pflanzenphysiologischen Institut der Universität Wien, wurde zum Assistenten, Dr. Kuno Peche zum Aushilfsassistenten, stud. phil. Gustav Klein zum Demonstrator daselbst bestellt. Stud. phil. Ernst Kratzmann wurde zum Demonstrator am pharmakognostischen Institut der Universität Wien bestellt. Dr. Friedrich Vierhapper, Privatdozent an der Universität und Honorardozent an der Tierärztlichen Hochschule in Wien, hat die Assi- stentenstelle am Botanischen Institut der Universität niedergelegt. Dr. Hermann So mm er stör ff, Aushilfsassistent am botani- schen Institut der Universität Wien, wurde zum Assistenten daselbst bestellt. Hofrat Prof. Dr. Richard R. v. Wett stein wurde zum Präsidenten der Deutschen botanischen Gesellschaft gewählt. Geheimrat Prof. Dr. Hermann Graf zu Solras-Laubach feierte am 23. Dezember 1912 das Fest seines siebzigsten Geburtstages. Professor Dr. Gustav Senn (Basel) wurde zum ordentlichen Pro- fessor und zum Direktor des botanischen Gartens und Institutes der Universität Basel (als Nachfolger von Professor Dr. Alfred Fischer) ernannt. Dr. 0. C. Hosseus wurde als Inspektor Ingeniero Agronomo an das Landwirtschaftsministerium der Republik Argentinien berufen. (AUg. botan. Zeitschr.) Regierungsrat Dr. Lorenz Kristof (Graz) ist am 17. Dezember 1912 gestorben. Dr. Jules des Seynes, Professeur agrege an der Faculte de Medecine in Paris, ist im Alter von 79 Jahren in Paris gestorben. (Rev. gen. de bot.) Ist man berechtigt, die mit dem ultravioletten Lichte der Heraeuslampe erzielten photochemischen Ergebnisse auf die bei der Pflanze im Sonnenlichte vor sich gehenden Prozesse ohne weiteres zu übertragen? Von A. J. Kluyver, Dipl.-Ing. (Delft, Holland). Daß die in jüngster Zeit immer intensiver studierte photo- chemische Wirkung der von der Quecifsilberlampe aus- gesendeten ultravioletten Strahlen von außerordentlicher che- mischer Bedeutung ist, ist wohl über allen Zweifel erhaben. Ich verweise betreffs der bereits ungemein umfangreichen Literatur auf Plotnikows „Photochemie" und „Photoehemische Versuchstechnik" und erwähne speziell Störmers bemerkenswerten Nachweis der Umwandlung von Fumar- in Maleinsäure im Lichte der Quecksilberlampp, Berthe lots und Gaudechons Experimente über „Photolyse", Henris Versuche über die Zersetzung des Hühnereiweißes durch ultraviolettes Licht, die von Eni er und Lindberg über die Photolyse der Milchsäure und Stoklasas und Zdobnickys Nachweis der Entstehung von Form- aldehyd aus Kohlensäure und Wasserstoff" in statu nascendi bei Gegen- wart von Kalilauge im Lichte der Quecksilberlampe und dessen Poly- merisation zu verschiedenen Zuckerarteu/) Wogegen ich mich in diesem kleinen Artikel wenden möchte, ist die immer häufiger nachweisbare Gepflogenheit der meisten der genannten Autoren (vor allem aber der zuletzt erwähnten beiden), einfach die im Laboratorium mit der Quarzlampe gefundenen Tatsachen ohne weiteres auf die natürlichen Verhältnisse zu übertragen und einfach zu erklären, daß im Sonnenlichte die betreffenden photocheraischen Pro- zesse genau so vor sich gehen wie im Lichte der Heraeus- lampe. Dieser Schluß ist entschieden unrichtig, wie aus folgenden Tatsachen hervorgeht. Die Arbeiten der Physiker (z. B. Kuch und Eetschinsky, Ann. d. Physik, Bd. 20—22) haben gezeigt, daß das Spektrum der Quecksilberlampe sich bis in das äußerste ultraviolette Gebiet (Wellen- länge 180 ftfi) ausdehnt. Die größte Intensität liegt eben im ultra- violetten Teile des Spektrums. Nun kann man aber auch das ultra- ^) Wer sich über die einschlägige Literatur rasch orientieren will, vergl. die sehr anregend geschriebene Publikation Gräfes, „Licht und Leben", Naturw. Wochenschr., N. F., Bd. X, p. 657. österr. botan. Zeitschrift. Heft 2. 1913. 4 50 violette Gebiet wieder in Teilgebiete zerlegen und z. B. unterscheiden : a) Strahlen mit einer Wellenlänge :y^^i Im Gegensatz zu C. aintahensis Boiss. et Hausskn. scheint C. erio- cephala Boiss. et Hausskn. eine Pflanze mittlerer Höhe zu sein ; wenigstens gleichen die vorliegenden Exemplare in den Dimensionen aller Teile (auch Blattgröße) den von Handel-Mazzetti gesammelten Individuen vom Meleto-dagh, die also ganz dem gleichen Gebiete (östlich von Bitlis, bzw. südlich vom Wan-see) entstammen. Erklärung der Tafel I. Fig. 1 — 3. Cousinia Baueri Boinm. et Näbelek. — Fig. 4. C. mouhitica Bornm. et Näbelek. — Fig. 5 und 6. C. Nabelekii Bornm. — Fig. 7. C. Sintenisii Freyn. — Fig. 8. C. cataonica Boiss. et Hausskn. — Fig. 9 und 10. ü. Stapfiana Freyn. et Sint. — Fig. 11. C. hicolor Freyn. et Sint. Eine für Steiermark neue alpine Carex. Von Eduard Palla (Graz). Als ich am 13. August vorigen Jahres (1912) vom Zirbitzkogel den über die Kaserhütte (Kaiserhütte der Spezialkarte) nach Obdach führenden markierten Weg hinabstieg, stieß ich plötzlich zu meiner größten Überraschung auf Carex foetida All. Der Standort befindet sich einige wenige Schritte abseits von dem markierten Steig, in einer Höhe von etwa 1950 ra. Die Pflanze tritt hier in ziemlicher Menge auf und stand gerade in voller Blüte. Vergesellschaftet mit ihr sind die Carex rigida Good. und die am Zirbitzkogel gemeine Carex curvida All. Sicherlich ist die von mir aufgefundene Stelle nicht die einzige, an der die C. foetida am Zirbitzkogel vorkommt. Von weiteren Nach- forschungen hielt mich damals ein heftiger Sturmwind ab, der den Auf- enthalt in dem von dichtem Nebel erfüllten höheren Gelände sehr un- gemütlich gestaltete. C. foetida ist bisher nur aus den Pyrenäen und den West- und Zentralalpen bekannt gewesen; in Nordamerika wird sie durch eine nahverwandte Art vertreten, die C. vernacida L. H. Bailey. Der nun entdeckte Standort ist deshalb um so auffälliger, als er in dem östlichen Teil der Ostalpen liegt. In Österreich tritt also C. foetida an zwei weit voneinander entfernten Stellen auf, in Tirol, dem westlichsten, und in Steiermark, dem östlichsten Teil der österreichischen Alpen. Dazwischen klafft eine große Lücke in der Verbreitung; ob sie sich wird ausfüllen lassen, ist mir zweifelhaft, denn bei den vielen Gebirgswanderungen, 64 die ich in den südlichen und nördlichen Kalkalpen, wie in den Hohen und Niederen Tauern ausgeführt habe, ist mir C. foetida nie begegnet. Wahrscheinlicher ist mir, daß es sich bei dem steierischen Standort um eine Eelikterscheinung handelt. Hiefür spricht sehr das Vorkommen der C . rigida, die in den Alpen sonst nirgends vorkommt als in diesem Gebiete: am Zirbitzkogel und auf seiner südlichen Fortsetzung, der Saualpe, und auf der Koralpe, deren nordwestliche Ausläufer mit dem Zirbitzkogel durch den Obdächer Sattel zusammenhängen; das Koralpen- gebiet ist außerdem noch die Heimat der Zahlbruchiera paradoxa und der Waldsteinia fernata. Jedenfalls verdient das Gebirgsgebiet Zirbitz- kogel-Saualpe-Koralpe mehr Interesse seitens der Pflanzengeographen als ihm bisher zugewendet worden ist; manch interessanter Fund dürfte da noch gemacht werden. Gesneriaceen-Studien. Von Karl Fritsch (Graz). II. Über Tydaea Lindeniana Regel. Im Jahre 1848 machten Regel und Decaisne unabhängig von- einander die Wahrnehmung, daß die von Bentham 1844^) als Achi- menes picta beschriebene Pflanze erheblich vom Typus der Gattung Achimencs abweicht, ßegel stellte im „Index seminum in horto bota- nico turicensi anno 1848 collectorum" die Gattung Giesleria auf mit folgender Diagnose: „Corolla tubo inflato, basi oblique adnata. Stigma bilobum. Glandulae perigynae 5. Gerraen basi calyce concretum. {Achi- menes picta.y''^) Decaisne aber nannte dieselbe neue Gattuug in der Dezembernummer der „Revue horticole", 1848, p. 468, Tydaea und schuf dort auch die Kombination Tydaea picta, welche bis heute in den Gartenkatalogon üblich ist, während die betreff"ende Art nomenklatorisch richtig Z'o/i/erm feo^o^e^?.s/s (Nicholson) Fritsch ^) heißt. Nachdem Regel im Jahre 1849*) noch eine etwas ausführlichere Beschreibung der Gattung Giesleria geliefert hatte, schrieb er 1851 in der Botan. Zeitung, p. 893: „Tydaea Decaisne und Giesleria Rgl. Diese beiden Gattungen wurden vom Hrn. Decaisne und mir fast gleichzeitig (von mir noch etwas früher im Samenkatalog unseres Gartens) aufgestellt und zwar nach Achimenes picta. Gerne weiche ich jetzt der Autorität meines be- rühmten gleichzeitigen Bearbeiters der Gesneriaceen, indem ich die Giesleria zurückziehe." Von da ab gebrauchte Regel für diese Art und ihre Verwandten ausschließlich die Benennung Tydaea. Würde Tydaea, bzw. Giesleria, heute noch als eigene Gattung aufgefaßt werden, so wäre die Frage, welcher der beiden Namen vorzu- ziehen sei, sehr schwierig zu lösen. Denn die Zurückziehung eines einmal publizierten Namens kann auch dem Autor nicht zugestanden werden. Der Züricher Samenkataloo; ist nach brieflicher Mitteilung von 1) Botanical Magazine, tab. 4126. ^j Herr Prof. Dr. Schinz in Zürich hatte die Güte, mir diese Diagnose aus dem alten Züricher Gartenkatalog zu exzerpieren. 3) Natürl. Pflanzenfamilien, IV., 3b, p. 178 (1893). *) Flora, XXXII., p. 181—182. 65 Prof. Schi DZ „unzweifelhaft im November oder Dezember 1848 ver- sandt worden", nach Reg eis eigener, oben zitierten Angabe „etwas früher" als die Dezembernuraraer der „Revue horticole" erschien. Immerhin läßt sich ein strikter Nachweis dafür, daß die Publikation Regeis vor jener Decaisnes erfolgt sei, kaum erbringen. Nimmt man gleichzeitige Publikation an, so hat nach Artikel 46 der Nomen- klaturregeln jener Autor, der die Vereinigung vornimmt, die Auswahl zu treffen, dieser Autor ist in unserem Falle Regel, der sich, wie erwähnt, für den Decaisne sehen Namen Tydaea entschied. Da außerdem dieser Name eingebürgert und der Name Giesleria längst vergessen ist, dürfte für den Fall, daß man die Sektion Tydaea der Gattung Kohleria wieder einmal zur eigenen Gattung erheben sollte, die Beibehaltung des Namens Tydaea zu empfehlen sein. Als Sektion von Kohleria kann die Gruppe überhaupt nur Tydaea heißen, weil der Name Giesleria niemals als Sektionsname Verwendung gefunden hat. Diese Zeilen wollte ich nur zur Orientierung über die Gattung „Tydaea'' und deren Nomenklatur vorausschicken. Der eigentliche Zweck der vorliegenden kleinen Abhandlung ist aber die Feststellung, daß eine seinerzeit von zwei verschiedenen Autoren als Tydaea-Art be- schriebene Pflanze gar nicht in diesen Formenkreis gehört. Alle echten Tydaeen haben eine relativ lange Kronröhre und rote Blüten (allerdings in verschiedenen Nuancen) mit verschiedenartig punktiertem, geflecktem oder gestricheltem Saum. Nur jene Pflanze, welche von Regel im Jahre 1868 aus dem Lindenschen Etablissement unter dem Namen Tydaea Lindeniana beschrieben und abgebildet wurde ^), zeigt eine sehr kurzröhrige, fast glockige Blumenkrone von weißlicher Farbe mit breitem violettem Schluudring. Läßt somit schon der Anblick der Originalabbildung die Zugehörigkeit der Pflanze zur Sektion Tydaea. ja überhaupt zur Gattung Kohleria zweifelhaft erscheinen, so wird die Sache noch verdächtiger durch den Umstand, daß, wie Regel a. a. 0. mitteilt, Hanstein, zu seiner Zeit der weitaus beste Kenner der Gesneriaceen, die Pflanze als „Gloxinia tydaeoides" be- zeichnet hatte. Regel begründet seine abweichende Ansicht mit fol- genden Worten: „Tracht, Bildung von schuppigen Dauerrhizomen etc. stellen die Pflanze aber zu Tydaea, weshalb wir Hansteins Namen nicht annehmen konnten". Daß die , Tracht" der Pflanze an Tydaea erinnert, hat ja auch Han stein durch die Wahl des Artnamens Jydaeoides" angedeutet. Mit den „schuppigen Dauerrhizomen", besser „Zwiebelsprossen" ^), verhält es sich aber folgendermaßen: Die Gattung „Gloxinia"' im Sinne Regeis ist etwas ganz anderes als die gleichnamige Gattung Hansteins. Ich brauche die von Regel verursachte Konfusion in der Verwendung des Gattungsnamens Gloxinia nicht ausführlich darzulegen, weil das Han stein schon vor 60 Jahren getan hat^). Die Konfusion wirkt heute noch fort, indem die Gärtner und auch das pflanzenliebende Publikum die Sinningia speciosa (Lodd.) 1) Gartenflora, XVII., p. 257, tab. 589 (1868). 2) Vgl. mein 1904 bei G. Fischer (Jena) erschienenes Buch: „Die Keimpflanzen der Gesneriaceen". p. 123-129. 3) Linnaea, XXVI., p. 169—170 (1853). Österr. botan. Zeitschrift. Heft 2. 1913. 5 66 HierD unabänderlich als „Gloxinia" bezeichnen. Diese „Gloxinia"- Arien im Sinne ßegels. in V^ahrheii Sinningia- Axteu, haben allerdings keine Zwiebelsprosse, sondern Rhizomknollen'). Dagegen besitzen die meisten Arten der echten Gattung Gloxinia^) Zwiebelsprosse ebenso wie die „Tydaea" -Alten. Über das in erster Linie entscheidende Merkmal, nämlich den Bau des Diskus, gibt weder die Beschreibung noch die Abbildung Regeis Auskunft. Auch in der fünf Jahre später veröffentlichten Beschreibung und Abbildung derselben Pflanze von Ed. Andre ^), dem merkwürdigerweise die Ee gel sehe Publikation nicht bekannt war, bleibt der Diskus un- berücksichtigt, wenn man davon absieht, daß bei der vorausgeschickten Diagnose der Gattung Tydaea „glandulae 5 distinctae v. plus minus in annulum eonfluentes" angegeben werden. Es scheint allerdings, daß diese Gattungsdiagnose durch den Befund bei Tydaea Lindeni" *) beeinflußt ist. Denn in der Originaldiagnose der Gattung Tydaea von Decaisne heißt es ausdrücklich: „5 glandes epigynes distinctes". Erst vor einem Jahre hatte ich Gelegenheit, mir lebendes Material von Tydaea Lindeniana Regel für den botanischen Garten in Graz zu verschaffen. Als die Pflanze zur Blüte kam, untersuchte ich sofort den Diskus und fand, daß dieser einen dünnen, etwas kerbigen Ring bildet, der allerdings wegen der reichlichen Behaarung des Blütengrundes etwas undeutlich zu sehen ist. Mit Rücksicht auf dieses in der Systematik der Gesneriaceen ausschlaggebende Merkmal kann die Pflanze nicht zu den KoJilerieae, sondern nur zu den Gloxinieae gestellt werden ■') und zwar mit Rücksicht auf die Gestalt der Korolle und alle anderen Merk- male nur zur Gattung Gloxinia selbst, was schon Hanstein richtig erkannt hatte. Der von Han stein gewählte Speziesname Gloxinia tydaeoides ist leider nicht rechtsgiltig publiziert und daher ungiltig. Die Pflanze muß fortan Gloxinia Lindeniana (Regel) Fritsch genannt werden. Ihre Synonymie ist folgende: Gloxinia Lindeniana (Regel) Fritsch. Syn. Tydaea Lindeniana Regel in Gartenflora, XVII, p. 257, tab. 589 (1868). Tydaea Lindeni „(Regel?)" Ed. Andre in Illustration horticole, XX., p. 183, tab. 147 (1873). Gloxinia tydaeoides Hanstein in litt. sec. Regel 1. c. Ich wendete mich an Herrn Geheimrat J. Urban in Berlin mit der Anfrage, ob denn von dieser Pflanze kein Exemplar im Berliner Herbar liege. Es hätte mich nämlich interessiert, ob dort vielleicht eine Bemerkung Han st eins beigefügt wäre. Herr Geheimrat Urban ant- wortete mir jedoch, daß trotz eifrigen Nachsuchens weder Exemplare ^) Fritsch, Die Keimpflanzen der Gesneriaceen, p. 129-132. 2) Eine Ausnahme bildet die von mir beschriebene Gloxinia stolonifera (Bot. Jahrb., XXXVII., p. 493). 3) L'HUistration horticole, XX., p. 183, tab. 147 (1873). *) Regel selbst schrieb „Tydaea Lindeinuna^ , während Andre, a. a. 0., mitteilt, Linden habe ihm die Pflanze als y,Tydaea Lindeiu Regel" bezeichnet. ^) Nach der von mir in „Natürl. Pflanzenfamilien" vorgenommenen Einteilung, die zum Teil auf Bentham und Hooker, Genera plantarum, II., p. 991 ff., begründet ist. 67 dieser Pflanze noch Han stein sehe Notizen über dieselbe im Berliner Herbar zu finden waren. Eine lateinische Diagnose der Art hat schon Regel, a. a. 0., ge- geben. Jedoch möchte ich meine nach lebenden Exemplaren gemachten Notizen noch hier anfügen, da sie die Beschreibungen Regeis und Andres in einigen Punkten ergänzen: In der Erde zahlreiche schlanke Zwiebelsprosse. Blätter dicklich, bunt, Oberseite gerötet, mit weißlichen Nerven und grüner Umgebung der Nerven. Fruchtknoten ganz unter- ständig, nur seine Spitze etwas vorgewölbt. Kelchzipfel breit, am Rande etwas gerötet. Blumenkrone glockig -trichterig, weißlich, am Grunde etwas gelblich, am Schlünde innen mit breitem violettem Ring, der aber die Oberlippe freiläßt^); Zipfel gerundet, nicht gefranst, aber am ■ Rande drüsig-gewirapert. Filamente zusammengebogen; Antheren kreuzweise vereinigt. Narbe breit mundförmig, etwas lappig. Aconituin Ronnigeri (jjaniculatumxtauri- cum) hybr. nova. Von Julius Gäyer (Szombathely). Caulis robustus strictus, ad 7 dm altus, crebre foliosus, in parte inferiore cum foliis eorumque petiolis parce puberulus pilis brevissimis patentibus, superne et in axi inflorescentiae pedunculisque glanduloso- villosus pilis rectis patentibus; folia superiora eorumque petioli, necnon sepala patentim pilosa glandulosaque. Folia pedato 5 — 7-fida partitionibus primariis basi angustissime contractis, mediis tribus quasi petiolulatis, ambitu dilatato-rhombeis repetito laciniatis serratisque, laciniis et serra- turis copiosis, anguste lanceolatis, protractis, acumiuatis, ultimis 1"5 — 3 mm latis. Infloreseentia in uno specimine simpliciter racemosa (race- mulis duobus lateralibus rudiraentariis), in altero specimine racerauli laterales adsunt quini, pauciflori (5 — 6-flori), inter se circiter aequilongi, erectopatentes, foliis tulcrantibus superati vel iis subaequilongi, racemo terminal! evidenter seriores. Racemus terminalis breviusculus latius- culusque, 13florus, basi perfoliatus bracteis inferioribus foliiformibus, flores superaiitibus, sensim decrescentibus et in formam linearem trans- euntibus. Pedunculi tenues, stricti. axi racemi parallel! vel parum patentes, in parte inferiore bracteolis duabus minutis praediti, floribus longiores. Flores violacei casside superne late rotundata supra apicem longe rostrato protractam sinuata, basi longe unguiculata, linea basali valde sinuata, ca. 14 mm alta, 14 mm lata, sepalis mediis incumbente (nee igitur hiante), his (sep. mediis) ca. 14 mm longis, 12 mm latis, infimis ca. 11 mm longis, 3—4 mm latis. Nectaria prona calcare capitato. Filamenta et Ovaria glabra. Habitat in Tirolia raeridionali: in ascensu e rure Plan (i. valle Gröchner) ad iugum Gröchner, ubi die 5. mense aug. 1912 dua speci- ^) Die Andre sehe Abbildung zeigt auch auf den beiden Zipfeln der Oberlippe Tiolette Querstreifen. Diese waren an den mir zur Verfügung stellenden Exemplaren nicht vorhanden. 68 raina inter parentes detexit et statiin pio A. paniculaloyc^taiirico agnovit cl. Carolus Ronniger, cuius in honorem plantam dicavi. Zur Bildung von A. Bonnigeri hat einerseits A. luiniculatum Lara, f. Matthioli (Reichb.), anderseits A. taurkum Wulf. f. taurericiim (Reiehb.) beigetragen. Den robusten Wuchs, die dichtstehendeu Blätter, den durchblätterten, im Umrisse gleichbreiten Blütenstand, die im Ver- gleiche zur Eiidtraube relative Schwäche der Seitentrauben, die Durch- blätteruDg der Endtraube, die aufrechten oder nur wenig abstehenden Blüteustiele, das Aufliegen und die minder hohe Wölbung des Helmes hat A. Bonnigeri von tanricuni, während die Behaarungsverhältnisse, die Ferra des Helmes, die Zartheit und die Länge der Blütenstiele, die stärkere Verästelung des Blütenstandes auf panicidatuni hinweisen. Die Endtraube ist lockerer als bei tauricum, gedrungener als bei panicidatuni. Die Blattform ist im großen ganzen interraediär, doch ist die Teilung eine stärkere, die Zahl der Blatlzipfel eine größere als bei den Eltern. Die Korabination der schmalblättrigen Form des A. panicidatuni mit dem schmalblättrigen A. tanricum hat also eine Blattform ergeben, welche dieses Merkmal der Eltern in verstärktem Grade zur Schau bringt. Die abstehend- drüsige Behaarung ist eine dichtere und erstreckt sich auf einen größeren Teil der Pflanze, als es bei A. panicidatuni in der Regel der Fall ist. Dieselbe Tatsache bezüglich der Behaarung wurde bereits bei A. moUe Reichb., dem bisher einzig bekannten Bastard von A. panicidatuni mit einer Napelloidenart (compactum oder microphyUum), beobachtet. Dieses A. molle ist eine Pflauze der südwestlichen Schweiz, wo A. tauricum überhaupt nicht vorkommt. Von A. Bonnigeri unterscheidet es sich durch den höheren Wuchs, ausgebreitete Infloresceuz, lockere Endtraube, mehr aufrecht-abstehende Blütenstiele, welche so lang oder kürzer als die Blüten sind, durch größere Blüten und durch die Form des Helmes, welcher mehr konisch, oben kurz gerundet, vorne kurz bespitzt, mit gerader Stirn und sehr schwach gebuchteter Grundlinie versehen ist. Pictoides H. Andres, eine neue Subsektion der Eu- Thelala'(jTU^i^.Q ans dem Genus Phola Salisb. Von Heinrich Ainii-'^s (Bonn a. Kh.). (Mit 1 Textabbildung.) Die £'u-JAe?a/a- Gruppe des Genus Pirola Salisb. setzt sieh bekanntlich aus drei verschiedenen Reihen zusammen, die teilweise ihre Abstammung unter den Arten der Sektion AmpUosepala H. Andres zu suchen haben. Ich bezeichnete darum die Gruppe auch hinsicht- lich ihres Ursprungs als „polyphyletisch" und habe unter Zugrunde- legung dieser Tatsachen sie in drei Subsektionen gegliedert und schon früher kurz begründet^). Die erste Abteilung umhtit Pirola rotundifolia 1) H. Andres, Piroleen-Studien in Ber. d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenb., LV- (1913). Im Erscheinen! 69 L. s. 1. und ihre Veiwandten; ich uannle sie Gennina und stellte sie in den Anfang der Eu-Thelaien, weil sie viele und direkte Beziehungen sowohl zum Subgenus Anielia Hook, fil., als auch zu obengenannter Sektion und zu Eroclchenia (Opiz) H. Andres hat. trotzdem von ihnen scharf geschieden ist. Ein zweiter Grund, sie in den Anfang der Reihen zu stellen, war der, daß sie nebst Amelia Hook, fil., zu den ältesten Ver- tretern des Genus gehören dürfte, einen in sich abgeschlossenen Kreis bildet und zu den beiden anderen Gruppen nur geringere Affinitcät zeigt. Sie ist kosmopolitisch im Bereiche des Gesamtareals. Unsere „Pidoides" H. Andres bildet die letzte Gruppe der Eu- Thelaien. Ihre Hauptmerkmale sind: Laubblätter db kurz- und breitgestielt, oval- bis spatel- oder keil- förmig, zugespitzt oder seltener abgerundet und dann mit scharfem End- Mucro; scharf gezähnt; Nerven deutlich, hell gesäumt. Konsistenz der Blätter ± derb, seltener krautisr. Schuppenbiätter verschieden geformt. Infloreszenz ± reichblütig, walzenförmig, vom Habitus der Pir, *ameri- cana (Sweet) Fern, (so bei Fir. septentrionalis H. Andres) oder dem der * roiiindlfolia H. Andres gleich, also kegelförmig {Pir. hlanda H. Andres und wahrscheinlich Pir. Conardiana H. Andres). Brakteen verschieden geformt. Sepalen lang, zungenförmig (wie bei Pir. * americana [Sweet] Fern.; so bei Pir. septentrionalis H. Andres häufig) oder lanzettlich, länger als die Hälfte der Fetalen. Diese oval oder fast kreisrund, zart oder auch ± derb. Antheren kaum hervorragend. Filamente dünn, faden- förmig. Theken mit ziemlich scharf ausgeprägten Röhren. Grififel wie bei Pir. rotundifolia H. Andres. Reife Flüchte und Samen unbekannt. Aus dieser etwas weitschweifigen Beschreibung — eine kurze Dia- gnose wird später gegeben werden — ergeben sich die mannigfachen Beziehungen, die die Gruppe einerseits zu ScotoplujUa H. Andres, ander- seits aber auch zu En-Thelaia H. Andres hat. Wir müssen sie aber doch noch einzeln kurz ins Auge fassen. Der Gesamthabitus einer Pictoides H. Andres ähnelt dem einer blattreichen Pir.picta Sm. sehr. Die Laubblätter weichen wohl in manchen Beziehungen ab; bei Pir. picta Sm. kommen nur ausnahmsweise etwas spatelige oder fast keilförmige, am Grunde abgestumpfte Blätter vor, wie sie bei Pir. hlanda H. Andres häufig sind. Dagegen finden wir bei dieser Pirola und bei Pir. Conardiana H. Andres ovale Assimilations- organe. Die Aderzeichnung des Laubblattes ist bei allen hier in Frage kommenden Formen dieselbe. Charakteristisch für Pictoides ist auch die ± dichte, aber scharfe Zahnung des Blattrandes, die namentlich bei Pir. hlanda H. Andres ausgeprägt ist. Li der Blattkonsistenz zeigen sich nur bei Pir. septentrionalis H. Andres einige Schwankungen, sie kommen in dieser Beziehung manchen Schattenformen von Pir. ^-paUida Greene gleich; sie sind bisweilen etwas weich und dann fast ohne Zeichnung. Die Rosetten sind reichblättrig, liegen ± fest dem Boden an, sind selten etwas schräg gestellt. Es fehlt aber die Mannigfaltigkeit der Ausbildung, wie sie Pir. picta Sm. aufzuweisen vermag. Ökologische Anpassungsformen wie bei vorgenannter Spezies (Pir. *dentata Sm., *pallida Greene) kommen nicht vor. Bemerkenswert ist der Habitus der Rosette. Auch in dieser Beziehung schließt sich wieder Pir. septen- trionalis H. Andres der Scotophylla H. Andres am meisten an, wie ja 70 schon die VerwechsluDgen mit dieser Spezies dartun; ihr kommt auch nur die überreiche vegetative Vermehrung durch Blattrosetten zu. Pir. hlanda H. Andres und Conardiana H. Andres haben nur einschafiige Roset- ten wie Fir. rotundifolia L. Auch in der Schuppenblattbildung bestehen Anklänge nach Pir. picta Sm. und rotundifolia L. hin. Der Reichtum einer Pir. picta Sm. wird nicht erreicht, doch nähern sie sich hin- sichtlich der Form denen dieser Art. Die Schafte sind arm an blüten- losen Brakteen ; ihnen fehlt auch die Färbung nicht, die bei Amplio- scpala H. Andres so häufig wiederkehrt. Von Bedeutung ist namentlich der Habiius der Infloreszenz. Er erinneit bei Pir. septentrionalis H. Andres an den walzenförmigen Blütenstand einer Pir. ^ americana Sweet, wie sie mir aus dem Baltimore Herbarium (Nr. 810 b) vorlagen, bei Pir. hlanda 'ü. Andres an den Yon Pir.* rotundifolia^. Andres, kurz gesagt: Die Infloreszenz gleicht im ganze"n dem Typus der (rewttma-Gruppe. Die Brakteen sind in der Regel lang, zungenförmig, an der Spitze zurück- geschlagen und erreichen häutig die Länge des Blüteustielchens. Nur Pir. Conardiana H. Andres macht eine Ausnahme (Fig. 13)^}. Ihre Brakteen sind verhältnismäßig kurz, dafür aber in die Breite gezogen, fast lederartig und immer um ein bedeutendes länger als die der Scoto- phyllae. (Sie bildet in dieser Hinsicht ein Aualogon zur Pir. paradoxa H. Andres)-}. Auch hier äußern sich die Beziehungen zu Pir. rotundi- folia L. s. 1. besonders auffällig. Pir. hlanda H. Andres weicht nicht von Pir. * rotundifolia H. Andres ab, septentrionalis H. Andres gleicht manchmal entfernt Pir. picta Sm. Die Blütenstielchen sind ziemlich lang und dünn (Pir. '*palUda Greene). Der Blütenbau entspricht im allgemeinen dem Typus der Eu-Thelaien, erinnert in manchen Einzel- heiten aber auch an Pir. picta Sm., so namentlich durch die Sepalen und Filamente. Junge Früchte sind denen von Pir. chlorantha Sw. ähnlich, sie werden aber von den Sepalen weit überragt. Ich komme jetzt zum zweiten Teile meiner Arbeit: Welche Be- ziehungen hat unsere Subsektion zu Amoena H. Andres, mit der sie phylogenetisch verwandt ist? Mit ihr gemeinsam hat sie die Färbung der Laubblätter, die Form der Sepalen, Antheren und Griffel, weicht dagegen ab durch die Infloreszenz und die Blutenform. Atnoena H. An- dres steht hierin noch näher zu Genuina H. Andres, von der sie in der Hauptsache nur durch die Form der Laubblätter (lauzettlich), die Ader- färbung und die Infloreszenz verschieden ist. Amoena H. Andres ist asiatisch, Pictoides nordamerikanisch-pazifisch. Beide Gruppen bewohnen ein sehr kleines Areal und dürften auch aus diesem Grunde schon als „jüngere" Glieder von Eu-T/ielaia H. Andres aufgefaßt werden. Beide scheinen mir gleichen phylogenetischen Ursprungs zu sein. Sie können aus „picta-äihnWchen Formen" unschwer abgeleitet werden. Die Scoto- phyllae, die heute in Amerika endemisch sind, waren mutmaßlich — konvergent den übrigen Gruppen der Ampliosepalen — auch in Asien zu finden, hatten also ehedem eine weitere Verbreitung als heute, was mir um so wahrscheinHcher ist, da die Gruppe nur auf die pazifischen 1) H. Andres, Piroleen-Studien, a. a. 0., T. I , Fig. 3. 2) H. Andres, Pir. Fauriana H, Andres und paradoxa H. Andres, zwei neue P. aus der Sektion Erxlehenia (Opiz) H. Andres in Abh. d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenb., LIV. (1912), und Piroleen-Studien, ebenda. 71 Staaten der Union und Kanadas beschränkt ist und kaum über die Sierra Nevada und das Kaskaden-Gebirge hinausreicht. Als zweiten Grund möchte ich auf die weite Verbreitung und Entwicklung der Sub- sektion Ohscura H. Andres (P. clüorantha Sw.) und naraentUch aber auf P/r. elliptica var. minor Max. hinweisen. Auch ist es nicht ausge- schlossen, daß Zentralasien doch noch hierher gehörige Formen beher- bergt. Für Pidoides H. Andres erscheint mir die Ableitung von den Scotopliyllae ziemhch sicher, für Amoena H. Andres dürfte sie nicht von der Hand zu weisen sein. Wir stoßen in dieser Hinsicht bei weitem nicht auf solche Schwierigkeiten, wie sie Fir. asarifolia Mich. z. B. bietet ^). Beide Gruppen stellen Parallele zu einander dar, eine Erscheinung, die im Genus Plrola Salisb. häufig ist ^). Für die systematische Anordnung der Glieder unter sich ergibt sich schon aus vorstehendem, daß Pir. septentrionalis H. Andres vor- läufig in den Anfang zu stellen ist. Sie ist sowohl in der Blatt- als auch in der Blütenform ziemlich variabel und hat unter den drei Arten das größte Areal. Bei ihr finden sich häufiger noch zweischaftige ßosetten, elliptische Laubblätter (die Laubblattform ist gerade bei Pir. pida Sm. so sehr variabel), variable Sepalen, die bald schmal- lanzettlich wie bei Pir. *rotundifolia H. Andres, bald gegen die Spitze zu verbreitert sind, wie bei Pir. * americana H. Andres (bisweilen sogar in derselben Infloreszenz). Gleichem Wechsel unterliegen die Fetalen, die bald oval, bald fast kreisrund sind. Die Farbe der Blüten ist grünlich. Ihr schließt sich Pir. hlanda H. Andres an; aber alle Eigenschaften und Merkmale sind bei ihr erstarrt, so daß sie wahrscheinlich ans Ende der Entwieklungsreihe zu stellen ist. Pir. Conardiana H. Andres ist nur im Knospenzustande bekannt, aber von allen Eu-Thelaien durch die Brakteenform geschieden (Fig. 11, 13); auch sie macht den Eindruck größter Konstanz. Weitere Gründe zu dieser Anordnung ergeben sich aus den folgenden Diagnosen. JPlctoides H. Andres, Ptroleen-Studien, in Ber. d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg, LV. (1913)^). Laubblätter spatelförraig oder seltener oval, zugespitzt oder abge- rundet und dann mit scharfem Mucro, ± scharf gezähnt; Nerven hell- gesäumt. Infloreszenz ± reichblütig, walzen- oder etwas kegelförmig. Brakteen lanzettlich, lang, weich und meist zurückgeschlagen oder derb und rundlich, mit langausgezogener Spitze. Sepalen zungenförmig oder lanzettlich, mehr als V2 ) Strasburger, Einige Bemerkungen über Selaginellaceen (Botan. Zeitung, 1873, p. 105, 106). — Ich führe hier einen bemerkenswerten Satz aus dieser Schrift wörtlich an; Strasburger sagt von diesem Falle, nachdem er ihn ausführlich be- schrieben hat: ..es ist das palpabelste Beispiel, daß» durch Anpassung ein morpholo- gischer Typus in einen völlig verschiedenen übergeführt werden kann. Ist dieses durch den Reiz möglich, den hier eine Larve auf einen sich entwickelnden Pflanzenteil aus- übt, so kann dies auch durch andere Einflüsse, auch durch die kontinuierlich wirkenden geschehen, nur daß Irtztere freilich langsamer wiiken werden, je weniger sie von den für die Pflanzen normalen abweichen." (Strasburg er, 1. c, p. 107.) 78 sorgfälligem Vergleich und grob auatoraischer Untersuchung einer Pflanze nichts über ihre Verwandtschaft sagt, dem sagt auch das Mikrotom nichts. „Geheimnisvoll am lichten Tag Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben, Und was sie dir nicht offenbaren mag, Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben." (Faust.) Die vorhergehende Auseinandersetzung könnte mich davon ent- heben, mich weiter mit der Scheitelzelle von Monoclea zu beschäftigen, da aber manche in diesen Punkten anderer Ansieht sein können, so will ich vom Standpunkte derer, die an den phylogenetischen Wert der Scheitelzellen glauben, doch einige Hinweise machen, daß in unserem Falle die Scheitelzelle keinen Beweis liefert für die Zuge- hörigkeit von Monoclea zu den Marchautiaceen. Leitgeb hat festgestellt, daß bei der Marchantieenreihe der Sproß durch eine Kante gleichwertiger Scheitelzellen, bei den Junger- manieen aber durch eine einzige Scheitelzelle wächst. Nun gibt aber Leitgeb für Monoclea ausdrücklich eine (keilförmige) Scheitelzelle an (Unters. III, p. 8, 63), ebenso Euge (1. c, p. 285). Abweicheud davon sagt darüber F. Cavers (Oontrib. to the Biology of the Hepaticae, 1904, p. 38) folgendes: „The giowing-point of the thallus lies in a deep notch and consists of a small group of wedge-shaged initial-cells; in most cases, at any rate, it is hardly possible to distinguish a Single initial, and a horizontal section (Fig. 10, C.) through the growing-point presents the same apparence as in the case of the Marchantiaceae." Betrachtet man nun die zitierte Figur (p. 36), so ist man überrascht, genau das Gegenteil zu sehen; es ist hier ganz deutlich eine Scheitelzelle ge- zeichnet und sogar mit einem eigenen Buchstaben (x) als solche gekenn- zeichnet; in der Figurenerklärung heißt es ausdrücklich: „showing the apical cell (x) and its Segments." Hochinteressant ist auch die Fig. 10 B. den Längsschnitt durch den Sproßscheitel darstellend. Da ist keine Spur von einer tiefen Grube („deep notch") zu sehen, und wenn man diese Figur vergleicht mit der analogen bei Johnson, 1. c, Tab. XVI, Fig. 26 (die nach meinen eigenen Untersuchungen vollkommen richtig ist), so könnte man meinen, daß die Figur einfach erfunden ist, denn so, wie es gezeichnet ist, kann der Autor die Sache unmöglich gesehen haben (man vgl. z. B. die relative Größe der Scheitelzelle). Eine präch- tigere Illustration zu dem, was ich oben über die Wertlosigkeit der Scheitelzellenbilder für die Lösung phylogenetischer Fragen gesagt habe, läßt sich kaum denken. Keilförmige Scheitelzellen sind übrigens keineswegs bloß den Mar- chantiales eigen, sondern sie finden sich in gleicher Weise bei einigen Anaerogyneen : 3Ioerckia, Blasia, Pellia Fahhroniana (Leitgeb, 1. c p. 8). Die Scheitelzelle ist also für die Entscheidung unserer Frage ganz gegenstandslos. 2. Ich möchte hier einen interessanten Befund an Monoclea mit- teilen, der von allen früheren Beobachtern, mit Ausnahme eines einzigen, übersehen wurde, und welcher als Argument für die Zugehörigkeit von Monoclea zu den Marchantieen ausgebeutet werden könnte. Es handelt sich um das Vorkommen großer Ölkörper in den Zellen von 79 Monodea, auf welchen Umstaud zuerst F. Cavers aufmerksam machte (Contributions to the Biology of the Hepaticae, p. 36, 37). Ich will hier meine eigenen Beobachtungen darüber mitteilen, die unabhängig von den Untersuchungen von Cavers gemacht wurden und letztere vielfach ergänzen. Ich fand bei M. Forsteri (lebendes Material) und M. Gottschei (Herbarmaterial) sehr zahlreiche große Ölkörper, welche die betreffende Zelle fast ausfüllen. Sie sind rundlich und uneben (oft fast traubig) er- scheinend, trüb, braun, und sind in Alkohol löslich'). Sie finden sich in größter Anzahl an den jungen Sproßteilen, welche bei schwacher Vergrößerung wie dicht punktiert erscheinen, und zwar nicht nur in den Epidermiszellen, sondern auch in vielen Innenzellen, welche dann gewöhnlich etwas kleiner sind, als die umgebenden Zellen, die keine Ölkörper enthalten. G Otts che hat vielleicht die Ölkörper von Monoclea gesehen; es sind wahrscheinlich die von ihm als „Depots" (I. c, p. 289) bezeich- neten Gebilde, jedoch sind sie ganz mangelhaft beschrieben und ihre wahre Natur nicht erkannt. Die Übereinstimmung dieser Ölkörper von Monoclea mit denen der Marchantiaceen ist eine sehr große ^). Ich habe vergleichsweise die Öl- körper von Dumortiera irrigua und D. vehitina untersucht, und zwar an lebendem Materiale aus dem Kalthause des Wiener botanischen Gartens im Jänner. Sie sind nicht gebräunt, deutlich traubig und be- stehen aus einer fest zusammenhaltenden Ansammlung kleiner, stark lichtbrechender, hyaliner Kügelchen. Ich bin der Überzeugung, daß diese Ölkörper (ebenso wie die von Monoclea) aus einer colioiden Grundmasse bestehen, der das fette Öl in Form von Tröpfchen (oder Körnchen?) eingelagert ist, so daß jedes Tröpfchen nur von einer ganz dünnen 1) Bei Zusatz von Alkohol zu einem Schnitt durch die "Frons bemerkt man, daß sich der braune Ölkörper tropfenförmig abrundet, etwas aufquillt und von außen nach innen rasch verblaßt, bis er nach etwa 30 Sekunden als ein etwas trüber, blasser Tropfen in der Zelle liegt, umgeben von einer ähnlichen, aber etwas durchsichtigeren Masse, welche den übrigen Eaum der Zelle vollkommen ausfüllt. In solchem Zustande scheinen sie aber dann der Einwirkung des Alkohols lange zu widerstehen, denn ich konnte sie hie und da noch deutlich sehen an Schnitten aus Material von M. Forsteri, das vor einigen Wochen lebend in starken Alkohol eingelegt war. Wenn man mit Alkohol behandelte Schnitte in Glyzerin legt und Sudan 3 zusetzt, so färben sich nach längerem Liegen (etwa 24 Stunden) die Ölkörper schön orangerot, was das Vor- handensein fetten Öles anzeigt. Man sieht dann meistens den zentralen Öltropfen in mehrere (2 — 3) kleinere zertrennt, die stark lichtbrechend und intensiver rot gefärbt sind. Die den übrigen Eaum der Zelle austüUende Masse (siehe oben) ist ebenfalls aber nur sehr schwach rot gefärbt, und man sieht in ihr bei starker Vergrößerung sehr zahlreiche, winzige, intensiver gefärbte Öltröpfchen. Es schien mir, daß dieser Masse äußerlich hie und da Chlorophyllkörner anhaften ; das Vorkommen von Chloro- phyll in den Ölzellen von Monoclea wäre von Interesse, da solches in den analogen Zellen der Marchantiaceen fehlen soll (vgl. z. B. Strasburger, Praktikum, III. Aufl., p. 329), jedoch ist ein Beobachtungsfehler meinerseits nicht vollkommen ausgeschlossen, obwohl nicht sehr wahrscheinlich. Durch längeres Liegen (ca. 24 Stunden) der Schnitte in Alkanna werden die Ölkörper weinrot gefärbt. Die Untersuchungen sind gemacht an Material von M. Forsteri aus dem Kalthause des Wiener botanischen Gartens im Monat Jänner. 2) Über die Ölkörper von MarchantiaJ.^g\. man Strasburger, Praktikum, III. Aufl., p. 329. 80 Colloidschichte umgeben ist^). Das Verhalten dieser Ölkörper gegen Alkohol, Glyzerin und Sudan 3 ist ganz ähnlich, wie das früher für die von Monodea geschilderten. Der Gebalt an fettem Öl ist aber ein größerer und dürfte sich derselbe zu verschiedenen Jahreszeiten ändern. Die überraschende Übereinstimmung in den Ölkörpern könnte als ein wichtiger Hinweis auf die Zugehörigkeit von Monodea zu den Mar- chantiaceen gedeutet werden, wenn solche Ölkörper bei den übrigen Anacrogyneen nicht vorkämen. Das ist nun nicht der Fall, denn die Gattung Treiihia, von der ich zwei Arten (T. insignis und T. Chees- manii mihi, eine nahe verwandte neue Art aus Neuseeland) daraufhin untersuchte, hat ganz übereinstimmende Ölkörper. Diese interessante und wichtige Tatsache ist nirgends gebührend gewürdigt worden, nur Goebel weist darauf kurz hin, „daß Ölkörper in einzelnen Zellen, ähnlich wie bei den Marchantieen, vorkommen" (Morphol. und biolog. Studien in Ann. Jard. Bot. de Buitenzorg. IX, 1890, p. 6). 3. Von hohem Interesse für die hier behandelte Frage ist der Um- stand, daß 3Ionodea zweierlei Rhizoiden besitzt, die in ihrer Stellung und Richtung tatsächlich ziemliche Ähnlichkeit mit den zweierlei Rhizoiden der Marchantiaceen haben. Es sind enge dickwandige und weite dünnwandige Rhizoiden^), welche schon von Go tische (1. c, p. 289) und von allen späteren Beobachtern ausführlich beschrieben wurden, weshalb ich darauf verweisen kann. In dem Bestreben, diese Verhältnisse ganz und gar gleich denen bei den Marchantiaceen erscheinen zu lassen, behauptet Johnson, daß die engeren Rhizoiden von Monodea wirkliche Zäpfchen rhizoiden seien; die Zäpfchen seien hier nur viel spärlicher und er bildet 1. c, Tab. XVI., Fig. 23, 24, dergleichen ab. In Wirklichkeit verhält es sich damit folgendermaßen : Man kann oft eine große Anzahl von den engen Rhizoiden von Monodea durchmustern, bevor man auch nur ein einziges „Zäpfchen" sieht, und dann sind diese Verdickungen stets ganz ver- einzelt an einer Stelle des Rhizoids, während die übrige Wandfläche ganz glatt ist. Es ist also nicht die mindeste Ähnlichkeit mit den typi- schen Zäpfchenrhizoiden der Marchantiaceen vorhanden, wo die Zäpfchen gleichmäßig und meistens dicht über die ganzeinnen fläche des Rhizoids zerstreut sind. Ganz gleiche „Zäpfchen", wie sie Johnson im Monodea beschreibt und abbildet, fand ich übrigens bei allen von mir darauf untersuchten Gattungen der Anacrogyneen, und zwar bei manchen sogar noch viel reichlicher, als bei Monodea. Ich setzte hier- her einige von mir sorgfältig mit dem „Oberhäuser" gefertigte Zeich- nungen, die ich mit den zitierten Bildern von Johnson zu vergleichen bitte, wodurch sich die vollkommene Übereinstimmung sofort ergeben wird. ^) Durch Wasser entziehende Substanzen (Alkohol, Glyzerin) schrumpft die Colloidsubstanz und gestattet den Tröpfchen sich zu einem (oder wenigen) großen Tropfen zu vereinigen. 2) Diese ist das häufigere Vorkommen, man findet aber leicht auch weite Rhi- zoiden mit recht starken Wänden und enge mit schwächeren Wänden und alle mög- lichen Zwischenstufen. Das mag wohl die Angabe Ruges erklären, daß die dünnen Rhizoiden dünnwandig seien. 81 Wenn es also auch mit den „Zäpfchenrhizoiden" bei Monoclea nichts ist, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß zweierlei Ehi- zoiden vorhanden sind. Ich habe Vertreter von mehreren Gattungen der Aoacrogyneen untersucht, um etwas Ähnliches zu finden, aber vergebens. Es ist also die Frage, ob die zweierlei Rhizoiden bei Älonoclea ein Merkmal sind, welches auf gemeinsame Abstammung mit den Marchan- tiales hinweist, oder ob es eine Anpassung darstellt an eine besondere uns bisher nicht bekannte Punktion. Diese Frage ist weder in dem «inen noch in dem anderen Sinne auch nur mit einiger Wahrschein- , Zäpfchenrhizoiden" von: 1. Monoclea (nach Johnson, Fig. 24). — 2 Symphyogyna Brongmurin. — 3. Makinoa. — 4. Moerckia Blyttii. — 5. Biccardia pinguis (lebendes Material). — 6. Treubia insignis. — (Fig. 2—6 vergr. 400 : 1.) lichkeit zu entscheiden und es ist daher auch dieses Merkmal vorläufig absolut nicht beweisend für die Zugehörigkeit von Monoclea zu den Marchantiales. Vielleicht könnten wir einige Anhaltspunkte daraus gewinnen, wenn wir eine irgendwie begründete Vermutung hätten über die Bedeutung der Zäpfchenrhizoiden bei den Marchantiales. Ich habe meine Unter- suchungen über diesen Gegenstand mitgeteilt in der Schrift : Studien über die Rhizoiden der Marchantiales (Ann. Jard. Bot. de Buitenzorg, 2e Ser., Suppl. III, 1909, p. 473—492), die ein wichtiges Supplement zu den gegenwärtigen Untersuchungen bildet. (Fortsetzung folgt.) österr. botan. Zeitschrift. Heft 2. 1913. 82 Literatur - Übersicht'). Dezember 1912. Baar H. Über den Einfluß des Lichtes auf die Saraenkeimung und seine Abhängiofkeit von anderen Faktoren. (Sitzuüffsber. d. kaiserl. Ak>id. d. Wissensch. Wien, mathem.-uaturw. Kl., Bd. CXXI, Abt, I, Juli 1912, S. 667—705.) 8°. 4 Textfio-. Verf. machte sehr ausgedehnte Versuche über die Beeinflussung der Keimung durch das Licht, wobei er einerseits Samen von Pflanzen ganz verschiedener Ver- wandtschaftskreise verwendete, andererseits die übrigen Falitoren (Alter der Samen, Vorquellung derselben, Substrat, Temperatur, verwendete Strahlengattungen) in mannigfacher Weise variierte. Im einzelnen wiesen die Versuchsobjekte eiu recht verschiedenes Verhalten auf Alle angeführten Faktoren waren von Einfluß auf die Keaktion der Samen gegenüber dem Lichtt^. Besonders interessant ist der Einfluß der Temperatur: bei Amaraiitus, Physalis u. a. zeigte sich nämlich übereinstim- mend bei tiefen Temperaturen (5" — lU^ C) eine Begünstigung der Keimung durch Dunkelheit, bei höheren Temperaturen (für die einzelnen Gattungen sehr ver- schieden hoch) eine Begünstigung der Keimung durch das Licht; bei bestimmten dazwischenliegenden Temperaturen sind die Samen gf*gen die Belichtung indifl'erent. Banmgartner A. C. Die Pflanzen des alpinen Gartens. (Beginn.) (Österr. Gartenzeitung, VII. Jahrg., 1912, 12. Heft, S. 441— 455.) 8°. Der vorliegende 1. Teil behandelt die Arten der Gattung Saxifraga. Beck G. V. Die Futtenschuppen der Blüten von Vanilla planifolia Andr. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien, maihem.- naturw. Kl., 1. Abt., Juli 1912, S. 509—521.) 8°. 1 Tatel. Vergl. Jahrg. 1912, Nr. 8/9, S. 347. Bur gerstein A. Ergänzungen zur botanischen Bestimmung sibirischer Holzskulpturen. (Aiinalen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums. Wien, XXVI. Bd., Nr. 1/2, S. 37—38.) 8^ Do min K. Fourth Contribution of the Flora of Australia. (Repertorium specieium novarum. Bd. XI. Nr. 5/15, 1912, pag. 197—199.) 8^ Neu beschrieben werden: Lfpidium edule, L. rutuiidum l>C. var. longisty- losum, L. eraemeum. L. praeter oisum, L. chrysantheviifulium, Capparis armata, C. nohilis (Endl.) F. v. Muell. var. citriua, C nobilis (Endl.) F. v. Muell. var. arborea, C. nobilis (Endl.) F. v. Muell. var. laurina, Pittosporum queenslaudicum. — — Fitih Contribution to the Flora of Australia. (Repertorium specie- rura novarum. B.l. XI, Nr. 16/20. 1912. pair. 261—264) 8". Neu beschrieben werden: Paratephrosia nov. gen, mit einer Ait: P.lanata (= Lespedeza lanata Benth.), Tephrosia subpectiitata, T. brachyodon, Castano- spermum brecivexillum (F. M. Bail. pro var.), Luurea obcordata Üesv var. reti- culata, Cissus reniformis. Außerdem werden mehrere neue Namenskombinationen gebildet. — — Additions to the Flora of Western and North-Western Australia. (The Journal of the Linnean Society, Vol. XLL, 1912, Botany, Nr. 281, S. 245— 2ö3, Plates 10—13.) 8°. 1 Texiabb. ^) Die „Literatur-Übersicht" strebt Vollständigkeit nur mit Rücksicht auf jene Abhandlungen an, die entweder in Österreich erscheinen oder sich auf die Flora dieses Gebietes direkt oder indirekt beziehen, ferner auf selbständige "Werke des Auslandes. Zur Erzielung tunlichster Vollständigkeit werden die Herren Autoren und Verleger um Einsendung von neu erschienenen Arbeiten oder wenigstens um eine Anzeige über solcUe höfiichst ersucüt. Die Redaktion. 83 Dvorak R. Druhy pnspevek ku kveteoe moravskych ras. (Zweiter Bei- trag zur Flora der mährisehpo Alfi:eD.) Anzeiger des „Pfirodovedecky klub" in Proßnitz, XV^.. 1912. pag. 5—20. Für Mähren werden hier im ganzen 77 neue Arten und 28 Varietäten nachgewiesen. J. Podpera. Pigdor W. Die BeeinfliLssung der Keimung von Gesneriaceen-Saraen durch das Licht. (Berichte d. deutsch, bot. Gesellsch., 30. Jahrg., 1912, Helt 9, S. 648—654.) 8». Frisch K. v.. Über den Farbensinn der Bienen und die Bluraenfarben. (Münchner med. Wochenschr., 1913, Nr. 1.) 8°. Verf. hat die schon oft ventilierte Frage nach dem Farbenunterscheidungs- vermögen der Bienen neuen experimentellen Uutersuchungen unterzogen und kommt zu dem Schlüsse, daß ein solches Unterscheidungsvermögen vorbanden ist, wenn es sich auch nicht mit dt^m des menschlichen Auges deckt. Vor allem ist wiühtig, daß das reine Kut voa den Bienen nicht als Karbe gesehen wird, wohl aber gelb und blau. Das Purpurrot wird von den Bienen mit Blau verwechselt, weil sie offenbar nur auf die vom Purpurrot neben den roten ausgesendeten blauen Strahlen reagieren. W. Gogela Fr. Z iiveteny vychodni cästi hör Hiibecich. (Aus der Flora der Osiseite des Marsgebiiges.) Anzeiger des Prirodovedecky klub" in Proßnitz, Jahrg. XV, 1912, pag. 61-84. Eine lokalfloi istische Arbeit, welche zahlreiche Standortsangaben aus der Ostseite des Marsgebirges (s.w. von Kremsier) enthält. J. Podpöra. Hacke! E. Einige neue Arten und Varietäten von Gräsern des kauka- sischen Flora. (Monifeur du Jardin botanique de Titlis, livr. 24, 1912, pag. 15—20.) 8«. Originalbeschreibungen von: Scleropoa Woronowii Hack., Festuca Woro- nowii Hack , Poa violucta Bell, var cuutracta Hack., Sttpa Orientalis Trin. var. corutiulata Hack., Stipa barbata Desf. var. Meytriana Hack. Hayek A. v. Flora von Steiermark, 2. Bd., Heft 6 (Bogen 26—30). Berlin (Gebr. Borntrager), 19 1 2 8°. M. 3.—. Inhalt: CaprifoHneeae{ich\ü^),Valerianaceae, Dipsacaceae, Cucurbitaeeae, Campanulaceae, Compusitae (Anfang). Neu beschrieben wird: Campunula Scheuchzeri y. Villarsiana Hay., Cam- panula Hostti Witasek (Baumg. pro parte!) wird in C. Beckiana Hay. um- genannt. J. — — Vorlage interessanter Pflanzen aus Steiermark. (Sitzung.sbericht). [Verhandlungen der k. k. zoolojr.-bot. Gesellseh. in Wien, LXII. Bd.. 1912, 7. Hett, S. (200)-(201).] 8°. Behandelt eine Anzahl von Pflanzen, die Fabriksdirektor Paul Conrath in Steiermark gesammelt hat, darunter : Lathyrus Jieterupfiyllus L. (neu für Steier- mark), Aityelica verticilluris L. (neu für Ober^steiermark), Ajuga reptatis X pyra- midalis (neu für Steiermark), Ajuya (lenecensis y pyramtduiis (neu für Steier- mark), ledicularin recutita X rosiratospicaia (neu für Steiermark), Carduus Conrathii Hayek nov. hybr. [Carduus acaiithuides y^ persunatus, bei St. Lam- brecht). J. Himmelbaur W. Über die Formen der Pltyfophthora omnivora De Bary. (Vortrag.) [Verhandlung:en der k. k. zoolog.- bot. Gesellsch. in Wien, LXII Bd., 1912, 7. Heft, S. (192)-(l94).J 8". Böhm F. Botanisch-pliänologische Beobachtungen in Böhmen Air das Jahr 1911. Prag (Gesellschaft für Physiokralie in Böhmen), 1912. 8^ 22 S. Hoke F. Wachslumsmaxima von Keimlingsstengeln und Laboratoriuras- luft. (Silzungber. d. kaiserl. Akad. d. Wisseusch. Wien, maihem.- 6* 84 naturw. Kl., OXXI. Bd.. Abt. I, Oktober 1912. S. 785—799.) 8^ 3 Tafeln. Vergl. diese Zeitscbr., 1912, Nr. 6, S. 246. Hruby J. Monographie du genre Artim. (Suite.) (Bull, de la See. bot. de Geneve, 2. ser., vol. IV, 1912, nr. 5, pag. 137—160) 8°. illustr. Janchen E. Die Methoden der biologischen Eiweißdifferenzierung in ihrer Anwendung auf die Pflanzensysteraatik. (Mitteil, des Naturw. Vereines a. d. Univ. Wien, XL Jahrg., 1913, Nr. 1 u. 2, S. 1 bis 21.) 8°. — — Die europäischen Gattungen der Farn- und Blütenpflanzen nach dem Wettst ein sehen System geordnet. Zweite, verbesserte Auflage. Leipzig und Wien (P. Deuticke), 1913, 8^ 60 S. — M. 2.—. Ein liritisch gearbeitetes Verzeichnis der europäischen Gattungen, das allen sich mit der Flora Europas beschäftigenden und ein Herbarium besitzenden Bo- tanikern erwünscht sein wird. Die Arbeit berücksichtigt die ganze einschlägige Literatur und legt auch zugleich die den Beschlüssen der letzten internationalen Kongresse entsprechende Nomenklatur der europäischen Gattungen fest. W. Km unke K. Die Besteigung des Elgon in Uganda, (über Land und Meer, 55. Jahrg., 1913, Nr. 13, S. 365— 3o8.) 15 Abb. Bringt Originalbilder von Senecio Johnstoni, Lohelia Stuhlmanni u. a. Kovär F. Moravske druhy rodu Cladonia. (Die mährischen Arten der Gattung Cladonia.) Anzeiger des „Prirodovedecky klub" in Proßnitz, Jahrg. XV, 1912, S. 85-199. Mit 8 Tafeln. Eine gründliche Bearbeitung der mährischen Arten der Gattung Cladonia auf Grund eines großen Belegematerials. Im allgemeinen hat der Verf. den Arbeiten Wainios und Sandstedes gefolgt. Aus den 59 europäischen Arten hat der Verf. zusammen 47 für Mähren nachgewiesen. Die schönen 8 Tafeln stellen in 109 Bildern die meisten Formen dar. Neu beschrieben (mit lateinischen Diagnosen pag. 191): Cladonia deformis m. cyathiformis Kov. (Saar), C. deformis m. squamiUosa Kov. (Saar), C. deformis f. phyllocephala Kov. (Saar), C. squamosa m. fuscescens Kov. (Saar), C. cenotea m. delicata Kov. (Saar), C. glauca m. scoparia Kov. (Wenzels- dorf, Saar), C. frimbriata m. elegantula Kov. (Saar), C. gracilis m. eeratosteli- oides Kov. (Berggeist im Gesenke). Sämtliche neuen Formen sind auch auf den Tafeln abgebildet. J. Podpöra. Krasser F. Williamsonia in Sardinien. (Sitzungsberichte der kaisf^rl. Akad. d. Wissensch. in Wien, raathera. -naturw. KL, 1. Abt., CXXL Bd., 1912, S. 943—973.) 8". 1 Textfig., 2 Tafeln. Vgl. diese Zeitscbr., 1913, Nr. 1, S. 43-44. Kubart K. Einiges aus der Biologie der Karbonpflanzen. (Palaeo- botanische Zeitschrift. Bd. I, 1912, Heft 1, S. 15—25, Tafel IIL) 8^ Verf. weist darauf bin, daß unter den pflanzenführenden Karbonablagerungen sich solche finden, die xerophil gebaute Blattspreiten aufweisen und solche mit nicht xerophilem Blattbaue. Er macht es wahrscheinlich, daß erstere auf Mangrove- artige, paralische Formationen zurückzuführen sind, letztere auf limnische Forma- tionen des Süßwassers. Dies steht im vollen Einklänge mit den Vorstellungen, welche wir uns bilden müssen von den Faktoren, welche die Samenanlagcnbildung bei den Pteridospermen bewirkte. Das Auskeimen der Makrosporen im histologischen Verbände mit dem Sporangium auf dem Sporophyten — das ist im wesentlichen die Samenanlagenbildung — erinnert auffallend an die Viviparie der Mangrove- pflanzen-, es liegt nahe, an ähnlichen Außenbedingungen in beiden Fällen zu denken. W. Lämmermayr L. Naturstudien und Lehrwanderungen aus der Um- gebung einer deutschen Alpenstadt. (Monatshefte für den natur- wissenschaftlichen Unterricht aller Schulgattungen, 5. Bd., 1912, 7/8. Heft, S. 241—256 und S. 327—345, 1 Plan, 14 Abb.) 8". 85 Liebaldt E. Über die Wirkung wässeriger Lösungen oberflächenaiftiver Substanzen auf die Ctilorophyllkörner. (Znitschrift f. Botanik, 5. Jahrg., 1913, 2. Heft, S. 65-113.) S\ 1 Doppeltafel. Linsbauer L. Der amerikanische Stachelbeermehltau in Österreich. (Vortrag.) [Verhandlungen d. k. k. zoolog.-bot. Gesellsch. in Wien, LXIL Bd., 1912, 7. Heft, S. (196)— (197).] 8". — — Das Lumieresche Autochromverfahren im Dienste des bota- nischen und phytopathologischen Unterrichtes. (Land- und forst- wirtschaftliche Unterrichtszeitung des k. k. Ackerbauministeriums, XXVI. Jahrg., 1912, Heft III u. IV.) 8°. 8 S. Matlaköwna M. Über Graraineenfrüchte mit weichem Fettendosperm. (Bull, de l'Acad. des sciences de Cracovie, cl. des. sc. mathem. et natur., ser. B, mai 1912, pag. 405—416, 6 Textabb.) 8". Murr J. Über den Formenkreis '^ou Anemone Hepatica L., speziell die var. rhaetica Bruegg. (Deutsche Botanische Monatsschrift, 1912, Nr. 6—7, S. 49-55.) 8«. 2 Tafeln. — — Beiträge zur Flora von Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und des Kantons St. Gallen. XXV. (Fortsetzung) (Allg. botan. Zeitschrift, XVm. Jahrg., 1912, Nr. 12, S. 159-162.) 8". Nestler A. Ist Pastinak hautreizend? (Berichte der deutsch, bot. Gesellsch., 30. Jahrg., 1912, Heft 9, S. 581—586.) 8^ Mit Rücksicht auf verschiedene Angaben erschien es dem Verf. wünschens- wert, die im Titel präzisierte Frage zu studieren. Das Ergebnis war ein negatives. Weder die anatomische noch die chemische Untersuchung ergab einen Anhalts- punkt für das Vorhandensein eines Dermatitis hervorrufenden Agens. W. — — Majoran, verfälscht durch verfälschten Gerbersumach. (Archiv für Chemie u. Mikroskopie, 1913, 1. Heft.) 8°. 5 S. 2 Textabb. OstermeyerF. Register zu Schedae ad „Kryptoffamas exsiccatas" editae a Museo Palatino Vindoboneusi, Centuria I— XX. (Annalen d. k. k. Naturhist. Hofmus., Wien, Bd. XXVI, Nr. 1/2, S. 183-242.) 8^ Petra k F. Neue Beiträge zur Kenntnis der Cirsieu des Kaukasus. (Moniteur du Jardin botanique de Tiflis, livr. 24, 1912, pag. 114.) 8". Neu beschrieben werden: Cirsium caucasicum Petrak var. WwedensTcyi Petrak und Cirsium BoUowii Petrak et Woronow [= G. hypoleucum DO. X echinüs (M. B.) Hand.-Mazz ]. Ausführliche lateinische Diagnosen finden sich ferner bei C. rigidum DC. und C. pubigerum DC. Picbauer ß. Druhy pfispevek ku kvetene moravskych hub. (Zweiter Beitrag zur mährischen Pihflora.) Anzeiger des „Pfivodovedecky klub" in Proßnitz. XV.. 1912, pag. 21—36. Für das Gebiet werden zahlreiche neue Arten nachgewiesen. Polivka Fr. Klic k üplne kvetene zemi koruny ceske. S. 1566 obrazci. (Pflanzentabellen zur vollständigen Flora der böhmischen Länder). Olmütz 1912. 864 S., 1566 Abbildungen, Taschenformat, gedruckt auf indischem Papier. — K 12. Eine den modernen Anforderungen vollkommen entsprechende analytische Flora der Sudetenländer, welche nicht nur die Arten, sondern auch die wichtigeren Varietäten sowie Hybiiden berücksichtigt. Für die Exkursionen ist diese praktische Flora (der böhmischen „Garcke") besonders zu empfehlen. Auch als letzte Zusammen- stellung der Arten der Flora der Sudetenländer wertvoll. J. Podpera. Purkyt A. Anatomisch-physiologische Untersuchungen über den Ein- fluß des Tabakrauches auf Keimlinge. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wisseopch. Wien, mathem.-naturw. Kl., CXXI. Bd., Abt. I, Oktober 1912, S. 735—761.) h". 2 Tafeln. 2 T^^xtahb. Im Anschlüsse an die bekannten Untfrsuchungpn von Moli seh und Richter untersucht Verf. die anatomischen Veränderuntren, welche an Keimlingen von verschiedenen Dikntyledonen durch den Einfluß des Tabakiauehes hervorjrerufen werden Außer verschiedenen auf Turgorsteigerung zurück führharen Veränderungen konstatierte Verf. verstäikte Quellbarkeit der Membran in Salzsäure, Hemmung in der Ausbildung von Holz- und Bastelementen und Kernabnormitäten. W. Rudolph K. Chondriosomeu und Chromatophoren. (Beitrag zur Kritik der Chondriosoraentheorien.) (Berichte d. deutsch, bot. Gesellsch., 30. Jahrgr, 1912. Hnft 9. S. 605-630. Tafel XVIII, 1 TextHjr.) .8». Verf. hat speziell die Frage eventueller Beziehungen zwischen Chondriosomen und Chromatophoren studiert. Er kommt auf Grund eingehender Untersuchungen zu dem Ergebnisse, daß es sich um Gebilde ganz verschieiiener Natur handelt und daß ein genetischer Zusammenhang zwischen ihnen ni0) Arten festgestellt werden. Die Arbeit enthält außer den genauen Verbreitungsangaben für das Gebiet eingehende Erörtsrungen über die Herkunft der Pflanzen, ist in bezug auf die Nomenklatur sehr sorgfältig gearbeitet und stellt einen sehr wertvollen Beitrag zur Kenntnis der europäischen Adventiv- pflanzen überhaupt dar. W. Thiselton-Dyer W. T. Flora Capensis. Vol. V., Sect. III, Part 1 (pag. 1-192). London (L. Reeve and Co.), 1912. 8°. — Mk. 9-60. Inhalt: C. H. Wright, Hydrocharideoe; A. Rolfe, Orchideae. Thoday (8ykes) M. ü. and Berridge E M. The Anatomy and Morphology of the infloret-cpuces and flowers of Ephedm. (Annais of Bot^ny, Vol. XXVI, Nr. CIV. October 1912, pag. 953—985, plate LXXXV, 21 texttig.) 8*^. Thompson W. P. The analomy and relationships of the Gnetnles. 1. The genus Ephedra. (Aunals of Botany, Vol XXVI, Nr. CIV, October 1912._pag. 1077-1104, plates XCIV— XCVII, 2 texttig.) 8". Tischler G. über die Entwicklung der Samenanlagen in paitheno- karpen Früchten. (Jahrb. für wissensch. Botanik, 52. Bd., 1. Heft, S. 1—84, Taf. I u. II, 30 Textabb) 1812. 8°. Verf. hat die Parthenokarpie von Ficus Carica, Ananassa sativn, Musa sapientum und Müldeiibeckia pkityclados genau untersucht Besonders ergebnisreich gestaltete sich Untersuchung vo;i Ficua, wo auch in den Samenanalagen der par- thenokarpischeii Früchte Enduspermbildung und sogar starke Weiterentwicklung der Eizelle stattfindet Die Abhandlung bringt überdies eine Übersicht der bisher bekannten Fälle von Parthenokapie und eine Einteilung derselben nach dem Giade der Rückbildung der Samenanlagen und Samen. W. Trier (i. über einfache Ptiatizenbasen und ihre Beziehungen zum Aufbau der Eiweißstoffe und Lecithine. Berlin (Gebr. Burntraeger), 1912. 8°. 117 S. — Mk. 5-60. Trinkwaller L. Ausländische Kultur- und Nutzpflanzen mit besonderer Berücksichtigung ihrer Verbreitung, ihres Anbaues und ihrer wirt- schaltlicbeu Bedeutung. (Aus der Sammlung „Schrneils Naturwissen- schaftliches ünterrichtswerk".) Leipzig (Quelle u. Meyer), 1913. 8". 120 S., 59 Textabb. 95 Vaupel F. Blühende Kakteen. (Iconoofraphia Cactacearura.) 10. Bd. Neudaram (J. Nenmann). 1912. 4°. Tafel 125—140. — Mk. 17. Voipt A. Lehrbuch der Pflanzenkunde für den Unterricht an höheren Schulen sowie für d'w erste selbständifre Fortbildunof der in den Antangsgründen der Pflanzenkunde geschulten Juirend. 2. Teil: Schul- flora Haiiiiover und Leipziu- (Hahnsche Buchhandlung), 1912. 8°. 403 S.. 177 Tt-xtabb. — Mk. 7. Ein originelles Buch, das den Versuch macht, in einer für den Schüler ver- ständlichen Form eine Darstellung des Pflanzf-nsystems mit einem Bestimmungs- buche zu vereinigen. Dem Buche wurde der Englersche Syllabus zugrunde gelegt. Es ist nicht zu leugnen, dat es mit sehr viel Sorgfalt gearbeitet ist. dali es einer- seits seinem praktischen Zwecke entspret hon kann, anderseits eine Fülle belehrenden Materials enthält. Ein prinzipielles Bedenken möchte der Ref. aussprechen; die wesentlichste Aufgabe eines Schulbuches der systematischen Botanik muß eine sach- gemäße Vereinfachung der aus wissen.^chaftlichen Gründen unentbelirlichen Komplikation des Systems sein, sonst bedeutet die Systematik im unterrichte eine kolossale Belastung des Schülers und eine Verwirrung desselben. Dieser Forderung entspricht das Buch nicht Wozu — um nur ein Beispiel zu nennen — die An- wendung des Reihenbegriflfes? I)_erselbe läßt sich mit Vorteil nur gebrauchen, wenn man wirklich aus einem Überblick aller dazugehörigen Familien die Vor- stellung der „Heihe" ableitet; er ist üiierflüssig und verwirrend, wenn, wie es in einer Schulflora naturgemäß ist, nur einige Familien anifeführt werden. Nicht be- freunden kann sich der Ref. auch mit der deutschen Nomenklatur, z. B „Keim- bildner (iiwjbrj/o/jA^/ia), „ältere Zweikeimbläti 1er" (^rc/a'c/t/amj/deae) u.dgl. W. Wem harn H. F. Flora! evoluiion: with particular reference to the Sytnpetalous Dicotylndons. VIII. lufrae: part II. Campanulatae. (New Phytologist, vol. XI, 19 12, nr. 8, pagr. 290— 3' )5.) 8*. Westling R. Über die grünen Spezies der Gattung Penicillium. Vt^rsuch einer Monoüraphie. (Arkiv för Botanik, Bd. 11, 1912, Hafte 1—3, S. 1—156.) 8". 78 Textabb. Yaraanouchi Sh. The Life History of Cutleria. (Botanical Gazette, vol. LIV, 1912, nr. 6, pag. 441—502, tab. XXVI— XXXV.) 8". 15 texiflg. Zeitschrift für Pflanzenzüehtung. Zugleich Organ der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht und der österreichischeu Gesell- schaft lür Pflanzenzüchtung. Unter Mitwirkung von L. Kiessling, H. Nilsso n-Ehle, K. v. Rümker, E. v. Tchermak heraus- gegeben von C. Fruwirth. Berlin (P. Parey). 8". Bd. 1, Heft 1 (1912). 124 S., illustr. Inhalt: Programm. — Nilsson-Ehle, Zur Kenntnis der Erblichkeits- verhältnisse der Eigenschaft der Winterfestigkeit beim Weizen; B Knjanus, Über einen spontan entstandenen Weizenbastard; L. Kiessling, Einiges aus der Praxis des Zuchtgartenbetriebes; A v. Stebutt. Der Stand der Pflanzenzüehtung in Rußland; F Srhrey vogl, Speicher der gräflich Piattischen Saatzuchtwirtschaft Loodorf — H. Kraemer, Zum heutigen Stand der Tierzüchtung. — Referate, Bücherbesprechung. — Vereinsnachrichten. — Kleine Mitteilungen. Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Kongresse etc. Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Sitzung der raatheraatisch-naturwissenschaftlichen Klasse vom 17. Oktober 1912. Das k. M. Prof. E. Heinricher übersendet eine Abhandlung des Assistenten am Botanischen Institut der Universität Innsbruck, Dr. ßud. 96 Seeger: „Über einen neuen Fall von Reizbarkeit der Blumen- krone durch Berührung, beobachtet an Gentiana prostrata Haenke." Die Blüten von Gentiana prostrata Haenke schließen sich auf Berührung ge- wisser Stellen der Blumenkrone. Die Bewegung ist dieselbe, die auch auf Temperaturerniedrigung hin eintritt. Da durch die Schließbewegung aktiv kleine Tiere gefangen werden, ergibt sich die Veranlassung, eine neue Kategorie von Fallenblumen zu unterscheiden, „Klapp- fallentypus". Physiologisch wird die Erscheinung als „Thigmonastie" bezeichnet. Exaktere und detailliertere physiologische, blütenbiologische und anatomische Untersuchung des Falles behält sich der Verf. vor. Botanische Sammlungeii, Museen, Institute etc. Neuere Exsikkatenwerke. Algae Adriaticae exsiccatae. Herausgegeben von der k. k. zoologi- schen Station in Triest. Cent. 1, Fase. 2. Vgl. diese Zeitschr,, LXI. Bd. (1911), S. 46. Broadway W. E. West Indian plants (including Tobago). Cent. 1. Kabat J. E. et Bubäk F. Fungi imperfecti exsiccati. Fase. 15 (Nr. 701 bis 750). Maire R. Mycotheca Boreali-Africana. Fase. 1—3 (Nr. 1—75). Diese Kollektion soll nach und nach sämtliche Pilze von Algerien, Tunesien und Marokko bringen. Petrak F. Flora Bohemiae et Moraviae exsiccata. I. Serie (Gefäß- pflanzen), Lieferung 11 (Nr. 1001—1100); II. Serie, 1. Abt. (Pilze). Lieferung 11 (Nr. 501—550). Schulz H. Phytopathologisches Herbarium, Diese Sammlung, welche in Bälde zu erscheinen beginnt, soll in fünf Serien, die auch einzeln erhältlich sind, eingeteilt werden, nämlich: I. Parasitäre Pilze; II. Tiergallen (Zoocecidien); III. Insekten-Minen und ander« Beschädigungen durch Tiere; IV. Frostschäden, Folgen von Hagelschlag uud Ahnliches; V.Photographien von teratoiogischen Bildungen (Format 8X11 cm). Das Material für diese Samm- lung stammt vorwiegend aus Hessen-Nassau. Personal-Nachrichten. Hofrat Prof. Dr. Julius R. v. Wiesner wurde anläßlich seines 75. Geburtstages von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg zum auswärtigen korrespondierenden Mitgliede gewählt. Der Magister der Botanik uud Assistent am botanischen Kabinett der Universität Warschau, Zygmunt Wöycicki, wurde zum ordent- lichen Professor der Botanik an Universität Lemberg ernannt. Professor Dr. Istvan Györffy (Löcse, Ungarn) hat sich an der Universität Kolozsvär als Privatdozent für Morphologie, Anatomie und Systematik der Archegoniaten mit besonderer Berücksichtigung der Moosflora von Ungarn habilitiert. Buclidiuckeiei Carl Gerold's Sohn in Wien. ÖSTERREICHISCHE BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. LXIII. Jahrgang, Nr. 3. Wien, März 1913. Die Entwicklung des Prothalliums von Anogramma leptophylla (L.) Lk. Von Bruno Schussnig (Wien). (Mit Tafel IL) Für die Entwicklung des Prothalliums der Polypodiaceen haben zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahrzehnte ein den Hauptzügen nach einheitliches Verhalten festgestellt^). Auf ein fadenförmiges Anfangs- stadium folgt die Herausdifferenzierung einer Scheitelzelle, deren Teilung (Segmentierung) zur Entwicklung einer flächenförmigen Bildung führt. Erst dann folgt meristematisches Randwachstura, durch das die Scheitel- zelle früher oder später in den Winkel eines Einschnittes gedrängt wird, wodurch die bekannte herzförmige Form des Prothalliums entsteht. Als eine Ausnahme von dieser Regel galt bisher Anogramma leptophylla, deren Prothalliumentwicklung im Jahre 1877 von Goebel untersucht wurde^). Nach Goebel fehlt dem Prothallium dieser Art das Scheitelzellwachstum überhaupt. Im Jahre 1911 sammelte Prof. R. v. Wettstein an verschiedenen Orten in Griechenland (Korfu, Santorin, Delphi) Sporen von Anogramma leptophylla. Dieselben wurden im Herbste 1911 in dem Gewächshaus des Wiener botanischen Gartens in flachen Schalen angebaut und ich übernahm die Untersuchung der Entwicklung der zahlreich sich aus- bildenden Prothallien. Die folgenden Ausführungen sollen sich insbe- sondere auf die jungen Entwicklungsstadien beziehen, da in bezug auf das Verhalten der älteren Prothallien den eingehenden und zutreffenden Darlegungen Goebels kaum etwas hinzuzufügen ist. Aus der Spore entwickelt sich zunächst ein confervoider Faden, der Querteilungen erfährt und schließlich aus zwei bis elf Gliederzellen besteht. Gleichzeitig, aber nicht immer, wächst in der entgegengesetzten Richtung ein Rhizoid aus. Nicht selten sieht man, daß die zweite oder dritte Zelle des Fadens anschwillt, seitlich eine dreieckige Tochterzelle ^) Lampa E. Über die Entwicklung einiger Farnprothallien. (Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, math.-naturw. Klasse, Bd. CX, Abt. 1, April 1901.) Jakowatz A. Vergleichende Untersuchungen über Farnprothallien. (Ebenda, Bd. CX., Abt. 1, Dezember 1901.) In dieser Arbeit ist ein vollständiges Verzeichnis der älteren Literatur vorhanden. 2) Entwicklungsgeschichte des Prothalliums von Gymnogramme leptophylla Desv. (Botanische Zeitung, 1877.) österr. hntan. Zeitschrift. Heft 3. 1913. 7 98 abschneidet, die reich mit Plasma gefüllt ist und schließlich zu einem ßhizoidfaden heranwächst. Bei etwas älteren Exemplaren findet man oft mehrere Ehizoiden auf der Unterseite der Prothalliumfläche; sie sind aber insbesondere in der Nähe der Ursprungsstelle des Prothalliums ausgebildet. An etwas älteren Stadien beginnen die in der Nähe des Faden- endes gelegenen Zellen sich längs zu teilen, so daß der Anfang einer zweizellreihigen Fläche gegeben ist. Die Endzelle selbst bleibt zunächst noch ungeteilt. Daraufhin setzen auch einzelne periklinale Zellteilungen ein, wodurch das schmale, zungenförmige Prothallium an Breite zunimmt. Eine Scheitelzelle ist aber noch nicht vorhanden. (Fig. 1—7.) Ein weiteres Stadium zeigt die Terminalzelle durch eine Längswand in zwei Tochterzellen geteilt. (Fig. 5 — 7.) Die zwei Zellen einer der letzten Querreihe erfahren sehr häufig ebenfalls eine Zweiteilung, die sehr charakteristisch ist. Die Scheidewand ist schief, von vorne und innen nach hinten und außen orientiert, so daß die beiden Zellen in je eine dreieckige und eine polygonale Zelle zerfallen. (Fig. 7.) Erst nach- dem diese beiden im Profile dreieckigen Randzellen angelegt worden sind, tritt in einer der letzten Zellen die Scheitelzelle auf. Das äußerst häufige, zeitlich und örtlich bestimmte Auftreten dieser dreieckigen Zellen führt zu dem Gedanken, daß sie nicht etwas Zufälliges vorstellen. Meiner Meinung nach sind sie jenen Zellen homolog, die Jakowatz^) bei Asplenium septentrionale Hofi"m., Äspidiiim fdix mas Sw. usw. gefunden hat und die bei den Prothallien dieser Farne den Ausgangspunkt eines Seitenastes, welcher dann mit einer Papille endigt, darstellt. Wenn man bedenkt, daß Anogramma leptopJiylla sowohl phylogenetisch als ökologisch einen relativ stark abgeleiten Typus darstellt, so erscheint diese Annahme nicht auffallend. Ferner sehen wir, daß diese Zellen stets am Bande angelegt werden und dort verbleiben, auch bei Breitenzunahme der Prothalliumfläche. Zu einem Seitenast, wie bei den vorhergenannten Farnen, werden sie niemals. Es ist aber inter- essant, daß sie trotz ihrer Funktionslosigkeit ziemlich konstaut angelegt werden, und zwar schon zu einer Zeit, wenn die Scheitelzelle noch nicht gebildet ist, ein Umstand, der in vollem Einklänge mit den Be- funden von Jakowatz") steht. Es stellen also die beiden dreieckigen Zellen Primordien von Seitenzweigen vor, die nicht mehr zur Entwicklung kommen, und ich bezeichne sie deshalb als „Astzellen". Zur Zeit, in der diese „Astzellen" gebildet wurden, erscheint, wie schon erwähnt, die Endzelle des Fadens schon der Länge nach geteilt. In einer dieser beiden, im Profile dreieckig erscheinenden Tochterzellen wird durch eine schief auftretende Wand eine Scheitelzelle heraus- geschnitten. Man kann dieselbe leicht, abgesehen von ihrer Gestalt, an ihrem Plasmareichtume und an den nun eintretenden, dem Norraaltypus folgenden Segmentierungen erkennen. Die Fig. 7 zeigt deutlich einerseits die beiden Astzellen und am Scheitel die beiden dreieckigen Endzellen. In der nächsten Figur erkennt man noch deutlich diese beiden Zellen, welche folgendermaßen begrenzt ') a. a. 0. 2) a. a. 0. 99 sind: die linke « & c, die rechte hcd (Fig. 8). In beiden haben schon Teilungen eingesetzt: die eine Wand ist e f, die andere g h; erstere begrenzt die Scheitelzelle e f c (Fig. 8). In den folgenden Zeich- nuDgen sind ferner die nächsten Stadien zu sehen, wobei die einzelnen Segmente durch dickere Linien kenntlich gemacht sind. Figur 9 und 11 zeigen, daß nicht immer beide Astzellen zur Entwicklung kommen; bei der ersten ist die linke, bei der letzten die rechte ausgefallen, respektive nicht normal entwickelt. Außerdem ist in der Figur 14 ein Fall wieder- gegeben, wo man deutlich eme Störung im Wachstum wahrnimmt. Sobald das Prothallium eine kleinflächige Verbreiterung erreicht hat und einige Segmentierungen eingesetzt haben, so beginnt der Rand durch Meristemwachstum größer zu werden. Dieses Randraeristemwachs- tum scheint zumeist an jener Seite zuerst einzusetzen, deren Abschluß die Endzelle bildete, in der die Scheitelzelle nicht entstand. Beide Wachstumsvorgänge können parallel vor sich gehen, und in dem Maße als die Prothalliurafläche zunimmt, entfaltet sich das Randzellwachstura immer mehr. Wie lange die Scheitelzelle ihre Teilungsfähigkeit beibehält, läßt sich aus diesem Grunde nicht sagen; es werden die Segmente durch das immer regere Meristemwachstum zu sehr verwischt. Immerhin er- lischt das Scheitelzellwachstum relativ bald. (Vgl. die Fig. 16, in welcher sich die Segmentierung bis in ein ziemlich vorgerücktes Stadium mit einiger Sicherheit nachweisen läßt.) Beim Durchmustern etwas älterer Prothallien fällt sofort eine äußerst merkwürdige Erscheinung auf. Es erscheint nämlich die eine Längs- hälfte der Prothalliumfläche als im Wachstum bevorzugt, und zwar so, daß in der einen Hälfte das Meristem viel stärker sich entwickelt als in der anderen. Dabei ist die Mediane durch die Verlängerung der Mittel- linie des konfervoiden Fadens gegeben. Ferner erkennt man bei sehr vielen, besonders bei älteren Exemplaren, am vordersten Rande eine mehr oder minder ausgeprägte Einbuchtung, in deren Ecke die Scheitelzelle liegt, wenn überhaupt eine solche noch vorhanden ist. Es sind, im Grunde genommen, hier dieselben morphologischen Züge wie bei den übrigen Polypodiaceeu vorhanden ; nur daß hier die herzförmige Gestalt nicht deutlich zur Ausprägung kommt, da das dieselbe aufweisende Stadium bald durch das einseitige Meristemwachstum überholt wird. Eine Erklärung für diese Erscheinung kann wohl nur in biolo- gischem Sinne gegeben werden, denn Wachstums-, resp. mechanische Faktoren kommen kaum in Betracht. Die Prothallien wurden ja immer unter denselben Bedingungen gehalten und fortwährend gleichmäßig be- lichtet. Bedenkt man aber, daß die Pflanze an ihrem natürlichen Stand- ort in Felsenspalten und Gesteinsritzen vegetiert, wobei die Beleuchtuugs- richtung immer eine bestimmte und gleichbleibende ist, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die Asymmetrie im Baue der Prothallien aus eben diesem Grunde zustande kommt. Man kann sich sehr wohl denken, daß die weniger belichtete Prothalliumpartie im Wachstum zurückbleibt und somit die Ungleichheit der beiden Flächenhälften verursacht wird. Ferner beobachtete ich eine weitere Erscheinung, die von Interesse ist und mit der eben genannten leicht in Einklang gebracht werden kann. Die jungen Prothalliumläppchen liegen nicht dem Erdboden an, sondern sie richten sich auf, eine schiefe Stellung einnehmend. Die 100 Längsachse ist unter einem schwachen Winkel zur Horizontalebene geneigt und außerdem ist die Zellfläche so gedreht, daß die beförderte Hälfte^ nach oben zu liegen kommt. Die Dorsiventralität des Prothalliuras tritt auch zurück und wird nur durch das gelegentliche Auftreten von Rhizoideu auf der Unterseite angedeutet. Das ganze Verhalten scheint mir nicht bedeutungslos zu sein und es steht sicher in ursächlichem Zu- sammenhange mit den Belichtungsverhältnissen am natürlichen Standort. Es bietet ferner auch einen Anhaltspunkt, um die Abweichungen im Wachstum des Prothalliums vom normalen Polypodiaceentypus, welche Anogramma leptophylla darbietet, zu erklären. Fassen wir nun die gewonnenen Resultate zusammen. Das Prothaüium von Anogramma leptophylla besitzt eine Zeitlang eine Scheitel- zelle. Diese tritt in einem bestimmten Zeitpunkt auf, nämlich unmittel- bar nach Vollendung des primären, fadenförmigen Stadiums und zumeist nachdem zwei sogenannte Astzellen ausgebildet sind, um dann nach einer relativ kurzen Zeit die Teilungen einzustellen. Fast gleichzeitig mit der Segmentierung beginnt das Meristemwachstum am Rande der Pro- thallienfläehe, das zum Teil das Scheitelzellwachstum undeutlich macht und zuletzt verdeckt, bezw. dasselbe ersetzt. Nach dem ganzen Verhalten dieser Pflanze müssen wir Anogramma leptopylla als einen stark abge- leiteten Typus der Polypodiaceen ansehen, der aber im Prothalliumbau die allgemeinen Charaktere der Familie mehr oder weniger noch erkennen läßt. Die Entwicklung des Prothalliums stimmt im wesentlichen mit jener von Coniogranime japonica (Gymnogramma japonica, nach Lampa'j überein und vermittelt den Übergang von den typischen Polypodiaceen zu stärker abgeleiteten Formen, wie eine solche beispielsweise ^J^o- gramma schizophylla {Gymnogramma scliizophylla, vgl. Lampa^) darstellt. Endlich ist es meine angenehme Pflicht, Herrn Hofrat Professor R. V. Wettstein für die Überlassung des Materiales und für die An- regung, die er mir zuteil werden ließ, sowie Herrn Prof. 0. Porsch für seine äußerst freundliche Unterstützung, meinen herzlichsten Dank zu sagen. Wien, Botanisches Institut der Universität. Erklärung der Tafel IL Alle Zeichnungen wurden mit dem Abb eschen Zeichenapparat angefertigt. Fig. 1 — 3. Confervoide Stadien verschiedenen Alters. Fig. 4—6. Etwas ältere Prothallien; in den Endzellen des jungen Prothalliums sind schon Längsteilungen vor sich gegangen. Fig. 7. Nächstfolgendes Stadium; bei a a sind die „Astzellen" sichtbar. Fig. 8. Stadium, in welchem die Scheitelzelle herausdifferenziert wird. Fig. 9—11. Beginn der Segmentierung. Fig. 12. Abnormes Stadium, bei dem die Astzellen nicht zu erkennen sind. Fig. 13—16. Weitere Stadien mit vorgeschrittener Segmentierung. Bei Fig. 16 ließ sich infolge deutlicher Ausprägung der primären Wände die Segmentierung an einem relativ vorgeschrittenen Stadium gut rekonstruieren. In Fig. 13 ist die Ein- tragung der Grenzwand zwischen dem 2. und 3. rechten Segmente unsicher. Fig. 17. Gesamtbild eines Prothalliumlappens, die Asymmetrie zeigend. 1) a. a. 0. 2) a. a. 0. 101 Zur Flora der Höttinger Breccie. Von Dr. Josef Murr (Feldkirch). Als mir letzten Sommer zufällig die „Kleine Geologie von Tirol" von Dr. J. Blaas (Innsbruck 1907) in die Hände kam, fiel mir auf Tafel 12 (Versteinerungen aus dem Interglazial und Postglazial) sogleich der ganz eigenartige Zuschnitt des unter 2 abgebildeten und als Viola oäorata erklärten Blattabdruekes aus der Höttinger Breccie auf. Die eigenartige Aderuug mit den zwei obersten, anscheinend fast unverzweigten, bogig einwärts gekrümmten Nervenpaaren, die etwas zu- geschweifte, doch stumpfe Blattspitze, die sehr seichte Ausbuchtung am Blattgrunde und die stumpfe, weite Kerbung erinnerten mich sofort an ausgewachsene Blätter der Viola pyrenaica Eam., wie ich sie im Höt- tinger Graben unmittelbar neben der berühmten Breccie und bis nahe unter der Höttinger Alpe bei fast 1400 m zugleich mit F. rkaetica Borbäs {V. pyrenaica X collina) gesammelt hatte ^). In der v. Wettstein sehen Hauptarbeit „Die fossile Flora der Höttinger Breccie" (Separatabdruck aus dem LIX. Band der Denk- schriften der math.-naturwisseusch. Klasse der kais. Akademie der Wissenschaften, Wien 1892), welches Werk mir durch das botanische Institut der k. k. Universität Wien gütigst zugemittelt wurde, findet sich außer dem von Blaas reproduzierten Blatte auf Taf. VI unter Fig. 7 ein zweites fossiles, auf V. odorata L. sensu lato gedeutetes Blatt abgebildet. Auch dieses mußte ich mit Rücksicht auf Umriß, Nervatur und auch auf die besonders an der Rundung des linken Seitenlappens hervortretende höchst charakteristische, weite, grobe und stumpfe Kerbaug als zu V. ])yrenaica Eam. gehörig ansehen, und zwar stellt dieser Ab- druck durch die Breite der dabei doch seitlich etwas abgeflachten Blätter die Normalform der Innsbrucker V. pyrenaica dar. Die somit aus der Höttinger Breccie nachgewiesene F. pyrenaica Rara. stellt sich uns als Pendant der in derselben Breccie mehrfach ge- fundenen Potcniilla micrantha Ram. dar, die gleichfalls heute noch im Höttinger Berge von 1100 bis gegen 1600 m, insbesodere auch an den Roßfällen unmittelbar neben der Höttinger Breccie vorkommt. Hingegen i.st F. odorata L. aus der Zahl der von v. Wettstein angeführten fossilen Arten, welche in der Innsbrucker Gegend zwar heute noch vorkommen, aber nicht mehr bis 1200 m, also bis zur Zone der Höttinger Breccie, ansteigen, auszuscheiden, so daß aus dieser Gruppe vorläufig nur mehr Tilia platyphyllos'^), Heder a hei ix, Corniis sanguinea, Ubnus campest ris und Salix triandra übrig bleiben. Vergleichen wir nun nochmals die übrigen fossilen Typen der Höttinger Breccie, von denen uns besonders die ausgesprochen wärme- 1) Vgl. Deutsehe bot. Monatsschr., XV. Jahrg., 1897, S. 78, und AUg. bot. Zeitschr., VI. Jührg , 1900, S. 108. -) Vgl. H. Brockmann-Jerosch, Neue Fossilfunde aus dem Quartär und dpren Bedeutung für die Auffassung des Wesens der Eiszeit (Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, Jahrg. 54, 1909, Sep. S. 5, wo die empfind- lichere Tilia platyphyllos neben Taxus, Populus alba, Corylus, Quercus robur, Hex, Acer platanoides, Hedera lielix usw. vom Güntenstaller Einschnitte bei Kalt- brunn (St. Gallen) aus der unmittelbaren Nähe des Gletschers der letzten Eiszeit (Zeit des Bühlvorstoßes) genannt wird. 102 oder kübleliebenden interessieren. In letzterer Hinsicht muß ich der Bemerkung S. 37 : „Boreale und alpine Typen fehlen unter den fossilen vollständig" ^) teilweise widersprechen. Die von v. Wettstein vorge- führten Arten Adenostyles Schenkii Wettst. '), Aster heUidiastrum, Rihes alpinum, Salix grandifolia und besonders S. glabra können entschieden wenigstens als präalpin angesehen werden ; ja die letztgenannte Art findet sich zwar zwischen dem Krummholz am Haller Salzberge bis ca. 950 m herab, in der Mühlauer Klamm nach v. Kern er gar bis 673 m (hier wohl sicher nur herabgeführt), konnte aber von mir so- wohl am Höttinger Berg sowie an den meisten sonnigen Stellen des Innsbrucker Kalkgebirges erst weit über 1100 — 1200 ra getroffen werden. Die übrigen genannten und von mir als präalpin angesehenen Typen sind heute noch im Bereiche der Höttinger Breccie vorhanden. Was nun die thermophilen Typen betrifft, so wäre unter diesen der bei weitem anspruchsvollste, unbedingt mediterrane Verhältnisse ver- langende die von v. Wettstein mit ? angeführte Arhutiis ünedo L. Ich möchte aber in dem auf Taf. IV unter Fig. 1 reproduzierten Blatt- abdruck entschieden Salix grandifolia erkennen, so daß der Erdbeer- baum für unsere weiteren Erwägungen in Wegfall kommt. Außer der Bliamnus Hoettingensis Wettst., über deren Wärmeansprüche sich wohi kaum eine Vermutung aussprechen läßt, bandelt es sich also haupt- sächHch nur um die Leitpflanze der Höttinger Breccie, Rhododendron ponticum L. ^) und um Buxus sempervirens L. Von diesen geht R. ponticum über die heutzutage am Orte der Höttinger Breccie herrschenden Verhältnisse anscheinend weit hinaus. Ich erwähne aber hier sogleich, daß im Parke der Villa v. Tschavoll am Margarethenkapf in Feldkirch bei 510 m (8 1° mittlere Jahres-, ca. — 1*3° mittlere Wintertemperatur)*) mächtiges, 2 m hohes Gebüsch ^) Dieses bei v. Wettstein damals noch zu wenig gründlich abgestoßene un- willkürliche Bestreben, alpine und boreale Arten aus der Höttinger Breccie ausge- schaltet zu sehen, ist durch die vorausgegangenen Arbeiten Ungers, v. Ettings- hausens und Sturs, welche dieser Flora einen geradezu subtropischen Charakter beimaßen, mehr als hinlänglich entschuldigt. 2) Von Adenostyles alpina morphologisch und biologisch wohl nicht weit entfernt. 3) Zuerst richtig gedeutet in v. Wettsteins Arbeit „Rhododendron Pon- ticum ii. fossil in den Nordalpen" (Sitzungsber. d. k. k. Akad. d. Wissenseh. Wien, mathem.-naturw. Kl, XCVII. Bd , I. Abt. 1888, p. 40— 51). Eine gute Übersicht auch über die Höttinger Funde mit Einbeziehung einiger kleiner Nachträge bietet die Schrift von Prof. Dr. G. E. Beck v. Mannagetta ,.Die Vegetation der letzten Interglazialperiode in den österreichischen Alpen. (Mit zwei Karten-Tafeln.) Nach einem am 22. Jänner 1908 im „Lotos" gehaltenen Vortrage." *) Ich berechnete letzteren Durchschnitt für die Monate Dezember, Jänner und Februar aus den über 40 Jahre sich erstreckenden Mitteilungen und Aufzeichnungen des pensionierten Professors des Feldkircher ötaatsgymnasiums Schulrates Josef Kiechl (vgl. die Programme der Anstalt 1897 und 1904). Bezeichnend ist das Zahlen- verhältnis hinsichtlich der Winter- und der Jahrestemperatur von Feldkirch, Inns- bruck und Brixen. Letzterer Ort hat dasselbe Wintermittel wie Feldkirch ( — l'S'^j, .iedoch ein fast um einen Grad höheres Jahresmittel (9"); das Wintermittel von Inns- bruck ( — 2 •2") ist beiläufig um einen Grad tiefer als das von Feldkirch, das Jahres- mittel (8°) hingegen kaum geringer. Innsbruck und Brixen sind also Feldkirch gegen- über weniger „ozeanisch", mit verhältnismäßig strengerem Winter und infolge der nicht so starken Niederschläge relativ wärmerem Sommer. 103 von B. ponticuni in nächster Nähe präalpiner Arten wie Sorhus aria, S. 3Iougeoti, Cotoneaster integerrima, Salix grandifolia, Arahis alpina, Kernera saxatilis, Fotentilla caulescens, Valeriana tripteris, Hieracium liumih ssp. lacermn, H. amplexicaule, Sesleria varia mildere Winter wie den heurigen ohne jeden Schutz aushält. Für Buxus sewpervirens, die übrigens heute noch in den obersten Gärten von Hötting in alten, prächtigen Stämmen gedeiht, käme zunächst das bekannte in neuester Zeit als ursprünglich wild angezweifelte Vor- kommen bei Steyr in Betracht. Ich kenne aus eigener Anschauung nur das wilde Vorkommen des Buchs (neben der Steineiche) an der Ponale- straße in Riva bei ca. 100 ra (13" Jahresmittel, an der betreffenden Stelle wohl merklich weniger), wo sich präalpine Arten, wie Anthyllis pallidiflora , Gentiana Clusii, Carex mucronata zu den zwei Immergrünen gesellen ^). Was die subalpine Salix glabra betrifft, so traf ich diese mit Bhododendron hirsutum und Carex refrada am Monte Maranza bei Trient bei ca. 900 m neben Fraxiniis ornits, Cotiniis coggygria, Galium purpureum, Asparagus tenuifolius usw., ferner über Caldonazzo gegen Lavarone in Valsugana bei ca. 750 m mit Bhododendron hir- sutum, Bhodothamnus chamaecistus und vielen prä- und subalpinen Krautgewächsen neben Fraxinus ornus, Ostrya, Cytisus nigricans und C. purpureus^). Im Buco di Vela bei Trient (400 m) findet sich Cytisus sessilifolius und verwilderte Ficus in unmittelbarer Nähe von Carex mucronata, Saxifraga rotundifolia, Finguicula alpina^ Aster hellidiastrum und Adenostyles alpina. Bei der Schattenburg in Feldkirch und in Triesen (Liechtenstein) wächst Adenostyles alpina auf Waldgruud, resp. auf feuchtem, tuffigen Boden kaum einen Büchsenschuß von den ßeb- gehängen entfernt. Im pontischen Randgebirge geht Bhododendron ponticum nach Bar. V. Handel-Mazzetti^) bis zur Waldgrenze (1800 ra), Buxus sempervirens e'mzelü bis 1500 m; als Begleitpflanzeu der Rhododendreten werden gebirgsbewohnende Arten wie Blechnum spicant, Dryopteris 1) Murr, PflanzeDgeographische Studien aus Tirol. 3. Xerothermisch-alpine Florengegensätze. Deutsche bot. Monatschr., Jahrg. 1904, S. 1. Vgl. auch Murr, Xerothermisch-alpine Gegensätze in der Flora von Vorarlberg und Liechtenstein. Ebenda, Jahrg. 1909, S. 100 ff. Am Fläscherberg bei Balzers tritt Gentiana lutea reichlich blühend bei ca. 625 m unmittelbar über Tamus communis, am gegenüber- liegenden Scholberg der schweizerischen Rheintalseite bei ca. 600 m einzeln neben Äster linosyris auf! Das Schulbeispiel für derartige Anpassung an Wärme und Kühle bleibt immeV noch das von Krasan in seiner Schrift „Zur Abstammungsgeschiehte der autochthonen Pflanzenarten- (Sep.-Abdr. aus den Mitteilungen des Naturwissensch. Vereins f. Steiermark, Jahrg. 1896, S. 19) vorgeführte Nebeneinander von Phila- delplms coronaria und Ostrya carpinifolia mit Anemone alpina bei 600 m in der Weizklamm. 2) Murr, Beiträge zur Flora von Tirol und Vorarlberg (XVII) i. d. Allg. bot. Zeitsch., Jahrg. 1905, S. 29, Anm. 3) Ergebnisse einer botanischen Eeise in das Pontische Randgebirge im Sand- schak Trapezunt (Sep.-Abdr. aus dem XXIII. Bande der Annalen des k. k. Naturhist. Hofmuseums, Wien, 1909) S. 176, 148. 104 montana, Polystichum acuJeahim, Lycopodium selago, Polygommi historta genaniit. Dieses Nebeneinander von ursprünglich stark therraophiien Typen mit borealen findet teilweise schon durch „geringere Extreme der Temperatur" (v. Wettstein, a. a. 0., S. 37) seine Erklärung, wie sie ein mehr ozeanisches Klima mit reichlichen Niederschlägen im Sommer und unter Umständen selbst im Winter mit sich bringt. Das- selbe drückt bezüglich der fossilen Höttinger Flora Brockraann- Jerosch (a. a. 0., S. 9) vortrefflich aus, wenn er schreibt: „An der Hand ihrer heutigen Verbreitung läßt sich leicht nachweisen, daß sie, mit dem heutigen verglichen, kein wärmeres verlangen, aber ent- schieden ein feuchteres Klima bevorzugen, als ihre diluvialen Stand- orte ihnen heute bieten würden, daß sie also mithelfen, der damaligen sogenannten Interglazialflora einen ozeanischen Charakter aufzu- drücken." Diese eigentümliche Florenmischung läßt sich, wie schon oben angedeutet wurde, in dem au Tirol anschließenden aber weit mehr „atlan- tischen" Vorarlberg besser beobachten, wo auf Parkland in Feldkirch neben dem pontisch-quarternären Acer laetum 0. A. Meyer ausgedehnte Gruppen von FJiododendron ponticuni, Buxus, Hex und Prunus laurocerasns gedeihen und wo im Göfnerwalde bei 500—600 m (wenn auch nicht gerade alle Arten an einer und derselben Stelle) die althöttiugisch- U-Sii^ezuntischeGe&e\\sc,haiit,vf\eGe)itianaasclepiadea,jAdenostylesalp)ina'^), •\Aster hellidiastnim, Lycopodium selago, Blechnum spicant, Poly- stichum aculeatiim, -^Sorhus aria, j-Acer pseiidoplatanns, ■\Salix grandi- folia — ■\Taxus haccata, Hex aquifolmm, fCarpinus hetulus, Evonymiis latifolia, Stapliylea pinnata, Cornus mas, Acer catnpestre, Prunus avium, P. cerasus (eingebürgert), Phyllitis scolopendrium, Asplenium adiantum nigrnm, Cyclamen europaeum, jLathynis vernus, Viola alba, Hieracium racemosum sich begegnet. Im folgenden möchte ich noch aut eine Reihe von wald- und sumpfbewohnenden Arten, zum guten Teil pontischen^) Cha- rakters, hinweisen, die heutzutage im Innsbrucker Kalkgebirge meist nur an einzelnen Stellen und sehr spärlich auftreten und großenteils der einstigen Höttinger Gesellschaft angehörige Relikte darstellen dürften. Die von Bar. v. Handel -Mazzetti aus dem Sandschak Trapezunt angegebenen Arten sind mit * bezeichnet. * Hordeum curopaeum (L.) All. Sehr sparsam im Schoberwald am Solstein und im Mühlauer Graben, also über dem Standortsgebiete der Ostrya (Murr). In Vorarlberg verbreitet. * Molinia altissima Link. Charakteristisch für trockene Wald- stellen besonders mit eingesprengten Buchengruppen; schön auch unter der Hungerburger Breccie. In Vorarlberg sowohl für die Sumpfwiesen als auch für den Mischwald äußerst charakteristisch. ') Die der Höttinger Breccie angehörigen Arten sind mit f bezeichnet; die meisten der h'er aufgeführten Arten gehören auch dem von Bar. v. Handel- Mazzetti bearbeiteten pontischen Gebiete an. ~) Der pontische Charakter der fossilen Höttinger Flora, wie er ja schon durch die Leitpflanze Ehododendron ponticum nahegelegt wird, wurde erst jüngst auf dem letzten Deutschen Geographentage von Geheimrat Lepsius hervorgehoben. 105 Glaäiolus paluster Gand. Arzler Bergmähder rechts über der Mühl- auer Klamm. Charakterpflanze für die Sumpfwiesen Vorarlbergs. Orchis pallcns L. Höttinger Berg uud am Eingange des Halltales, 900 — 1200 m, ganz selten. In Vorarlberg da und dort. Alliuni ursinum L. Halltal 1200 ra. Im Laab- und' Mischwald Vorarlbergs massenhaft. Fotentilla alba L. Sehr spärlich am Höttinger Berge 1000 — 1200 m, verbreitet am Fuß des Halltales. P. sterüis (L.) Garcke. Inntalkette, besonders bei 900—1100 m, neben P. micraniJia Ram. In Vorarlberg Charakterpflanze. Piriis hracliypoda Kerner. Im Mischwald am Stangensteig bei Hötting, an der Breccie ober der Weiherburg (Kern er). Vicia dumetorum L. In der Mühlauer Klamm (Kerner); in Vorarlberg verbreitet, ebenso in Südsteierraark. Lathyms vernus (L.) Beruh. Auf einem Hügel an der Straße von Zirl nach Seefeld (Ed, Scholz), sonst in Nordtirol noch als Relikt bei Imst und Zaras. In. Vorarlberg häufige Waldpflanze. Übrigens wird diese oder eine sehr nahestehende Art von v. Wettstein aus der Höttinger Breccie angegeben, dem jedoch das heutige Nordtiroler Vorkommen noch nicht bekannt war. L.montanusBQxn\i. Nordtirol: Fließ, Zams; hat sich in Innsbruck nur auf der Südseite bei Ambras und wahrscheinlich auch bei Steinach erhalten. Charakterpflanze der pontisch-illyrischen Flora von Südsteiermark. * Evonymus latifolia Mill. Kranebitter Klamm und Schoberwald (s. Hordeiim eiiropaeiiml) bei Höttiug. Für Vorarlberg charakteristisch. Euphorhia piurpurata Thuill. An der Solsteiiikette verbreitet (630 — 1560 m) bis zur Weiherburger Breccie herab, im Halltal. lu Vor- arlberg zerstreut. Viola suavis M. B. ssp. austriaca (A. et J. Kerner) Becker. Hötting, Weiherburg, Mühlau. * Circaea liitetiaua L. Selten in Hötting und in der benachbarten Kranebitter Klamm. Charakterpflanze des vorarlbergischen Laub- uud Mischwaldes. Bupleurum longifolium L. Wandalpe ober dem Gnadenwald bei Hall (G rem blich). Auch in Vorarlberg vorkommend. Angelica verticiUaris L. Solsteinkette 700—1400 ra. Charakteristisch lür die pontisch-illjrische Flora von Südsteierraark. {Laserp it kim p rufe iiicimi L. Innsbruck 620 — 900 m sehr spärlich, auf der Nordseite noch nicht konstatiert. Häufiger in Vorarlberg uud charakteristisch für den pontischen Wald in Südsteiermark.) Friimila acaidis L. Wälder am Thanrer Schloß 750—900 m. Charakterpflauze der Flora von Bregenz, Ilalienisch-Tirol, Südsteiermark. {Galiuni vernum Scop. Nur bei Natters-Götzeus 850 m [Graf SarntheinJ. Charakterpflanze des Buschwaldes in Italienisch-Tirol und Südsteiermark, auch bei Feldkirch ein Reliktstandort). * Äspenda odorata L. Sehr spärlich an der Solsteinkette (800 bis 1500 m), Hallial. Charakterpflanze in Vorarlberg. * Dipsacus pilosus L. Hötting, spärlich. Verbreitet in Vorarlberg. Cütnpanula Cervicaria L. Farrental bei Fritzens neben Älolinia altissima und Serratida. 106 * Canipanula latifolia L. Haller Salzberg 1300—1400 ra neben der für „pontiscbe" Gebiete cbarakteristischen Gentiana asciepiadea. Ina Miscbwald Vorarlbergs jüngst bei Klien von mir und Kaiser ge- funden. *lnula salicina L. Kranebitten-Zirl, nur wenige Exemplare (Murr). Charakterpflanze Vorarlbergs. ^Gnaphalhim luteoalhum L. Eodungen am Höttinger Berg gegen Kranebitteu bei 800—900 ra. Arctiiim macrospermiim (Walla) Dalla Torre et Sarnth. Mühlauer Klamm (Evers). In Vorarlberg und Lichtenstein öfters, zum Teil neben Hordeum europaeum. Serratula tinctoria L. (var. integrifolia Krocker). Bergwiesen bei Rum und Thaur, Farrental im Gnadenwald. Als Charakterpflauze im Laub- und Mischwald wie auf den Sumpfwiesen Vorarlbergs neben Molinia altissima, Gefitiana asciepiadea, Snccisa, Betonica etc. Hieracium racemosimi W. Kit. ssp. leiopsis M. Z. Neben * Salvia verticillata L. Charakterpflanze der lunsbrucker Wälder, speziell des Höttinger Berges. In Vorarlberg und Liechtenstein an sonnigen und geschützten Stellen dafür die empfindlichere echte ssp. racemösum W. Kit. Über Polilia hercynica Warnst, und Pohlia Bothii Broth. Von Ernst Bauer (Smichow-Prag). Die Verwandtschaft der europäischen Fohlia-Arten untereinander ist durchaus nicht endgiltig aufgeklärt, insbesondere gilt dies von Fohlia Rotliii (Corr.) Broth. und von Pohlia grandiflora H. Lindb. Die nachfolgenden kritischen Bemerkungen, welche mir Herr Forst- meister C. Grebe-Veckerhagen und Schriftleiter L. Loeske- Berlin, für meine „musci europaei exsiccati" zur Verfügung gestellt haben, werden daher von allgemeinem Interesse sein. Herr Rektor C. Warns- torf- Berlin hatte die besondere Güte, die eingeschaltete Beschreibung seiner neuen Poldia hercynica Herrn Grebe zu dem gleichen Zwecke zu übersenden. Unter den vorangestellten Nummern sind die besprocheneu Moose in dem zitierten Exsikkat ausgegeben. 907. Pohlia hercynica Warnst, n. sp. Syn. Polilia Eothii (Oorrens) var. hercynica Grebe et Loeske, steril. Harz : Okertal, am kiesigen und klippigen Uferrande der Oker a) Juni 1910 und August 1911, b) 9. Juli 1912 legit C. Grebe. „Diese neue Po/i//a-Form ist vom Unterzeichneten am 1. Juni 1910 im Harz, Okertal, entdeckt, als auffällige neue Form erkannt und zu ihrer weiteren Beobachtung und Feststellung am 10. August 1911 wieder aufgesucht und eingesammelt worden, an demselben Tage, als er das seltene Polytrichum decipiens Limpr. bei Terschau für den Harz entdeckte und desgleichen nochmals am 9. Juli 1912. Sie wächst an klippigen und kiesigen Uferstellen der Oker, eines felsigen Wild- und Gebirgsbaches, von etwa 350 m aufwärts 107 oberhalb Eomkerhalle bis Altenau und höher, ist hier so häufig, daß sie als Charakternaoos der rissigen und spaltigen Schieferklippen in und am Okerufer gelten kann und öfters Massenvegetation bildet. Mit Früchten wurde sie nur apärlich in einem tiefen, schattigen Erosions- einschnitte der Oker auf feuchten Kiesbänken von mir gefunden, nahe dem isoliert gelegenen Gasthaus Waldhof." Herr L. Loeske zu Berlin, dem ich diese neue Form alsbald vorlegte, vermutete darin zunächst die noch nicht publizierte P. Stollei Warnst., zog sie dann aber, als ich ihm neues Material eingesandt hatte, in den Formenkreis von Pohlia Bothii. Er schrieb mir am 28. No- vember 1911, daß er sie für eine luxuriante Wasserform dieser Art halte, gleichsam als ein Gegenstück zu meiner Fohlia glareola als Trockenforra, und vertrat auch kürzlich im September 1912 nach er- neuter Untersuchung noch diese Ansicht. Wir glaubten sie deshalb als eine hercynische Abart, als Varietät der P. Bothii betrachten zu sollen. Ganz anders urteilt Herr 0. Warnstorf über das fragliche Moos, das ich ihm kürzlich im September 1912 übersandte, weil seine syste- matische Stellung mir nicht unzweifelhaft erschien. Herr Warnstorf erwiderte sofort, daß die fragliche PoJdia seines Erachtens wegen der lang herablaufenden Blätter und Brutkörperchen keinesfalls zu P. Bothii gehöre, daß es ihm aber auch unmöglich sei, sie mit einer der be- kannten Arten zu vereinigen, und daß er sie deshalb als P. hercynica ad Interim bezeichne. Diese Ansicht hielt Herr Warnstorf auch dann noch aufrecht, als ich ihm die Loeskeschen Gegengründe mitteilte, denn er schrieb am 28. Oktober 1912: .Ich habe mich inzwischen voll- kommen überzeugt, daß Ihre Pflanze auf keinen Fall als Form von P. Bothii gelten kann, sondern sie gehört unzweifelhaft einem neuen europäischen Typus an, der P. annotina Hedw. = P. grandiflora H. Lindb. verwandt ist." Ich selbst habe mich eines bestimmten Urteils über den Artwert enthalten, weil mir kein ausreichendes Vergleichsmaterial der neu unter- schiedenen Pohlia-Aüeü zur Verfügung stand, doch möchte ich aus- drücklich hervorheben, daß P. hercijnica schon nach ihrer eigentüm- lichen und häufigen Verbreitung als Charaktermoos eines WiM- und Gebirgsbaches in natura durchaus den Eindruck einer selbständigen Art macht. „Sie ist sofort kenntlich durch ihre auffallend lang und breit herab- laufenden Blaitflügel. Die Bulbillen finden sich nur in den Blattachsen der letzten Jahrestriebe, einzeln, doch auch zu zweien, sind ungestielt, nach unten konisch verschraälerr, nach oben knospenförraig abgerundet und öfters von grünen Spitzen gekrönt. Das Moos ist perennierend und trägt an den jüngeren, diesjährigen Sprossen kürzere und flachrandige Blätter, an den älteren, meist abgestorbenen Stengelteilen schmälere, längere Blätter, die an den Rändern meist umgerollt sind." Veckerhagen a. Weser, im November 1912, 0. Grebe, königl. Forst- meister in lit. ad me. Pohlia hercynica Warnst, n. sp. 8. August 1912 in lit. ad Grebe. „Dense caespitosa; caespites virides, vix nitentes, extensi, caulibus sterilibus numerosissimis intermixti. Caulis sterilis aequaliter foliosus, 108 virescens vel luteo-rufescens, 1 — 2 cm altus; folia sicca subadpressa, humida erectopatentia, decurrentia, lanceolata, pleniraque 2 mm longa, 0*5 ram lata, plana, sursum deutata, in basi non rufa; costa sub apice evanida, in foliorum axillis pleruraque bulbillis solis, piriforraibus in- structa; bulbillae maturae sordide brunescentes ad 100 — 120 (i iongae et 33 — 40 ^ erassae, apice foliolis erectis 4 — 6. Dioica; planta niascu- lina?, feminea archegoniis numerosis; folia perichaetialia longiora, in comara dense irabricatam conferta, anguste lanceolata, 2'5 — 3 mm longa, 0'5 ram lata, sursum denticulata; costa crassa, in apicem procurrente. Cellulae in media lamina 85 — 100 fx Iongae et 8 — 10 fi latae. parietibus tenuibas praeditae; seta tenuis, rubra, flexuosa, 12 — 18 mm longa. Cap- sula piriformis, nutans vel pendula, 2 — 2*5 mm longa, 0*5 — 0*6 mm crassa, deoperculata aetate rufo-fusea, cum coUo mediocriter longo, in eo stomatibus multis; exothecium e cellulis irregulariter forraatis, qua- dratis-breviterrectangularibus, earum parietes tenues, inflexi, in angulis non incrassati. Peristomii dentes jam pro parte destructi. Sporae lutes- centes, 16—20 ft diam." „Dieser skiophile und hygrophile Fels- und Kiesbewohoer des Harzes ist der P. annoiina Lindb. (P. Eothii Corr.) einerseits, ander- seits aber auch der P. grandiflora H. Lindb. (P. annotina Hedw.) nächstverwandt. Die erstere weicht ab durch größere, dickere, ei- förmige bis tast kugelige, zur Bei fe rein rotbraune Bul- billen von 160—1000 fi Länge und 160—450 ^i Dicke, sowie außerdem durch die kaum verbogenen, wenig verdichten Zell- wände der ürnenepidermis. P. grandiflora dagegen besitzt ähn- liche BulbiUen wie P. hercynica, die aber in Büscheln stehen und zur Reifezeit gelblich gefärbt sind; die ürnenepidermis- zellen besitzen hier zwar ebenso stark verbogene Wände, zeigen außer- dem aber noch deutliche Eckverdickungen. Beide in Bede stehenden Arten endlich sind photophile Hygro- phyten, während schon die durchaus grüne Färbung der Rasen von P. hercynica darauf sehließen läßt, daß sie eine Schattenpflanze ist. Auffallenderweise sind bei der letzteren c^ Pflänzchen so selten, daß es mir nicht gelungen ist, selbst unter den fertilen Raschen auch nur ein einziges cf Exemplar aufzufinden. Daraus erklärt sieh auch, weshalb Sporophyten nur selten zur Ausbildung gelangen." Rektor C. War n stör f in lit. 912. Fohlia Eothii (Oorrens) Broth. var. compacta Ruthe et Loeske in Abhandl. des Bot. Vereines d. Provinz Brandenburg, 1904, S. 162, steril. Harzgebirge: Harzburg, Waldblöße au der Chaussee nach Torf- haus auf etwas tonigem Boden. -\- 650 m Juli 1904 und Juli 1905 legit L. Loeske. „Das Moos wächst in weißlichgrünen, flachen und meist nieder- gedrückten Raschen auf tonigem Grunde einer ausgerodeten Waldstelle, die gegen die Chaussee etwas abschüssig geneigt und daher ziemlich trocken ist. Anfangs irritierten Ruthe und mich der scheinbar wech- selnde Blütenstand, denn zwischen völlig sterilen und zwischen rein männlichen Rasen fanden sich bisweilen kleine Gruppen von Pflanzen mit dem Blütenstande der P. mitans. Ich konnte aber bald feststellen, daß diese Art in einer auffällig ähnlichen, aber gewöhnlich dunkler ge- 109 färbten Form zwischen der zweihäusigen P. Rothii eingesprengt lebte. Sollte die Pflanze rein ausgegeben werden, so mußte ich das ohnehin nicht sehr reichliche Material stark sichten und säubern, so daß es leider nicht in größerer Menge vorgelegt werden konnte. Hie und da finde ich noch die Bulbillen an den Stengeln. Die Pflanze halte ich für eine Form der Pohlia Rothii, die zwischen deren gewöhnlicher Ausbildung und der Wehera glareola (Ruthe et Grebe) Lirapr. ungefähr in der Mitte steht. Dieses letzterwähnte Moos steht nicht, wie Lira pri cht bemerkt, der F. gracilis am nächsten (höchstens dem äußeren Anschein nach), sondern der P. Rothii, deren extremste Xeroraorphose sie höchstwahrscheinlich darstellt. Auch Warnstorf stellt Poldia glareola in den Formenkreis der P. Rothii. P. Rothii, die auch als P. annotina (L. Leers) S. 0. Lindberg bezeichnet wird, aber mit der P. annotina (Hedwig) nichts als die Gattung gemeinsam hat, ändert im Harze auch nach der anderen Seite ab, indem sie uuf feuchteren Plätzen Formen bildet, die ich nicht immer sicher von Pohlia commutata — ihrer weitaus nächsten Verwandten — unterscheiden konnte. Die Rasen verlieren an solchen Stellen den Glanz und bekommen eine mehr sparrige Beblätterung." L. Loeske, 1911 in lit. ad me. „P. hercynica ist die üppige, var. compada die xerophile Form der P. Rothii, die in P. glareola schließlieh ihr Extrem nach dieser Richtung findet. Die P. hercynica Warnst, fällt nach meinen Beobachtungen in keiner Weise aus dem Formenkreise der Rothii heraus, der bisher viel zu eng gefaßt (weil auf Herbarexemplare ge- gründet) wurde. Bei jungen, schlanken Sprossen laufen die Blätter nicht selten von Blatt zu Blatt herab, das Zellnetz ist locker, die Serratur schwach, die Bulbillen sind schlank und oberwärts oft zu zweien und dreien gehäuft. An andern Stellen tritt P. Rothii, besonders an älteren Sprossen, mit wenig oder kaum herablaufenden, engerzelligen und schärfer gesägten Blättern auf. Die Bulbillen sind dann oft dicker, aber wirklich kugelig zu nennende trifft man nur selten an. Sie sind in jeder Hinsicht denen der P. commutata ähnlich, aber etwas geschlossener und kleiner." L. Loeske, 1912 in lit. ad me. Ein neuer Alectorolophus vom Südabfall der Schweizer Alpen. Von Dr. Jakob v. Sterneck (Prag). (Mit 2 Textfiguren.) Alectot'olophus antiquus, n. sp. Diagnose: Oaulis lü— 15 cm altus, non nigro-striolatus, alternatim, in parte inferiore undique dense hirsutus, internodiis nonnullis, plerumque brevibus, rarius elongatis, simplex vel parce ramosus, ramis caule brevio- ribus, paribus foliorum intercalarium nullis. Folia caulina internodiis duplo breviora, lanceolata, dentata, dentibus densis, acutis, sed non patulis, in planta florente resistentia. 110 Bracteae subglabrae, exceptis iufimis ovato-trlangulares, in apicera longiorem productae, calycein superantes, dentibus ioferioribus perlongis (0'6 cm), subulato-acutis, sed vix aristatis, ad apicem bracteae subito decrescentibus, superioribus brevioribus, subpatentibus. Oalyx excepto raargine minime scabrido, glaberrimus. Corolla 1*5 cm longa, sub anthesi vix accresceas, tubo minime sursum curvato, subrecto, breviter galeaeformi, margioe inferiore recto, dente brevi, O'l cm longo et lato, breviter triangulari-ovato, labio inferiore ereeto, minime patente, labium superius ad 7s aequante, itaque fauce vix aperta, lobis iateralibus suborbicularibus. Stylus curvatus, Semina non examinavi. Floret mense Julio exeunte et Augusto. Verbreitung: Diese neu beschriebene Sippe scheint in der südöst- lichen Schweiz und dem angrenzenden Italien immerhin einige Ver- breitung zu haben. Ich sah sichere Exemplare von folgenden Standorten : Schweiz: Graubündten: Sassal Massone im Puschlav 2400 m (Herb. Univ. Zürich), zwischen Wegehaus und le Gessi im Puschlav 2200 m (Herb. Univ. Zürich), Berninapaß: Abhang Piatea ge^en Val minor 2500 m (Herb. Univ. Zürich), Alpe Grüm (Herb. Univ. Zürich), Piano dei Oresti, Fiorera alta, Val Antaffia (Herb. Chenevard Genf), P. della „Lumbareda" (?) (Herb. Polytechn. Zürich). Italien: Bergamasker Alpen: Cima di Camino, 1800 — 2100 m (Herb. Chenevard, Genf). Die im vorstehenden beschriebene Sippe ist mir schon seit acht Jahren bekannt. Bei den Revisionen mehrerer Schweizer Herbarien kamen mir immer wieder Exemplare vor Augen, die ich nicht recht zu deuten wußte. Ich suchte sie meist an den, damals noch recht wenig geklärten A. apenninus'^) anzuschließen, in erster Linie auf Grund der großen, langgezähnten Bracteen, die allerdings vollkommen mit denen des A. apenninus, bzw. des A. ovifugns übereinstimmen, unterließ es aber, den Korollenbau näher zu untersuchen, teils wegen Schonung des oft spärlichen Materiales, teils deshalb, weil ich voraussetzte, daß die Korolle von der der Ovifiigtis-Gr\i^Tpe nicht verschieden sein könne. Wenngleich mir auch der eigentümliche Bau derselben schon immer auffiel, glaubte ich diese Abweichungen durch den Einfluß äußerer Faktoren (Trocken- heit des Sommers und Ähnliches), oder durch mangelhafte Präparation der wenig zahlreichen Stücke erklären zu können. Erst in neuester Zeit ist mir von Herrn Paul Chenevard prachtvolles und reichliches Material dieser kritischen Sippe zugesendet worden, welches es ge- stattete, eingehend auch den Korollenbau zu prüfen. Die Resultate waren überraschende. In der Monographie habe ich den Korollenbau zur Grundlage der Sektionseinteilung genommen. Den Sippen mit großer Korolle mehr oder weniger aufwärts gebogener, sich während der Anthese streckender Korollenröhre und langem Oberlippeuzahn, die sich auf die Sektionen der Aequidcntati, Brevirostres und Tnaequidentati verteilen, stehen jene 1] Alle Namen, die ohne spezielles Autorzitat angeführt werden, gelten im Sinne meiner Monographie der Gattung ÄJectorolopJms in Abb. d. zool.-bot. Ges. I, 2 (1901). I 111 der Sektion Minores gegenüber, die eine kleine Korolle, gerade, während des Blühens sich nur wenig verlängernde Röhre und einen kleinen, rund- lichen Zahn aufweisen. Zwischen diesen beiden Gruppen finden wir noch eine fünfte Sektion, die Frimigeni, denen ebenfalls eine kleine Korolle, mit mäßig gebogener, weniger sich verlängernder Röhre und kurzem Zahne eigen ist, welch letzterer aber, im Gegensatz zu den Minores, eine mehr quadratische P'orm besitzt. Diese intermediäre Sektion habe ich genetisch als die älteste Gruppe der Gattung bezeichnet. Die sechste Sektion, die Anomali mit konvexem ünterrand der Oberlippe, kommt hier weiter nicht in Betracht. Der neu beschriebene A. antiqnus entspricht nun im Korollenbau der Sektion Frimigeni fast völlig. Die Korolle ist klein, der Tubus sehr wenig aufwärts gekrümmt und sich während der Anthese kaum streckend, der innere Rand der Oberhppe gerade, der Oberlippenzahn kurz. Während er aber bei den beiden bisher bekannten Arten dieser Sektion etwa quadratisch, mit ziemlich gerade abgestutzter Spitze ist, zeigt er bei A. antiquus eine abgerundete, noch mehr an A. minor erinnernde Gestalt. Die Seitenlappen sind nahezu kreisförmig. Eine neuerliche Unter- suchung der beiden, in die Sektion Frimigeni bisher einbezogenen Sippen, des A. aspendiis und A. ülyricus, zeigt aber, daß nur bei ersterem die Seitenlappen eine elliptische Gestalt haben, während sie bei A. illijricus sich ebenfalls stark der Kreisform nähern. Ich möchte daher diese Form der Seitenlappen aus der Charakteristik der Sektion Frimigeni, wie ich sie in der Monographie, p. 101, gegeben habe, ausgeschieden wissen, und die elliptische Gestalt dieser Seitenlappen lediglich als ein, dem A. asperidus eigenes Merkmal hinstellen, das ihn auch von A. illyricus und natürlich noch mehr von A. antiqnus scheidet. Einer Subsumierung des A. antiquus unter die Sektion der Frimigeni steht jetzt nichts mehr im Wege. Hiemit ist aber auch gleichzeitig der Unterschied zum Ausdrucke gebracht, der zwischen der neuen Sippe und den Vertretern der Sek- tionen der Aequidentati, Inaequidentati und Brevirostres besteht. Die nebenstehende Figur macht den Unterschied anschaulich. Speziell gegenüber A. ovifugus und seinem nächsten Verwandten A. apenninus, mit denen ich bisher die neue Sippe verwechselte, kann nunmehr kein Zweifel über die Zugehörigkeit bestehen. Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn die Beschaffenheit der vegetativen Organe des A. antiquus und sein Habitus zur Unterscheidung herangezogen werden. Vor allem sind es die Fig- i- Korolle des Alec- großen, sehr lang gezähnten und gegen die %'%^_^''^,S:^2T AleV- Spitze plötzlich zusammengezogenen Bracteen, toroloplms antiquus. sowie die dichte Behaarung der unteren Stengel- partie, die bei A. antiquus bemerkenswert sind. Diese Merkmale finden wir aber fast ganz gleich bei A. ovifugus und seinen nächsten Ver- 112 wandten wieder. Auch die aristatus-Grui^^e hat ähnhche Bracteen, wenn auch diese mehr grannig gezähnt und nicht so groß sind. Was den Habitus betrifft, so haben wir es bei der neuen Sippe zweifellos mit einem Vertreter der mouticolen Formenreihe zu tun. Der Stengel ist niedrig, in der Regel mit kurzen Internodien, die Verzweigung fehlt in den meisten Fällen ganz. Dazu kommt der hohe Standort, der nur ausnahmsweise unter die 2000 m -Linie herabzugehen scheint. Die einzelnen verzweigten Exemplare, die ich aus den Bergamasker Alpen sah, machen den Eindruck einer saison-monoraorphen Form, wenngleich Interkalarblattpaare nicht auftreten. Alle übrigen Stücke sind unverzweigt, und daher ohne weiteres der aestivalen Formenreihe zuzu- zählen. Dies um so mehr, als ich aus dem Puschlav Stücke mit ziemlich langen Internodien sah, die typisch aestivalen Habitus tragen. Es wieder- holt sich in betreff der Wuchsform hier derselbe Vorgang, der z. B. in der am^a^«s-Gruppe zu beobachten ist, wo A. lanceolatus auch mitunter in A. simjjlex überzugehen scheint. Diese charakteristischen Merkmale der vegetativen Organe zusammen mit dem Habitus geben gegenüber dem A. illi/riciis, der, wie schon erwähnt, hinsichtlich der Korollenform dem A. antiqiius fast völlig gleicht, leichte Unterscheidungszeichen ab. Auch mit A. minor ist aus dem gleichen Grunde eine Verwechslung nicht gut möglich. Welche Bedeutung kommt nun dem A. antiquus in phylogene- tischer Hinsicht zu und welche systematische Stellung hat derselbe demzufolge einzunehmen? Morphologisch haben wir Ähnlichkeiten mit zwei ganz heterogenen Gruppen der Gattung kennen gelernt : Hinsichtlich der Korollenform mit A. illyricus, hinsichtlich der Brakteenform und anderer vegetativen Merkmale mit den sich um A. ovifugus gruppierenden Sippen. Nach den bisherigen Erfahrungen in der Gattungsphylogenie besteht kein Zweifel, die erstere Ähnlichkeit als die primäre anzuerkennen, die letztere dagegen lediglich als Konvergenzerscheinung zu betrachten. Die geographische Verbreitung vermag diese Annahme nur zu unterstützen. Gleichwie nämlich die Gebirge der Balkanhalbinsel ein ße- fugium für viele tertiäre Typen gebildet haben, die im übrigen Europa durch die Eiszeit zum Aussterben gebracht wurden, so beherbergt auch der Südabfall der Schweizer Alpen manchen tertiären, von der Eiszeit verschonten Relikt. A. antiquus ist nun wohl als solcher aufzufassen, und dürfte geradezu als der Stammvater des ganzen Genus in gewisser Richtung angesehen werden können. Denn gegenüber A. ülyricus, der bisher mit A. asperulus als der älteste Repräsentant der Gattung galt, spricht der abgerundete, kürzere Oberlippenzahn, der_ sich noch mehr dem des A. minor nähert, für eine noch größere Ähnlichkeit mit dem Urtypus. An der in der Monographie zum Ausdrucke gebrachten Annahme, daß der Typus der Primigeni in präglazialer Zeit in Europa verbreitet war, und sich von ihm der nordische mmor-Typus abgespalten hat, kann jetzt mit um so größerer Wahrscheinhchkeit festgehalten werden, als der Standort am Südabfall der Schweizer Alpen jenem damaligen präsumptiven Verbreitungszentrum noch näher liegt, und nach Erfah- d 113 ruDgen an anderen Gattungen nur als ein Relikt aus früherer Zeit ge- deutet werden kann. Den reinen Urtypus haben wir nun, aller Wahrscheinlichkeit nach, aber doch wohl nicht vor uns. Ich habe in der Monographie erwähnt, daß den ältesten Formen der Gattung eine besondere Behaarungsart des Kelches eigen gewesen sein dürfte, nämlich kurze, einzellige Härchen, die über die ganze Oberfläche des Kelches verbreitet sind. Ein solches Kelchindument finden wir nun bei A. antiqmis nicht vor. Jeder dieser behaarten Sippen aber entspricht eine Parallelforra mit kahlen Kelchen. So dem A. asperulus der A. illyricus, dem A. mediter- raneiis der A. ovifugus u. a. m. A. antiqims dürfte nun wohl als eine solche kahlkelchige Parallelform aufzufassen sein, deren behaartkelchige Urform bisher nicht bekannt geworden, vielleicht auch gegenwärtig überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Doch würde es mich nach den Erfahrungen, die bisher in der Gattung gemacht wurden, nicht wundern, wenn an derselben Lokalität, wo A. antiqmis wächst, auch ein Alec- toroloplms mit kurzhaarigen Kelchen aufgefunden werden würde. Auch in anderer Richtung handelt es sich bei A. antiquus offenbar um später erworbene Eigenschaften. Es sind dies die schon erwähnten Merkmale in den vegetativen Organen, insbesondere die Brakteenbildung und der am Grunde dicht behaarte Stengel. Diese Eigenschaften finden wir bei verschiedenen, nicht näher miteinander verwandten Sippen der Gattung wieder, welche insgesamt die Alpen, also mehr oder weniger den gleichen Staudort bewohnen. Es hegt daher wohl nahe, die Ausbildung dieser Eigenschaften auch bei A. antiquus auf den Aufenthalt in diesem Gebiete zurück- zuführen. Dann aber sind diese Eigenschaften post- oder höchstens interglacialen Ursprungs, da erst in dieser Epoche sich A. antiquus in dem jetzigen Wohngebiete festgesetzt haben mochte. Wir sehen also, daß dieselbe Sippe, die hinsichtlich des Korollen- baues ihre ursprüngliche Form mit großer Zähigkeit bis auf den heutigen Tag festhält, in anderen Richtungen weniger widerstandsfähig ist, und durch Anpassung an den Standort sich verändert hat. Wenn wir diese Entwicklungsgeschichte der Systematik der neuen Sippe zugrunde legen, so k«nn ihre Stellung nicht zweifelhaft sein: Unter den Primigeni wird sie nach A. illyricus, also unmittelbar vor den Minores, den besten Platz finden, da sie im Korollenbau am meisten den bisher vermißten Übergang zu dieser letzteren Sektion vermittelt. Phylogenetische Studien über die Gattung Monoclea. (Mit 1 Textabbildung.) Von Viktor Schiffner (Wien). (Fortsetzung. ') II. Antheridien und Arcbegonien. Bezüglich der Entstehung der Antheridien, resp. der Zellteilungen in deren Anfangsstadien, wissen wir durch Leitgeb und andere, daß 1) Vgl. Nr. 1, S. 29—33, und Nr. 2, S. 75-81. österr. botan. Zeitschrift. Heft 3. 1913. 8 114 die ersten Anlagen bei den Marcliantiales und Jungermaniales über- einstimmen, dann aber sind die Zellteilungen bei beiden Gruppen etwas verschieden. Bei den Jungermaniales ist die erste Wand in der Kopf- zelle des jungen Antheridiums eine Längswand (nach Leitgeb treten aber ausnahmsweise auch zwei gekreuzte Längswände auf, so daß Qua- dranten entstehen); bei den Marcliantiales treten aber zunächst erst Querwände auf und dann erst die gekreuzten Längswände. Nach der Darstellung von Johnson (1. c, p. 191) würden sich die Vorgänge bei Monoclea wie bei den Marcliantiales abspielen ^). Daß aber solche ge- ringfügige Unterschiede im Eintreten der Teilungswände überhaupt für phylogenetische Erörterungen wertlos sind, ist schon eingangs betont worden. Die beiden Typen sind nach Goebel, Organogr., p. 240, durch Übergänge verbunden, eignen sich daher sicher nicht, darauf philo- genetische Theorien zu stützen. Übrigens spielen sicher auch hier An- passungserscheinungen die Hauptrolle^), und ist es gar nicht zu ver- wundern, daß bei den Antheridien von Monoclea, die sofort nach ihrer ersten Anlage in das Fronsgewebe versenkt werden, wie die der Marcliantiales. auch ähnliche Zellteilungen eintreten. Auch sied diese frühen Entwicklungsstadien der Antheridien nur bei wenigen Anacro- gyneen genau untersucht. Die reifen Antheridien von Monoclea sehen denen der Marclian- tiales unleugbar sehr ähnlich durch ihren kurzen Stiel und die Zu- spitzung. Ersteres kommt aber auch bei Anacrogyneen vor; so hat zum Beispiel Noteroclada sogar sitzende Antheridien ^) und die Zuspitzung ist sicher eine Folge der Form der Antheridienkaramern, die durch starkes Wuchern des Gewebes um die Mündung nach oben sehr ver- engt werden. Ich möchte mich hier ausdrücklich auf Goebel berufen, der die Entwicklung und die Beschaffenheit der reifen Antheridien von Monoclea genau kannte (Org., p. 240), sie aber dennoch nicht für eine Marchantiee erklärte. Die Arche gonien werden bei Monoclea am Sproß-Scheitel in einer acropetalen Gruppe angelegt wie bei Targionia*), aber auch genau ebenso, wie bei Pellia und anderen Anacrogyneen (vgl. Hof- meister, Vergl. Unters., p. 16; Leitgeb, Unters. HL, p. 56 u. a.). Ebenso geht auch die Bildung der „Hülle" bei Monoclea in genau der- selben Weise vor sich, wie sie für Pellia von Hofmeister und Leitgeb geschildert wird. Diese Verhältnisse sind also für unsere Frage ebenfalls gegenstandslos. ^) Ich hatte kein geeignetes Material, um diese frühen Stadien nachzuunter- suchen. 2) Das war auch Leitgebs Ansicht, wie aus folgender Erklärung der stockwerk- artigen Teilung der Antheridienanlage bei den Marcliantiales (Unters. VI, p. 42) hervorgeht: „Bezüglich der Antheridien sehen wir auch hier, entsprechend der stark gestreckten Gestalt der ausgewachsenen Antheridie, auch deren An- lage stark in die Länge gezogen und aus einer Eeihe von Zellen aufgebaut". 2) Vgl. meine Schrift: Zur Morphologie von Noteroclada in Österr. bot. Zeit- schrift, 1911, Nr. 9, und Fig. 8 daselbst. ^) Dies mag ein (allerdings ganz nichtiger) Grund für Campbell gewesen sein^ Monoclea für verwandt mit Targionia zu halten (vgl. Mosses and Ferns, 1905, p. 71). 115 Wichtig ist dafür aber der ßau des ausgebildeten Archegoniuras, resp. des Archegonhalses. Campbell ist nämlich der Ansicht, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen der Marchantieen-Reihe (inklusive Ricciaceen) und der Jungermanieen-Reihe im Bau des Archegon- halses besteht, der bei ersteren aus sechs peripheren Zellreihen (hexaraer), bei letzteren aus fünf (pentamer) besteht. Da nun Campbell den Archegonhals von Monoclea hexamer findet, so schließt er daraus auf ihre Zugehörigkeit zu den Marchantieen und das gleiche tut John son. Merkwürdigerweise macht aber John so n selbst (1. c, p. 194) darauf aufmerksam, daß dieses Merkmal bei Monoclea nicht konstant ist; es kommt ihm also keineswegs die Bedeutung für die Beurteilung der Zugehörigkeit der Gattung zu, die ihm beigemessen wurde. Die betrefifende Stelle bei Johnson (1. c, p. 194) ist zu wichtig, als daß ich sie hier nicht wörtlich anführen müßte: „The number of cells seen in a transverse section of the nesk of the archegoniura is usually six, as shown by Campbell, but occasionally five and frequently seven or eight were found". Es verlohnt sich bei dieser Gelegenheit, dieses neuerdings so sehr hoch bewertete Unterscheidungsmerkmal zwischen zwei großen Haupt- gruppen (Entwicklungsreihen) der Lebermoose im allgemeinen etwas auf seinen Wert zu untersuchen. Bei Sphaerocarpus californicus und bei Geothallus fand Campbell sechs Zellreihen ^), Gay et") findet bei dem nahe verwandten S. terrestris deren fünf und bezweifelt die Richtigkeit der Angabe Campbeils. Campbell wieder findet die Untersuchungsmethode Gay et s zu primitiv, konstatiert, daß er wirklich sechs Zellreihen gefunden habe, gibt aber schließlich zu: „although it is possible that this number may not al ways be constant". Damit wäre von ihm selbst die allgemeine Giltigkeit des Merkmales geleugnet. Nun hat aber Gay et (I. c.) auch für Pellia und andere typische Änacrogyneae nachgewiesen, daß bei diesen öfters die Archegonhälse hexamer sind statt pentamer, wie sie bei Angehörigen der Junger- manieen-Reihe sein sollten. Da Campbell die Verläßlichkeit der Untersuchungen Gayets bemängelt, habe ich selbst vier Arten von Symphyogyna^) untersucht und zwar durch gute, stark ausgefärbte Querschnitte durch den Arche- gonhals, wodurch ganz unzweideutige Bilder erhalten wurden. Eine Species {S. lep)topoda) ergab wegen eines technischen Fehlers keine brauchbaren Querschnitte. Die übrigen ergaben an guten Querschnitten : 1) Campbell, Eecent Work upon the Development of the Archegonium (Bot. Gazette, 1898, II., p. 430 und Fig. 4). 2) Gay et, Recherches sur le Develloppement de l'archegone chez les Mus- cinnees (Ann. Sc. nat., 1897, p. 161—268). ^) Ich habe Si/mphyoggna gewählt, weil gutes Material dieser rein exotischen Gattung anderen, die solche Untersuchungen fortsetzen wollen, vielleicht weniger leicht zugänglich ist und weil die Archegonien dieser Gattung denen von Monoclea schon äußerlich sehr ähnlich sind, wobei nochmals darauf hingewiesen werden soll, daß die Archegonien von Monoclea bei weitem nicht so stark gezwistet sind, wie das Leitgeb, Unt. III, f. 23 darstellt; auch Johnson hat darauf bereits auf- merksam gemacht. 8* 116 S. podophylla 6, davon waren pentamer 3, hexaraer 3 S. Brongniartii 12, „ „ „ 5, „ 7 S. hrasiliensis 5, „ „ „ 5, „ Diese Zahlen geben selbstverständlich nicht an, wie häufig der eine oder andere Fall bei der betrefi'enden Species vorkonamt, sondern beweisen nur, daß hexamere Archegonhälse bei einer typischen Jungermanieen- Gattung reichlich vorkommen. Es ist auch ganz sicher, daß sogar bei Acrogyneen gelegentlich hexamere Archegonhälse vorkommen, so fand ich solche mehrmals bei LopJiocolea cuspidata. Man sollte meinen, daß durch diese Tatsachen eben nichts weiter bewiesen sei, als daß die BeschaflFenheit des Archegonhalses kein so tiefgreifendes Merkmal ist, daß man darauf phylogenetische Hypothesen aufbauen könnte. Campbell dreht aber die Sache um und schließt aus dem Vorkommen hexamerer Archegonhälse bei verschiedenen Gattungen der Jungermanieen auf deren nahe Verwandtschaft mit der Marchan- tieen-Reihe. Er sagt z. B. (Bot. Gaz., 1898, II, p.430): „It is not stränge that these primitive forms should show this approach in their structure to the Eicciaceae with which they are closely connected by Spliaerocarpus'' . Aus dieser und anderen Äußerungen Campbeils geht hervor, daß für ihn die Grenzen zwischen der Jungermanieen- und Marchantieen-Eeihe recht vage sind, was mit den Anschauungen der modernen Lebermoos-Systematiker nicht harmoniert. Darauf wird noch später zurückzukommen sein. Nach dieser Argumentation Campbeils würden sich also Sijm- pliyogyna und Lopliocolea cuspidata auch den ßicciaceen annähern. Dieser Fall ist sehr lehrreich, weil er zeigt, zu welchen Absurditäten die Verteidigung eines einmal eingenommenen und als unrichtig er- wiesenen Standpunktes selbst ganz ausgezeichnete Gelehrte hinreißen kann; denn die Campbell sehen Konsequenzen in diesem Falle haben eine gewisse Ähnlichkeit etwa mit dem Schlüsse: es gibt Schmetterlings- ranpen, welche behaart sind, ergo zeigen diese eine verwandtschaftliche Annäherung an die Säugetiere. Johnson legt auch großes Gewicht auf die Länge des Archegon- halses, in dieser Beziehung ist aber z. B. Symphyoggna ganz eben- bürtig, weist auch dieselbe Drehung (Zwistung) des Halses auf, wie Monodea, ein Merkmal, das mir bei den Archegonien der Marcliantiales nicht vorgekommen ist. Der Satz (1. c, p. 200): „Of the archegonium of Monodea I have already said that its development and mature struc- ture are typically marchantiaceous" ist nichtssagend, denn bekanntlich ist die Entwicklung bei allen Lebermoos-Archegonien ganz die gleiche und die reifen Archegonien der Marchautiaceen zeigen absolut nichts „typisches". Der folgende Satz: „In the very long neck and especially in the six rows of neck cells it diflfers from all known Jungermaniaceae" ist nach dem vorher mitgeteilten direkt unrichtig. III. Bau des Sporogons. Obwohl Johnson (1. c, p. 201) ausdrücklich hervorhebt, daß das Sporogon von Monodea in der cylindrischen Gestalt und der langen Seta kein Analogen unter den Marchantieen hat und in dieser Beziehung 117 mit gewissen Jungermanieen übereinstimmt^), so meint er doch, daß Monoclea die einschichtige Kapsel wand ^) mit allen bekannten Mar- chantiales gemeinsam hat und darin wesentlich von allen Junger- maniales abweiche. Das letztere ist nun unrichtig. Die große Gattung Symphyogyna, die auch sonst in der Form und Dehiszenz der Kapsel sich wie Monoclea verhält, hat ebenfalls einschichtige Kapselwand, wie ich bereits in Natürl. Pflanzenf. ganz richtig angegeben habe und wie früher schon Sprue e (Hep. Amaz., p. 533) beobachtet hat. John- son hält meine Angabe bezüglich Sympliyogyna für unrichtig und sagt ausdrücklich, daß diese Gattung einen ähnlichen Bau (3— 4sehichtig) der Kapselwand besitzt, wie Pellia (1. c, p. 201), was ganz unrichtig ist; vielleicht hat Johnson Noterodada untersucht, sicher aber nicht eine Sympliyogyna. Es ist dies wieder ein Beweis für meine oft aus- gesprochene Behauptung, daß sich phylogenetische Fragen in der Bryo- logie (und auch auf anderen Gebieten) ohne gründliche Formeukenntnis nicht behandeln lassen. Um ganz sicher zu sein, habe ich den Sporogonbau einer Anzahl sonst recht differenter Symphyogyiia- Arten {S. brasiliensis, S. leptopoda, S. podophylla etc.) genau abermals untersucht und bei allen die Sporo- gonwand (selbstverständlich mit Ausnahme von Basis- und Scheitel, die auch bei Monoclea mehrschichtig sind) im entwickelten Zustande als einschichtig gefunden. Dabei ist allerdings zu bemerken, daß in sehr jugendlichem Zustande noch zwei sterile Innschichten dünnwandiger Zellen vorhanden sind, die später zugrunde gehen, wie schon Andreas (in Flora, 1899, p. 198) konstatiert hat und wie ich selbst an ganz jungen Sporogonen von Sym. hrasiliensis bestätigen konnte. Daß Spruce und ich im Rechte sind, die Kapselwand von Sympliyogyna als ein- schichtig zu bezeichnen, bekräftigt übrigens auch Andreas (1. c, p. 197): „Die Wand des zylindrischen, etwa 3 mm langen Sporogons (soll heißen , Sporenkapsel' !) ist als einschichtig zu bezeichnen, indem von den inneren dünnwandigen Zellagen, die ursprünglich den Sporenraum begrenzen, an der reifen Kapsel nur noch Spuren nachzuweisen sind!" Von einem ähnlichen Baue, wie bei Fellia ist also nicht die Spur vor- handen und die Unterschiede der reifen Kapselwand gegenüber Monoclea sind nur graduelle in der Größe der Zellen, und darin, daß die Ver- dickungsschichte der Radialwände bei Monoclea bandförmig unterbrochen ist, bei Sympliyogyna eine kontinuierliche ist. In beiden Fällen zeigt der Querschnitt die äußeren und inneren Tangentialwände hell und ohne Verdickungen, den Radialwänden liegen die stark gebräunten Ver- dickungen an (bei Monoclea bandförmig unterbrochen und dicker, bei ^) Diese hochwichtigen Unterschiede werden abermals nach bewährtem Rezepte dem eigentümlichen Standorte (peculiar habitat) in die Schuhe geschoben; dabei ist aber nicht berücksichtigt, daß Dumortiera, die oft am selben Standorte wächst, ein ganz normarles Marchantiaceen-Sporogon hat. Jeder Bryologe weiß, daß gerade das Sporogon das Organ ist, welches der Veränderung durch Standorteinflüsse kaum unterliegt. 2) In Nat. Pflanzenfam. habe ich die Kapselwand von Monoclea irrtürmlich als zweischichtig bezeichnet; ich hatte damals (1893) das Sporogon von Monoclea nicht selbst untersucht wegen Mangel eines geeigneten Materials, habe diese Angabe also irgendwo in der Literatur vorgefunden, weiß mich aber heute der betreffenden Stelle nicht mehr zu erinnern. 118 Symphyogyna kontinuierlich und etwas dünner), sie greifen in beiden Fällen innen etwas auf die Tangentialwände über. Eine gewisse Übereinstimmung in der Sporogonwand zeigt Monoclea auch mit einer anderen Gattung der Leptotheceae, mit 31aJcinoa, be- sonders in den Verdickuugsleisten der Radialwände, jedoch ist bei Makinoa dieser Wandschichte sehr großer Zellen noch eine innere Schichte langgestreckter, enger Zellen aufgelagert'). Ich konnte keine entsprechend jugendlichen Sporogone von Monoclea auftreiben, um zu konstatieren, ob die Kapselwand von Anfang einschichtig ist, oder ob sich auch hier die Sache, wie bei Symphyogyna verhält. Mag man aber den Vergleich mit Symphyogyna gelten lassen oder nicht, so bleibt noch ein sicherer Beweis, daß die Eiuschichtigkeit der Kapselwand nicht als Beweis für die Zugehörigkeit zu den Marchantiales ins Treffen geführt werden darf. Die Hap)lomitriaceae, die Johnson nicht in Betracht gezogen hat, die doch ganz gewiß nichts mit den Marchan- tiales zu tun haben, haben eine einschichtige Kapselwand und zeigen überdies in der Art des Aufspringens der Kapsel, in ihrer Form etc. (wenn man von den verschiedenen Wandverdickungen absieht), eine überraschende Übereinstimmung mit Monoclea, die unvergleichlich größer ist, als zwischen Monoclea und irgend einer Marchantiee, wo- durch aber nicht allzunahe phylogenetische Beziehungen zwischen Monoclea und Haplomitriaceen (die schon von früheren Autoren ver- mutet wurden), bewiesen werden sollen. Ich selbst möchte nach meinen Erfahrungen den auf den Bau der Sporogonwand bezüglichen Merkmale für Species- und Gattungsu-nter- ischeidung in vielen Fällen eine große Wichtigkeit beimessen, nicht aber für die Entscheidung phylogenetischer Fragen. Anstatt vieler mögen nur zwei Hinweise genügen : Gerade in der sehr natürlichen Gruppe der Leptotheceae (zu der nach meiner Überzeugung auch Monoclea gehört), ist die Zahl der Wandschichten der Sporogone bei den einzelnen (Gattungen sehr verschieden; so ist sie bei Symphyogyna. einschichtig, bei der gewiß sehr nahe verwandten Pallavicinia zweischichtig; be- züglich der Wandverdickungen sind öfters sogar wesentliche Unterschiede bei ganz nahe verwandten Arten derselben Gattung (z. B. Marsiipella, liiccardia^), Pellia). Es ist also klar, daß die Einschichtigkeit der Sporogonwand von Monoclea absolut nichts für ihre Zugehörigkeit zu den Marchantiales beweist, da dieses Merkmal nicht ausschließlich auf letztere beschränkt ist, wie Johnson fälschlich angibt. Im Gegenteil zeigt aber das Sporogon und sein Stiel in der Gestalt Eigentümlichkeiten, wie sie keinem einzigen Vertreter der Marchantiales zukommen, wohl aber sich bei gewissen Lepto- theceae finden, was selbst Johnson zugeben mußte (siehe oben). Dazu kommt noch die Dehiszenz der Kapsel, welche ganz mit der bei Symphyogyna, Pallavicinia und den Haptomitriaceae^) übereinstimmt, ^) Vgl. Schiffner, Untersuchungen über die Gattung Makinoa (Ost. bot. Zeitschrift, 1901, mit Tab. II). 2) Vgl. Schiffner, Kritische Studien über Jung, sinuata etc. (Lotos, 1900, Nr. 8) — Bemerkungen über Eiccardia major (Ost. bot. Zeitschrift, 1906, Nr. 5/6). 2) Die ganz ähnliche Dehiszenz veranlagte sogar die Autoren der Synopsis Hep. die Gattungen Calobryiim und Monoclea zu einer gemeinsamen Tribus der „Blonocleae"' 119 während sie sich in dieser Weise bei keiner einzigen Form der Marcliantiales findet. Auch Johnson muß dieses zugeben, es wird aber diese hochwichtige Tatsache wieder, wie so manches andere, was absolut nicht zu dem Marchantieen-Oharakter stimmen will, auf Eechnung des „peeuliar habitat of the plant" gesetzt! Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß ich auch bei Monoclea Andeutungen von apikalen „Elaterenträgern" nach- weisen konnte. Die Spitze der Sporogonwand ist bei Monoclea zwei- schichtig, indem sich innen den normalen, großen Außenzellen eine Schichte kleiner, niedriger Zellen auflagern; von diesen wachsen bis- weilen (aber nicht immer) einzelne zu geschlängelteu, elateren-ähnlichen Fäden aus, die mehr oder weniger lang in das Innere der Kapsel hineinhängen und, wie die Elateren, Spiralbänder aufv^eisen (gegen ihre Basis deren 3 — 4). Ähnliches findet sich zwar auch bei einigen Mar- cliantiales (z. ß. Dumortiera, Marchantia ^), aber auch bei den Anacrogynaceae (besonders bei den hier in Betracht kommenden Lepto- theceae und bei Haplomitrium ist dergleichen fast in allen Gattungen anzutrefi'en, ja bei Biccardia, 3Iakinoa und Haplomitrium sind sie zu mächtigen, wirkliehen Elaterenträgern ausgebildet. Das gleiche gilt von den aus der Kapsel basis hervorsprossenden, zapfenartigen, spitzkegel- formigen, mit =b deutlichen Spiren versehenen Zellen, die mitunter so- gar in einen elateren-ähnlichen Anhang ausgehen (Andeutung basaler j,Elaterenträger"), wie man solche bei Monoclea beobachten kann. Ähnliches kommt ausnahmsweise auch bei Marchantiaceen vor, z. B. bei Dumortiera, kann aber gewiß nicht als Beleg für eine eventuelle Verwandtschaft angeführt werden, da sich ganz gleiche Verhältnisse auch bei den Anacrogynaceen, u. zw. ziemlich allgemein verbreitet zeigen (Hymenophyton, Sympliyogijna nach Angaben von Andreas 1. c. und nach meinen Untersuchungen bei Moerchia Flotoiviana, Pallavicinia Zollingeri, P. radiculosa etc.). Als Anhang zu diesem Kapitel möchte ich, obwohl dies nicht zum eigentlichen Gegenstande dieser Abhandlung gehört, einige Beob- achtungen über die Calyptra und Seta von Monoclea mitteilen, da ich darüber in der Literatur (außer den wenigen Andeutungen von Johnson, 1. c, 195 und 196) keine genügend ausführlichen Angaben finde. Die Calyptra^), 8 — 10 mm lang, ist drehrund, aber bisweilen seit- lich mit je einem Kiel versehen, so daß sie von oben her etwas ab- geplattet erscheint; sie ist sehr dickwandig und trägt an der Spitze den wohl erhaltenen langen Archegonhals. Trotzdem sie ganz den Eindruck einer Calyptra thalamogena macht, ist sie sicher keine solche, indem nicht ein einziges steriles Archegonium auf ihre Außenfläche hinauf- gerückt ist; ich fand alle dicht neben der Calyptra an deren Basis im zu vereinigen, ja Calohrynm Blumei wurde von Nees ursprünglich (Hep. Jav., p. 2) als 3Ionoclea Blumei beschrieben, was sich natürlich nicht aufrecht erhalten ließ, womit aber der scharfsichtige Hepatikologe der phylogenetischen Beziehung sicher viel näher kam als Campbell und Johnson. 1) ..Man vgl. die wichtige Arbeit von J. Andreas: Über den Bau der Wand und die ÖflFnungsweise des Lebermoossporogons (Flora, 1899, p. 161 — 213). ^) Untersucht wurde 31. Gottsehei von N. Granada, Fusagasege, Igt. Lind ig. 120 Grunde der Fruehthöhle; es waren davon mehrere befruchtet und drei zeigten schon eine deutliche Anschwellung des Bauches; die Ab- bildungen von Johnson (Tab. XVII, f. 31, 38) bestätigen dies. Der Querschnitt der Oalyptra zeigt, daß sich auch an den dünnsten Stellen (dorsal und ventral) noch fünf Zellschichten deutlich wahrnehmen lassen; die beiden Flanken sind noch dicker und lassen sich hier mindestens 7 — 8 Zellschichten unterscheiden. Nach innen zu liegen aber noch einige (mindestens vier) Zellschichten, deren Wände ungemein dünn sind und die zerdrückt erscheinen. Die Angabe Johnsons (1. c), daß die Caiyptra nahe der Basis 12 — 15 Zellen dick sei, stimmt damit überein. Die oben erwähnten seitlichen Kiele sind nicht durch zahlreichere Zellschichten an den Flanken hervorgebracht, sondern die Oalyptra ist ringsum gleich ausgebildet, durch den stärkeren Druck in der Frucht- höhle von oben und unten sind aber in dieser Richtung mehr Schichten der Innenzellen zerdrückt als seitlich. Die Tatsache, daß die mächtige Caiyptra von Monoclea keine „thalaraogene" ist, ist wichtig, weil sie beweist, daß das entscheidende Kennzeichen einer thalaraogenen Oalyptra nicht die Vielschichtigkeit ist, sondern das Hinaufrücken der steril gebliebenen Archegonien auf die Fläche derselben. Daß bei der Verdickung der Oalyptra von Monoclea nicht die Ein- beziehung des „Blütenbodens" (Thalamus) mitwirkt, sondern daß es sieb hier um eine reichliche und sehr langanhaltende Teilungsfähigkeit der Bauchzellen des Archegoniums selbst handelt, ist klar ersichtlich aus dem Umstände, daß schon ganz jugendliche, befruchtete Archegonien einen aus 8 — 10 Zellschichten gebildeten Bauch haben, was auch aus den Figuren von Johnson (Tab. XVII, f. 38, 39, 41) ganz klar ersichtlich ist. Das so sehr moderne und beliebte Bestreben, eine jede Erscheinung „biologisch" zu erklären, wird hier zweifellos darauf verfallen, daß der außerordentlich wirksame Schutz der Fruchtanlage in der dickfleischigen, nahezu von der Außenwelt abgeschlossenen Fruchthöhle für die abnorme und langdauernde Teilungsfähigkeit der Zellen des Archegonbauches ver- antwortlich gemacht werden müsse. Das klingt sehr plausibel, es ist aber dagegen zu bemerken, daß z. B. Haplomitrium auch eine dickfleischige, nicht thalamogene Oalyptra besitzt, die sich ganz schutzlos an der Spitze des lax beblätterten Stämrachens entwickelt und daß die nahe verwandte Gattung Calohryum, wo die biologischen Verhältnisse ganz ähnliche sind, eine ausgesprochen thalamogene Oalyptra besitzt. Die Seta von Monoclea'^) ist sehr dick, nicht hohl und zeigt im jugendlichen Zustande (etwa 6 mm lang) auf dem Querschnitte ganz gleichmäßige Zellen, über 40 im Querdurchmesser, die sechseckig (±45^) und außerordentlich stark kollenchymatisch ver- dickt sind, was mir sonst von keinem anderen Lebermoose bekannt ist. Die Eekenverdickungen sind so stark vorgewölbt, daß das Lumen nahezu sternförmig erscheint ; die Mittel-Lamellen erscheinen als feine, gerade Grenzlinien zwischen den Zellen und bilden in den Ecken kleine, ^) In der wertvollen Schrift von Douin, Le pedicelle de la capsule des Hepa- tiques (Bull. Soc. bot. de France, 1908) finden sich darüber keine Angaben. 121 helle Dreiecke. Das Querschnittsbild ähnelt also auffallend dem Zellnetz gewisser Lebermoosblätter mit sehr stark kollenchymatischen Zellen. Später streckt sich die Seta auf etwa 40 mm Länge, wobei die Zellen sich bis zu V2 mm verlängern, ohne wesentlich an Breite zuzunehmen. (Schluß folgt.) Zur Revision der Gattungen Microthyrium und Seynesia. Von F. Theissen, S. J. (Innsbruck). (Schluß. 1) 91. Seynesia tnegas ßehm, Hedwigia. 1898, p. 325; Syll., XVL, p. 640. Ist identisch mit Ästermella Uleana; cfr. F. bras., 143. 92. Seynesia Lagerheimii ßehm, Hedwigia, 1898, p. 325; Syll., XVL, p. 640. Ist identisch mit Asterina Tacsoniae; cfr. F. bras., 84. 93. Seynesia colliculosa Rehm (non Speg-.), Hedwigia, 1898, p. 324; Syll., XVI., p. 640. Unter diesem Namen hat Rehm mehrere Kollektionen zusammen- gefaßt, die durchaus verschiedene Pilze enthalten. Als Typus der Art müssen wir jedenfalls die in der Hedwigia 1. cit. an erster Stelle ange- führte Kollektion annehmen, nämlich üle 1208 auf Blättern eines Strauches (Komposite mit scharf gezähnten Blättern) ; Matrix und Pilz sind durchaus identisch mit dem Original von Asterina stellata Speg. (Puiggari 2763); über letztere vgl. Centralbl. f. Bakt., IL, 1912, p. 232. — In der Sylloge ist der Kürze halber nur die Kollektion auf Weinmannia angeführt, welche Rehm erst an letzter Stelle angibt. — üle 1176 ist dürftig entwickelt und scheint mit Asterina acanthopoäa Speg. identisch zu sein, üle 1235 und 1239 auf einer Myrtaeee sind vom Typus durchaus verschieden, stehen aber der Asterina colliculosa Speg. am nächsten^ und sind identisch mit Asterina Puttemansii P. Henn, 94. Seynesia Araucariae Rehm, Hedwigia, 1900, p. 228; Syll., XVL. p. 64L Rehm selbst zweifelt an der Microthyriaceen- Natur des Pilzes. Wenn die Art aber wegen ihrer Merabranstruktur „sicher keine Asterina"- ist, so kann sie ebensowenig zu Seynesia gestellt werden; denn beide Gattungen stimmen im Bau der Thyriothezien überein und unterscheiden sich nur durch das Luftmyzel. In der Tat sind die Gehäuse weder radiär gebaut noch invers angelegt; die Art muß demnach aus der Familie der Microthyriaceen ausgeschlossen werden. 95. Aster ina hrachy Stoma (Rehm) Th. Seynesia hrachy Stoma Rehm, Hedwigia, 1898, p. 325; Syll., XVL, p. 641. Asterina megalosperma Speg. — - Asterina multiplex Rehm, Ascom., 1706. 1) Vgl. Jahrg. 1912, Nr. 11, S. 416. 122 Die Typus-Kollektion von 'brachystoma, Ule 569 [Ule 557 ist nur sehr dürftig entwickelt] weist zum Unterschied von Spegazzinis durchaus identischen Exemplaren ein spärliches, nur noch in Resten vorhandenes Myzel auf. Die Hyphen sind altern verzweigt, netzförmig anastomosierend 5V2 — 672 /^ dick, dunkelbraun, steif, dickwandig, mit abwechselnden, einzelligen, kurz derbzylindrischen. 9— 11^6— 8 fi großen Hyphopodien. Perithezien erst flach kalottenförmig, 220 — 320 fi Durchmesser mit zentraler Öffnung, invers, radiär, später stärker aufge- wölbt, sternlappig aufreißend, am Grunde stark und steif ausstrahlend ; Kontext kohlig, kompakt, undurchsichtig, peripherisch mit torulösen Hyphen heller ausstrahlend. Asken elliptisch-oval, auf Jod stark blau reagierend, paraphysiert, 52 — 58 w 45 n im Mittel, 4 — 8-sporig. Sporen oblong, braun, mit mehr oder weniger ungleichen Teilzellen, 32—37 '^ 13 — 16 /u. (Oberzelle oft mit 19 /w Durchmesser gegen die etwa 16 fi große Unterzelle stark vorwiegend, bald beide Zellen gleich groß). Bei den Spegazzini sehen Exemplaren ist das Luftmyzel meist sehr gut entwickelt und bildet in Gemeinschaft mit den starken, ziem- lich dicht stehenden Perithezien pechschwarze, unbestimmt ausgedehnte Flecken. Doch zeigen auch sie auf einigen Blättern derselben Kollektion die reduzierte Form mit wenigen, zerstreut zurückgebliebenen Perithezien und verschwindendem Myzel. Bei der Untersuchung der Asterina multiplex muß man mit Vor- sicht fünf verschiedene, meist gleichzeitig auf den Blättern vorkommende Pilze unterscheiden: eine Meliola, eine Dimeriella, Microthyriiim Sty- racis Starb. (Asterina-Sinig gebaut), Asterina guaranitica Speg. = Asterina paraphysata Starb, mit kurzen, gelappten Hyphopodien und schheßlich A. multiplex = hrachystoma. Myzel, Perithezien und Frucht- schicht wie oben angegeben. Die Art ist sehr nahe verwandt mit Asterina alpina Rac. 96. Seynesia Juruana P. Henn., Hedwigia, 1904, p. 376; Syll., XVII., p. 865. Die Art besitzt ein stark ausgebildetes Luftmyzel mit Hyphopodien, kann also nicht bei Seynesia verbleiben, muß vielmehr zu Asterina ge- zogen werden. In der Struktur der Perithezienmembran weicht sie jedoch von letzterer Gattung ab und nähert sich Asterinella, zwischen beiden eine interessante Mittelstellung einnehmend. Die Gehäuse liegen gruppen- weise in rundhchen, etwa 1 cra großen Flecken beisammen, inmitten eines strahligen, netzförmig verzweigten dichten Myzels von dunklen, etwas gewundenen 5V2 — 67, ^ dicken Hyphen. Sie sind invers angelegt, halbkugelig oder meist flacher, unregelmäßig hügelig, nach unten all- mählich abfallend und in einen flachen, dünnkrustigen, unbestimmt be- grenzten Saum auslaufend; der Scheitel ist knopfartig papilliert. Die zentrale Wölbung mißt ungefähr 320 — 450 ft im Durchmesser; den Saum mitgerechnet, beträgt eine ausgebildete Perithezieuanlage bis 650 {jl. Die Membran besteht aus sehr krausen, zackig verketteten, fast mäandrisch gewundenen Hyphen [in starkem Gegensatz zu einer typischen Asterina, deren Membranhyphen geradlinig fest nebeneinander verlaufen], ähnlich wie bei Microthyriella discoidea (E. et M.) Th. oder, von der zackigen Verkettung der Hyphen abgesehen, ganz wie bei Asterinella Puiggarii (Speg.) Th. und anderen Asterinella-Arien. Doch kann die Art deshalb 123 nicht bei letzterer Gattung belassen werden, da das Lufunyzel mit zahl- reichen, einzelligen, wechselständigcn (hie und da gegenständigen), starken, äußerst mannigfaltig gelappten Hyphopodien von 10 — 18 ft Kopf- breite versehen ist. Die Schläuche sind lang zylindrisch wie bei Asteri- nella Piiiggarii, caaguasensis etc., kurz gestielt, 120 — 160 fi lang, 25 bis 28 fi breit, ohne deutliche Paraphysen, noch ziemlich jung, da die Sporen gerade anfangen, sich zu bräunen. Letztere liegen zweireihig zu acht im Schlauch und sind anfangs an einem Ende oder beiderseits zu- gespitzt, später abgerundet, 28 — 34 ^ 10 — 13 ft, Oberzelle meist vor- wiegend. Die hyaline Papille am untern Sporenende, wie sie Hennings angibt und abbildet, ist nur bei einigen Sporen zu sehen und meiner Ansicht nach nichts anderes als der erste Ansatz des Keimschlauches, der bei anderen Sporen schon weiter ausgebildet auftritt. 97. Asterina niarmellensis (P. Henn.) Th., Fragm. bras. 134. — Seymsia marmellensis P. H., Hedwigia, 1004, p. 375; Syll., XVII.,- p. 866. 2 98. Asterina Melastomataceae (P. Henn.) Th., 1. cit., 127. Seynesia Melastomataceae P. H., Hedwigia, 1902, p. 299; Syll.. XVII., ~ p. 866. J 99. Asterinella Humiriae (P. Henn.) Th., 1. cit., 165. Seynesia Humiriae P. H., Hedwigia, 1905, p. 65; Syll., XVII. ,^ p. 866. 100. Seynesia submegas P. Henn., Hedwigia, 1904, p. 374; Syll.,- XVII., 867. Ist eine typische Asterina und identisch mit Asterina gnaranitica~ Speg. 101. Seynesia Banksiae P. Henn., Hedwigia, 1903, p. (78); Syll.,- XVII., p. 867. Ist identisch mit Asterinella systema-solare (Mass.) Th., Fragm.' brasil., ur. 151. 102. Seynesia coccoidea P. Henn., Hedwigia, 1902, p. 141 ; Syll., XVII., p. 868. Ist keine Microthyriacee; cfr. Fragm. bras., 137. 103. Seynesia elegantula Syd., Engl. Bot. Jahrb., 1910, p. 263. Ist identisch mit Asterodothis solaris (K. et 0.) Th.; cfr. Fragm. bras., 150. 104. Seynesia Licaniae Kehm, Ann. myc, 1909, p. 538. Ist eine Varietät von Asterina Schröteri (Rehm) Th., cfr. Fragm. bras., 131. 105. Seynesia Heteropteridis Th., Broteria, 1910, p. 9. Ist eine Asterina von der Sektion Nodulosae und identisch mit A. Couepiae P. Henn. (1895). 106. Seynesia petiolicola P. Henn., Hedwigia, 1903, p. (78); Syll., XVII., p. 866. Hat nach dem Original eingewachsene, durch Sprengung der Epidermis nur am Scheitel frei werdende Gehäuse, gehört also über- haupt nicht zu den Microthyriaceen. 107. Seynesia ilicina Sycl., Ann. myc, 1909, p. 170. Ist ein aut Englendaster alpinus (Rae.) Th. parasitierendes Bime- rium, welches zu den Englerulaeeen neigt. Vgl. Ann. myc, 1912, p. 85. 124 108. Asterinella Epidendri (ßehin) Th., Broteria, 1912, p. 114. ^ Setjnesia Ejndendri Eehm, Hedwigia, 1900, p. 228; Syll., XVI., p. 641. Die Art besitzt eiu zartes, in feinen Linien vom Zentrum lang ausstrahlendes Luftmyzel, welches in der äußeren Peripherie schwach uetzig verzweigt ist, gegen die Mitte hin immer dichter die einzelnen Blattpapillen umgibt und so ein kleinmaschiges, geschlossenes Netzwerk bildet. Die Sporen sind grünlieh, später braun, 15 — 18 fi lang, 8 fi breit, in der Mitte eingeschnürt. Species dubiae. 109. Seynesia calamicola P. Henn. et Nym., Monsun., 1899, p. 160; Syll, XVL, p. 641. Java, auf Blattstielen von Calamus. Verbleibt wohl am besten bei Seynesia, obschon ein sehr schwaches, netzförmig verzweigtes Myzel, allerdings nur in Spuren, vorhanden ist; die Hyphen sind etwas torulös, braun, zart, 3^/^ — 4 (.t dick, ohne Hypho- podien. Die Perithezien stellen breite, kreisförmige, 500—700 ^ messende, flache, membranartige Scheibchen dar, die mit der braunen, periphe- rischen Zone flach aufliegen, im Zentrum etwa 300 ^ breit, mehr- schichtig und opak schwarz sich aufwölben. Sie sind schildförmig halbiert, oberflächlich, in der Jugend bis zum Zentrum konzentrisch gefurcht (später nur noch peripherisch) und am Scheitel mit einer kleinen Pa- pille versehen, die bald abfällt und eine unregelmäßig kreisförmige, lappig gerissene Öffnung zurückläßt. Die Membran besteht aus sehr schmalen, dicht flossenartig aneinander gefügten braunen Hyphen in terrassenförmig aufsteigenden Schichten (daher die konzentrische Furchung). Die Sporen sind bräunhch, oblong, oft beiderseits zugespitzt, 24 — 27 w 9— IOV2 ^■ *110. Seynesia grandis (NiessL) Winter, Syll., IX., p. 1064. Ebenfalls auf Calamus, aus Kalkutta. Könnte mit der vorigen java- nischen Art wohl identisch sein. Jedoch bedarf die Art einer genaueren Nachprüfung, da Winter selbst an der Microthyriaceen-Natur des Pilzes zweifelt. 111. Asterina minor Ell. et Ev., Journ. of Myc, 1886, p. 42; Syll., IX., p. 389. Ist jedenfalls keine Asterina, höchstens Setjnesia. Authentische Exemplare des Berhner Museums (aus Ellis' Herbar) weisen nur 200 bis 250 II große, schwarze Flecken an den Stengeln auf, die kein freies Myzel enthalten, sondern nur durch geschwärzte Kutikula gebildet werden. Das Material ist spärlich und zu schlecht entwickelt, um eine nähere Untersuchung zu gestatten; daher bleibt auch die Zugehörigkeit zu Seynesia äußerst zweifelhaft. Species genainae. a) Europa e. 112. S. imlchella S.' ß. ß. — Syll., IX., p. 1066. S. Caronae Pass. — Syll., 1. cit. 125 Die letztgenannte Art ist nicht ganz beschrieben worden. Die Ge- häuse sitzen ziemHch lose auf, ohne freies Myzel; Sporen grünlich- fuligin, oblong, 14—17^4 — 6 jw. Die Art ist von S. indcheUa nicht verschieden. Vgl. auch Rehm „Die Microthyriaceen der deutschen Flora" in Annal. mycol., 1909, p. 417. Die Membran der Thyriothezien besteht aus dunkel-fuliginen, relativ schmalen, 27, — 3 /< dicken, kurz septierten, etwas wellig verlaufenden Hyphen, die peripherisch stark gekräuselt und hellfarbig ausfransen. Asken keulig-zylindrisch, 35—40 w 8—10 ft, 8- sporig; Sporen wie oben, ungefähr in der Mitte septiert, mit etwas stärkerer Oberzelle, zwei- bis dreireihig in der Längsachse des Askus liegend. h) A s i a e : *113. S. melanosticta Cke. et Mass. — Syll., IX., p. 1066. Auf Alsodeia, Malacca. „Perithecia vix 7-2 ^f^' ostiolata: asci cylindr. ; sp. 10 ^ 3— 5 u." 114. S. scutellum Syd., Ann. mycol., 1910, p. 39. Auf Drimis x>erita, Philippinen. Die Thyriothezien sind aus derben dunkelbraunen Hyphen radiär ge- baut, opak, undurchsichtig, peripherisch in einen etwa 60 — 80 /tt breiten, helleren, von dem dunklen Gehäuse scharf abstehenden Saum von radiär gerichteten, äußerst zackigen, membranartig zusammenhängenden Hyphen auslaufend; außerdem treten aus dem Gehäuse noch vereinzelte Aus- läufer von geraden oder torulösen, 4 — 5 ^ dicken Hyphen aus, die aber bald verschwinden und kein Luftmyzel darstellen. Die scharf determi- nierte zentrale, kreisförmige Öffnung mißt 25 — 30 fi. Die Asken sind zylindrisch, bis 85—100 w 16 — 24 n21. S. australis Spcg., F. Fuegiani nr. 282. ? ;S'. olivascens Speg., F. Puig. nr. 361; Syll., IX., p. 1067. Die OrigJDale beider Arten habe ich nicht gesehen; jedoch die Diagnosen erregen starke Bedenken gegen die spezifische Verschieden- heit derselben. Bei beiden sind die Thyriothezien 80—90 ^ groß, bleichen Flecken des Blattes aufsitzend, „innato-superficiala" respektive „innata? superficiala" ; bei beiden Asken oval-keulig 30 ^ 12 f* resp. 25— 30 w^ 15 /tt; bei beiden sind die Sporen stark ungleich septiert, „loculo superiore obovato, iufero subgloboso duplo minore", respektive „loculo superiore triplo v. quadruplo longiore". Der einzige Zweifel an der Identität beruht auf einer kleinen Differenz in der Sporengröße; für erstere Art ist 13 — 14 ::^ 6 — 7 ^, für letztere 10 — 11 ^ 5 ft angegeben, ein Unterschied, wie er bei verschiedenen Altersstadien einer Art sehr häufig zu beobachten ist, besonders bei kleinsporigen Arten. - *128. S. variolosa Speg., Syll., IX., p. 1067. „Perithecia 120— 150 /x; asci 2S-30^ IS— 20 fi; sp. 12^b—6^^ - 129. S, platensis Speg., Syll., XVI., p. 639. Die Thyriothezien bilden kreisförmige, 300—400 (i große, flache Scheibchen mit welligem Rand und zentraler, halbkugeliger Papille (nicht „astoma"); Membran radiär prosenchymatisch, im Zentrum dunkel, derb parenchymatisch (später geöfifnet), peripherisch heller. Asken kugelig-elhptisch, 20— 25 ^ 18— 20 ^n, 8-sporig; Sporen 10—12^ 4 — 5 ^, etwas ungleich septiert. Gattungsverzeichnis. Nr. Asterella missionum 3 — olivacea 51 — stomntophora 20 Asferina acanthojyoda 93 — alpina 95, 107 — aspersa 17 — Balansae 87 — hrachy Stoma 95 — bullata 2 — colliculosa 93 — Couepiae 105 — guaranitica. . . 86, 95, 100 — marmellensis 97 — megalospervia 95 — Melastomataceae .... 98 — microthyrioides . . . .115 — minor 111 — multiplex 95 — iiuhecula 38 — paraguayensis . . . 88, 123 — paraphysata 95 — pustulata 38 — Puttemansii 123 — Schroeteri 90, 104 — stellata . . 93 — stomatophora 20 — suhcyanea 34 — systevia- solare 101 — Tacsoniue 92 Nr. Asterinella asterinoides 85 — Banksiae 101 — brasiliensis ... 29, 77 — caaguazensis . . 3, 28, 42 — Epidendri 108 — Humiriae 99 — leptotheca 13 — Fuiggarii 42 — suhcyanea 34 — systeina-solare .... 101 — Uleana 91 — verruculosa 3 Asterodothis solaris 103 Calothyrium asperstim 17 — bullatum 2 — coiifertum 27 — nebulosum 89 — nubecula 38 — patagonicum .... 37 — Pinastri 16 — pustulatum. .... 38 — stomatophorum ... 20 — versicolor 1 Clypeolum chalybaeum 33 — eucalypti ...... 41 Dictyothyrium abnorme ... 34, 44 — Leopoldvilleanum . 34 — subcyaneum .... 34 129 Nr. Nr. Dimerium üicvimm .... . . 107 Microthyrium — intermcdium . 40 cfr. Artregister. Dimer osporium Eehites . . . . . 124 Myiocopron Smilacis 11 Dothidea Juniperi . . . . 19 Leptothyrium Lunariae . . . 14 Parmularia pulchella Pirostomu Hammariana .... 6 119 Metasphaeria Carludovicae . . . 26 Polystomella'Äbietis 16 MicropelUs Alsodeiae .... . . 23 — Alsophilae .... 10 — fuegiana .... . . 4 — pulcherrima . 7 Microphyma Lagunculariae . . 6 Microthyriella applanatu . . . . 24 Sacidium versicolor 1 — astoma . . . . 35 Seynesia — Coffeae . . 25, 46 cfr. Artregister. — discoidea . . . . , 20 Stigmatea alpina 19 — intricata . . . . . 20 — mbdensis . . . 32 Trichothyrium consors 39 — rimulosa . . . 23 — Dryadis . . 60 — Uvariae . . ■ . 31 — fimbriatum . . . . 39 Artreff ister. A. = Asterina; Alla. = Asterinella v. Asterella; C. = Calothyrium; M. Microthyrium ; Ma. = Microthyriella; S. = Seynesia. Nr. aberrans 31 23 Abietis Polystomella 16 M 61 abnorme ilf. ........ 34, 44 acanthopoda A. 93 acervatum M 73, 77 albigenum M. 2 alpestre M 55 alpina Stigmatea 19 „ A 95, 107 Alsodeiae M. 23 Alsophilae Polystomella 10 .... 2 .... 47 . . 57 72 24 ... .92 84 17 85 85 amygdalinum M. anceps M Angelicae 31. . . . antarcticum M. . applanata Ma. . . Araucariae S. . . arcticum M. . . . asperstim C. A. 31. asterinoides Alla. . 31. S astoma M. Ma 35 australis S. 127 Balansae S. A 87 BanJcsiae Alla. S. 101 Boivini M. 69 brachystoma A. S. 95 brasiliensis Alla 29, 77 bullata A 2 „ CM. 2 caaguazensis Alla. 31. . 3, 28, 42 calamicola 31. S 109 cantareirense 31 42 österr. botan. Zeitschrift. Heft 3. 1913. Nr. Carludovicae M. 26 „ Metasphaeria ... 26 Caronae S 112 Cetrariae M 60 Chalybaeum Clypeoluml 33 „ Dictyothyrium ... 33 chilensis S. 120 circinans M. S. 22, 121 Citri M. 48 coccoidea S. 102 Coff'eae M. Ma 25, 46 colliculosa Asterina ....... 93 S. 93 coneatenatum M 28 confertum 31. C 27 confluens M 13 consors 39 corynelium M. 65 Couepiae A 105 crassum M. 7 crustaceum M 6 Cytisi M. 54, 76 discoidea 31. Ma 20 disiunctum M 29, 77 disciformis S. 118 Dryadis var. M 60 Eehites S. Dimerosporium . . . 124 elegantula S. . 103 Epidendri S. Alla 108 epimyces M 62 Eucalypti M. Clypeolum .... 41 eucalypticola M. . 76 exarescens M 74 9 130 Nr. fimbriatum Trichothyrium .... 39 fuegiana M. Micropeltis .... 4 fuscellum M 64 fusco-pnraphysata S 117 Genistae M .... 64 graminum M 52 grandis S. 110 guaranitica S. A 86, 95, 100 Hammariana S. 119 „ Pirostoma 119 Harrimani M 83 Hederae M 49 Heteropteridis S 106 Humiriae Alla. S. 99 idaeutn M 81 ilicina S. 107 ilicinum Dimerium 107 intermedium Dimerium 40 intricata Ma. M. ...... . 20 Jochromatis S. M. 36, 125 Juniperi M 19 „ Dothidea 19 juruana S. 96 Lagerheimii S. 92 Lagunculariae M. 5 „ Microphyma ... 5 Lauraceae M. 46 Laurentianuvi M. 40 Leopoldvilleanum M. 34 „ Dictyothyrium 34 leptotheca Älla 13 Licaniae S. 104 litigiosum M. 59 longisporum M 46 Lunariae Leptothyrium 14 M 14 maculans M. 84 madagascariensis M 8 Mangiferae M. 78 marmellensis A. S. 97 mauritanicmn M 68 mbdensis M. Ma 32 megas S. 91 megalosperma A 96 megalothecia S. 119 Melaleucae M. 30 melanosticta S. 113 Melastomacearum M . 77 Melastomataceae M. . . . . . 77 „ A. S 98 Michelianum M. 58 microscopicum M 50 microspermum M. 21 microthyrioides S. A 115 Milletiae M. 70 Nr. minor A 111 minutissimuvi M 15 missionum A 3 multiplex A 95 nebulosa S. 89 nebulosum C 89 nobilis S 116 mibecula C. A. M 38 olivacea A .... 61 olivaeeum M 51 olivascens S. 127 pachy Sperma S. 119, 122 Paraguay ense M. 71 paraguayensis S. A 88, 123 paraphysata A 95 patagonicum CM 37 petiolicola S. 106 Pinastri M. C. 16 piraguensis S. 122, 123 Platani M. 9 platensis S. 129 Psychotriae M. 67 Puiggarü Alla 42 pulchella S. . 112 „ Parmularia 6 pulcherrivmm Polystomella ... 7 pulchellum M 6 punctiforme M. 81 pustulata A 38 pustulatum CM 38 Puttemansii A 123 Quercus M. . 53 rimosa S. 126 rimulosa Ma. 23 rimulosum M 23 Bubi M. 1 Schroeteri S. A 90, 104 scutellum S. . . 114 Sebastianae M 23 Smilacis M 11 „ Myiocopron 11 solaris Asterodothis 103 stellata A 93 stomatophora A 20 stomatophorum CM...... 20 Styraeis M 75, 80, 96 siibcyanea A. Alla 34 subcyaneum M. 34 submegas S. 100 sy Stern a- solare A 101 Tacsoniae A 92 thyriascum M. 63 Uleana Alla 91 131 Nr. Urbani M 43 Uvariae M. Ma. . . 31 variolosa S..... 128 verruculosa Alla 3 versicolor CM 1 Nr. „ Sacidium 1 virescens M 80 Visci M. . 12 vittaeforme M. 79 xylogenmn M 56 Die ungarisch - österreichische Flora des Carl Clusius vom Jahre 1583. Von Dr. Hermann Christ (Basel). (Fortsetzung, i) Caryophyllus pnmilin Tauricus VIII ist Saponaria pumila {= Silene puniilio Jacq.) mit einer trefflichen Abbildung 325. Die Standorts- angabe : m Tauro carinthiae monte, solo tenui et arena splendente referto ist die einzige Angabe der Gesteinsart, die ich bei Clusius finde: nait dem schimmernden Sande ist Glimmerschiefer gemeint. Lychnis süvestris III (Bild 331 zu roh) ist Silene alpestris Jacq. Daß bei den Liliaceen bereits drei Leucojum beschrieben sind, hindert nicht, daß weiterhin als Leucojum silvestre Cheiranthus cheiri aufgeführt ist. Unter den Prhmila findet sich 345 die Auricula iirsi flore ruhro, eine große, robuste Gartenpflanze, die Clusius im Garten des Professors J. Aichholz in Wien sah, und die in den Alpen bei Innsbruck häufig wachsen soll. Die Blüten werden als in der Knospenlage schwarz, wie Maulbeersaft, offen als rot mit weißem Schlund beschrieben. Offenbar ist dies bereits unsere Garten-Aurikel, also ein Bastard der P. auricula mit einer roten Art der Ostalpen; nur das Blatt ist im Bilde viel stärker gesägt, als unsere heutige Pflanze. (Vgl. A. Kerner, Die Geschichte der Aurikel. Zeitschr. d. Deutsch, u. österr. Alpenvereines, VI. Bd., 1875.) Auricula iirsi IV carnei colore ist unsere P. Clusiana Tausch. Von Soldanella unterscheidet er drei Arten : die S. montana (gut abgebildet auf S. 354), S. alpina (mit der besonders üppigen Pflanze vom Pflanze vom Wechsel ist augenscheinlich S. major gemeint) und die (etwas weniger charakteristisch beschriebene) S. austriaca (nord- alpine Rasse der S. minima). Unter den Viola ist als montana II purpureo flore vom obersten Schneeberg die V. alpina Jacq. deutlich beschrieben. Sie hätte V. Clusii heißen können. Sehr gut ist 395 V. lutea Huds. als Gartenpflanze, aber aus der Schweiz stammend, abgebildet. Bei Pinguicula, schon von Gesner so genannt, vermengt Clusius die weiße (alpina) mit der vulgaris. Als Begleitpflanze führt er Primiila farinosa an. Pennaeus teilte dem Clusius mit, daß im nördHchen England, wo Pinguicula ebenfalls mit der Primula zusammen wachse, deren Sehleim zur Heilung von Schrunden im Euter der Kühe gebraucht 1) Vgl. Jahrg. 1912, Nr. 11, S. 42ß. 132 werde; im südlichen England gelte die Pflanze als tödliches Gift der Schafe. Im Bilde (364 und 365) und der Diagnose gut charakterisiert ist der ostalpine Ranunculus minimus fl. alho 1 (R. crenatus) und 2 (R. alpestris). Unter Ranunculus erscheint auch Anemone narcissiflora; von der gemeinen weißen Form unterscheidet Clusius eine rote aus dem Genfer Jura. Bei Trollins wird als Begleitpflanze wiederum Primula farinosa angegeben. Bei Ranunculus illyricus, den Clusius in Hamburgensi monte (Hainburg bei Wien) fand, verweist er auf die Stirpes Hispan., wo er die Art schon beschrieb und als Standort die Maulwurfshaufen angibt. (Hisp. 317.) . . • . Zu Ranunculus zieht er auch richtig Thora valdensium, die er auf dem Ötscher und Schneeberg fand, von der er aber Verschieden- heiten gegenüber der Schweizer Pflanze hervorhebt, die den R. hyhridus Biria erkennen lassen. R. thalictri folio aus der Wiener Gegend und von Zolonock ist das Isopyriim. Clusius unterscheidet zwei Fulsafilla- Arten: die vulgaris (bzw. grandis), von den ungarischen Botanikern virginis PulsatiUa, und P. patens, von denselben PulsatiUa equina genannt. Sehr sorgfältig sind die Aconitum behandelt und davon sechs Arten abgebildet, unter denen sich eine halbschlingende, conia nutante 411 auszeichnet; ebenso die Pentaphyllum {Potentilla). Besonders imponiert unserm Autor CaryophyUafa montana II (Geum reptans) als Seltenheit der höchsten Jöcher. Von den Geranium unterscheidet unser Autor (S. 417) das G. sil- vaticum als G. hatrachiodes alterum, und das G.pratense als G. hatra- chiodes primnm, ersteres als subalpine, letzteres als Wiesenpflanze der Donauebene, Auch trennt er sehr richtig vom G. sanguineum (G. liaematodcs) das G. palustre (liaematodes II) das er an schattigen Rändern der Wiesen und unter Dornbüschen beim Dorfe Catzeret (Lazereth?) bei Nürnberg fand. Von G. sanguineum berichtet er, daß die Pannonischen Weiblein eine mit fließendem Wasser gemachte Abkochung für Kopfweh anwenden und dann, „was nicht ohne Aberglauben abgeht", den Absud in dasselbe fließende Wasser ausschütten, das zur Kochung verwendet wurde. Sanicula ist wiederum ein rein auf dem Habitus aufgebautes Genus, enthaltend S. montana I = Saxifraga rotundifolia, aber auch S. mon- tana II = Cortusa Mattliioli, wobei freilich Clusius sein besseres Wissen kundgibt, indem er beifügt: „Die Gemeinschaft des Standorts bringt mich dazu, diese zierliche Pflanze mit ersterer zu vereinigen, obschon sie nach Temperament und Eigenschaften wohl am besten neben die Aurikeln gestellt würde." Sehr tüchtig ist die Gruppe der Dentaria behandelt, an denen die österreichische Flora so reich ist, und von denen fünf abgebildet sind, darunter freilich auch D. coralloide radice, unsere Corallorliiza. Dahin 133 stellt er auch das Einpogium. das er am Fuß des Ötscher im Jahre 1578 unter Taanen und anderen solchen Bäumen fand, wohin die Sonne nicht dringt und sonst fast nichts wächst. Jedoch sagt Olusius deutlich, dieses habe nichts gemein mit den andern Dentarien, außer der ge- zahnten Wurzel. Die Blüte beschreibt er richtig und bemerkt, sie sei der des Veilchens oder eher der Orchis ähnlich. Besonders imponiert ihm Cardamine alpina minima {Hutcliinsia al2nna). „An dem Felsen des höchsten Schneebergjochs, als ich, eiserne Haken an den Füßen, den hart gefrorenen Firn herabglitt, wo, gleich wie an den benachbarten Jöchern, der bleibende Schnee sich seit vielen Jahrhunderten anhäuft, und wo die Oberfläche so glatt wird, daß niemand ohne Haken darauf gehen kann, fand ich im August diese Pflanze, wo der Schnee eben zu schmelzen begann. Nach Camerarius, dem ich trockene Exemplare verdanke, wird sie auch in den Tiroler und Salz- burger Alpen gefunden. Gesner nennt sie Mn Briefen kleine Brunn- kresse {yasturtiolum)." Schon zu Olusius Zeit war Dr aha vulgaris 7^ Lepidium Draha um Wien und in ganz ünterösterreich ein sehr gemeines' Unkraut. In unsere westlicheren Gegenden ist diese Kresse erst später eingewandert. Nach 0. Bauhin fehlt sie 1622 noch bei Basel. Lythrum Salicaria wird zu Lysimachia gestellt, und Olusius setzt absichtlich hinzu, es bestehe kein Zweifel, daß sie dahin gehöre, da ihre facies ganz dieselbe sei. Ziemlich bunt und kraus vermengt Olusius, vom Habitus be- einflußt, die Sukkulenten und kleinen Polsterpflanzen der Alpen. Cotyle- don {Sempervirum), Sedum alpiniim I (Saxifraga aisoides), Sedum pa- lustre (S. villosum), S. alpiniim III {Saxifraga caesia), S. alpinum IV {Ändrosace chamaejasme), S. alpinum V {Androsace ohtusifolia) und /S. alpinum VI (Draha aizoides) stehen einträchtig beisammen. Aber doch macht er darauf aufmerksam, daß die Früchte der letzteren Art siliquae seien! Gnaphaliiun alpinum (Leontopodium) von den obersten Felsen des Schneebergs, Dürrensteins und Ötschers ist noch unberühmt. „Es scheint die Pflanze, welche Matthiolus, der Vorgänger des Olusius am Wiener Hofe, für das echte Leontopodium des Dioscorides erklärt. Es ist aber ohne Zweifel nur ein Gnaphalium." Nicht einmal einen Trivial- namen weiß Olusius anzugeben; Simler gibt den Schweizer Namen Wulblumen. Wie weit entfernt war man damals von der durch Berthold Auerbach in Deutschland augefachten Begeisterung für dieses alpine Wahrzeichen ! Als Tussilago alpina I ist Homogyne discolor unter II H. alpina abgebildet. Auch wird als Cacalia I Adenostyles albifrons, als C. II A. alpina unterschieden. Nardiis celtica wird zu dem Genus Valeriana gerechnet. Olusius hat ihn von dem höchsten Joch der Jadenberge r Alpen; er soll auch in Tirol und Salzburg wachsen. Sein Name ist Speick. Die Blüten werden als blaßgelb beschrieben. (In der Schweiz sind sie heute dunkelbraunrot.) Die Pflanze wird Ende August und im September, wenn die Blätter gelb weiden, gesammelt, weil sie dann am meisten Geruch hat, der ihr fehlt, wenn sie in frischem Trieb ist. 134 Die Ungarn machen davon zu Kopfwasehungen Gebrauch und nennen sie Wiener Kraut, Betz fu, weil sie von Wien her bezogen w^ird. Unter Doronicum werden fünf Arten, darunter auch als I). IV = Ärnica montana beschrieben ; für die von den älteren Kräuterbüchern genugsam angepriesenen Eigenschaften derselben verweist uns Clusius auf diese. Als Amellus alpinus bezeichnet er den Aster alpiniis, als Aster atticus den Aster Amellus. Unter den Scabiosen führt er als S. montana repens die Glohularia cordifolia auf, sagt aber, daß der Same dem der Globularia gleiche. Es scheint uns unbegreiflich, daß er hier den Schritt hinüber in die natürliche Verwandtschaft nicht getan hat. Ptarmica austriaca ist Xeranthemiim annuum, die bei der Fasanerie und sonst um Wien häufig sei. Bei den Kräuterweiblein heiße sie Skabiose, und werde trocken aufbewahrt und verkauft, auch als Mittel gegen fascinationes der Kinder. Tanacetum inodorum I 550 ist Chrysanthemum eorymhosum, die S. 551 dargestellte Pflanze II ist mir dagegen unbekannt. Ahsinthium alpiniim umhelUferum ist Achillea clavennae, welche die Jäger Unser Frauen Rauch oder Weiß Rauch nennen. Parthenium alpinum = Achillea Clusiana Tausch, von den Jägern Unser Frauen schwarz Rauch genannt. MillefoUiim alpinum 562 scheint wohl nur eine rote Alpenform der Achillea Millefolium (Achillea sudetica Opiz). Chrysanthemum judenbergense 566 ist Senecio carniolicus. Chr. Etscherianum 567 scheint Anthemis styriaca Vest. Chr. Snehergense = Senecio abrotanifolius. Jacohuea pannonica = Senecio Doria. J. latifolia III, subalpine große Pflanze 575 scheint der S. cordifoUus X erucifolius, der auch in der Schweiz nicht selten ist, und J. latifolia altera der echte S. cordifoUus. Unter den Labiaten nenne ich Galeopsis inaxima pannonica = Lamiiim orvala, das Clusius in Slawonien bei Warasdin fand, ferner Lamium pannonicum = Melittis, von dem er sagt, er habe eine weiße Form bei Lausanne gefunden. Seltsam mutet Lamium urticae folio 594, 595 an = Scrophularia vernalis, die Clusius als Unkraut in seinem Garten aufgehen sah, und von der er selbst sagt — denn sein systematischer „Flair" überwindet meist die Routine — daß die Frucht mehr der Scrophularia vulgaris gleiche. Lamium III fand er nicht selbst, sondern erhielt das Bild vom Grafen ßatthyan. Es ist offenbar Glechoma hirsuta W. K. Vortrefflich abgebildet sind Parietaria silvestris I = Melampyrum nemorosum und III = M. arvense. Teucrium majus I ist Veronica Teucriiim, II ist V. chamaedrys. Auch hier gibt Clusius zu, daß die siliculae bifidae die von Veronica sind. Gleich nachher kommen unter Veronica drei fernere Arten dieses Genus. Polium pannonicum 626 = Teucrium montanum. Mit Chamaepitys austriaca = Dracocephalum austriacum, „vom obersten Joch des Berges ob Radaun in trockener, schwarzer Erde", schließen die Labiaten ab. 135 Unter den Cichoraceen ist hervorzuheben Scorsoticra, von welcher fünf Arten beschrieben und drei abgebildet sind. Hieracium V 655 ist sehr deutlich H. alpinum und H. VI H. staticefolium. Aber H. VII ist ein Leontodon und H. VII L, das Olusius nur aus England und von Heidelberg kennt, ist Ärnoseris piisüla. Von den Cynareen ist sehr gut abgebildet Carduus defloratus var. summanus Poll. als Cirsium montanum III 659. Carduus mollis 1 ist Jurinea mollis, während C. mollis II die Saussurea discolor vorstellt, die Clusius mit Primula Clusii auf der Schueealpe fand. Zwischen zwei Pulnaonarien bildet Clusius als Pulmonaria III Qlb die hungenüechte Lobaria 2ndmonaria ab, während sie im Text nicht erwähnt ist, vielleicht, weil der Autor nachtäglich systematische Bedenken hatte. Als EcJiium pullo flore ist Nonnaea pulla abgebildet, aber auch die Seltenheit E. ruhro flore = E. rubrum Jacq. bei Sopranium üngariae urbem (Ödenburg) auf trockenen Wiesen. Auffallend ist, daß dem Olusius die schöne Campanala alpina Jacq. der niederösterreichischeu Alpen entging. Unter den Dolden ist Seseli pannonicum = Peucedanum Cervaria und P. oreoselinnm gut abgebildet. Daß Saxifraga vulgaris, welche die Deutschen Pimpinella nennen, auf dem Etscher elegant rot gefärbt sei, ist dem Clusius nicht ent- gangen {Pimpinella magna var. rubra). Daß Ulmaria {Spiraea) und die Barba caprina FucJisii (Aruncus) unter den Dolden figurieren, ist nicht verwunderlich. Von der Cicutaria pannonica = Chaerophyllum btdbosum wurden im B'rtihling die Wurzeln mit den zarten Blättern in Wien unter dem Namen Peperlin auf dem Markt verkauft und gekocht als Salat auf den Tisch gebracht. Noch sehr scholastisch ist die Behandlung, welche bei Clusius den Farnkräutern zuteil wird. Er sagt: Wegen der ähnlich zerteilten Blätter lasse ich diese Farne den Dolden folgen, und will sie, der Ansicht des Theophrast folgend, in männliche und weibliche einteilen. 3Ias (704) scheint Dryopteris Robertiana, Femina (706) eine Cystopteris darzu- stellen. Auf der Unterseite entgehen aber doch dem Clusius die schwarzen Flecken nicht, die daraus hervorzukommen scheinen. Älectorolophus alpinus {=:Pedicularis) will Clusius wegen Ähnlich- keit der Blätter an die Farnkräuter anreihen. Als Gramen montanum spicatum wird Plantago alpina abgebildet. Neu ist dem Clusius das Gramen montanum avenae-, semine = Melica ciliata. Neu scheint ihm auch auffallenderweise Spartum anstriacum = Stipa pennata 720. Die Legumina beginnen mit einer einläßlichen, reich illustrierten Abhandlung der dem Autor bekannt gewordenen Gemüse-Arten dieser Familie, worin ihre Geschichte und Kultur gründlich erörtert ist. Für den Kenner von Phaseolus und Pisum ist diese Arbeit eine noch zu erforschende Fundgrube. Unter, den einheimischen Leguminosen, von denen 17 abgebildet sind, wird 748 Securidaca altera pannonica I beschrieben und abgebildet 136 = Coronilla varia, die Clusius hier zum erstenmal gesehen zu haben scheint, und dann eine Seeuridaca altera II, die ihm Pennaeus schickte, und die aus der Genfer Gegend non procul a ponte tremulo? stamme, die mir aber lediglich eine Coronilla varia mit teratologisch entstellten Hülsen zu sein scheint. Den Schluß macht eine fernere systematische Sünde unseres Autors : „Weil wir übrigens uns jetzt mit den Trifolium- Arten beschäftigen, sei es erlaubt, auch jene Pflanze zu erwähnen, die einige Trifolium nobile oder aureum nennen, auch Hepatica trifolia." Es ist Hepatica trilöba gemeint. Er kennt sie außer der austropannonischen Flora aus Schlesien, von Jena, von Lunenburg (rectius Lanslebourg) am M. Cenis. (Fortsetzung folgt.) Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Kongresse etc. Die Association internationale des Botanistes hält ihre dies- jährige Generalversammlung am 27. Juni in Kopenhagen ab. Bei dieser Gelegenheit finden Exkursionen nach Esbjerg und Aarhus und auf die Insel Möen statt. Personal-Nachrichten. Geheimrat Professor Dr. Paul Asche rson (Berlin) ist am 6. März 1. J. im 79. Lebensjahre gestorben. Dr. Eduard Palla, außerordentlicher Professor der Botanik an der Universität Graz, erhielt den Titel und Charakter eines ordentlichen Professors. Kaiserl. Rat Dr. Eugen v. Haläcsy (Wien) erhielt den Titel Regierungsrat. Cand. phil. Heinrich Holzer wurde an Stelle von Camillo Baum- g artner zum Demonstrator an der Lehrkanzel für Botanik der k. k. Tier- ärztlichen Hochschule in Wien bestellt. Dr. Edmond Grain (Nancy) wurde an Stelle des in den Ruhestand tretenden Professors Georges Le Monnier zum ordentlichen Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens an der Faculte des Sciences der Universität Nancy ernannt. (Revue gen. de Botanique.) Dr. Jean Beauverie (Lyon) wurde an Stelle von E. Grain zum Maitre de Conferences an der Faculte des Sciences der Universität Nancy ernannt. (Revue gen. de Botanique.) Dr. Alexandre Guillermond wurde mit der Abhaltung botanischer Vorlesungen an der Faculte des Sciences der Universität Lyon betraut. (Revue gen. de Botanique.) Dr. Pierre Marie Lesage (Rennes) wurde an Stelle des ver- storbenen Professors L. Crie zum Professor der Botanik an der Faculte des Sciences der Universität Rennes ernannt. (Revue gen. de Botanique.) Professor Emile Fo ex wurde an Stelle des verstorbenen Professors Edouard Griffou zum Directeur-adjoint de Station de Pathologie vege- tale in Paris ernannt. (Revue gen. de Botanique.) Dr. A. Tison (Caen) wurde zum Maitre de Conference an der Universität Rennes ernannt. (Revue gen. de Botanique.) Buchdruckeiei Carl Gerold's Sohn in Wien. OSTERREICHISCHE BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. LXIII. Jahrgang, Nr. 4. Wien, April 1913. Spirogyra horysthenica nov. spec. Von Viktor Kasanowsky und Sergius Smirnoff (Kiew). (Mit Tafel III und 1 Textfigur.) Die im folgenden als neu beschriebene Art von Spirogyra gehört nach dem Bau der Scheidewände zu der Section Salmacis (Bory) Hansg. ') und nach dem Bau der Mittelhaut der Zygosporen zu der Subsection B^on DeToni^) („membrana media zygotarura serobiculata vel areolata"). Bei der genaueren Untersuchung der Zygosporenmembran, wie auch der „anderen Merkmale bemerkt man jedoch große Unterschiede unserer Art von den anderen Arten derselben Subsektion S. calosiwra Oleve, S. areolata Lagerh,, S. reticulata Nordst. und S, Naivaschini Kasanowsky. Die Dicke der vegetativen Zellen beträgt 30 — 40 ^u, die Länge der- selben 180—460^; sie sind also 47» — 12 mal so lang als dick. Meisten- teils sind die Scheidewände gefaltet (Taf. III, Fig. 1, 2, 3), doch findet man zuweilen auch solche Fäden, die nebst einfachen auch gefaltete Scheidewände haben (Fig. 4, 5, 6). Die ziemlich feinen, nur wenig gebogenen Chlorophyllbänder (meistenteils in der Zahl von 2 oder 4, seltener 3) machen etwa eine Windung, seltener erreicht die Windungenzahl bis 2Vo (Fig. 3a); es gibt auch Fälle, wo die Bänder, indem sie in axiler Richtung laufen, keine oder ganz schwache Windung zeigen (Fig. 36), und dann erinnert ihre Anordnung an diejenige bei Spirogyra orthospira Neg. ^) Die Konjugation erfolgt zwischen je zwei Zellen zweier nahe- liegender Fäden leiterförmig (Fig. 1), seitliche Konjugation haben wir nicht beobachtet. Die weiblichen Zellen sind stark angeschwollen und ihr Durchmesser erreicht zuweilen bis 70 ft. An der Bildung des Kupulationskanals nehmen die beiden Kopulationsfortsätze teil; er ist etwa 21 — 54 ^ lang. Die kopulierenden Fäden liegen nicht immer ihrer ganzen Länge nach parallel zueinander, sondern nur dort, wo sie in Berührung treten. Zwei Fäden, die einander nur in zwei oder drei Punkten berühren, laufen mit ihren freien Enden in verschiedenen Richtungen auseinander, so wie bei Craterospermum *). Dieses beträchtliche Auseinanderweichen 1) A. Hansgirg. Prodromus der Algenflora von Böhmen, 1886, t. I, p. 164. -) B. De Toni, Sylloge Algarum omnium hucusque cognitarum, 1889, p. 774. 3) P. Petit, Spirogyra des environs de Paris, 1880, tab. X., fig. 5. *) A. de Bary, Untersuchungen über die Familie der Konjugaten. Leipzig, 1858. Taf III, Fig. 1. österr. botan. Zeitschrift. Heft 4 1913. 10 138 der freien Enden wird durch die mehr oder weniger starke Knickung der beiden konjugierenden Zellen verursacht. Solche Knickung ist be- j sonders bei der männlichen Zelle (Fig. 6) bemerkbar. " Gewöhnlich nehmen an der Konjugation 2 — 3, selten auch 4—5 Paarzellen der Fäden teil. Die Zygosporenhaut ist anfangs glatt und homogen. Die ganz reifen Zygosporen zeigen eine Verdickung der Mittelhaut, die sehr charakteristisch für diese Art ist. Die Zygosporen (Fig. 7, 10) sind stachelig oder sogar borstig, was besonders an den Enden der Zygosporen zu sehen ist. Fig. 8 und 11 zeigen die Mikrotom- längsschnitte (7 ft dick) der Sporen, die mit Kongo-Korinth gefärbt sind. Auf einem solchen Schnitte kann man sehen, daß die Zygosporen mit drei verschiedenen Häuten versehen sind. Das Exospor ist sehr dicht und zeigt einige Schichtung. Das Mesospor ist 2 — 4 fach so dick als das Endospor, gold-gelblich und mit Auswüchsen versehen, die etwa 2—3 (i lang sind (Fig. 12). Diese Auswüchse werden über die ganze Fläche des Mesospors gleichmäßig verteilt und die Zygosporen sehen dadurch stachelig aus (Fig. 10, 7). Die Auswüchse haben eine eigenartige Form (Fig. 9, 12). Jeder Auswuchs fängt mit einer breiten Basis an, wird nach oben immer schmäler und endet mit einem papillenartigen oder fingerförmigen Fort- satz; der letztere ist oft etwas gebogen. Die innere Haut, das Endospor, ist dünner als das Exospor und hegt dem Mesospor fest an. Es wird durch Kongo-Korinth bläulich-lila gefärbt, während sich das Exospor rosa färbt; das Mesospor bleibt aber goldgelb und läßt sich nicht färben. Die Form der Zygosporen ist elliptisch, ihre Länge beträgt 100— 160 /w., die Breite 52 — 62 fi, so daß sie etwa 2— 2'3raal so lang als breit sind. Die beschriebene Art von Spirogyra wurde mehrfach an verschie- denen Standorten des Dnjeprtales aufgefunden, infolgedessen nennen wir sie Spirogyra horysthenica. Nach der Form der Auswüchse des Mesospors kann man zwei Varietäten unterscheiden. Bei der einen Varietät (a) sind die Aus- wüchse viel rundlicher, ihre Basis ist breiter und ihre Fortsätze sind kürzer (papillenförmig). Dabei ist bei ihr die von den Auswüchsen freie Fläche glatt (Fig. 9: ein einzelner Auswuchs „processus mammae- formis"). Fig. 7 zeigt die Oberfläche einer solchen Zygote. Die Auswüchse bei der anderen Varietät (/3) haben schmälere Basis, der Form nach sind sie glockenförmig und mit einem nicht selten gebogenen (fingerförmigen) Fortsatz versehen. Die Fläche des Mesospors zwischen den Auswüchsen ist nicht glatt (Fig. 12 und 11). Bei hoher Einstellung des Mikroskopes sieht man die optischen Durch- schnitte der Auswüchse; bei tiefer Einstellung tritt dagegen eine aber- malige Körnigkeit hervor, die mit der Unebenheit der Oberfläche des Mesospors zusammenhängt. Infolge dieser (im Vergleich mit a) längeren Auswüchse hat die Zygote ein igelartiges Aussehen (Fig. 10). In unseren Aufsammlungen haben wir öfter die Varietät a beob- achtet, die wir für die typische Form halten, die Varietät ß nennen wir var. echinospora. 139 Nach dem äußeren Aussehen ist Sinrogyra horysthenica etwas der S2}. insignis (Hassal) Ktz. ähnhch (vergl. P. Petit, 1. c, Taf. III, Fig. 2); sie unterscheidet sich leicht von letzterer durch die Mesosporstruktur, wie auch durch das Vorhandensein eines ziemüch langen Konjugations- kanales. Betrachten wir jetzt etwas näher die Merkmale der Sp. horysthenica in Beziehung zu den nächstverwandten Arten. Man könnte (nach der Beschreibung ohne Tafel) denken, daß unsere Spirogyra sehr ähnlich oder sogar identisch der S. reticulata Nordst. ^) ist, obgleich die Win- dungenzahl der Chlorophyllbänder derselben größer ist (bis 4). Es war jedenfalls die Untersuchung des Vergleichsmaterials nötig und solches wurde uns nebst anderen Exsikkaten und Separatabdrücken von Herrn Prof. Dr. 0. Nordstedt liebenswürdigst übersendet. Es ist uns eine angenehme Pflicht, an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. 0. Nord- stedt unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Die von ihm ge- sandte Probe ^) von den Sporen der Sp. reticulata Nordst. *), welche in Brasilien (prope Pirassununga) im Jahre 1880 gesammelt wurde, gab uns die Möglichkeit, die Mikrotomsehnitte der Zygoten dieser Art zu erhalten und mit denselben unsere Sp. horysthenica zu vergleichen. Wir erlauben uns die von Herrn Prof. Dr. 0, Nordstedt brieflich ausgesprochene Meinung zu zitieren : „Ihre Abbildungen von den Sporen der Spirogyra spec. stimmen nicht — wie Sie auch schreiben — mit denjenigen von Sp. reticulata überein. Ihre Sp. ist wohl neu." Und wirklich, wie es Fig. 13 zeigt, die Mesosporstruktur der Spirogyra reticulata Nordst. unterscheidet sich wesentlich von der- jenigen der Sp. horysthenica (Fig. 8 und 11). Die folgende Vergleichstabeile zeigt den Unterschied zwischen der neuen Spirogyra-kxi und anderen verwandten Arten. Standorte: a typica. a) Kiew. Im Tümpel am Ufer des Dnjepr bei der Eisenbahnbrücke. 8. VI. 1911. Mit Spirogyra crassa gemischt. h) Bykovnja, Rietgrasmooren. 4. V. 1910. Kleinere Massen unter den verschiedeneu Arten Spirogyra: S. Hassalii (Jenner) Petit, S. Spreeiana ßabenh.. S. catenaeformis (Hass.) Petit, S. bellis (Hass), S. tenuis- sima (Hass.), S. polymorpha Kirchn., S. longata Vauch., S. in- flata Vauch. ß echinospora v. n. Auf der Insel Truchanoff (Dnjepr, Kiew), in der Nähe der Biolog. Station. 25. V. 1912. Mit Zygnema und Conferva sp. gemischt. In sehr großen Massen. Spirogyt'a horysthenica sp. nOT. Cellulis utroque fine saepe replicatis, vegetativis 30 — 40 ^ latis, diaraetro 472 — 12-plo longioribus; chlorophoris binnis vel quaternis, vulgo ternis, angustis, anfractibus 0—2721 cellulis fructiferis vald e tumidis, 70^ attingentibus; zygotis ellipticis, rare fusiformibus, apice rotundatis, 52 — 62 ^ latis, diametro 2— 3-plo longioribus, fulvis, mem- brana externa glabra, media crassa, processibus raammaeformi- bus ornata, fulva, interna tenui hyalina. 1) B. De Toni, 1. c, Nr. 70, S. 774. 2) V. Wittrock et 0. Nordstedt, Algae aquae dulcis exsiccatae, Nr. 362. 3) 0. Nordstedt, Botaniska Notiser, 1880, Nr, 4. 10* Sectio Salmacis (Bory) Hansgirg. Dissepimenta cellularum utrinque pro- tensa et replicata, rarius plana. Subsectio 2. Oniatis nob. Membrana media zygotarum ornata. Vergleichende Tabelle der Größenverhältnisse und anderen Merkmale, wie auch die schematische Darstellung des Mesosporenbaues der Spirogyra subs. „Ornatis^. \a nach Cleve (1. c, Taf. VIII, Fig. 5), It nach Petit (l. c, Taf. II, Fig 13), 3 nach Lagerheim (I. c, Taf. I, Fig. 20), '-', 4—6 Original. Etwas schematisiert. Spiro- gyra Au- Win- dungen- 11-- S o „ Weib- liche Länge der toren at zabl ■g 1 S Zellen Zygoten .a 5t- 'S in {t O ^^'' Qra Mesosporen- ban S. calo- spora S. Na- toa- schiiti Cleve 1868 n) 2—3 6)1 2V2-7 ,vix tur- gidae" 78—96 ,.membrana media lutea et scrobiculata" Petit 1S80 „peu ou poin 36-40 40-42' e^fl^ega I I —42 \i Tröndle 1911 1 (2) 4'/:— 9 I [nicht od. kaum 33— 35 37— 42 merklich I ange- schwoU. ,ponctuee on mieux scrobi- cnlee" 60—120 Mesospor „ge- tüpfelt" Kasa- nowsky 1913 2(1) weilen ! 5—15 gabelig geteilt" 27—41 30-49 8. areo- lata Lagerh. 1888 36 —50 fi mehr wie bei obiger 45-100 ,.Mesospor unregelmäßig vei dickt, gelb- braun mit rosa Schattierung" 45—57 „infla- tae" iVk-2 „dense areolata achroa" S. reti- culata Nordst. 1880 (1-3) S. bory- sthe- nica gustis 3 (2-4) S. bory- stheni- ca var. echino- spora nob. an- gus'.is 3 (2-4) 0-1 (2>A) 28 -40 146 -56 „medio paulum tumi- dae" 48—58 11 „irregulariter uticulata, lutea' 30—40 52—62 valde tumidae -70 fi processibns mammaeformi- bns ornata, fniva 0-1 (27») 30—40 52—62 valde tumidae -70 (i O G O O a r\ /•■-. /"-: r-. ^S/VÜ-Vf<^f^i^siSa&*s. ■;;^,'VT^BS5q:^ ST 100-160 processibus spinaeformibus armata, echi- nata, fulva [1868] P. Cleve, Försök tili en monografi öfver de Svenska arterna af algfamiljen Zygnemaceat. Kova Acta Soc. Sc. Upsal.. Ser. 3, Vol. VI, p 26, VU VIII, 1—5. — [1880] Nordstedt, 1. c. — [1880] P. Petit, 1. c, S. 11, Taf. II, Fig. 11, 12, 13. — [1883] G. Lag er heim, Bidrag tili Sveriges algflora. Öfversigt af K. Vet. Akad. Förhandl. Stockholm, S. 56, Taf. 18-20. — [1911] A. Tröndle, Beduktionsteilnng in den Zygoten von Spiropyra etc. Zeitscbr. für Botanik, III., 3. 598. — [1913] V. Kasano wsky, Die Chlorophyll- änder und Verzweigung derselben bei Spirogyra A^awaschini (sp. nov ). Berichte d. deutsch, bot. Gesellsch. Kasanowsky V. U.SmirnoFFS., Spirogyra borysfhenica. TaF. Osferr.bofan.ZeitSChr.,1913. Del. Smimoff. LithKunstanstaitvFriedrSperlWienlll/*. 141 Hab. In aqua stagnanti cariceti in consortio Spirogyrae. Provineia Czernigov. Bykovnja. V. 1910. In aquis stagnantibus insularum Bory- sthenis. Kiew. VI. 1911. Spirogyra borysthenica nob. var. echinospora var. noT. Cellulis veg. et fruct. ut in typo, processibus autem membranae mediae zygotarum longioribus, attenuatis, saepe aduncis. Hab. In aquis stagnantibus insulae Borysthenis. Kiew. V. 1912. Kiew, Laboratorium des Bot. Gartens d. kais. Univ. St. Wladimiri, 19. Februar 1913. Erklärung der Tafel III. Alle Zeichnungen sind mit Hilfe des Ab besehen Zeichenapparates gemacht. Mikrosk. E eich er t. Fig. 1 — 12 Spii'ogyra borysthenica nov. sp. ; Fig. 13 Sp. reticulata Nordst. Fig. 1. Das gemeinsame Aussehen der Fäden mit 5 Paar (selten!) konjugie- renden Zellen. (Ok. 4, Ob. 3.) Fig. -J— 5. Vegetative und fruktifizierende Zelle. (Ok. 1, Ob. 5.) Fig. 6. Die typische vegetative Zelle. (Ok. 2, Ob. 5.) Flg. 7. Die Zygospore bei hoher Einstellung. (Ok. 4, Ob. 7 a.) Fig. 8. Mikrotomschnitt (7 ft) derselben. Kongo-Korinth. (Ok. 4, Ob. V12) (Die Zeichnung l^/gmal verkl.) Fig. 9. Ein einzelner Auswuchs des Mesospors. (Ok. 4, Ob. 1/12-) Fig. 10. Sp. borysthenica var. echinospora. Die Zygote bei hoher Einstellung. (Ok. 4, Ob. 7 a.) Fig. 11 — 12. Sji. borysthenica var. echinospora (so wie Fig. 8 und 9). Fig. 13. Sp. reticulata Nordst. (wie Fig. 8j. Nartheciiim scardicuni spec. nova. Von Nedeljko Rosanin (Belgrad). (Mit 1 Abbildung.) ßhizomate repente. Caulibus ultra 15 cm non excedentibus, firmis, basi foliosis. Foliis basilaribus 4, rarius 3, distichis, equi- tantibus, lineari-ensiformibus, 5 — 7 cra longis, 2—2*5 nam latis, couq- piesso-vaginatis, firmulis. Foliis caulinis decrescentibus, infimis foliis basilaribus conformibus, supremis saepe lamina brevissima acuminatis itaque plus minusve squamiformibus. Bracteis pedunculis plerumque longioribus, apice attenuatis, non eomplicatis, cymbulaeformi- bus, naargine late scarioso-nitidis. Bracteolis angustis, pallide scariosis. Eacemo densifloro, 5 — 12floro, 1 — 25 cra longo; florum pedunculis inarticulatis, duobus infimis plerumque ad 4 — 7 mm usque longis, superioribus floribus semper brevioribus, plus minusve patentibus, basi et ad medium bracteolatis. Perigonii laciniis ob- tusis, 4— 5 mm longis, 1'3 — 2 mm latis, trinerviis, pallide luteis. Filamentis subaequalibus, ad 3 mm usque longis, dense et aequaliter villosis. Antheris filamentis aequilongis. Ovario subconico, stylo crassiusculo, ovario breviore. Capsula? Habitat in locis humidis et turfosis regionis alpinae montium Sar- planina et Korab, alt. 2100—2200 m s. m. Floret julio. 142 Planta balcanica N. Reverchonii Gel. affinis: rhizoraate longe re- pente, foliis caulinis lamina acuminatis, perigonii laciniis tri- ner vi is, a quo dififert: statura humiliori, spica niulto breviori ac densi- flora, foliis, floribus omnibusque partibus minoribus, bracteis et pe- talis latis. Narthecium scardicum Kos. in natürlicher Größe. — Phot. Handel-Mazetti. Wie sich die neue Pflanze zu den zwei anderen europäischen Arten morphologisch verhält, dürfte auch folgende kurze Übersicht der vfichtigsten Merkmale zeigen. I. Stengelblätter schuppenförmig; Perigonblätter mit 4 — 5 deutlichen Nerven N. ossifragiim Huds. IL Wenigstens die zwei untersten Stengelblätter mit deutlich ent- wickelter Spreite; Perigonblätter dreinervig. 1. Stengel 10 — 30 cm hoch ; Grundblätter 8 — 12 cm lang, über 3 mm breit; Blütenstand über 5 cm lang, locker; Bracteen ^ge- dreht, schmal; Blüten groß N. Reverchonii Gel. 143 2. Stengel 15 cm nie überragend; Grundblätter bis 2*5 mm breit; Blütenstand nur bis 2*5 cm lang, dicht; Bracteen kahuförmig, breit ; Blüten klein N. scardicum Kosanin. Die nahe Verwandtschaft von Narthecium scardicum und N. Re- vercJwnii wird auch durch die geographische Verbreitung der beiden Arten bestätigt, aber die gleiche Wuchsform, die Größe und Form der Grundblätter und besonders des Blütenstandes bedingen es, daß iV. ossi- fragum und N. Reverchonii habituell untereinander viel ähnlicher sind als N. Reverchonii und N. scardicum. Man unterscheidet N. scardicum auf den ersten Bhck von den beiden anderen Arten durch den niedrigen Wuchs, die kleineren und schmäleren Grundblätter und den kurzen und dichten Blütenstand. Exemplare, welche ich an trockeneren Stellen auf der Sarplanina sammelte, zeigen eine armblütige Ähre und haben wenig entwickelte Spreiten an den Stengelblättern, was mich veranlaßte, die Pflanze zuerst als N. ossi- fragum zu bezeichnen (Österr. bot. Zeitschr., 1912, S. 215, Fußnote). Die neue Pflanze sammelte ich nur an zwei Stellen. Einmal auf der Südseite der Sarplanina im Quellgebiete der Dobroska Eeka in einer Höhe von ca. 2100 m. Hier wächst sie an einer anmoorigen, sonnigen Stelle zwischen den ßasen von Sphagnum ruhellum und in Gesellschaft von Pinguicula leptoceras, Homogyne alpina, Carex fnliginosa, Vacci- nium uliginosum und Bruckenthalia spiculiflora. Der zweite Standort befindet sich an der Westseite unter der Spitze des Golemi Korab (Hochkorab) im Quellgebiete des Velesicaflusses, ca. 2200 m über dem Meere. Die Pflanze bewohnt hier Felsspalten, welche durch Wasser ständig bespült werden. Die Verbreitung der drei europäischen Narthecium- Arten in Europa fällt außerhalb des Alpengebietes und weicht diesem in einem langen Bogen aus. So bewohnt N. ossifragum den atlantischen Teil Europas von Skandinavien bis zur iberischen Halbinsel, während ZV". Reverchonii und N. scardicum im Mittelraeergebiet isoliert vorkommen. Die Ver- breitung der letzteren zwei Pflanzen deckt sich fast vollkommen mit derjenigen der drei Ramondia- und Viola-Arien (Delphinoidea-Grn^^e). Es gesellt sich also der Ramondia pyrenaica und Viola cazorlensis der iberischen Halbinsel noch N. Reverchonii von Korsika zu, während ihre nächstverwandten Arten Ramondia serbica und Nathaliae, sodann Viola delphinantha und Kosaninii und schließlich Narthecium scardi- cum ausschließlich die Balkanhalbinsel bewohnen. Außer den beiden genannten Arten kommt noch Narthecium Ba- lansae Briq. (Annuaire Conserv. et Jard. bot. Geneve, V., p. 77 [1901]; cf. Ha ndel-Mazzetti, Ergebn. e. bot. Reise i. d. pontische ßandgebirge in Ann. naturh. Hofmus. in Wien, XXIII., Heft 1, p. 201 [1909]) in Betracht. Nach freundlichen Mitteilungen des Herrn Dr. H. v. Handel- Mazzetti, der diese Art in der Natur zu beobachten Gelegenheit hatte und sie mit meiner Pflanze verglich, unterscheidet sich die letztere von N. Balansae durch geringere Dimensionen aller Teile, besonders der Blüten, durch kurz zugespitzte, starre Blätter, noch breitere und kürzer zugespitzte Brakteen und Petalen, die sehr ungleich laugen Blütenstiele und das Vorkommen an Sumpfstellen. 144 Über Bau, Entwicklung, Keimung und Bedeutung der Parasporen der Ceramiaceen; (Mit Tafeln IV— VI und U Textabbildungen.) Von Josef Schiller (Wien). (Aus dem Botanischen Institut der k. k. Universität in Wien.) Die Anregung zur vorliegenden Arbeit ging wie bei mancher anderen algologischen Arbeit von Oltmanns' Algenbuch aus. Im Kapitel über Brutzellen und Brutknospen') tritt manche offene Frage hervor. Es wurden daher im Adriatischen Meere Parasporen entwickelnde Algen bei jeder Gelegenheit gesammelt. Meine Untersuchungen erstreckten sich insbesondere auf Seirospora Griffithsiana, Antithamnion plumula und Ceramium stridum, die mir durch mehrere Jahre regelmäßig zur Verfügung standen und auch kultiviert werden konnten. Seirospora Griffithsiana Harv. kommt in der Adria in den Früh- jahrsmooaten in 12 — 35 m tiefem Wasser auf Kalkalgengrunde, selbst auf Schlammgrunde zerstreut in zwei Formen vor. Die eine ist identisch mit Kützings Form in Tab. phyc, XII., Tab. 17, Seirospora flaccida Kütz. Sehr schönes Material davon mit Parasporen erhielt ich 1907 und 1908 aus 35 m tiefem Wasser bei Eovigno (Insel Figarola und Due Sorelle und bei den Brionischen Inseln). Die andere Form stimmt sehr gut mit der Abbildung bei Harvey Phyc. brit., pl 21, überein. Diese Form tritt von März bis Juni im Triester Hafengebiete gegenüber dem Staatsbahnhofe in 18 — 25 m Tiefe auf Schlammgrund auf^). Die Pflanzen sitzen auf kleinen Steinchen oder leeren Muschelschalen auf; in manchen Fällen war eine Anheftung über- haupt zweifelhaft und scheinen die Pflanzen auf dem Grunde frei zu liegen. Im Frühjahr 1909 trat die Alge an genannter Stelle so massen- haft auf, daß jeder Dredgezug Dutzende förderte. Allgemein traten Tetrasporen und Parasporen auf demselben Individuum auf. Die Parasporen von Seirospora sind bekannte Organe und zu oft Gegenstand der Beschreibung geworden. Ihre Entwicklung wurde durch Nägeli^) und Born et*) verfolgt. Letzterer konnte vor allem nach- weisen, daß sie nichts mit Oarposporen zu tun haben. Die entwicklungs- geschichtliche Bedeutung wurde durch die beiden Autoren nicht auf- geklärt. Auch über die Keimung finden sich weder bei ihnen, noch sonstwo befriedigende Angaben. So viel schien sicher, daß die Parasporen durch Zerbrechen der Äste frei werden. Oltmanns, 1. c, p. 666, be- merkt, daß der Inhalt nicht aus der Membran ausschlüpft. 1) Oltmanns, Morphologie u. Biologie der Algen, Bd. I., S. 666. ''^) Vergl. auch Schmitz, Die Gattung Microtliamnion J. Ag., {Seirospora Harv.) (Ber. d. d. botan. Ges., 1893, Bd. 10, p. 273). 2) Nägeli G., Beiträge zur Morphologie und Systematik der Ceramiaceen, Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. in München, 1861, Bot. Mitteil., 1. *) Bornet et Thuret, Notes algologiques, S. XIV — XV. 145 Am Boden der Kulturgefäße lagen täglich Parasporen, die ge- wonnen wurden, indem mittels langer Pipette Wasser vom Boden der Gefäße emporgehoben und zentrifugiert wurde. Dabei fanden sich oft keimende Parasporen, die indessen auch auf der Mutterpflanze selbst keimend beobachtet werden konnten. Entgegen obiger Oltmannsscher Angabe wurde dabei gesehen, daß der Inhalt aus der dicken Hüllmembran der keimenden Spore austritt. Wenn auch jede Pflanze neben Parasporen Tetrasporangien trug, so be- reitet doch die Unterscheidung der beiden Sporenarten keine Schwierig- keiten. Überdies kamen fast in jedem Glase Fälle zur Beobachtung, in denen die ausschlüpfende Paraspore noch mit anderen im Verbände stand (Tafel IV, Fig. 1). Meistens reißt die dicke Membran nahe der Mitte ringsum glatt durch. Doch wird der natürlich schon mit einem zarten Häutchen umgebene Inhalt nicht sofort von der Hülle zur Gänze frei. Es kamen wiederholt schon beträchtlich in die Länge gewachsene Pa- rasporen vor, die noch Reste der alten Membran trugen. Die Parasporenkeimlinge sind in ihren nun eintretenden Ent- wicklungsstadien kaum noch von Tetrasporenkeimpflanzen zu unter- scheiden (Tafel IV, Fig. 2—4). Die Keirastadien Tafel IV, Fig. 2—6. sind aus isolierten Tetrasporen gezüchtet. Näheres erübrigt unter Hinweis auf die Abbildungen. Der feinere Bau der Parasporen kam an 5 ft dicken Paraffin- schnitten zur Beobachtung. Die Pflanzen waren teils mit Chromosmium- Essigsäure (schwächeres Gemisch nach Straß burger), teils mit Sublimat- Alkohol abs. -Essigsäure (50 : 50 : 1) fixiert, die ersteren mit Flemmings Dreifarhenmethode nach Straß burger und Eisenhäma- toxylin, die letzteren nur mit Eisenhämatoxylin gefärbt. Die Abbildungen Tatel IV, Fig. 7, 8, stellen Schnitte von Parasporen dar, Tafel IV, Fig. 9, einen Schnitt durch ein Tetrasporangium; sie stammen von derselben Pflanze, sind mit dem Sublimatgemisch fixiert und mit Eisenhäma- toxylin gefärbt. Fig. 7 zeigt ein jüngeres Entwicklungsstadiura als Fig. 8 \). Die Parasporen sind von einer dicken Membran umgeben, an der eine schwache Schichtung vielfach bemerkt wurde. Den eigentlichen Inhalt umschließt ein dünnes Häutchen, au das sich die mit Häma- toxylin tärbbaren Ohromatophoren anlegen, die kleine Plättchen oder rundliche Körperchen darstellen und in dem dichten peripheren Plasma eingebettet liegen. Dieses ist durch dicke Plasmastränge mit dem den Kern umgebenden Plasma verbunden. Dabei ergeben sich meist 4 — 5 größere Vakuolen. Der Kern ist groß, von einigermaßen wechselnder Gestalt, ohne scharf abgesetzte Kernmembran. Das Chromatin ist dicht körnig, der Nukleolus immer gelappt (meist 2 bis Slappig), groß und homogen. Eeife Parasporen, (Tafel IV, Fig. 8) besitzen als auffälligen Unter- schied zahlreichere Vakuolen, selbst das ßandplasraa ist stark aufgelockert und dabei geraten die Chromatophoren in die Plasmastränge bis gegen den Kern heran. Dieser selbst macht während dieser Reifungs- erscheinungen keine Veränderungen durch, insbesondere pflegt eine voll- ^) Die Zeichnungen Tafel IV, Fig. 7—9, verdanke ich meiner Frau. 146 ständige Teilung des Nukleolus nicht einzutreten, wenngleich dazu häufig nicht mehr viel fehlt. Die Tetrasporenmutterzelle Fig. 9 zeigt bezüglich der Struktur des Plasmas und des Kernes keine Unterschiede gegenüber den Parasporen. Die Chromatophoren liegen gleichfalls im Randplasma und dringen in den Plasmasträngen etwas gegen den Kern vor. Der Bau der beiden Sporen- arten zeigt somit sehr viele Übereinstimmungen, die mit Rücksicht auf ihre gleiche biologische Aufgabe ganz verständlich erscheinen, indessen weitere Rückschlüsse allein nicht zulassen. Ganz nebenbei sei aufmerksam gemacht, daß die abgebildete Tetra- sporenmutterzelle schon tief eingespalten ist, wiewohl der Kern noch vor der Teilung steht. Es scheint dies ein seltener Fall zu sein ; denn Svedelius bringt z. B. in seiner Martensia- Arbeit^), Taf. 3, Fig. 6, eine Tetrade, die bei gleichfalls noch nicht eingetretener Durchspaltung bereits die vier Sporenkerne besitzt, und ein gleiches Stadium zeigt dessen Abbildung 17, Taf. 1^). einer Sporentetrade von Delesseria sanguinea. Die Parasporen der Seirospora keimen, ohne eine Ruhepause ein- zugehen, wobei der Inhalt durch Zerreißen der derben Hüllmembran frei wird. Cytologisch stimmen Tetrasporen und Parasporen miteinander überein. Die Parasporenfrüchte von Äntithamnion plumula sind bisher an- scheinend nur von Schmitz im Golfe von Neapel gesehen worden ^). Er sagt 1. c. in einer Fußnote, daß er bei genannter Alge eigenartig gestaltete Parasporenfrüchte gesehen habe, ohne weiter darüber zu sprechen. Da die nordischen Algologen keine Parasporen für diese Alge angeben, scheinen sie nur in den südlichen europäischen Meeren auf- zutreten und auch da nur gelegentlich. Auch mir kamen Parasporen- pflanzen erst zu Gesicht, als ich anläßlich meiner Studien über die Kernverhältnisse *) bei Äntithamnion große Mengen von Pflanzen sammelte. Einmal auf die Organe aufmerksam geworden, gelang es mir in der Folge in den späteren Frübjahrsmonaten und anfangs Sommer leicht, im Triester Hafengebiete parasporentragende Pflanzen regelmäßig zu finden. Trotz speziellen Suchens habe ich sie in der übrigen Adria noch nicht gefunden. Im Triester Hafen treten solche Pflanzen nur in stark verunreinigtem Hafenwasser auf. z. B. beim Leuchtturm und auf der Innenseite des alten Hafenmolos und die Pflänzchen waren oft stark mit Schlamm bedeckt. Wie bei Seirospora tragen ausnahmslos — ich bekam zirka 460 Para- sporenpflanzen in die Hände — nur die Tetrasporenpflanzen Parasporen. Ausnahmslos kommen sie nahe den Spitzen der Langtriebe zur Ent- wicklung, deren weiteres Wachstum eingestellt zu werden pflegt. 1) Svedelius, N. Über den Bau und die Entwicklung der Florideengattung Martensia (Kongl. svensk. yetenskap. Handl. Bd. 43, Nr. 7. ^) Svedelius, N. Über den Generationswechsel von Delesseria sanguinea (Svensk. Botanisk. Tidskrift 1911, Bd. ^, H. 3, p. 260. 3) Schmitz, Die Gattung Microthamnion J. Ag. (Ber. d. d. bot. Ges , Bd. 11. S. 285, Fußnote). *) Schiller, J., Beiträge zur Entwicklungsgeschichte und Physiologie des pflanzlichen Zellkerns. I. Die Kerne v. Äntithamnion cmciatum f. tenuissima Hauck und Antith. plumula (Ellis) Thur. (Jahrb. f. w. Bot., Bd. 49, 267). 147 Die Antitha mjiion-P&r SiS^oren gehen nur aus Kurztrieben hervor, indem entweder die Zellen eines eben entstehenden, erst aus wenigen Zellen sieh aufbauenden opponierten Kurztriebes sieh verdicken (Tafel V, Fig. 10), abrunden, oder sie gehen aus einem Kurztrieb höherer Ordnung hervor (Tafel V, Fig. 12), wobei die Zellen dieselben Veränderungen durchmachen. Diese letzteren Parasporen bildenden Kurztriebe ent- sprechen entwicklungsgeschichtlich genau den die Tetrasporen bildenden Kurztrieben. (Siehe die Abbildung Nägelis bei Oltmanns, Bd. I, S. 658, Fig. 3). Auch die bereits in Parasporenbildung begriffenen opponierten Kurztriebe können noch auf der dem Langlriebe zugekehrten Seite Parasporenkuiztriebe entwickeln (Tafel V, Fig. 11). Die zu Parasporen werdenden Zellen vergrößern sich frühzeitig, werden mehr isodiagonal (Tafel V, Fig. 10), die Membran wird dicker und sieht wie aufgedunsen aus. Der Inhalt nimmt eine dunklere Färbung an; die Chromatophoren zerspalten in kleinere Stücke. Die Teilungsfähigkeit solcher Zellen nimmt beständig zu und bald ist ein unregelmäßig ge- stalteter Sporenhaufen von einer Membran umhüllt (Tafel V, Fig. 13). Der Abb. 1. Ceramium Deslonchampü mit Polysporen (-Parasporen), nach Kützing. Inhalt erscheint körnig und dicht. Durch leichten Druck auf das Deck- glas kann das Zerreißen der Hüllmembran und das Austreten der Parasporen veranlaßt werden. Das Keimen habe ich hier nicht beobachten können. Auffällig erscheinen manchmal Sporenanhäufungen innerhalb der gemeinsamen Kurztriebmembran, die keinen Zusammenhang mit den übrigen Zellen haben (Tafel V, Fig. 12). (Die drei Zellen links gehören einem anderen Kurztrieb an.) Die reifen Parasporenhaufen sind recht wechselnd ihrer Gestalt nach und ganz besonders betreffs der Größe. Fig. 13 mag daher nur ein Beispiel eines ziemlich regelmäßig gebauten Haufens sein. Sehr große, unregelmäßig gestaltete Sporenhaufen entstehen, wenn plötz- lich einige Zellen in eine Art „Teilungsfieber" kommen. Große Parasporenzellen bilden dabei rasch zahlreiche kleinere Zellen, Text- abbildung 11, die wieder zur Größe der Ausgangszelle heranwachsen, dann neuerdings rasche Teilungen eingehen, wobei die Membran unter dem Drucke der neuen Zellen vorgewölbt wird. Wie schon oben erwähnt wurde, stellen die Parasporen tragenden Langtriebe ihr Längenwachstum ein. Es scheint, als würde alle ver- wendbare Substanz zum Aufbau der Parasporenhaufen verwendet. Die Zahl der Zellen ist ja außerordentlich groß; in einem einzigen Haufen konnten bis 80, oft bis 170 Parasporen gezählt werden, so daß die Parasporen die Zahl aller Tetrasporen derselben Pflanze meist über- treffen wird. Durch sie ist eine außerordentlich ergiebige Fortpflanzung gesichert. 148 Ceramiuni stridum besitzt zweierlei Parasporen: einmal die ge- wöhnlich in der Literatur unter dem Namen „Polysporen" angeführten (Textabb. 1, bei Ceramium Beslongchampn) und die auf die Astspitzen beschränkten unregelmäßig ausgebildeten „Sporenhaufen", Textabb. 2. Tl ^^^^eh^u Wiewohl C. stridum in der Adria in der wärmeren Jahreszeit, im Süden während des ganzen Jahres zahlreich auftritt, konnten im Laufe von sechs Jahren doch nur ein einzigesraal zahlreiche Exemplare mit Haufen- sporen gesehen werden. Sie fanden sich bei der Stadt Kut auf der r 149 Insel Lissa im Februar und März 1912 in Vg — 2 m tiefem Wasser. Neben Exemplaren mit Haufensporen traten ebenso reichlich solche ohne dieselben auf. Überall an den Fundstellen war das Wasser durch Ab- wässer der genannten Stadt verunreinigt. Die Parasporenpflanzen trugen zugleich Tetrasporen. Allerdings sind die Tetrasporen fast immer an solchen Pflanzen spärlich und bei nicht wenigen Pflanzen mußten lange alle Äste abgesucht werden, um die Tetrasporen nachzuweisen. Alle von mir beobachteten Parasporen- pflanzen blieben klein. Kyliu gibt in „Studien über die Algenflora der schwedischen Westküste" ^) an, daß er unter den von Areschoug in Alg. Scand. exsicc. verteilten Exemplaren alle drei Formen von Fort- pflanzungsorganen gesehen habe, nämlich Gonimoplaste, Gonidien und Parasporen. Die beiden letzteren sah er für gewöhnlich an verschiedenen Individuen auftreten, doch habe er auch Exemplare beobachten können, die die beiden Arten von Fortpflanzungskörpern an demselben Individuum, sogar an demselben Rindengürtel hatten. Daraus geht hervor, daß er die als Polysporen bezeichneten Organe vor sich hatte. Sie entstehen an den Rindengürteln und sind von einer meist kugeligen Membran um- schlossen. Von mir wurden nur die an den Spitzen der Zweige sich ent- wickelnden Parasporenhaufen untersucht ; Polysporen standen mir nicht zur Verfügung. Die Untersuchung ganz junger, zur Parasporenbildung neigender Spitzen lehrte, daß alle Zellen, auch die Zentralzellen, Parasporen zu erzeugen imstande sind (Tafel VI, Fig. 15). Zu diesem Zwecke werden frühzeitig die Zellen vergrößert, sie wölben sich dabei vor, teilen sich lebhaft und die anfänglich noch unterscheidbaren Chromatophoren gehen rasch in dem dichten körnigen Inhalt unter. Handschnitte durch lebendes Material und Paraffinmikrotomsehnitte lieferten alle wünschenswerten Details. Die jungen, zu Parasporen sich umbildenden Zellen, die noch weiter sich teilen, weisen einen dichten, körnigen Inhalt auf (Fig. 15). Der Kern ist nur mäßig groß, arm an Chromatin, nur der Nukleolus tritt durch seine Größe einigermaßen hervor. Ältere Sporen, Taf VI, Fig. 16, zeigen reichlich Vakuolen und somit strangförmig angeordnetes Proto- plasma. Im Kern ist der Nukleolus kleiner geworden, hingegen die Kern- substanz vermehrt. Bei starker Vergrößerung einer Spore (2000 X), Fig. 17, konnte die Lasreruug der Chromatophoren, die sich nicht auf allen Stadien mit Eisenhämatoxylin gleich gut färben, verfolgt werden. Sie zeigen eine ähnliche periphere Anordnung, wie wir dies schon bei Seirospora be- merkten. Die reifen Sporen haben keine bestimmte Gestalt, eine länglich- ovale, bisweilen spitz zulaufende kommt am öftesten vor (Tafel VI, Fig. 18). Die Beobachtung der Keimung konnte leicht geschehen, da in alten Sporenhaufen (besonders bei kultivierten, ruhig in Gläsern stehenden Pflanzen) reichlich Keimlinge entstehen. Sie geht bis in die kleinsten Details genau wie bei Tetrasporen vor sich (Fig. 19). (ScWuß folgt ) 1) Upsala 1907, p. 175. 150 Ein Beitrag zur Morphologie der Reisblüte. Von M. Akemine, Assistent-Professor am landwirtschaftlichen Institut der Tohoku kaiserl. Universität zu Sapporo. (Mit 5 Textabbildungen.) Über die Morphologie der Reisblüte liegen bereits verschiedene Untersuchungen sowohl aus Europa als aus Japan vor. Ich selbst habe seit 1908 einige Beobachtungen darübergemacht und schon im Jahre 1909 einen Teil der Resultate veröffentlicht^). In dem vorliegenden Aufsatze nun beabsichtige ich die Resultate meiner während vier Jahren (1908 — 1911) fortgesetzten Untersuchungen mitzuteilen, welche als ein Beitrag zur Pflanzenmorphologie einiges Interesse haben könnten. Die Sorte, welche ich als Untersuchungsmaterial auswählte, ist „Akage", die wichtigste Landsorte der kälteren Gegenden Japans. Um die Frage zu beantworten, ob die unten beschriebenen Verhältnisse bei dieser Sorte auch für anderen Sorten zutreffen oder nicht, müssen noch weitere Untersuchungen abgewartet werden. Bekanntlich besitzt jede Reisblüte zwei Blütenspelzen, nämlich Deck- spelze (Palea inferior) und Vorspelze (Palea superior). An ihrer Basis befinden sich zwei kurze Hüllspelzen, und darunter noch zwei winzige Hüll- spelzen-Rudimente. Die ganze Oberfläche der Spelzen ist mit steifen Haaren be- deckt, welche nach der Spitze allmählich länger werden. Bemerkenswert ist die Struktur der Spitze der Blütenspelzen. Auf der Spitze der Vorspelze befindet sich nämlich ein ziemlich großer Auswuchs, und auf derselben Stelle der Deckspelze sind zwei kleinere vorhanden, von denen je einer an beiden Seiten der Granne sitzt. Diese drei Auswüchse sind mit langen Haaren bedeckt. Die Ränder der Deck- und Vorspelze sind hakenförmig gekrümmt und dadurch miteinander so fest verbunden, daß sie nicht leicht zu trennen sind. Eine kleine Öffnung ist dabei an der Spitze vorhanden, durch welche vielleicht die Reizungen von außenher stattfinden dürften. Sowohl die eben er- wähnten drei Auswüchse als auch die darauf befindlichen Haare umschließen gerade diese Öffnung, meines Erachtens um die Blüte vor dem Eintreten des Regenwassers zu schützen. Zwischen den beiden Blütenspelzen findet man die eigentliche Blüte. Sie hat sechs Staubfäden, deren jeder an der Spitze einen Staub- beutel trägt. Er ist aus einem Paar von Pollensäcken zusammengesetzt. Abb. 1. a Eine ßeisblüte. h Quer- schnitt der Spelzen. ^) M. Aiiemine, Studies on the Blooming and the Hand PoUination of Eice Plauts. Journal of the Society of Agriculture and Forestry, Sapporo, 1909, Nos. 3—4. 151 welche am oberen Ende ein wenig und am unteren bis zu ca. 7» ^^^' ganzen Länge voneinander frei sind, und der Staubfaden ist mit seinem verdünnten Ende an dem Staubbeutel befestigt, und zwar an der Stelle, wo beide Pollensäcke am unteren Ende voneinander frei zu werden be- ginnen. Wenn der Staubbeutel reift, öffnen sich beide Pollensäcke durch Längsspalten und streuen eine reichliche Menge der kugeligen, glatten Pollenkörner aus. Aus dem oberen Ende des Fruchtknotens gehen die an ihren Spitzen die federförmige Narbe tragenden Griffel hervor. Be- züglich der Zahl der Griffel nahmen manche Autoren zwei an, welche sich gegenüberstehen, während nach meiner eigenen Beobachtung an meiner Sorte nicht zwei, sondern drei Griffel zu sehen sind. Freilich bietet es in den meisten Fällen den Anschein, als ob nur zwei Griffel vorhanden seien, allein wenn man genauer untersucht, so wird man leicht finden, daß außer diesen zwei noch ein schuppenförmiger rudi- mentärer Griffel da ist. Ein solches Rudiment hat ja Schenk^) schon bei Brizopyrum, Sicurum, Fhrag- mites, Calamagrostls, Aira und LamarcMa beobachtet. Bei unserer Sorte findet man außer- dem nicht selten Blüten mit drei vollausgebildeten Griffeln. Ich beobachtete in den Jahren 1908 und 1909 150 Blüten im ganzen, von denen 7 mit drei vollausgebildeten Griffeln, 142 mit zwei und 1 sogar mit vier derselben versehen waren. Im Jahre 1910 beobachtete ich auch viele hundert Blüten und fand wiederum einige mit drei wohlausgebildeten Griffeln : gelegentlich auch bei den Blüten mit zwei Griffeln ist einer derselben nahe seiner Basis zu zwei verzweigt, so daß man ohne genaue Beobachtung solche leicht für drei Griffel ansehen könnte. Dieser Fall ist leicht von demjenigen zu unterscheiden, wo wirkUch drei Griffel zu sehen sind, da man im ersten Falle außer zwei Griffeln stets noch einen rudimentären findet. Die scheinbar viergriffelige Blüte ist durch die Verzweigung jedes der zwei vollausgebildeten Griffel nahe ihrer Basis entstanden. Im Jahre 1910 schrieb auch J. Schuster^) über die Rudimente eines Griffels in der Reisblüte, was mit meiner oben angeführten Beobachtung im Einklang steht. Aus der obigen Darstellung geht zweifellos hervor, daß die Reis- blüte in ihrer Urform drei Griffel gehabt hat, deren einer meistens zu einem kleinen Rudiment reduziert ist. Was die Lage dnr Griffel betrifft, so befindet sich einer gegen den Mittelnerv der Vorspelzen und die zwei andern richten sich nach der Deckspelze, zueinander im Winkel von ungefähr 120** liegend. Der 1) Schenk, Untersucliungen des Baues der Grasblüte. Verbandl. naturw. Yer. Preuß. Eheinlande, 1867... 2) J. Schuster, Über die Morphologie der Reisblüte. Flora, 1910, C. Abb. 2. a Pistill des Reis mit drei voll aus- gebildeten Griifela. h Pistill des Reis, der eine Griffel auf ein Spitzchen reduziert. 152 Abb. 3. Fläehenansicht von Pistillen mit zwei vollausgebildeten Griffeln. rudimentäre Griffel steht immer gegen den Mittelnerv der Vorspelze. Auch in der Blüte mit zwei Griffeln stehen sie sich nicht gerade gegen- über, sondern richten sich mehr oder weniger schräg nach den Deck- spelzen. Der Winkel zwischen diesen zwei Griffeln ist variabel: in einem Falle beträgt er 120°, wie wir es in der Blüte mit drei Griffeln sehen, im anderen ist er größer, fast 180". Zu bemerken ist noch, daß der rudimentäre Griffel nicht durch die Mißbildung eines anfangs nor- malen Griffels entsteht, sondern er ist schon als solcher sichtbar, wenn die Länge der Ähre noch kaum 3 mm ist, d, h. vom Anfang ihrer Entwicklung an. Nun will ich auf das Blütendiagramm des Reises zu sprechen kommen. Meines Wissens haben Eichler^) und HackeP) es angegeben, und auch einige japanische Autoren. Nach meiner Ansicht bedürfen alle diese einer Berichtigung, denn sie nahmen die Zahl der Griffel als zwei an, oder erwähnten sie gar nicht. Das von mir aufgestellte Diagramm ist in Abb. 4 angegeben. Wie aus dem Gesagten hervorgeht, gibt die ßeisblüte, zusammen mit der von Streptochaeta und Bamhusa Belege für die Ansicht, daß das ^ Pistill der Gramineen ursprünglich dreizählig, d. h. daß ^\ ^ das Gynäceum trikarpellär gewesen ist. Diese Tatsache ^^^i und das hexamere Andröceum der Reisblüte bestätigt f ^. ^ ferner die Ansicht, daß der phylogenetisch primitive Typus der Gramineen ein zweizyklisches Perigon hat, von dem jeder Zyklus aus drei getrennten Blättern besteht. Ferner will ich über die Infloreszenz des Reises einige Mitteilungen machen. Es ist eine allgemein an- genommene Tatsache, daß die Inflorescenz des Reises eine sogenannte „Rispe" ist. Der Ausdruck „Rispe" ist leider keine genau bestimmte Bezeichnung, wie schon Li nne, Gray, Wettstein, Warming-Johannsen u.a. geäußert haben. Er ist nur eine allgemeine Bezeichnung für die pyramidenförmig zusammengesetzte Infloreszenz, \^ y und wird manchmal als eine rein racemöse Infloreszenz ^^^^^ angenommen (Sachs, Karsten). Freilich gehören mehrere Rispen zum racemösen Typus, was sich durch _ _ eine akropetale, resp. zentripetale Aufblühfolge und der Reisbliite nach Nichtübergipfelung der obersten Blüten kennzeichnet. der Ansicht des- Bei einigen Rispen verhält es sich aber ganz anders, Verfassers. dDeck- y^^j solches ist gerade beim Reis der Fall. Wir sehen Z^Lo^djcular^//^ ^h ^^^'^ ^^'^ ^'°® basipetale Aufblühfolge und die Über- Äg hi Hüllspelzen^ gipfelung der Endblüte. Ich konnte feststellen, daß hier ^) Eichler, Blütendiagramme, I, 1875. 2) Hackel, Gramineae in Engler und Prantl, Natiirl. Pflanzenfam., II, 2, 1887. Abb. 4. Diagramm 153 die Blüten am oberen Teile der Rispe zuerst entstanden sind und dann die Blüten am Unterteile in ihrer Entwicklung folgen. Dies geschieht nicht allein in der ganzen Rispe, sondern in gleicher Weise an den einzelnen Seitenachsen ; so ist hier also die Übergipfelung der Endblüte die Regel. Ich habe weiter versucht, die Aufblühfolge zu bestim- men. Zunächst gilt es hier, die Morphologie der Reis- infloreszenz kurz zu schildern. Die Reisinfloreszenz hat eine verlängerte Hauptachse, von welcher bald wechselständig, bald gegenständig, bald auch wirtelständig mehrere Seiten- achsen abzweigen, welche wiederum 1 — 3 sekundäre Seitenachsen nahe ihrer Basis produzieren ; an jeder von diesen letzten Achsen sitzt je eine gestielte Blüte. Wenn die äußeren Be- dingungen günstig sind, wird sich das Aufblühen in fol- gender Weise vollziehen : 1. Die zuerst aufblühen- den sind die Blüten der Seitenachsen in der Nähe der Ährenspitze, d. h. die erste bis vierte Seitenachse sind die Vorläufer des Aufblühens. 2. In der einzelnen Seiten- achse sind die Vorläufer einige am Gipfelende oder diesem zunächst sitzende Blüten. 3. Das Gesagte gilt auch für das Verhältnis zwischen der Seitenachse und der sekundären Seitenachse, d. h. das Aufblühen in der Seiten- achse schreitet von der se- kundären Seitenachse neben der Spitze allmähhch nach der Basis zu, und in einer sekundären Seitenachse auch in derselben Folge. 4. Der Zeitraum, in welchem das Aufblühen in einer Seitenachse sich vollzieht, beträgt meistens 3 — 4_ Tage, öfters 7 Tage, da die Seiten- achsen in dem unteren Teile der Ähre mehr sekundäre Seitenachsen tragen als im oberen, so für ihr ganzes Aufblühen längere Zeit be- nötigend. 5. Der Zeitraum, in welchem die ganze Ähre ihr Aufblühen voll- endet, beträgt gewöhnlich 7 Tage, öfters 9 Tage oder sogar mehr. Österr. botan. Zeitschrift. Heft 4. 1913. 11 Abb. 5. Beispiel der Aufblühfolge eiaer ßeisrispe. 154 Um die eben erwähnten Tatsachen klar zu machen, will ich hier ein Beispiel meiner Beobachtung über die Aufblühiblffe angeben (Abb. 5). Das Bild reprcäsentiert eine Rispe, in welcher die Blüten so bezeichnet sind, daß die beigefügte Ziffer den Tag anzeigt, an welchem die be- treffende Blüte sich geöffnet hat. Aus den oben ausgeführten zwei Gründen, nämlich der Entwicklungs- geschichte und der Aufblühfolge, geht zweifelsohne hervor, daß die Reisinfloreszenz basipetal oder cymös gebaut ist, daß daher die Annahme, daß ihre Rispe racemös sei, nicht richtig ist. Den Herren Prof. Dr. S. Ikeno, Prof. Dr. N. Ohno und Dr. N. Yatsu bin ich für ihre gütige Unterstützung zu großem Danke verpflichtet. Phylogenetische Studien über die Gattung 3Ionoclea. (Mit 1 Textabbildung.) Von Viktor Schiffner (Wien). (Schluß. 1) IV. Das männliche Kcceptaculum. Für Campbell und Johnson ist eine der wichtigsten Stützen ihrer Ansicht, daß Monodea zu den Marchantiales gehöre, die Be- schaffenheit des cf Receptaculums: „There is no structure closely com- parable with the male receptacle of Monodea known among the Junger- manniaceae"' (Johnson, 1. c., p. 199), Dies ist aber unrichtig, denn wenn man auch die große Übereinstimmung in der äußeren Form und im Bau mit den analogen Organen gewisser Mardiantiales {Flagio- chasma, Behoulia etc.) zugeben muß, so gibt es doch auch unter den Jimgermaniaceae ein Analogon dafür, u. zw. ist es die auch habituell und in vielen Details mit Monodea so sehr übereinstimmende Gattung MaJcinoa, die hier in Betracht kommt, welche auch sonst merkwürdiger- weise von Campbell und Johnson vollkommen ignoriert wird. Wie bei Monodea besitzt auch Makinoa scharf umschriebene Antheridien stände ((j^ Receptakeln) auf der Fronsoberseite und dies ist sonst bei keiner anderen (jattung der Jimgermaniaceae der Fall. Ein Blick auf die Abbildungen von Miyake (Hedw.. 1899, Tab. IX, Fig. 5, 6, und Tokyo Bot. Magaz., 1899, Tab. III), die nach meinen Untersuchungen eines reichlichen Originalraateriales sehr treffend sind, zeigt sofort die prinzipielle Übereinstimmung. Die Receptakeln sind scharf begrenzte Gruppen von in die Fronsoberseite eingesenkten Antheridien wie bei Monodea, nur in der Form weichen sie etwas von diesen ab, da es nicht erhabene Polster sind, die auch gegen den Fronsscheitel zu scharf abfallen, sondern nur nach rückwärts scharfrandig und jäh abfallend sind, wodurch sie von oben gesehen fast halbmondförmig erscheinen. Die Intensität der Teilungen (der Zellwucherung) der die Antheridienanlagen umgebenden Fronszellen, aus der die Versenkung der Antheridien resultiert, ist bei 2Ionodea eine viel größere als bei Makinoa und aus dieser rein 1) Vgl. Nr. 1, S. 29—33, Nr. 2, S. 75-81, Nr. 3, S. 113—121. 155 graduellen Verschiedenheit erklären sich zwei Momente, welche das ci" fieceptaculura von Blakinoa scheinbar wesentlich von dem von Monoclea unterscheiden : Die Wände zwischen den einzelnen Antheridien- kammern sind bei letzterer sehr dick und besonders gegen die Ostiola zu vielschichtig, wodurch die Kammer eine fast kegelförmige Gestalt erhält, die wieder durch rein mechanischen Druck (wie bei gewissen Marchantiaceen) eine kegelig zugespitzte Gestalt der Antheridien bedingt. Bei Makinoa aber bleiben die Scheidewände zwischen den Antheridien- kammern infolge der geringeren Teilungsintensität dünn, meistens nur einzelschichtig (wie man auf Flächenschuitten durch das c^ Receptaculum sehen kann) ; die Kammern sind dadurch geräumiger, nach oben nicht verengt und die Antheridien können sich also zu ihrer normalen ab- gerundeten Form ausbilden, wodurch sie sich von denen von 3Ionoclea äußerlich sehr unterscheiden. Aus diesem dargestellten Sachverhalte geht zweifellos hervor, daß auch das c^ Receptaculum von Monoclea nicht unbedingt auf eine Ver- wandtschaft mit den Marcliantiales hinweist, wo sich allerdings fall- weise auch ganz ähnliche Verhältnisse finden, sondern das .-f Recepta- culum der Jungermaniee Makinoa, die nach meiner Überzeugung auch verwandtschaftlich ziemlich nahe steht, verhält sich im Prinzip ganz ebenso; die scheinbar ziemlich großen Abweichungen sind lediglich graduelle. Zusammenfassang. Die vorliegende Arbeit verfolgt den Zweck, an einem Beispiele zu zeigen, wie die zur Stütze einer vorgefaßten phylogenetischen Ansicht vorgebrachten Argumente sich oft bei genauerer Prüfung als hinfällig erweisen. Es handelt sich um die Lebermoosgattung 2Ionoclea, die bisher ganz allgemein in die Reihe der Jungermaniales, u. zw. in die Familie der Leptothecaceae gestellt wurde, von der aber Campbell und beson- ders Johnson neuerdings behaupten, daß sie in die Reihe der Mar- cliantiales gehöre. Dieser Fall ist insofern von größerem und allge- meinerem Interesse, da er die durch die gründlichen Arbeiten zahlreicher Forscher (von Hofmeister bis auf die neueste Zeit) fest begründete Grundanschauung über die Phylogenie der so wichtigen Gruppe der Hepaticae erschüttern möchte: der Auffassung nämlich, daß die Mar- cliantiales und Jungermaniales zwei ganz getrennte Entwicklungsreihen darstellen, die einen grundverschiedenen Weg in ihrer aufsteigenden Entwicklung des Gametophyten eingeschlagen haben; die erstere den innerer Differezierung in Gewebsysteme, die verschiedener Arbeits- teiluDg angepaßt sind, die letzteren durch äußere Ausgliederung. Campbell und seine Anhänger und Schüler lassen dem entgegen in ihren Schriften immer wieder die Ansicht durchleuchten, daß diese beiden Reihen durch allmähliche Zwischenglieder verknüpft seien. Ich will hier die von Campbell, Cavers, Johnson u. a. für die Zugehörigkeit von Monoclea angeführten Argumente der Reihe nach aufzählen und meine Gegenargumente kurz folgen lassen. I. Argument: „It is found that the thallus of Monoclea is like that of Marcliantiaceac in gross structure, in the mode of growth and branching, in the type of initial cells" (Johnson). 11* 156 Gegenargument: Unter allen Marcliantiales hat Monoclea in der Frons eine ganz äußerliche Ähnlichkeit nur mit Duniortiera, die aber unmöglich auf engere Verwandtschaft zurückzuführen ist, da Diimorticra eine der höchstorganisierten Marcliantiales ist, deren $ und cf Eeceptakeln strahlige Sproßsysterae darstellen, wovon bei Mono- clea keine Spur vorhanden ist. Luftkammerschichte und Ventralschuppen, welche beide für die 31arcJiantiales das wichtigste Charakterraerkmal sind (nur bei Dumor- tiera sind beide mehr weniger rudimentär), sind bei Monoclea niemals auch nur durch ein Eudiment angedeutet. Die Verzweigung von Mono- clea ist auch nicht mit der von JDumortiera übereinstimmend, indem die für diese so charakteristischen Ventralsprosse bei Monoclea nie vor- kommen. Die Frons der Marcliantiales wächst vermittels einer Kante von gleichwertigen Scbeitelzellen (vgl. Leitgeb u. a.), während Mono- clea eine einzige keilförmige Scheitelzelle besitzt. Während Monoclea alle für die Frons der Marcliantiales charak- teristischen Eigenschaften absolut fehlen, so stimmt sie in Habitus, Wuchs, Verzweigung, Bau, Scheitelzelle vollkommen überein mit anderen anacrogynen Jungermanieen. Sie besitzt auch die für letztere charakteristischen Schleimpapillen am Sproßscheitel und die bei einigen Gattungen vorkommenden mehrzelligen Keulenhaare (sogen. „Amphi- gastrien") an der Ventralseite, die beide sämtlichen Marcliantiales fehlen. 31onoclea besitzt in manchen Fronszellen große Ülkörper wie solche bei vielen Marcliantiales vorkommen; ganz gleiche finden sich aber auch bei der Jungermanieen-Gattung Treiihia. Die Beschaffenheit des Gametophyten von 3Ionoclea spricht also absolut nicht für deren Zugehörigkeit zu den Marcliantiales, sondern in allen Punkten für die engste Verwandtschaft mit den anakrogynen Jungermaniaceen. IL Argument: Ifowodea besitzt zweierlei Bhizoiden, von denen die einen sogen. „Zäpfchenrhizoiden" sind (Johnson). Gegenargument: Die längst bekannte Tatsache, daß Monoclea zweierlei Bhizoiden (dünne und dicke) besitzt, was sonst bei keiner anderen Jungermaniaceen-Gattung der Fall ist, läßt eine doppelte Er- klärung zu: entweder deutet es auf eine Abstammung aus der Marchan- tieenreihe oder ist es eine Anpassung an bestimmte uns unbekannte Verhältnisse. Da diese Frage gegenseitig weder nach der einen noch nach der anderen Seite auch nur einigermaßen sicher entschieden werden kann, so darf dieses Merkmal auch unter keiner Bedingung zu phylogenetischen Schlüssen mißbraucht werden. Unrichtig ist die Behauptung, daß die engen Rhizoideu von Monoclea „Zäpfchenrhizoiden" (eine für die Marcliantiales so charak- teristische Erscheinung!) seien. Es finden sich sehr sporadisch ein- zelne ganz unregelmäßige Wandverdickungen, aber ganz Gleiches zeigen auch die Rhizoiden aller von mir untersuchten Jungermaniaceen (vgl. die Textabbildung). IIL Argument: Die Entwicklung der Antheridien erfolgt (nach Johnson) bei Monoclea nach dem Typus der Marcliantiales. Gegenargument: Es hat sich zur Evidenz erwiesen (besonders durch die Arbeiten Leitgeb s), daß die Teiluugsfolgen in den Meri- 157 Sternen bei den Lebermoosen ganz allgemein keine phylogenetischen Anhaltspunkte bieten. Auch hat bereits Goebel nachgewiesen, daß zwischen den Typen der Entwicklung der Antheridien Obergänge vor- handen sind. IV. Argument: Das Archegon von Monodea hat im Halsteile sechs periphere Zellen (hexamer) wie die Marchantiales (Campbell). Gegenargument: Selbst Johnson gibt zu, daß dieses Ver- hältnis bei Monodea nicht konstant sei. Ich selbst fand bei der unter- suchten anakrogynen Jungermaniacee Symphyogyna, ja selbst bei LepJio- colea, pentamere und hexamere Archegonhälse! Dieses Merkmal ist also völlig bedeutungslos. V. Argument: Im Bau des Sporogons, hauptsächlich durch die ein- schichtige Kapselwand, stimmt Monodea mit den Mardiantiales überein. Gegenargument: Das Sporogon hat in Gestalt, Dehiszenz, der langen Seta nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit irgendeiner Mar- chantiale, wohl aber stimmt es in diesen Beziehungen mit den Junger- manieen (Fam. Leptothecäceae) und besonders (abgesehen von den ver- schiedenen Wandverdickungen der Wandzellen) mit den Haplomitriaceae überein. Johnson gibt an, daß die einschichtige Kapselwand nicht bei Jungermaniales, wohl aber bei Mardiantiales vorkommt, was un- richtig ist; Symphyogyna hat im entwickelten Zustande und die Haplo- mitriaceae haben stets einschichtige Kapselwand. Die mehr weniger angedeuteten apicalen und basalen „Elaterenträger" kommen auch in ganz gleicher Ausbildung bei gewissen Anacrogynen, wie bei diversen Mar- diantiales vor. Die ßeschafifenheit des Sporogons spricht also in allen Punkten gegen eine engere Verwandtschaft mit den Mardiantiales, sondern für die Zugehörigkeit zu den Anacrogynaceen. ^) VI. Argument: Monodea besitzt, wie gewisse Mardiantiales^ einen scharf begrenzten Antheridienstand (d" Beceptaculum), wie solches keiner einzigen Jungermaniee eigen ist. Gegenargument: Ersteres ist richtig, letzteres aber unrichtig, denn die auch sonst mit Monodea sehr ähnliche Gattung Makinoa besitzt im Prinzip ganz gleiche Antheridienstände (cT Receptaculuraj. Die unterschiede von denen von Monodea sind rein graduelle. Die kegelig verengte Form der Antheridienkammern und die dadurch be- dingte Form der Antheridien bei Monodea ist aus der größeren Teilungsintensität des Fronsgewebes zwischen den Kammern zu erklären und es bieten diese Merkmale sicher keine phylogenetischen Anhaltspunkte. Beschluß. Meine Untersuchungen haben, wie ich glaube, ein- wandfrei dargetan, daß alle Merkmale von Monodea, die als Beweis für ihre Zugehörigkeit zu den Mardiantiales angeführt worden sind, sich auch bei sicheren Jangermaniales finden. ^) 1) Anläßlich dieser Studien wurden u. a. folgende interessante morphologische Daten ermittelt: Die Calyptra von Monodea ist sehr dickfleischig und vielzell- schichtig, aber dennoch keine „Calyptra thalamogena", sondern ausschließlich aus dem Archegonbauche hervorgegangen. Die Seta besteht in der Jugend aus ungernein stark kollenchymatisch verdickten, auf dem Querschnitte überall fast gleich- artigen Zellen. ^) Eine Ausnahme macht bloß das Vorhandensein von zweierlei Ehizoiden, wobei aber nachgewiesen wurde, daß die dünnen Rhizoiden von Monodea keineswegs identisch sind mit den „Zäpfchenrhizoiden" der Mardiantiales. 158 Anderseits sind gerade die wichtigsten Merkmale von Monoclea, z. B. Beschafifenheit der Frons, gänzliches Fehlen des Assirailations- gewebes und der Ventralscbuppen, Vorhandensein von Schleirapapillen und Gliederhaaren (sogen. „Amphigastrien"). Form und Dehiszenz des Sporogons, für die anakrogynen Jungermaniales geradezu charakteristisch und den Marchantiales ganz und gar widersprechend. Es ist daher für jeden wirklichen Kenner der Hepaticae gar kein Zweifel möglich, daß Monoclea eine Jungermaniacee ist und daß die Zuweisung zu den Marchantiales eine verblüfiFeude, aber bei genauerer Einsicht gänzlich haltlose, phylogenetische Spekulation ist. Wenn wir nach der Stellung von Monoclea im System der Leber- moose fragen, so kann gar kein Zweifel sein, daß sie den Leptothecaceen anzureihen ist, wohin sie schon früher von mir gestellt worden ist. Vielleicht wäre es berechtigt, sie als eigene Familie abzutrennen, die zwischen den Leptothecaceen und Haplomitriaceen vermitteln würde, auf welche letzteren gewisse Eigentümlichkeiten des Sporophyten hindeuten. Damit wäre auch ein Anschluß der früher ganz isoliert dastehenden Haplomitriaceen gefunden, denn es war mir schon immer klar, daß diese mitden Codoniaceen gar keine engeren Beziehungen aufweisen (Sporogon- bau!), sondern nur eine ganz äußerliche Ähnlichkeit wegen der Blattbildung. Zum Schlüsse muß ich noch auf einen prinzipiellen Fehler in der Beweisführung für die Marchantiaceen-Natur von J/owoc^ea hinweisen, welcher allein genügen würde, um die ganze Argumentation hinfällig zu machen. Ausgegangen ist diese phylogenetische Idee von dem Vergleiche von Monoclea mit der äußerlich ähnlichen Dumortiera'^). Nun ist es aber auch Campbell und Johnson ohne weiteres klar gewesen, daß Monoclea mit einer so hoch stehenden Marchantiee unmöglich engere Beziehungen haben kann und sie wird von diesen Autoren ausdrücklich als eine primitive Marchantiee, bezeichnet und mit Targiona, Corsinia und Funicidaria verglichen-). Damit ist aber das gänzliche Fehlen des Assimilationsgewebes (Luftkammerschichte) und der Ventralschuppen absolut nicht in Einklang zu bringen. Das sind geradezu fundamentale Merkmale der ganzen Marchantieen-Reihe und ihr Fehlen bei Monoclea könnte nur entweder so erklärt werden, daß man diese als eine noch primitivere Form, als die niedersten Marchantiales (Riccia) auffaßt, was unmöglich ist, oder daß durch eine extreme Anpassung diese Merk- male bis zum gänzlichen Schwinden gebracht worden sind. Letzteres 1) Diese äußerliche Ähnlichkeit ist tatsächlich sehr groß, so daß selbst ein Hepaticologe von reicher Erfahrung wie F. IStephani (allerdings wohl ohne genauere Untersuchung) Dumortiera irrigua in Fauri, Hep. japon. als Monoclea Gottschei bestimmt hat, was hiemit korrigiert sein möge. -) Sie sind natürlich zu dieser Annahme gezwungen, wegen des an gewöhn- lichen Sprossen einzeln stehenden Sporogons. Mit diesem Vergleich sieht es aber sehr bös aus; Johnson bemüht sich die Homologie der Fruchthülle von Monoclea mit der zweiklappigen Hülle von Targionia und den 9 Deckschuppen von Corsinia und Funictilaria glaublich zu machen und kommt dann zu folgendem Schlüsse: „but the most important character which Monoclea has in common with Corsinia, as well as with the other genera mentioned, is the development of the archegonia on an unspecialized portion of the thallus" (1. c, p. 200). Das ist aber doch gerade ein Merkmal, das Monoclea mit allen anakrogynen Jungerm. gemeinsam hat und die vollkommene Homologie ihrer Fruchthülle mit der von Pellia, Makinoa etc. bedarf auch keines Wortes der Verteidigung. 159 scheint die Auffassung von Campbell und Johnson zu sein, denn sie erklären fast alles, was absolut nicht auf die Marchantiales stimmt, als Anpassung an das „peculiar habitat" resp. an die subaquatische Lebensweise. Daß letzteres unmöglich richtig sein kann, habe ich schon früher nachgewiesen, auch zeigen wirklich aquatische, primitive Formen der Marchantiales^ wie z. B. Riccia fluitans und liicciocarpus natatis eiü wohl entwickeltes Luftkammergewebe resp. auch sehr mächtige Tentralschuppen. Eine so hochgradige Anpassung, welche gerade die fundamentalsten Merkmale zum gänzl ichen Verschwinden bringt, wäre überhaupt nur denkbar bei einer höchstgradig abgeleiteten Form, ist aber völlig ausgeschlossen bei einer primitiven Form. Die ungarisch -österreichische Flora des Carl Clusius vom Jahre 1583. Von Dr. Hermann Christ (Basel). (Schluß. 1) III. Orientalische Einführungen. Außer seiner einheimischen Flora verbreitet sich nun Clusius, im Anschluß an deren Genera, über eine stattliche Menge eingeführter Pflanzen, und seine Ausführungen sind um so wichtiger, als gerade damals lind nicht zum geringsten Teil durch die Tätigkeit des Clusius, eine wahre Einwanderung so vieler Blumen und Bäume aus dem Orient über Konstantinopel stattfand, welche jetzt noch den eisernen Bestand unserer Gärten bilden. Seit den Kreuzzügen sind jedenfalls nie so viel exotische Gewächse lebend nach Wien und über Wien nach Belgien und weiter- hin eingeführt worden als gerade damals, und es ist das hohe Verdienst des Clusius, uns so genaue Nachricht über diese Einführungen gegeben zu haben. Die Kapitel namentlich der Tulpen, Lilien, Anemonen und Iris hat er geradezu monographisch behandelt. Daß unter einem Kaiser, wie Rudolf JL, der sich um das Reich sehr wenig, um so mehr aber um seine Liebhabereien: Astronomie (Kepler und Tycho de Braho waren seine Hofastronomen) und Sammlungen aller Art, auch um die Pflanzen- welt bekümmerte, sich die Gärten von Wien bereicherten, ist weniger merkwürdig, als daß in Konstantinopel unter Sultanen wie dem schreck- lichen Soli man II, und während der beständig tobenden Kriege gegen L^ngarn und Österreich die Gartenkunst und die Kultur einer Masse asiatischer Blumen, besonders Zwiebelpflanzen und Anemonen, blühte. Günstig war es nun, daß zu Clusius' Zeit das Personal der kaiserlichen Gesandtschaft in Konstantinopel zu großem Teil aus ihm befreundeten Niederländern bestand, die teils ihm direkt, teils den Hofherren in Wien immer neue Sendungen von Zwiebeln und lebenden Gewächsen machten. Über diese Einführungen hat nun Clusius in der pannonischen Flora genau Buch geführt. Diese Gesandtschaftsmitglieder waren namentlich David üngnad v. Sonneck, Philibert de Bruxelles, Stephan v. Hansen, Carl Rym, deEeckebecke und andere. Die Gartenbesitzer 1) Vgl. Nr. 3, S. 131. 160 Wiens, welche die Gaben dieser Herren empfingen, waren Wolfgang Christoph V. Entzestorf, Hofmarschall Paul v. Trautzon, Frau v. Heijsen- stein u. a. Dies bekundet einen regen Verkehr und einen aufgeschlossenen Sinn für die Wissenschaft, wie man ihn in jener trüben Zeit, wo der Kammerdiener Lang und der Kardinal Klesl das Reich regierten, nicht erwarten durfte. Von diesen Erwerbungen der europäischen GartenÜora aus der Türkei heben wir folgende hervor: Den Laurocerasus S. 2 (der Name rührt von Bellonhis her) führt dieser Orientreisende des 16. Jahrhundert von Trapezunt au, glaubt auch, ihn im Garten des Fürsten Doria in Genua gesehen zu haben, aber erst 1574 kamen trockene Früchte davon nach Wien, und 1576 sandte der kaiserliche Gesandte in Konstantinopel, David Ungnad, den Strauch lebend an Clusius, unter Angabe des türkischen Namens Trabison Kuzmosi-Dattel von Trapezunt. Im Jahre 1583 blühte dann ein Exemplar in einem Topfe bei Dr. Aicholtz, wovon Clusius im Anhang S. 2 einen Zweig abbildet. Die Castanea equina (Aesculus) hat zwar schon der Amtsvorgänger des Clusius, Matthiolus, beschrieben, aber da Clusius den Baum lebend beobachtete, was bisher noch nie der Fall war, schildert er ihn ausführlich, namentlich auch die große, mit einem fetten, klebrigen Saft bedeckte Knospe, an welcher Mücken und andere Insekten hängen bleiben. Die Blüte ist ihm noch unbekannt, dagegen erhielt er 1581 die Frucht aus Konstantinopel. Den Alten ist nach Clusius der Baum un- bekannt geblieben. Die Türken nennen ihn at ceestanesi = Roßkastanien und heilen mit der Frucht dämpfige und hustende Pferde. Auch die Platanus hat Clusius gleichzeitig mit dem Kirschlorbeer und der Roßkastanie aus der Türkei erhalten. Für die Beschreibung verweist er auf die älteren Autoren. Nun die Tulpen. Clusius teilt die Gartentulpen ein in zwei Genera: 1. Praecoces, 2. Serotinae, zwischen denen eine Mittelform: Diibiae auftritt. In den Stirp. Hisp., Append. 510 (1576), sagt Clusius, die Praecoces und Serotinae seien nicht durch die Gestalt, sondern nur durch die Blütezeit verschieden. In den Stirp. Pannon. 145 behandelt er sie jedoch als Genera primaria, als besondere Spezies. Erstere sind die kleinen, frühblühenden Formen, im allgemeinen wohl der T. praecox Ten. nicht unähnlich, wie sie noch wild im medi- terranen Gebiete vorkommt. Die Serotinae sind spätblühend, viel größer, eine Elle bis drei Fuß hoch, öfter ästig, Blüte länglich, Blatt fester, Kapsel dicker, Samen und Zwiebeln größer, im übrigen den Praecoces gleich. Offenbar bilden die serotinae das, was wir heute mehr oder weniger unter T. Gesneriana verstehen. Innerhalb dieser zwei Gruppen bringt nun Clusius seine Formen nach Merkmalen der Farbe und Zeichnung der Sepalen unter. I. Praecoces. Von einfarbigen nennt und beschreibt er 1. gelbe, 2. rote, von denen einige die bei vielen wilden Tulpen gewöhnlichen gelben Nagelflecke mit schwarzem Zentrum haben, 3. weiße, 4. purpurne bis violette. 161 Unter 5. kommt er dann auf die Variae, die gescheckte oder wechselnde Farben zeigen. Er ordnet sie nach den Hauptfarben a) gelb, in 8 verschiedenen Modifikationen, von denen er sagt, daß einige an- fangs ganz gelb sind und erst am 4. oder 5. Tage rot gescheckt werden, b) Rot in ebenfalls 8 Formen, c) Weiß, wiederum mit 8 Abänderungen, d) Purpur in 9 Formen: Alle so genau beschrieben, daß man sie bei- nahe heute nachmalen könnte. Bekanntlich gibt es Stellen, wo solche Tulpen heute in verwirrender Farbenvarietät noch wild vorkommen: so bei Florenz, in der Maurienne etc. (vergi. Solms-Laubach, Weizen und Tulpen 1898). Es wäre der Mühe wert, diese mit den Formen des Clusius zu konfrontieren. //. Serotinae. Hier ist die Verschiedenheit der Farben weniger groß : wesentlich nennt er nur zwei : gelbe und rote. Die Serotina rubra fällt nach Clusius Beschreibung 164 mit der T. ociUus Solis St. Am., so wie sie haute noch neben der kleineren, in allen Teilen breitereu. stumpferen T. praecoa: bei Florenz vorkommt, genau zusammen. Ol usiu s beschreibt sehr genau die zweifarbige Zeichnung des Nagels der Sepala und fügt den Vulgärnamen Ochio di sole, hoc est solis oculus bei. Buhiae. Diese schwanken zwischen beiden Hauptkategorien; von kleineren Formen zählt Clausius drei, von größeren eine auf. Über seine Aussaatversuche meldet uns Clusius folgendes: Sehr wenige der Sämlinge ergeben die Farbe der Mutterpflanze, sondern die meisten gehen, namentlich bei den Praecoces, in verschiedene Farben über, degenerieren auch oft ins gelbe. Namenthch ergeben die weißen ganz ausgezeichnete Verschiedenheit im Kolorit. „Samen derselben Kapsel, von mir selbst gesammelt und gleichzeitig der Erde übergeben, haben im nächsten Frühling einige Pflänzchen ergeben, die nach dem 5. bis 10. Jahre (denn manche entwickeln sich rascher als andere) weiße, weiß- gescheckte, gelbe, gelbgescheckte, rote, rotgescheckte und purpurne und purpurgescheckte Tulpen ergaben." Sehade, daß Clusius noch nicht die exakte Methode Gregor Mendels anzuwenden wußte! Bei den Serotinae pflegen die Sämlinge die Farbe der Mutter zu bewahren, höchstens daß, wenn sie überhaupt eine „Mutatio" erwerben, diese sich am Nagel der Sepalen oder den Staubfäden äußert. Klingt diese erworbene Mutatio in diesem Zusammenhang nicht wie eine Ahnung heutiger Theorien? Im Anhang zur Pannonischen Flora teilt Clusius das Resultat neuer Aussaaten von 1575 und 1576 mit, deren Samen ihm Augerius v. Bousbeque aus Konstantinopel gesandt hatte. Die Verschiedenheit der Farben war eine erstaunliche, weitaus die Mehrzahl den Praecoces an- gehörig, aber doch auch einige, welche in bezug auf Blütezeit und Größe den Serotinae oder den Dubiae nahe standen, welche aber Clusius doch wegen der bunten Farben von den Praecoces nicht trennen will, da er die Serotinae für viel farbenbeständiger hält, indem ihm sowohl die roten als die gelben in der Aussaat wiederum Tulpen gleicher Farbe und nie bunte gaben; höchstens ergab etwa eine rote eine gelbe und umgekehrt, oder es zeigten sich bei der Aussaat von Serotinae und Dubiae abgeblaßte, trüb und grünlichgelbe bis weißliche oder dann trübe rote Formen. 162 Schade, daß Clusius bei seinen Tulpenstudieu fast ausschließlich auf die Farbe geachtet und nicht anderwehige Unterschiede eben so konsequent verfolgt hat. Von den Praecoces ist die rote und die weiße die fruchtbarste, von allen aber am meisten die rote Serotina, die schon im 2. Jahre, ehe sie zu blühen beginnt, Brutzwiebeln macht, während die Zwiebel tief in die Erde sich senkrecht hinabsenkt. In der alten Zwiebelhülle bleibt danu etwas lebender Substanz, die in eine neue Zwiebel auswächst und so fort, so daß jemand, der sorg- fältig zwei oder drei solcher Brutzwiebeln ausgräbt, indem er die Reste der allen Hüllen verfolgt, eine Kette zusammenhängender Zwiebeln nach- weisen kann, die alle der ersten entstammen. Die Gartentulpen pflegen jung und vor der Blüte alle Jahre mehr in die Tiefe zu sinken, während die wilden Arten vor der Blüte nicht in die Tiefe, sondern seitwärts und schief an langen Fäden ihre Brut verbreiten. „Ich erinnere mich, aus einer in der Achsel des untersten Blattes entstandenen Brutzwiebel (Bild 167), dieselbe P^arbe wie die Mutterpflanze erhalten zu haben; dasselbe ist bei allen Brutzwiebeln der Fall." Der Stengel pflegt mitten aus der Zwiebel hervorzukommen. Wenn man aber, nachdem er bereits verwelkt ist, die Zwiebel ausgräbt, so sieht man, daß er an der Seite der Zwiebel entstanden ist, während die neue Zwiebel allmählig heranwächst und den Saft der ganzen Pflanze an sich zieht. Diese Zeit ist die richtige zur Verpflanzung. Alle Tulpen, ehe sie blühen, sind stengellos und tragen nur ein Blatt. Wenn ein zweites eiugerollt sich zeigt, ist Hofifnung, daß die Pflanze in diesem Jahr zur Blüte kommt. Auch der starke Filzbelag der Innenseite der Zwiebelhülle ist Ol US i US nicht entgangen: er deutet ihn als weiches Lager der Zwiebel selbst. Diese meisterhafte Arbeit schließt Clusius mit der Anekdote, daß vor einigen Jahren ein Antwerpener Kaufmann vielleicht über die im übrigen unbekannten medizinischen Eigenschaften der Tulpenzwiebeln hätte Auskunft geben können: Er erhielt solche von Konstantinopel mit einer Ladung Baumwolltuch; er hielt_ sie für Speisezwiebeln und aß einen Teil davon geröstet mit Essig und Öl als Salat. Der Rest, den er weg- warf, ergab dann dem sie rettenden Herrn Georg Rye von Mecheln die schönsten Tulpen. Ob und wie sich dies rege Interesse für Tulpen schließlich zu dem großen Tulpenschwindel in Holland in den Dreißiger- jahren des 17. Jahrhunderts auswuchs, darüber vergl. Sol ms- Lau- bach, a. a. 0. NarcissKS persicus =^ Sternbergia lutea erhielt Olusius aus Kon- stantinopel von Philipp de Bruxelles 1575, und noch immer taucht diese Herbstblüte hie und da in unseren älteren Gärten auf. Auch einen großblütigen orientalischen Galanthus (S. 183) erhielt er von da, der im März 1583 blühte. Ornithogalum arabicum kam aus gleicher Quelle zuerst nach Bel- gien, dann nach Wien, wo er 1580 zur Blüte kam und auch noch, aber selten, als Gartenpflanze vorkommt. IG3 Uyacinthiis comosus Byzantlnus 195 blute im gleichen Jahr und scheint eine weiße Bellevalia zu sein. Rätseihaft bleibt auch der. schon in der spanischen Flora aus- führlich behandelte und abgebildete, blau blühende Bulbus eriopliorus, von dem Olusius bei seinem Freunde Aicholtz ein aus der Türkei durch Philibert de Bruxelles mitgebrachtes Exemplar in Blüte sah. Clusius behauptet, die Zwiebelschuppen seien mit so dichter Wolle be- kleidet, daß sie zu Faden verarbeitet werden können ? Schon vor vielen Jahren ist durch Cortusus aus Padua nach Belgien als Tibcadi gesandt worden Muscarl (M. moschatum), angeblich aus Gärten jenseits des Bosporus stammend. „Aus Konstantinopel kommt «s als Muscari, Muschoromi oder Muscurimi", ein Name der auch in Musaeus Märchen wiederkehrt. Die herrlich duftende Pflanzeist wohl heute in den Gärten sehr selten geworden? Gefüllte Tazetten 174 kamen schon 1575 nach Wien. Von den zwei aus dem Orient eingeführten Allium ist 210 A. ophioscorodon, das nach Auger. de Bousbeque bei den Türken das beliebteste sei. 208 scheint einigermaßen mit A. ascalonicum zu stimmen. Es fällt auf, daß Clusius diese Laucharten als neue Erwerbungen anführt. Crocus Moesiacus hat Stefan v. Hausen auf einer Rückreise von Konstantinopel in Serbien oberhalb Belgrad 1579 gefunden und eingeführt, eine heute noch allgemein gehegte Pflanze. Iris susiana ist vor Weihnachten 1573 durch den Gesandten Augerius de Bousbeque zum erstenmal nach Wien gebracht worden, aber die meisten Versuche, sie zu vervielfältigen, schlugen fehl, während sie in Belgien zur Blüte gebracht wurde. lianunculus asiaticus kam dem Clusius 1580 durch den Herrn Chr. V. Entzesdorf zu, welcher eine Zeichnung nach Konstantinopel gesandt hatte, damit man dort wisse, welche Pflanze verlangt werde. Mehr konnte man wahrlich im Interesse des Hofbotauikers nicht tun. Aber Clusius hatte damit kein Glück; ein Hausdieb, der seinen Garten all seiner Zier beraubte, hat ihm auch den ersehnten Ranunkel bis auf zwei Pflänzlein geraubt, von denen nur eines zur Blüte kam. Bild 375. Ein ungefülltes Exemplar ist als Taraholos Catamer, Ranunkel von Tripolis, 376 abgebildet. Eine ganze Monographie einfacher und gefüllter Gartenanemonen {A. coronaria, A. fulgens, A. stellata) von 9 Seiten und mit 4 Bildern, deren Einführungsgeschichte — sie stammen mit einer spanischen Aus- nahme sämtlich aus der Türkei — mit diplomatischer Genauigkeit erörtert ist und die schon in der spanischen Flora, S. 306, ihren Anfang nahm, wollen wir dem Spezialisten überlassen. Mit heißem Bemühen und hoher Bewunderung setzt Clusius in der Pannon. Flora, S. 395, seine Studien über Admirabilis Beriianormn (Mirabilis Jalapa) fort, die er schon in seiner Schrift: Notae in Garciae aromat. Antwerp. 1582 begonnen hat. Die regellose Buntscheckigkeit der Blüten wird von ihm aufs genaueste beschrieben. Er faßt die gescheckte Pflanze als den Typus und zwei Formen : II unicolor rubra und III Jasmin rosso, beide einfarbig rot, als Ab- änderungen auf und hält dafür, daß wenigstens H aus dem Samen des Typus erwachsen sei. Der Same sei aus Peru, wo die Pflanze Hachalindi, 164 mit rauher Aspiration, genannt werde, nach Spanien gekommen. Bei den Mulierculae von Wien, die von ihr entzückt sind, heißt sie geschecket indianische Blumen und A. Cortusus in Padua gebraucht sie als eine, das Wasser trefflich ausführende Arznei. Vor 50 Jahren war die interessante Nyctaginee noch bei uns in Gärten zu sehen. Anhang: Aus dem Nachlaß des C. Clusius. Nach dem am 17. April 1609 in Leyden erfolgten Tode des Carl Clusius gab 1611 sein Antwerpener Freund und Verleger, der Buch- drucker Rapheleng, der Nachfolger des Christoph Plant in, eine Sammlung nachgelassener Notizen in einem Quartheft von 134 Seiten mit Holzschnitten heraus unter dem Titel : Caroli Clusii Atrebatis Curae posteriores. Sie enthalten gegen 100 Pflanzenarten, die teils neu be- schrieben sind, teils unter Bezugnahme auf die bereits in den Werken des Clusius abgehandelten Arten Verbesserungen und Berichtigungen erfahren. Besonders interessieren uns die vielen Korrespondenten, mit denen Clusius bis an sein Ende in Verkehr stand und die für den allge- meinen Eifer sprechen, den Clusius in ganz Europa für seine Studien zu wecken wußte. Gewidmet ist die posthume Publikation dem Freunde des Clusius, Matthaeus Caccini, einem adeligen Florentiner, der schon vier Jahre lang die Botanik pflegte, einen auserlesenen Garten unterhielt und dem Clusius sehr viele Seltenheiten, namenthch Zwiebelpflanzen aus Kon- stantinopel und Abbildungen blühender Exemplare, so einer Hyacinthe mit beblättertem Schaft, p. 37, zusandte. Johann Dortmannus, Apotheker aus Grönigen, sandte ihm Ab- bildungen dreier damals neuer Arten der dortigen Flora: Saxifraga hircidus (Icon., p. 11, nicht besonders gut, aber die Frucht ist richtig), Trifolium fragiferum (Icon., p. 73} und „Gladioliis palustris" (Icon., p. 74) oder nach heutiger Terminologie Lohelia Dortmanna, deren hohle Blätter gut beschrieben sind. Ferner genannt sind Joachim Venerius von Bordeaux, die Ge- brüder Joh. Theod. und Joh. Israel de Bry in Frankfurt, Wilhelm Parduyn und Joh. Somer aus Middelburg in Walcheren, die ihm Iris aus Mauretanien brachten, der Arzt Dr. Augerius Clutius, der aus Libyen ebenfalls Iris mitnahm und aus Malaga das schöne Limonium Bamvolflanum (Icon., p. 63), unsere Statice sinuata. Nicolaus Fabricius de Peiresc, Mitglied des Parlaments von Aix, schickte eine Abbildung des Astragalus Massiliensis (Icon., p. 112) und Petrus Gassamas, Enkel des Christoph Plantin, der oberhalb Toulouse wohnte, eine Menge vielfarbiger, knolliger Iris aus den Pyrenäen. Besonders hervor- gehoben wird der Kapuziner-Pater Gregorius de Reggio in Innsbruck, der 1608 dem Clusius ein ganzes Herbarium von Alpenpflanzen sandte, u.a. Frimiila glutinosa (Icon., p. 58) = Aiiricula Ursi octava, reposita nimirum inter Chartas cum aliis plantis alpinis e Tyrolensibus istis montibus erutis ab illo reverendo patre, dabei auch Pyramidalis Patris Gregorii da Reggio (Icon., p. 68, aber schlecht), welche wohl Cam- panida elatinoides von Brixen darstellt. Dieser Pater fand auch in Tirol ein Botrychium {Lunariae spec. seu Ophrgs, p. 65), welches gar 165 wohl das B. simplex Hitchk. sein köonte: Pater Gregorius istic obser- vabat purailum et tenellura quoddara plantae quam Ophrin vocant genus, cui sane ante siraile conspieere nou meraini. Bekanntlich hat schon in den Stirp. Pannon.. p. 511, Clusius das Botrychium Matricariae aus Schlesien als Lunaria minor ramosa gut abgebildet. Besonders interessieren uns aber die zahlreichen Rhizotorai, eigent- liche Hausierer mit seltenen, lebenden Pflanzen für die Gärten besonders der Niederländer, ein Gewerbe, das damals blühte und uns den höchsten Begriff von dem Flor gibt, in welchem die Kultur schöner und rarer, besonders Zwiebelpflanzen stand. Unter vielen dieser Bhizotomi Galli — es scheinen alle Franzosen gewesen zu sein — wird besonders genannt der Pariser Nieolaus de Quelt, der 1606 und 1608 Mengen von Iris, Scilla, Narcissus, Cyclamen, Eriophorum (= Scilla, besonders Peru- viana), Fritillaria aus den Pyrenäen, Spanien. Portugal, Italien, Nord- afrika sammelte und anbot, am meisten aber Gulielmus Boelius, der aus Spanien z. B. die Viola arhorescens mitbrachte. Namentlich ent- nahm Clusius den Körben (Sportulae) dieser Händler viel trockene Fragmente von Seltenheiten. Als Kunden dieser Vorläufer der heutigen Versandgeschäfte alpiner und orientalischer Pflanzen nennt Clusius den Christian Porretus, Apotheker in Leyden, die Frau v. Matenesse, den John Hoghelaudus, den Simon Touar und sich selbst. Einmal erschienen drei solcher Händler auf einmal. Aus den Körben des Boelius erhielt Clusius auch „Amourettes tremblantes", ein Gramen tremula panicula in zwei Arten, eine weiß- lich, die andere rauchgrau, vielleicht Eragrostis- Arten. Aber auch die Niederländer Schiffer brachten reichlich Exemplare oder doch Albums mit, in denen sie Pflanzen nach dem Leben abgemalt hatten. So verdankte Clusius einem aus Brasilien zurückkehrenden Joh. van üfele treffliche Bilder des männlichen und des weiblichen Carica Pa^a^/a -Baumes (Mamoera mas et femina, p. 78 und 80) und diesmal irrt sich Clusius im Geschlechte nicht. Nekrologie des C. Clusius. Biographische Notizen über Clusius geben, und zwar recht ein- gehende, die zwei Schriften; 1. des Boisardus im II. Teil der Icones virorum illustrium, die aber nur bis 1593 reicht, 2. die sehr stilvolle akademische Oratio funebris des Professors der Medizin und Rektors der Akademie von Leyden, Everardus Vorstius, die nach dem Be- gräbnis von Clusius in der Akademie am 7. April 1609 gehalten wurde. Ich entnehme diesen beiden Dokumenten folgendes: Die Eltern von Carl Clusius, geboren am 26. Februar 1526 in Arras, sind Michael de l'Escluse, Herr zu Watenes, Mitglied des Provinzialrates, und Wilhelmine Quineaut. Nach der ersten Schulzeit in der Vaterstadt kam der Knabe für zwei Jahre nach Gent und 1546 zum Studium der Rechte nach Löwen, wo er drei Jahre zubrachte und sich schon einen Namen machte. 22 .Jahre alt. ging er auf Reisen nach Deutschland, hielt sich in Marburg auf, wo er den damals berühmtesten Juristen Oldendorp hörte und mit dem Theologen Andr. Hyperius sich befreundete. Auf dessen Rat zog er nach einem Jahre nach Wittenberg, hauptsächlich um Philipp Melanchthon kennen zu lernen, 166 der als das Orakel der Wissenschaft in deutsehen Landen galt. Um das Jahr 1550 zog er über P>ankfurt, Straßburg, durch die Schweiz und die Waadt nach Lyon und Montpellier, wo er drei Jahre blieb und von dem berühmten Arzt Guilelmus Rondeletius als Wohn- und Tisch- genosse aufgenommen wurde. Hier zuerst erfaßte ihn die Liebe zur Medizin und Pflanzenkunde, so daß er die Jurisprudenz aufgab. „Über alles Maß der Botanik ergeben", durchforschte er das ganze Narbon- nesische Gallien, schenkte aber auch der Lage, den Altertümern, den Sitten des Volkes seine Aufmerksamkeit. Daselbst befreundete er sich „mit dem Fürsten der Dichter Deutschlands, Peter Lotich ing, der ihm Verse widmete". Hier auch erlangte er den Grad des Lizenziaten in der Heilkunde. Wegen des Krieges zwischen Karl V. und Heinrich H. von Frankreich von seinem Vater zurückberufen, reiste er nun über Lyon nach Genf, wo er ein halbes Jahr „apud Allobrogos" verweilte» kam wiederum nach Basel, wo er von der Fakultät mit den ausgesuch- testen Ehren empfangen wurde, schifiFte den ßhein hinab nach Köln und kam von da nach Antwerpen. Von 1555 — 1563 brachte er in den Niederlanden zu, außer daß er zwei Jahre in Paris sich aufhielt. Er übersetzte die von Donatus Acciaiolus lateinisch geschriebenen Leben des Hannibal und des Scipio ins Französische, auch die Geschichte der Pflanzen des Dodonaeus. Da die Umstände einer Reise nach Italien, wohin es ihn am meisten zog, nicht günstig waren, ging er nach Augsburg und von da im Geleite der Gebrüder Fugger durch Belgien und das westliche Frankreich nach Spanien, das er gründlich bereiste und während eines Jahres von den Pyrenäen bis an die Meer- enge von Cadiz erforschte. In Lissabon fielen ihm von ungefähr die portugiesisch geschriebenen Dialoge des Gar^ias ab Orto über die Gewürze Indiens in die Hände, die er ins Latein übertrug, mit Noten versah und 1564 bei Gh. Plantin in Antwerpen herausgab; er fügte auch die Übersetzung der Heilmittel der Neuen Welt aus dem Spanischen des Sevillaner Arztes Nikolaus Monardes bei. 1565 war er in Belgien zurück und blieb da, umgeben von treflflichen Freunden: Boysott, Brancion, Gebr. Laurin, Plantin, Bapheleng u. a. bis 1570. 1571 zog er über Paris und Calais nach England. Nach seiner Rück- kehr 1573 erging an ihn der ehrenvolle Ruf des Kaisers Max II. nach Wien als kaiserlicher Hofrat und Direktor des kaiserlichen Gartens, welches Amt er 14 Jahre lang sowohl unter Max als dessen Sohn Rudolf II. bekleidete. Unablässig bereiste er von Wien aus die Gebirge Österreichs und Ungarns und gab hier sowohl seine Stirp. Hispan. 1576 als die Stirp. Pannon. 1583 heraus. Am gleichen Hofe lebten seine Freunde Joh. Sambucus, Jul. Alexandrinus, Crato Dodonaeus, auch war er intim mit den ungarischen Magnaten Graf Serotin und Baron Batthyan. Von Wien aus machte er eine zweite Reise nach England, we er den Umgang mit Philipp Sidney und Francis Drake genoß, der sowie seine Schiflfsgenossen ihm viele exotische Seltenheiten verehrten. Des Hoflebens müde, siedelte Olusius 1587 nach Frankfurt a. M. über, wo er sechs Jahre zurückgezogen lebte, oft zu Besuch bei dem Landgrafen Wilhelm von Hessen, der ihn durch ein Jahresgehalt ehrte. Hier übersetzte er aus dem Französischen die Observationes des 167 P. Bellonius über den Orient und gab sie 1589 heraus. 1603 wurde er, schon 77 Jahre ah, von den Generalstaaten an die Akademie nach Leyden berufen, wo er täghch Vorlesungen hielt und alle seine Werke in zwei Foliobänden zusammenzog: Histor. rariorura Plantarum und Exot. Glusius starb am 4. April 1609, 84 Jahre alt, unverheiratet, hoch geschätzt wegen seiner Charaktereigenschaften. Er war von phänomenalem Fleiß, fromm, wohltätig; er überließ — ein seltenes Beispiel — seinem jüngeren Bruder sein Majorat Watenes; er war von unglaublicher Ruhe und Heiterkeit des Geistes: unam eandemque per- petuo preraente viam. Gegen Ende seines Lebens waren Jos. Scaliger und Vincentius Pinellus seine nächsten Freunde, und doch war bei einem so tätigen Leben seine Gesundheit von Jugend an schwankend und nicht blühend und die Biographen zählen genau alle seine zahl- reichen Unfälle auf, die ihm das ßeisen beschwerlich machten: Ganz jung litt er mehrere Jahre lang beständig an Fiebern, 24 Jahre alt hatte er Wassersucht, von der ihn Rondelet kurierte. Bei Gibraltar fiel er vom Pferde und brach den rechten Arm über dem Ellenbogen sowie auch das rechte Bein. In Wien erlitt er, 55 Jahre alt, die Luxa- tion des linken Beines und einen Knöcheibruch. In Frankfurt verrenkte er das rechte Hüftgelenk und blieb lahm, so daß er sich zweier Krücken bedienen mußte und vom vielen unbeweglichen Sitzen und Liegen sich Stein- und Bruchleiden einstellten. Aber sein Gesicht blieb, gleich seinem Geist, bis zum Tode scharf. Nicht weniger als 16 dichterische Nachrufe sind der Leichenrede des Rektors beigedruckt, wovon zwei in griechischen, die anderen in lateinischen Versen. Verzeichnis der von mir gemachten Angaben zur Systematik und Synonymie der Pilze. Von Prof. Dr. Franz von Höhnel (Wien). y orbcmerkuiigen . Im Laufe meiner nunmehr zwölfjährigen Tätigkeit auf dem Gebiete der speziellen Mykologie habe ich eine große Menge von systematischen und synonymischen Tatsachen festgestellt, die zum Teile noch der Ver- öffentlichung harren, zum Teile in meinen 53 Publikationen enthalten sind. Da letztere an neun verschiedenen Orten zur Veröffentlichung kamen, ist die Auffindung der gemachten Angaben selbst für den Kenner meiner Arbeiten mit Schwierigkeiten und Umständlichkeiten ver- bunden, weshalb eine Zusammenstellung der weseuthchsten derselben nicht nur von Nutzen sein wird, sondern geradezu zu einer Notwendigkeit geworden ist. Dies ist umsomehr der Fall, als der größere Teil derselben in den bisher erschienenen Bänden von Saccardo's Sylloge E'ungorum nicht aufgenommen würde und auch in den weiter erscheinenden Bänden dieses Sammelwerkes nicht erscheinen wird. Daher ist diese Pubhkation eine notwendige Ergänzung der Sylloge Fungorum. Die nachfolgende Zusammenstellung enthält (I.) ein vollständiges Verzeichnis meiner Arbeiten mit Angabe des Publikationsortes, dann (IL) 168 eine alphabetische Aufzählung der giltigen Namen der Arten und Gattungen mit fortlaufender Nuramerierung und endlich (III.) einen Syno- iiyroen-Index, dessen Nummern angeben, zur welcher Art oder Gattung der betreffende Name gehört. Noch bemerke ich, daß die Arbeiten über die Corticieen gemein- schaftliche mit meinem früheren Assistenten Professor Viktor Lit- schauer in Innsbruck sind und jene über die Nectriaceen zusammen mit meinem jetzigen Assistenten Herrn Josef Weese verfaßt wurden. 1. Verzeichnis der zitierten Publikationen. I. Fragmente zur Mykologie, I. Sitzb. Ak. Wien. 1902, CXL, 1., p. 987—1056. II. Betreffend Diplodina roseopTiaea v. H. Hedw., XLIL, 1903, p. (233). III. Über einige Ramularien auf Doldengewächsen. Hedw., XLIL, 1903, p. (176—178). IV. Mykologische Irrtumsquellen. Hedw., XLIL, 1903, p. (185—188). V. Mykologische Fragmente, I— XXVII. Annal. Mycol., L, 1903, p. 391—414. VI. Mykologische Fragmente, XXVIII— XLI. Annal. Mycol., L, 1903 521-535. VIL Mykologische Fragmente, XLII— LXIX. Annal. Mycol., IL, 1904, p. 37—60. VIII. Über Myxosporium Tulasnei, Myxolibertella und Sporodiniopsis. Annal. Mycol, IL, 1904, p. 247—249. IX. Mykologische Fragmente, LXX— LXXV. Annal. Mycol., IL, 1904, p. 271-277. X. Zur Kenntnis einiger Fadenpilze. Hedw., XLIIL. 1904, p. 295—299. XL Mykologisches. I— XV. Ost. bot. Zeitschr., LIV., 1904, p. 425—439, LV., 1905, p. 13—24, 51—55. 97—101, 186—189. XIL Mykologische Fragmente, LXXVL Annal. Mycol., III., 1905, p. 187—190. XIIL Mykologische Fragmente, LXXVII— XCVH. Annal. Mycol., IIL, 1905 p. 323 339. XIV. Mykologische Fragmente, XOVIII— CV. Annal. Mycol, IIL, 1905, p. 402—409. XV. Mykologische Fragmente, CVI— CXVIL Annal. Mycol, IIL, 1905, p. 548—560. XVI. Revision der Corticieen in Dr. J. Schröters „Pilze Schlesiens" nach seinen Herbarexeraplaren. Annal. Mycol, IV., 1906, p. 288—294. XVII. Fragmente zur Mykologie, IL Sitzb. Ak. Wien, 1906, CXV., 1., p. 649—695. XVIII. Index zu M. Britzelraayrs Hymenomyceten-Arbeiten, XXXVII. Ber. d. naturw. Ver. für Schwaben u. Neuburg, Augsburg, 1906, p. 1. XIX. Revision von 292 der von J. Feltgen aufgestellten Ascomyceten- formen auf Grund der Originalexemplare. Sitzb. Ak. Wien. 1906, CXV., 1., p. 1149-1327. XX. Pilze in Ergebnisse einer naturwissenschafüichen Reise zumErdschias- Dagh (Kleinasien), ausgeführt von Dr. Arnold Penther und 169 Dr. Emerich Zederbauer. Aiinal. d. k. k. Naturhist. Hofinus., XX, 4, 1905, p. 1—6. XXI. Beiträge zur Kenntois der Corticieeu. Sitzb. Äk. Wien. 1906., OXV., 1., p. 1549—1620. XXII. Mykologisches, XVI. O